Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 10 (8.3.1912)
- Date
- 1912-03-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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matt iss Dr. Blochs Wochenschrfft Nr. 10 MWiedsfest für Dr. Bloch. Nero York, 22. Februar 1912. Nach zweimonatlichem Aufenthalte in Amerika verließ Dr. Bloch Newyork, um seine Heimreise anzutreten. Die lange Reihie verschiedener Ehrungen, welche dem lieben Gaste hier zuteil wurden, schloß gestern mit einem solennen Abschiedsfeste, welches der Verband der Galizianer und Bukowmaer Juden ihm zu Ehren veranstaltete. Die angesehensten Persönlichkeiten des Verbandes waren gekommen, um Dr. Bloch Lebewohl zu sagen und ihn zu versichern, daß seine Bemühungen zugunsten der notleidenden Juden in Galizien in Newyork auf fruchtbarem Boden gefallen sind. Dies hob besonders der Festredner Bernhard Semmel, der erst jüngst zum Präsidenten der Kehilla von Newyork gewählt wurde, hervor, indem er Dr. Bloch bat, den Brüdern in Galizien zu melden, daß die galizischen Juden in der Freien Republik von Nordamerika ihrer nimmer vergessen werden. Der Präsident des Verbandes Bernhard Türkei schloß seine Rede mit der Mitteilung, daß der Verband beschlossen habe, zum Andenken an die Anwesenheit Dr. Blochs in Amerika und in Anerkennung seiner Verdunste und seiner Bemühungen für die hilfsbedürftigen galizischen Juden im Har Moriah- Hospital des Verbandes ein Bett auf den Namen Dr. Blochs zu stiften und diesem Zwecke 2000 Dollar zu widmen. Diese mit Enthusiasmus aufgenommene Mitteilung hat die Anwesenden gleichfalls zu Spenden für das Hospital veranlaßt, so daß in wenigen Minuten 4400 Dollar für die Dr. Bloch-Stiftung gezeichnet waren. Es sprachen dann noch der Präsident der DownTown-Talmud-Thora Wiliam Fischmann, der Schriftsteller Jsak Eben, Jakob Saphirstein, Perez Wiernik, Leon Solotkow und Rabbiner Dr. Spiegel. Schließ-, lich überreichte Herr Semmel dem Gaste eine kunstvoll ausgeführte Adresse des Verbandes. Nun erhob sich Dr. Bloch, um, mit rauschendem Bestall begrüßt, den Anwesenden für all die Liebeszeichen, die ihm in diesem schönen, freien Lande entgegengebracht wurden, den Dank auszusprechen. Dr. Bloch schilderte in glänzender Rede den Eindruck, den das jüdische Leben in Amerika auf ihn gemacht hat und betonte, daß Amerika seiner lleberzeugung nach nicht nur ein Land der Gegenwart, sondern auch ein Land der Zukunft für die Juden sei. Er ermahnte die Anwesenden zur Einheit, welche ihnen die Kraft geben möge, auch fernerhin für ihr Volk ersprießlich zu wirken. Russische Pogromhetze Ln Amerika. Aus Newyork wird uns geschrieben: Die russische Regierung hat eine echt russische Revanche für die Kündigung des Handelsvertrages seitens Amerika ersonnen, indem sie in Newyork eine blutrünstige Zeitung gründen ließ, welche aus Rußland große Subventionen erhält. Das neue Blatt „Rußkij Immigrant" ist wohl nicht die erste russisch-antisemitische Zeitung in Newyork. Es besteht schon seit längerer Zeit ein anderes ähnliches Blatt „Swjet" (Die Welt). Die Aufgabe dieses Blattes war hauptsächlich, lügenhafte Berichte aus Rußland über die Juden zu verbreiten. Die „Swjet" enthielt sich aber jeder Hetze gegen die Juden in Amerika selbst. Anders der „Rußkij Immigrant. Er verleumdet nicht nur die Juden in Rußland, sondern auch die bereits in Newyork lebenden eingewanderten russischen Juden und hetzt zu Pogromen in den Judenvierteln aus. Auffallend ist es, daß dieses von der russischen Regierung soutenierte Blatt es niemals verabsäumt, den gegenwärtigen Präsidenten der amerikanischen Republik, Taft, als den aufrichtigen Freund der Slaven und besonders des russischen Volkes hrnzustellen und zu behaupten, daß die Juden dem Präsidenten die Kündigung des Handelsvertrages erpreßt hätten. Hingegen, Meint das Blatt, sei der gewesene Präsident Roosevelt der geschworenste Feind Rußlands. In diesem Sinne agitiert dieses russisch-antisemitische Regierungsorgan für die Wiederwahl Tafts. Der Kongreß der fmnzösstchM Sozialisten über den Antisemitismus. In Lyon findet diese Woche der Kongreß der französischen Sozialisten statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem auch die prinzipielle Frage, welche Stellung die französischen Sozialisten zum Antisemitismus zu nehmen haben. Sollen die Sozialisten diese Bewegung bekämpfen oder liegt es in ihrem Interesse, den Antisemitismus zu stärken und ihn nach. Möglichkeit zu propagieren? Der Lyoner Sozialistenkongreß wird wohl der erste seinesgleichen sein, auf welchem die Stellungnahme zum Antisemitismus seitens der Sozialisten in so prägnanter Form! zur Diskussion gestellt ist. Glückwunsch des Königs Georg an Baron Leopold von Rothschild. Baron Leopold v. Rothschild erhiell nach dem mißlungenen Attentat Berge von Glückwünschen anläßlich seiner Rettung. Eine der ersten Depeschen kam vom König Georg, der in herzlichen Worten seiner Freude über das Mißlingen des verruchten Anschlages Ausdruck gab. Baron Rothschild sagte einem Journalisten, es sei keine angenehme Erfahrung gewesen, aber er spüre keine bösen Wirkungen. Der Attentäter Tebbitt soll auf seinen Geisteszustand untersucht werden. Die traurige Lage der Juden in Damaskus. Die „Tribuna Libera" in Saloniki erhalt von ihrem Damaszener Korrespondenten, dem Sekretär des Oberrabbinates von Damaskus, recht traurige Berichte über die Lage der Juden in der genannten Stadt. Nach diesen Berichten hält die Auswanderung der jüdischen Jugend aus Damaskus ununterbrochen an. Schon von jeher haben die Christen rn Damaskus auf die dortigen Juden einen großen Einfluß ausgeübt. In den letzten Jahren sind aus Damaskus nicht weniger als 60.000 Christen nach Amerika ausgewandert, und haben nur in den letzten 5 Jahren Mehr als 1500 junge Judien nach Amerika mitgenommen. Während jedoch die Christen in Amerika Geld samMeln und dann wieder in ihre Heimat zurückkehren und ständig dort bleiben, ist dies bei den jüdischen Auswanderern nicht der Fall. Manche jungverheiratete Juden nehmen wohl ihre Familie mit, aber leider ist die Zahl derjenigen sehr groß, welche ihre Frauen in Damaskus zurücklassen, ohne sich um ihre Notlage zu küMmern. Die Lage dieser Pseudowitwen ist eine sehr traurige. Viele von ihnen werden Fabriksarbeiterinnen, während die anderen die Zahl der in Egypten und im ganzen Orient so gesuchten Sängerinnen und Tänzerinnen aus Damaskus vergrößern und auf diese Weise vollständig verkommen. Mieden eines jüdischen Lords. In London starb vorige Woche Lord Wandsworth, mit seinem bürgerlichen Namen Sidney James Stern. Der Verstorbene war der älteste Sohn des David Viscount de Stern, seine Mutter war die Tochter des Aron Asher Goldschmidt. Die Familie kam ursprünglich aus Frankreich, ließ sich in London nieder, woselbst sie in Finanzkreisen bald eine einflußreiche Stelle einnahm. Den Titel Discount hat die Familie von der portugiesischen Regierung in Anerkennung der Verdienste auf volkswirtschaftlichem Gebiete erhalten. Der verstorbene Lord Wandsworth war der erste Baron gleichen Namens und da er unverheiratet blieb, stirbt dieser Name mit ihm auch aus. An dem öffentlichen