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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-08 · 10 (8.3.1912) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
10 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 10 Dr. Blochs Wochenschrift Seite IM l and er und Moritz'Biß durchzeführt wird, werden die turnusmäßig ausscheidenden Herren Hermann Ehrenfeld, Heinrich G a s s n e r, Salomon H o f f m a n n, Bernhard P i ck und Josef Werner wieder und Herr kais. Rat Adolf W e n g e r für das verstorbene Vorstandsmitglied Herrn Hermann Kaiser neugewählt. Der Schriftführer danlt namens des abwesenden kais. Rates W e n g e r für die Neuwahl, worauf die Generalversammlung nach zweistündiger Dauer geschlossen wird. Die konstituierende Sitzung wurde für Samstag den 24. Februar 1912 angesetzt. Brief aus Salzburg. Salzburg, 4. März. Der Landespräsident von Salzburg Se. Exzellenz Graf Schaffgotsch, der für unsere Gemeinde und für das Judentum überhaupt große Sympathie und warmes Interesse hegt, hat heute, Montag den 4. März, in Begleitung des Landrspräsidialchefs Bezirkshauptmann Dr. Rambousek unserer Synagoge einen Besuch gemacht. Beim Eingänge von dem versammelten Vorstand empfangen, richtete Herr Kultusvorsteher Rudolf Löwy an den Präsidenten einige wohlgefällig aufgenommene Worte der Begrüßung, worauf in der Synagoge Rabbiner Dr. Altmann eine kurze Ansprache hielt mit etwa folgendem Wortlaut: „Euer Exzellenz und gräfliche Gnaden, geliebter hoher Gast! Nachdem unser Herr Vorsteher Euer Erzellenz namens der israel. Kultusgemeinde begrüßte, gestatte ich mir dies im Namen der israelitischen Konfession aus tiefstem Herzen zu tun. Erzellenz! Unsere Religion gebietet uns neben der Liebe und Ehrfurcht gegenüber der geheiligten Person des allerhöchsten Landesvaters auch die Liebe und Verehrung seiner hohen, in seinem Sinne und Geiste zum Wähle und Heile des Vaterlandes wirkenden Würdenträger. Fühlen wir also schön religionsgrundsätzlich einen Herzensdrang, uns mit der hohen Ehre zu freuen, die Euer Exzellenz unserer Konfession zu erweisen geruhen, so wird diese Freude noch gesteigert durch das ganz spezielle Gefühl der Liebe und Verehrung, das die Bekenner des Judentums in Salzburg für die hohe Person Euer Exzellenz erfüllt. Alle wissen wir, was unsere heilige Kirche auf diesem Boden gerade Euer Exzellenz zu verdanken hat. Alle unsere Herzen schlagen Euer Exzellenz entgegen, und wir sind einig in dem Wunsche, dem wir auch sonst in innigen Gebeten Ausdruck geben, daß der allmächtige Gott, unser aller Vater, dessen sichtbarer Stätte in unserer Mitte Herr Landespräfident die Ehre eines Besuches geben. Euer Exzellenz zürnende seinen durch sein Priestergeschlecht verheißenen Segen, der da lautet: Gott segne Dich, hoher East, und behüte Dich, der Ewige lasse Dir leuchten sein- Angesicht usw." — Sichtlich ergriffen dankte der Herr Landespräsideüt in besonders warmer Weise und ließ sich nun vom Rabbiner und Vorsteher die Einrichtungen der Synagoge erklären, wobei es sich wieder, wie so oft schon, zeigte, wie verständnisvoll dieser hohes Herr dem Judentums gegenühersteht. Besonders die Thora erweckte sein lebhaftes Interesse. Es wurde eine aus der heiligen Lade ausgehoben, aufgerollt und der Rabbiner mußte ihm über Schrift, Lesart etc. genaue Aufklärung geben. Ueber 30 Minuten verweilte er und nahm sodann herzlichen Abschied mit dem Versprechen, einmal anläßlich eines Gottesdienstes zu kommen. — Anläßlich der am 19. Februar d. I. beim Landespräsidenten stättgefundenen The dansant war der Rabbiner als Vertreter der Israeliten geladen und auch erschienen. Ehrung des Schriftstellers Alfred H. Fried. Bekanntlich , wurde Alfred H. Fried, der unermüdliche VorMmpfer der Schiedsgerichtsidee und der internationalen > Organisation der - Staaten im Dezember vorigen Jahres durch die Verleihung des Nobel-Preises ausgezeichnet. Diesen Anlaß benützten Freunde und Verehrer des Genannten dazu, um ihre Glückwünsche in der solennen Form einer künstlerisch ausgestatteten Adresse auszudrücken. Die Adresse, welche kürzlich von dem Herrenhausmitgliede, Hofrat Professor Dr. Lammasch, Mitglied des ständigen Schiedsgerichtshofes im Haag, und Professor Dr. Kobatsch, Vizepräsidenten der Oester--.-. reichischen Friedensgesellschaft, überreicht wurde, hat folgenden Wortlaut: „Sie wurden in die kleine Schar jener auserlesenen Persönlichkeiten berufen, welche Träger des Nobel-Preises sind, und traten damit in die noch kleinere Zahlvon Oesterreichern, welche diesem Elitekorps angehören. Diese Ihre Auszeichnung hat in den weiten Kreisen Oesterreichs freudige Genugtuung, erweckt, — ist man sich jadessen bewußt, daß der Preis einem in jeder Hinsicht Würdigen zusiel und daß durch diese hohe internationale Anerkennung eines Oesterreichers auch unser Vaterland selbst geehrt wurde, oie haben durch eine lange Reihe von Jahren mit unermüdlicher Schaffenskraft, mit aufrichtiger Hingebung einer schönen und großen Sache — der Idee von der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit, der zwischenstaatlichen Organisation — gedient. Ihre Feder erlahmte nie, wenn es galt, die Menschen diesseits und jenseits der Vaterlandsgrenze auf die völkervereinigenden Tendenzen der modernen Entwicklung hinzuweisen, welche sich aus den Errungenschaften der Technik und der immer größer werdenden Erkenntnis der Gesetze des menschlichen Zusammenlebens naturnotwendig herausbilden. Ihre Veröffentlichungen sind in Form und Inhalt gleich wertvoll,- ohne den Boden der realen Tatsachen unter Ihren Füßen zu verlieren, schwingen Sie sich gleichwohl in die reinen Höhen der zukünftigen Entwicklung auf und verstehen auch andere zu Ihren geläuterten und lauteren Ansichten zu bekehren. Eine Schar von persönlichen Freunden und Gesinnungsgenossen erachtet es daher für eine Ehrenpflicht, Ihnen, hochgeehrter Herr, aus Anlaß Ihrer Auszeichnung, für Ihre hingebungsvolle Tätigkeit im Dienste des internationalen Rechtes baldige Verwirklichung zu wünschen. Wir bitten Sie, dieses Erinnerungsblatt als bescheidenes Zeichen unserer Sympathien entgegenzunehmen rc." Die mHMe Behandlung einer jüdischen Familie in Angara. Aus Budapest wird berichtet: Die ungarische Grenzpolizei hat wieder einmal gegen eine jüdische Familie ein Vorgehen bekundet, wie es sonst nur in Rußland vorzukommen pflegt. Seit vielen Jahren wohnt an der ungarisch-galizischen Grenze in Strobko der Jude Mendel Leib, ein ruhiger, arbeitsamer Mensch, der sich mit seinem Grrislerladen bescheiden, aber anständig erhält. Er zahlt seine Steuern pünktlich und hat vor einigen Jahren eine ungarische Staatsbürgerin zur Frau genommen. Vor einigen Tagen nun erhielt Leib von der Bartfelder Grenzpolizei die amtliche Mitteilung, daß er, seine Frau und seine vier kleinen Kinder aus Ungarn ausgewiesen seien und binnen vierzehn Tagen das Land zu verlassen haben. Motiviert wird dieser unverhoffte Ausweisungsbefehl bloß damit, daß Leib österreichischer Staatsbürger sei. Die Familie wird nun, falls der Ausweisungsbefehl nicht noch rückgängig gemacht wird, in dieser kurzen Frist die kleine Habe verschleudern und als Bettler in die Welt hinaus müssen, weil die ungarische Grenzpolizei es sich zur Aufgabe gemacht hat, Ungarn von den galizischen Juden zu..säubern". Die Frau des Mendel Leib hat sich nach Budapest begeben, um an kompetenter Stelle eine Annullierung oder wenigstens-die Milderung der strengen Verfügung der Grenzpolizei zu erwirken.

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