Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 10 (8.3.1912)
- Date
- 1912-03-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 156 Dr. Bkychs WochMchrift Nr. 10 begehrt, wenn solche Klassenteilungen auf Kosten der Kultusgememde vorgenommen wurden. Es braucht, wohl nicht erst betont zu werden, datz die Unterbringung von 79 Kindern in einem mit 50 bis 60 Sitzplätzen ausgestatteten Schulzimmer allen pädagogischen und hygienischen Grundsätzen zuwiderläuft. Durch die vom Wiener Gemeinderate jüngst beschlossene Lehrergehallsregulierung ergibt sich die Notwendigkeit, das niederösterreichische Landesschulgesetz zu novellieren. Diesen Anlatz hat der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde wahrgenommen, um dem Landtage im eigenen Namen, im Namen des österreichischen israelitischen Neligionslehrerbundes, sowie des «Religionslehrervereines „Esra" Petitionen um Abänderung jener Gesetzesbestimmung zu überreichen, mit welcher die Zusammenziehung von 79 Kindern in einer Abteilung für den Religionsunterricht normiert erscheint. Konform dem Anträge des Schulausschusses hat nun der Landtag in gerechter Würdigung der obwaltenden Umstände vom 1. März d. I. beschlossen, den Landesausschutz zu beauftragen, eine Novelle zum Gesetze vom 25. Dezember 04 zu unterbreiten, durch welche eine Herabsetzung der in den Religionsstalionen in einer Abteilung zu unterrichtenden Schülerzahl möglich wird. Das vom Abgeordneten Msg. Scheicher erstattete Referat wies darauf hin, datz es dem Katecheten nicht möglich sei, 79 Kinder in einer Abteilung mit Erfolg zu unterrichten und man daher auch an den israelitischen Religionslehrer eine derartige Anforderung nicht stellen könne. — Der Referenten-Antrag wurde ohne Debatte angenommen. Israelitischer Bethausverein „Am Volkert. Am 18. Februar 1912, abends 6 Uhr, fand die 35. ordentliche Generalversammlung des israelitischen Bethausvereines „Am Volkert" unter dem Vorsitze des tatkräftigen Präsidenten, Kultusvorstehers Adolf Schramek, statt. Dieselbe lieferte einerseits den unumstößlichen Beweis, daß der Bethausverein auf der Bahn der planmäßigen Entwicklung und des gedeihlichen Fortschrittes stetig fortschreitet, andererseits das erfreuliche und wohltuende Bild des einträchtigen, zielsicheren und opferwilligen Zusammenwirkens zwischen Vorstand und Mitgliedern. Die heurige Generalversammlung bot auch die günstige Gelegenheit, darzutun, daß dieser Bethausvrre'm von Jahr zu Jahr in seiner Entwicklung sichtlich vorwärts geschritten ist und eines der wichtigsten Zentren des streng religiösen Lebens in Wien bildet. Hiefür liefern zwei wichtige Momente beredtes Zeugnis. Das erste bildet der Ankauf eines sehr geeigneten Baugrundes zur Errichtung des „Kaiser Franz Josef I.-Huldigungstempel", dessen Einweihung hoffentlich in dem Rüstmonate zu den hohen Feiertagen wird stattfinden können, und ein zweites erfreuliches Zeichen liefert nebst der sichtlichen Steigerung der Mitgliederzahl das ungeahnte Wachsen der Talmud-Thoraschule, für welche auch im neuen Tempelgebäude schöne und große Schulräume vorgesehen sind. Herr Adolf Schramek begrüßte den in Vertretung des Kultusvorstandes erschienenen Delegierten Herrn Dr. Anselm H a l p e r n, den Vereinsrabbiner Herrn I. L. A b e l e s und die anwesenden Vereinsmitglieder. Ferner gedachte er des Heimganges des langjährigen Vorstands-"und Ehrenmitgliedes Herrn Hermann Kaiser, der im abgelaufenen Jahre das Zeitliche gesegnet hat. Nach Verifizierung des vom Schriftführer Herrn Dr. Moritz K o h n verlesenen Protokolles der vorjährigen Generalversammlung vom 19. Februar 1911 durch den Präsidenten, erstatteten die Vercinsrevisoren Herren Moritz Fürth und Albert Körner Bericht über die musterhafte und genaue Kassen- und Buchführung des Kassiers Herrn Josef Fischer, worauf dem Vorstande unter allgemeinem Beifalle das Absolutorium erteilt wurde. Als erster Redner dankt auch Herr Samuel Adler als Obmann der Talmud-Thora-Sektion den Vereinsvorständen und Mitgliedern für die werktätige Mithilfe zur Erhaltung der Bibelschule und hebt hervor, daß soeben der Obmann-Stellvertreter Herr Michael Glogau für sich und seine Gemahlin Frau Therese Glogau eine Gründerspende von je 100 X daher 200 K, weiters die Herren Adolf Glaser und kaiserl. Rat Adolf W e n g e r ebenfalls die Gründerspende von je 100 K erlegt haben, was allgemein höchst beifällig aufgenommen wurde. Weiters weist derselbe auf die erfolgreichen Resultate hin, wovon das im heurigen Jahre veranstaltete Chanukafest beredtes Zeugnis ablegte. Die Schülerzahl und die Neuanmeldungen find so groß, daß sogar die weitere Aufnahme fistiert werden mußte, welchem Uebelstande jedoch in dem neuen Tempel durch Errichtung dreier großer Lehrsäle abgcholfen werden wird. Schließlich dankte er dem Vereinsrabbiner und dem Schriftführer für die Mühewaltung und Beaufsichtigung der Lehrkurse. Nachdem Herr Adolf Glaser dem nimmermüden Vereins- Präsidenten für seine besonders im heurigen Jahre, anläßlich des Tempelbaues, erfolgreiche Tätigkeit den Dank ausgesprochen und die ganze Versammlung zum Zeichen der allgemeinen Wertschätzung sich von den Sitzen erhoben hatte, rühmt auch Herr Josef Antscherl als Volksschul- und Religionslehrer der Kultusgemeinde die besonderen Leistungen der Bibelschule und spricht den Wunsch aus, daß auch im Elternhause unserer Religion sorgsame Pflege geboten werden möge, damit nicht die Schule erst die Religionsgedanken zu wecken genötigt werde. Herr Architekt Ignaz Reiser entwarf eine Skizze über die Gesamtanlagen des Tempels, wobei er das feierliche Versprechen gab, als langjähriges Vorstandsmitglied sein ganzes Augenmerk auf die exakte Durchführung des Baues und auf die architektonische Ausschmückung desselben zu richten. Herr Kultusvorsteher Dr. Anselm Holpern dankt für die ihm seitens des Präsidenten zuteilgewordene liebenswürdige und herzliche Begrüßung und erklärt, daß es auch ihn jederzeit freue, in diesem ihm liebgewordenen Kreise zu erscheinen. Steht ja an der Spitze des Vereines mein Kollege im Kultusvorstande, der unentwegt alles aufgeboten hat, um die Mittel zum Baue des herrlichen Gotteshauses z» sichern und der auch den reichlichen Beitrag der Kultusgemeinde zu erzielen wußte. Wenn auch letztere einem gewissen Pflichtgefühle Rechnung trug, so muß bedacht werden, daß einer so großen Korporation oft und wiederholt die Pflichterfüllung beim besten Willen und Vorsatze schwer fällt. Nur der musterhaften Leitung dieses seit 35 Jahren bestehenden Gotteshauses und seinen Bestrebungen, an den hohen Feiertagen einem größeren Kreise von Glaubensbrüdern die Teilnahme an einem würdigen Gottesdienste möglich zu machen, sowie der Angliederung einer stark besuchten Und meistens von armen Kindern besuchten Talmud-Thora-Schule, die bisnun aus den Kultusmitteln nicht subventioniert worden ist, trug die Kultusgemeinde Rechnung und hat durch die Gewährung einer anseh ilichen Beisteuer zur Bausumme die Anerkennung der Vereinstätigkeit zum Ausdruck gebracht. Ich bin auch, so fuhr der Redner fort,, von dem Kultuspräsidenten Herrn Dr. Alfred Stern und dem I. Vizepräsidenten Herrn Dr. Gustav K o h n ° ermächtigt worden, dies ihrer rühmenswerten Korporation bekanntzugeben, unter Abstattung des vollsten Dankes der-Kultusgemeinde und des speziellen Dankes dieser beiden Herren für die in dem Jahresberichte enthaltenen Danksagungen. Präsident Herr Adolf Schramek spricht seinem Kollegen im Vorstande für diese herzlichen Ausführungen den -Dank aus, hervorhebend, daß dieser Dank der Kultusgemeinde seinen bewährten Mitarbeitern und ' besonders dem Schriftführer Herrn Dr. Moritz Kohn abzustatten ist. Herr Vereinsrabbiner I. L. Abel es lobte das Zusammenwirken des Vorstandes, der gerade hiedurch diese glänzenden Erfolge zu erreichen in der Lage ist.und hob rühmend die Opferwilligkeit und Opferfreudigkeit des Gesamtvorstandes und der Mitglieder hervor. : Bei der hierauf folgenden Wahl, die von den Skrutatoren Herren Josef Seher, Josef W e i n i n ge r, .-Jvflf' F.r i e d».