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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-08 · 10 (8.3.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
10 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 153 kann, wie aus allen dieses Wort enthaltenden Stellen unzweifelhaft hervorgeht. Um also die zweifellos unter 112c verstandene Gegend lokalisieren zu können, muß vorerst konstatiert werden, welche Gegend mit lT3 bezeichnet wird Leider ist das Letztere bis jetzt nicht nur nicht klargestellt, sondern noch falsch dargestellt worden. Wir wollen nun kurzgefaßt aus den Quellen die Wahrheit zu ermitteln trachten. S. Spinner-Wien. (Fortsetzung folgt ) Znr Frage eines neuen Zenlrallempels in Wien. Bon Dr. Sigmnnd Stiaßny. Bereits vor mehreren Dezennien (und seither wiederholt) bemühte sich mein Vater, Baurat Wilhelm Stiaßny, als Vorstandsmitglied der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Mittel und Raum für einen neuen großem der Glemeindemitgliederzahl entsprechenden Tempel in der inneren Stadt zu beschaffen: leider vergeblich. Und so war es ihm nicht vergönnt, den Grundstein zu diesem Werke, das die Krone seiner architektonischen Schöpfungen werden sollte, zu legen. Am 11. Juli 1910 schloß Baurat Wilhelm Stiaßny seine Augen für immer. Mit ihm sank aber mancher herrliche Gedanke, manch großer Entwurf zum Tempelbau ms Grab. Anlaß zur Tempelbaufrage eben jetzt das Wort zu ergreifen und die allgemeine Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken, geben in der jüngsten Zeit in den Tagesblättern auftauchende Nachrichten, die den Eindruck eines »ballon d’essai« machten, und die geeignet waren, die künstlerischen Interessen im allgemeinen, die Gefühle der Iuden im besonderen und zwar weit über die Grenzen der Stadt Wien hinaus, auf das unangenehmste zu berühren. Das alte Wien hat gerade in den letzten Jahren bedeutende, wenn auch nicht immer die glücklichsten Veränderungen erfahren müssen. Insbesondere war es der älteste Teil der Stadt, der Raum zwischen Rotenturmstraße und Morzinplatz, dem gar schlimm mitgespielt wurde. Da hieß es immer: Die Stadt müsse reguliert, die Derkehrsverhältnisse müssen gebessert, Licht und Luft müßten hineingelassen werden usw. Inmitten dieses, so bedeutenden Evolutionen unterworfenen Stadtteiles liegen zwei historisch wertvolle Gotteshäuser, beide die ältesten ihrer Religionsgenossenschaften in Wien: die Ruprechtskirche, vielleicht schon aus dem achten Jahrhundert stammend, wird restauriert,- im' Wege stehende Gebäude werden niedergelegt, um den Kirchenplatz zu regulieren,- Neubauten in der Umgebung müssen mit ihrem Hauptgesimse auf dasjenige der Kirche Rücksicht nehmen,- kurzum es geschieht alles,!was vom Standpunkte des Künstlers als geboten erscheint. Wenige Schritte entfernt, an der gegenüberliegenden Front der Seitenstettengasse, befindet sich, rings von Häusern umgeben, die für die Demolierung bestimmt sind, der israelitische Tempel, der, noch nicht einmal hundert Jahre alt, bereits ein Weghindernis geworden sein soll, nunmehr in seiner Erislenz bedroht! Ein „alter Wiener" erinnerte vor kurzem in der „Neuen Freien Presse" alle diejenigen, denen der architektonische Wert unseres Tempels unbekannt war, daß er das beste Werk des Meisters Korn Häusel, des Erbauers der Weilburg in Baden bei Wien und vieler anderer Kunstwerke ist. Von der Liebe und Sorgfalt, mit welcher mein Vater vor wenigen Jahren die Restaurierung streng im Stile und genau nach den alten Plänen vorgenommen, nicht erst zu reden. — Dieses „Juwel der Empirebaukunst" soll nun geopfert werden. Vor zirka vier Jahren wurde im Wiener Kultusvorstande das Projekt einer Grundtransaktion eingebracht, bei welcher die Demolierung des alten Tempels vorgesehen war. Kaum hatte der Antragsteller geendet, so erhob sich mein Vater zur Abwehr. Die ungeheure Erregung, welche meinen Vater beim bloßen Erzählen der damaligen Vorgänge' ergriff, bleibt mir unvergeßlich. Die Worte, die in jener denkwürdigen Sitzung fielen, waren von solcher Wucht und leidenschaftlicher Jmpetuosität — mein Vater erhob gerechte Zweifel an dem jüdischen Fühlen derjenigen, die auch nur den Gedanken einer Tempeldemolierung fassen konnten —, daß ich mich scheue, dieselben ungemildert wiederzugeben. Ihre Wirkung war aber eine vollkommene: tief beschämt zog der Antragsteller das Projekt zurück, und so lange mein Vater dem Kultusvorstande angehörte, wagte niemand, ein derartiges Sakrilegium zu begehren. Die heutige Situation mag wohl eine schwierige, die Verlockung, endlich an den Tempelbau schreiten zu können, eine große sein, allein die Gefühle der Gemtündemitglieder, die, wie ich, den größeren Teil ihres Lebens hinter sich haben und ihre ganzen religiösen Gefühle, insbesonders aber ihre Jugenderinnerung mit der Andacht dieses Gotteshauses verknüpfen, sie sträuben sich gegen den „Vandalismus", der vielleicht einer kommenden Generation dienen soll, die heute Lebenden aber schwer verletzen würde. Da drängt sich einem unwillkürlich die Frage auf: Fühlt denn niemand, daß in der Atmosphäre dieses Gotteshauses noch die Worte eines Mannheimer und I e l l i n e k, die Töne eines Sulzer fortklingen? Sieht niemand die Schatten der großen, gläubigen Juden, die in diesem heiligen Raume bei der Verherrlichung des Gotteswortes mitgewirkt? Handanlegen an unseren weihevollen Tempel deucht mich ein Verbrechen — gleich einem Vatermord. Wohl müssen die häßlichen Feuermauern, die sich heute fast drohend gegen die Verlängerung des Fleischmarktes erheben, so bald als möglich verschwinden, wohl mag die Regulierung der umrahmenden Straßen unumgänglich nötig sein, allein die Notwendigkeit der Demolierung unseres Tempels aus diesem Titel erscheint mir unglaubwürdig. Oder trägt man maßgebenden Ortes vielleicht Bedenken, daß ein geringer oder größerer Teil des Tempels freigelegt und sodann mit einer öffentlich sichtbaren Fassade versehen werden könnte? Die Kultusstätten der Juden in Oesterreich sind zum kleinen Teile ehrwürdigen Alters: noch weniger Tempelbauten entstammen aber vormärzlicher Zeit des neunzehnten Jahrhunderts. Anstatt nun alles aufzubieten, um das Vorhandene zu konservieren, statt Mittel und Wege zu suchen, durch Ergänzung zu vollenden und zu verschönern, was die Vorschriften des Ghettos eingeengt und verunstaltet hatten, will man nun das einzige Baudenkmal, auf das die Wiener Judenschaft einmal, wie auf ein Wahrzeichen ihrer alten Seßhaftigkeit Hinweisen könnte, - ärger als der schlimmste Feind — dem Boden gleich machen. Sollte unser ehrwürdiges Gotteshaus in der Seitenstettengasse gar keinen Fürsprecher finden, der es vor Untergang bewahrt? Sollte sich in der Kunststadt Wien, in welcher gerade in der jüngsten Zeit so viel Eifer zugunsten der Erhaltung künstlerisch und historisch wertvoller Baudenkmäler bekundet wird, kein energischer allgemeiner Protest gegen die Demolierung des alten Tempels erheben?

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