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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-08 · 10 (8.3.1912) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
10 (8.3.1912)
Date
1912-03-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 152 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 10 dasselbe schwerlich von den Juden Palästinas entlehnt haben, obwohl letztere auf den Ophirfahrten griechische Häfen berührt haben (s. w. u.), weil Aegina nach der Panschen Chronik schon um 900 v. Chr. eigene Münzen prägte, noch weniger aber die Juden von den Griechen. Denn während Homer zu Trojas Zeiten (Jl. VII, 471 ff.) den Natural- Tauschhandel als einziges Verkehrs- und Umsatzmittel kennt, ist in der Bibel keine Spar hievon vorhanden; vielmehr läßt sie schon in der Erzählung von Abraham diesen 400 Silberschekel „gangbar im kaufmännischen Verkehre" idix zahlen (Gen. XXIII, 16). Halten wir nun in der talmudischen Literatur Umschau nach den das Wort ms erklärenden Stellen, so wird es nicht schwer fallen, die obigen, auf den ersten Blick befremdend anmutenden Fragen zu lösen. Wir begegnen in Ber. Rabba Kap. 61 und an verschiedenen Parallelstellen einer sehr wichtigen, hierauf Bezug habenden hermeneutischen Regel, die von keinem Geringeren als von R. Eleasar b. Pdath, dem Primas der Juden Armeniens rryirri nno 9 aufgestellt wurde, lautend: *np»2 nins# ms *?2 K"m« «an» rnnsn '»112 non ,1210 2in2,i ru'ien ms2 d. hwo in der Bibel ms plene geschrieben wird, hat es auf Tyrus am Mittelländischen Meere Bezug, hingegen ist mit is defektiv 'ori gemeint. In der Bibel sind zwar die Spuren der hier erwähnten Plene- und Defektivformen nunmehr verwischt, aber bei kritischer Sichtung des Textes läßt naä obigen Weisungen manche Stelle die ursprüngliche Schreibung des Namens erkennen. Welcher Landstrich hier unter *on wohl gemeint ist, läßt sich leicht erraten, '»in wird in der talmudischen Literatur größtenteils als Bezeichnung für Kleinasien — oft auch nur für den dem Tradenteu zunächst liegenden Teil des Imperium Romanum, wie Kappadozien — *) Um diese Angabe ins rechte Licht zu setzen, heben wir hei vor, daß R. Eleasar Primas der Juden des Nordostens p"K s. w. u.) war. Da die Geschichtschreibung ihn fast nicht erwähnt und wir es im Interesse unserer Arbeit gelegen halten, die Geschichte der Juden jener Gegend nach Möglichkeit aufzuhellen, wollen wir kurz diese Daten Zusammentragen und feststellen. R. Eleasar war als Primas sehr geachtet (Joma 9 b), R. Ukba, der nur Ab-Bethdin war und ihm unterstand, wendete sich daher auch in politischen Angelegenheiten mit Anfragen an ihn, um nach seiner Direktive zu handeln (Git 7 a). Er lebte in Nicephoron tbs südlich am Masiusgebirge, wie das alte Tela n^'n^y auch hieß (Plrn. V. 21. Politelia, Ritter, Erdkunde XI, 370 rc.). Da diese der bisherigen Annahme zuwrderlaufende Behauptung, daß mit 'TBS, einem alten geachteten Sitz der Traditionslehre, im Talmud größtenteils nicht Sephoris in Palästina, sondern Nicephoron am Masiusgebirge gemeint sei, vielleicht befremden dürfte, wollen wir dies kurz beweisen. R. Eses lebte hier und heißt wie die Einwohner der südlich von dem die Grenze zwischen Nord- und Südbabylonien bildenden Masiusgebirge liegenden Orte Kam (s. o. II. 4). Ebenso führt auch R. Ehaggai aus p'BS den Namen Köm (Bab. Kam. 42 b) und deshalb heißt es auch Demai VI, par6 „nns“ »sinn ging „hinab" nach Hemesta, im nördlichen Coelesyrien. Noch deutlicher ist dies bezüglich R. Chaninas, der ebenfalls in }>tbs lebte (Schekalim I. rc.) aus folgender Stille in Jerus. Berachoth VIII, 8, zu ersetzen: imrKH .K3’3n 1*2 iay mn "örnd diK mn 12. Demnach ist dieser Ort in am gelegen und kann nicht Sephoris im Norden Palästinas sein. Um jede» weiteren Zweifel darüber zu beheben, wollen wir noch den Fall der Gefangennahme der Töchter Samuels (Jerus. Keth, II. 6, babyi. 23 a) erwähnen. In dem Kriegszuge, den das Heer Saphors I. über Carrhä nach Armenien unternahm, befanden sich auch Samuels Töchter als Gefangene. Dort heißt es: 'öip pnay pa» "K3r6 pp^D" 12 7 3'3N "1. Das kann sich auch nicht in Sephoris zugetragen haben, weil dieses Kriegsheer nicht nach Palästina kam. — R. Simon b. Abba, der unweit von Nicephoron in Dakcusia lebte (Bic. III. 4) heiratete sofort auf R. Ehan's Empfehlung eine der Gefangenen. Auch die Erzählung Rabba betteffend, der (Mond Kat. 25, Thaanith 24 d) auf der Flucht von Südbabylon an R. Abins Wohnort nach f'TBS kam (5er. ibid III. 6 rc ), beweist, daß jtbs dort gelegen; damals trat infolge starker Regengüsse der Fluß aus seinem Bette tbsi 'ana pa»1 iy n*?3ib>. Der Fluß Marsyas, der Nicephoron passiert, fällt hinter Samosata in den Euphrat (Plin V, 21, 1) in dieser Stelle wird als Wunder erzählt, daß infolge vielen Regens dieser Fluß anstatt in den Euphrat sich in den einige Meilen weiter fließenden Tigris ergossen habe. Aus der Fülle der für unsere obige Behauptung noch vorhandenen Be weise wollen wir schließlich nur noch einen, aber sehr markanten her vorheben, der dies mehr als alle bisherigen erhärten muß. — In jeru Talmud wird zu wiederholten Malen eopoiK erwähnt. Man wußt gebraucht (s. w. u.); die erste Mantuaer Ausgabe des Tauchuma setzt für 'vn auch richtig 'p'öiöp. Nichtsdestoweniger können wir uns mit dieser mehr hermeneutisch klingenden Angabe, wieviel sie auch zur Feststellung der richtigen Bezeichnung der Gegend dieses Namens beitragen mag, nicht zufrieden geben, sondern dürfen uns die Mühe nicht verdrießen lassen, uns nach Beweisen umzusehen, die klar, mit fast mathematischer Sicherheit, Aufschluß über dies Thema zu geben imstande sind, umsomehr, als durch eine erschöpfende Darstellung und völlige Klärung desselben allein schon ein ganz dunkles Stück jüdischer Geschichte aufgeklärt werden kann. Um nur eine Stelle herauszugreifen, die uns auf die Spur zur richtigen Lösung der Frage über die Anwendung des Wortes ms bringt, sei die folgende Stelle aus Jerus. Moed. Kat. III, 1, angeführt, wo erzählt wird: Kn« pta in irr pSn2? .ms» mn nipy1? ms1? hks*? ,iv Swk nmn '23^> rc. Es kann als sicher gelten, daß die Redaktoren des b a b y l o n i schen Talmuds bei der Bearbeitung des Stoffes eine Rezension des Jerus. Talmuds vor sich hatten und benützten, nur daß sie dieselben Themata breiter darstellten, und die geographischen Namen durch andere ihnen in Südbabylonien geläufigere ersetzten. Der babylonische Talmud erzählt nun in Keth. 111 a dieselbe Begebenheit wörtlich wieder, nur wird daselbst für ms das Wort ,T2 Win gesetzt, eine geographische Bezeichnung,, die auch sonst nur im babylonischen Talmud vorkommt, im sogenannten Jerus. Schrifttums aber nicht zu finden und unbekannt ist. In obiger Stelle kann keineswegs von Tyrus in Phönizien die Rede sein, und zwar abgesehen von den Begleitumständen, die hierauf nicht passen, schon aus dem Grunde nicht, weil Win n'2 nur in Vorderasien (Babylonien) gesucht werden mit diesem nichts anzufangen und wollte in ihm einen General Ursicmus der noch unter Julian Apostat« nach dem Zeugnisse Am. Marc kämpfte, finden. Man ließ dabei außer Acht, daß dieser Name seit N. Mathne, emen jüngeren Zeitgenossen Samuels im III. Jahr. (Jerus. Beza 1.6) bis R. Jona und Jose (Berach. V, 1) gegen 350—360 vorkommt; außerdem, daß er in Jeb. XVI. 1 ausdrücklich heißt: DDpDiKi löva rc. 'K11DS 1*31,1 K2^Ö „Koni g" c3ppiK. Das Gezwungene dieser Behauptung ist ja handgreiflich; offensichtlich sollte sie nur als Notbehelf dienen, um einer Verlegenheit zu entgehn. Geht man aber auch hier den geraden Weg und hält sich an den Text, in dem hier von einem König Arsancenes die Rede ist, erkennt man sofort, daß der Jerus. Talmud die armenischen Könige vom arsacidischen Hause, gerade wie die griechischen Schriftsteller jener Zeit, Arsacenes nennt. An den verschiedenen Stellen ist die Rede von Arsacenes I. und II., die im III. und IV. Jahrhundert den armenischen Thron inne hatten. Die Lokalitäten^'wo diese Begebenheiten sich abspielten, sind in Armenien oder an der Grenze dieses Reiches. — In Jebam XVI, 1, ist 'TBS dieses an der Grenze Armeniens gelegene N'cephoron, wodurch der daselbst erzählte Vorgang erst verständlich wird; ebenso in Scheb. IV, 1, und Eynh. HI, 6, wo auch noch Perre in Commagene ('ia ,l'3*ön) erwähnt wird. In Meg. III, 1 geht die Handlung in Sinebra (K123S) in Kleinärmenien vor sich; dagegen Beza I. 6 und Berach. V, 1 in Epiphania (IB’B) und Antiochia am Euphrat (Plin. V, 21 Epibauia st Antiochia, quae ad Euphratem vocantur; im Talmud Git. 44 c T&2 (jerus. K',1») 11»,1 K'31Ö3K). Diese Stellen dürften nicht nur als Belege für unsere Behauptung genügen, sondern auch im Stande sein, den Schauplatz der hier in Frage kommenden geschichtlichen Begebenheiten und den Schwerpunkt der jüdischen Geschichte überhaupt, entgegen der bisherigen Annahme, von Palästina nach Armenien zu verschieben und die Lage der Juden in Armenien zu dieser Zeit zu beleuchten. — Schließlich bemerken wir noch, daß R. Ukba in Apsarus (K'311»b) am Schwarzen Meer (Plin. VI, 4) lebte, das mit 'boiK (Jerus Sota IV, 3 aipis und *?3iK sind gleichbedeutende Worte s. w. u.) identisch ist. Dieses Gebiet gehört zu Colchis, welches mit Jberia zusammen heute noch den Namen Kadziaro (Bock) führt und im Altertum viele gleichbedeutende Benennungen hatte, weshalb sie auch in Kid. 44 a als Aufenthaltsort Mar Ukbas 'ibö (caper, xaTrpog, Ziegenbock) heißen. Die von R. Ukba dortgefällte Entscheidung (Sota, ibid.) piTin na *6*bk »in i*o iy K»3n kb nbm na» np3*a entspricht auch dem Usus der Bne Erez Jisroel (Resp. Schaare Zedek, 4, 4, 39,) gegenüber dem babyl. Ritus in Keth. 61 a. Wenn es also in Pardes 21 c heißt: a'»in T3 pnarf? K2"S» Knamaa i^k» rc. wird dam t auch auf ein Lehrhaus in Georgien oder Pontus (damals byzant. Reich) angespielt.

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