Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 10 (8.3.1912)
- Date
- 1912-03-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. iö Lr. Blochs Wochenschrift Seite 151 dert Weigl zuerst die Entwicklungsgeschichte des Judentums, dann die Religion der Juden nach Glaubens¬ und Sittenlehre, wobei er in geschickter Weise an den Punkten verweilt, die sich mißwollende Mitmenschen zu Angriffen gewählt haben. Von Wert sind in dieser Beziehung seine Literaturdokumente zur Nächstenliebe. Weigl erbringt zum Beweise ihres Gebotes in der jüdischen Gesellschaft Texte aus dem Talmud und 'dem rabbinischen Schrifttum, zitiert die offiziellen Kundgebungen aus ver neuesten Zeit, und führt aus den offiziellen Lehrbüchern des Judentums die darauf hinzielenden Stellen an. Auch in dem Abschnitt über die Quellen der jüdischen Religion hält sich Weigl dort länger auf, wo so oft ein Urteil a priori Platz greift: beim Talmud und Schulchan-Aruch. Zu ihrer Schätzung fordert er eine historische Betrachtungsweise, wie sie auf dem Gebiete der Literatur jedes Faches nur für billig erklärt ist. „Ne forte offendas!“ ruft Weigl aus, „mahnend sollte dies Wort nachgerade auf des Talmud und Schulchan-Aruch Titelblatt geschrieben werden, zur Beobachtung für jeden Nichtjuden, der sich den Werken naht, darin zu forschen." Die dem Autor eigene Klarheit der Darstellung tritt zum besten in dem Teile auf, wo er die religiösen Feste behandelt. Zuerst erläutert er immer ihre Bedeutung, dann den ihnen entsprechenden öffentlichen Gottesdienst. Anschließend verbreitet er sich über das Ritualgesetz, nach dem sich die ihrem Glauben treuen Juden zu richten gewohnt sind. Den Schluß des Buches bildet eine Abhandlung über das Verhältnis des Judentums zum Staate, die in die Worte ausklingt: „Theorie und Praris; alte talmudische Lehre, wie die Kundgebungen der Neuzeit und ihre Erfüllung im lebendigen Gehorsam gegen das Religionsgesetz vereinen sich in edler Harmonie und machen in jedem Land unter jeder Regierungsform den Israeliten seine Vaterlandsliebe auswirken, als ein Produkt innersten Empfindens,- als religiöse Pflicht!" Hier ist die Aussage eines Außenstehenden, dessen Wahrheitsdrang nichts E emeinsch üblich es vertuscht oder beschönigt hätte! Hier ist das Zeugnis eines gänzlich Unbeteiligten dafür, daß bas Judentum nichts zu verbergen habe! Hier ist das Buch eines Christen vom Lehren und Leben des Judentums, aus dem sich feine Glaubensgenossen die Gewißheit holen können, daß jedes mystische! Düster nur angedichtet sei dem Judentum, welches jedermann erlaubt und jedermann einlädt, nach seinem wahren Wesen zu forschen. So steht das Werk Weigls, wenn er auch, sein Ohr den Bedürfnissen des Tages leihend, manche Seite dazu verwendet, um auf Unkenntnis oder Böswrllen beruhender Gegnerschaft entgegenzutreten, doch hoch über einer gewöhnlichen Streitschrift. Was er, der Nichtjude bietet, ist vielmehr — ein aus den allen offenftehenden Quellen geschöpftes lichtvolles System des religiös-ethischen Judentums, daran sich jedermann erlaben kann. Hinter ihm steht eine Persönlichkeit, aus deren Aeußerungen sich so viel Lauterkeit, Biedersinn, Herzensgüte und Weisheit offenbaren, daß wir uns in Ehrerbietung vor ihr neigen müssen. Und aus dem edel gedämpften Pathos seiner Einleitung spricht ein Apostel echt christlicher Liebe so eindringliche Worte, daß ihnen eine tiefe Wirksamkeit auf reine Gemüter verbürgt ist, mögen sie auch in dunkler Stunde verführt worden sein, von den Pfaden der Einsicht und Gerechtigkeit abzuirren. Me Beteiligung der Juden am Serischen Welthandel im Altertum. (Fortsetzung.) Die talmudische Literatur bietet uns zur Erklärung des in der Bibel häufig auch in einer anderen als in der gewöhnlichen Bedeutung von Tyrus (in Phönizien) gebrauchten Namens nach seinem Wortsinne und zur Feststellung der geographischen Lage der hiemit bez.ichueten Lokalität mit ihrem diesbezüglichen Sprachgebraucke eine Handhabe. Gleichzeitig weist sie uns aber auch einen Weg, der ins hohe Altertum zu einem gleichsam in Nebel gehüllten Schauplatze geschichtlicher Vorgänge zurückführt. Diese Gelegenheit, den Vorhang einer uns in Dunk.lheit gehüllten Weltbühue zu heben, müssen wir mit umso größerer Bereitwilligkeit wahrnehmen. als dieser abseits gelegene und von der Geschichtsforschung unbenutzte Pfad zu einem alten Kulturzeutium führt, das mangelsklarer geschichtlicher Berichte einer deutlichen Auffassung und Darstellung entrückt ist. Lediglich dunkle Sagen lassen Vorgänge ahnen, zu denen man auf Grund der spärlichen Nachrichten nur tastend gelangt, um sie einigermaßen zu erhellen zu versuchen. Sehr interessant in dieser und anderer Beziehung ist eine im Talmud Jerusch. Keth. I, 2 (als srnna) übermittelte alte Tradition, die bis nun fast gar nicht gewürdigt wurde. Sie lautet mit geringen Variationen an verschied-neu Stellen (Bab. Kam. 36a, Bechor. 50 b re.) wiederkeh end: ^22 *?2 n*?i2 nnnai ^>Vi ,»Tpn S'n ,'ts?|C2 mnz nasn nria So oft in der Thrra von Geld die Rede ist, wird der Münzfuß und das Prägungssystem von ns gemeint, das auch dem „heiligen Schckel" oder dem „Schekel des Heiligtumes" zu Grunde lag; hingegen ist unter der bei den Rabbinen erwähnten G Wwäyrung stets die jeweilige Landesmünze zu verstehen. Die Ueberlieferung ist entschieden sehr alt, da Joiephus (de Bello Jud. II, 22, 2) die Bezeichnung nis?]D2 Tupcoo vopiap.a-0* anführt und sie als altbekannt voraussitzt; nur d ückce er den Wert dieser Münze in der Währung seiner ans. Unter diesem Münzfüße von 112; können die Rabbinen absolut nicht den von Tyrus in Phönizien verstanden haben, da dies ein Phö-nzischer wäre; die Phönizier aber nennt die Bibel nach der ältesten Landeshauptstaot Schon stets c\im. Abgesehen davon hatten die Phönizier auch kein einheitliches Münzsystem, sondern alle bedeutenderen Städte prägten eigene, untereinander im Gewichte divergierende Münzen; im Münzfüße entspricht jedoch kenre derselben ganz dem des hebräischen Schekels. Ueberdies erklärt die Tradition, wie wir später sehen werden, anderweitig ganz deutlich, daß unser altes Gewichts-, Münz- und Maßsystem vom Nordcsten stamme. Unter miL S]D3 ist daher vielmehr, ebenso wie mit „Schekel Hakodesch“ der von Josephus (Antiq. III, 8, 2) erwähnte civloq vof-ucqia 'E^paiov gemeint, dem der von den Asmonäeru geprägte Schekel Jisroel gleichkommen dürfte. Letzterer schwankte nach de Sanlcy (Nmn. Jud. pg. 17—20) und Mionnet (Poids de Med. pg. 192) im Gewichte normal zwischen 13 50 und 14 65 Gr. Die Annahme, daß der Schekel der Asmonäer dem der alten Hebräer nachgebildet wurde, dürfte umso eher gerechtfertigt sein, als ja sonst unbegreistch wäre, wie die damals noch unter Seleukidischer Ooerboheit sichenden Asmonäer auf Grund der ihnen von den Seleukiden verliehenen Münzhoheit ihre Münzen weder nach dem syrischen, resp. seleukidischen, noch nach dem seit Alexander dem Großen fast im ganzen Oriente eingeführten attischen Münzfüße prägten, sondern nach einem ganz eigenartigen Münzfüße griffen, der nur dem aeginetischen ganz konform ist. Unwillkürlich drängt sich dabei von selbst die Frage auf, was für Bewandtnis es eigentlich mit dieser genauen Uebereinstimmung zwischen dem Münzsysteme der alten Hebräer und dem ältesten griechischen, von Aegina, gehabt hat. Die Griechen können