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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-01 · 9 (1.3.1912) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
9 (1.3.1912)
Date
1912-03-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Dr. Blochs Wochenschrift Seite 139 Nr. 9 Der Rabbi von Sadagora gegen dm Mädchenhandel. Der bekannte Privatdetektiv Moritz Fischer, der seit Jahren schon Galizien, Rußland, Rumänien und die Valkanstaaten bereist,' um die Spuren des Mädchenhandels zu verfolgen, hatte vor kurzem eine Audienz bei dem berühmten Rabbi von Sadagora, mit welchen? er ein längeres Gespräch über die Mittel zur Bekämpfung des Mädchenhandels führte. Der Rabbi teilte seinem Gaste mit, daß er sich schon lange mit dieser beklagenswerten Erscheinung beschäftige und darüber nachdenke, wie die'vielen Mütter und Töchter vor dieser Schande und dem Elend bewahrt werden könnten. Auf die Frage des Herrn Fischer, vb es ihm bekannt sei, daß in Westeuropa die Meinung verbreitet ist, daß in Galizien, Rußland usw. hauptsächlich Juden an den Mädchenhandel beteiligt seien, erwiderte der Rabbi: Mir ist wohl diese Auffassung bekannt, ich versäume auch nie die Gelegenheit, meine Anhänger und jene Personen, die bei mir erscheinen, auf die Schädlichkeit solchen Treibens aufmerksam zu machen. Ich habe wiederholt darauf hingewiesen, daß dieses Gewerbe jeden Menschen, der. sich damit beschäftigt, zum Verbrecher macht und daß jedes Mädchen, das auf diese Weise verloren geht, einen Verlust für die Menschheit bedeute, da die Frau dazu berufen ist, sich in rechtlicher und sittlicher Weise als Hausfrau und Mutter zu betätigen. Als der Gast dem Rabbi die Mitteilung machte, daß die Zahl der jüdischen Mädchenhändler in den letzten Jahren immer kleiner werde, da erwiderte der Rabbi: „Mein Freund! Der Verbrecher wird nicht an seinem Kleide erkannt. Für uns besteht auf diesem Gebiete gar kein Unterschied. Wer ein solches Verbrechen begeht, den möge auch die verdiente strenge Strafe ereilen." Interessant ist auch, was der Rabbi von Sadagora auf die Bemerkung des Herrn Fischer, daß es in Galizien Rabbiner gebe, welche unbekannte Brautpaare trauen und dadurch die Tätigkeit der Mädchenhändler, die sehr oft als Heiratskandidaten auftreten, erleichtern, seinem Gaste 'erwiderte: ‘ Ein wirklicher Rabbiner, der diesen Namen auch verdient, wird sich zu so etwas niemals hergeben. Die Eheschließung ist heute an gesetzliche Vorschriften gebunden, und ein Rabbiner, den wir als solchen anerkennen, hält sich strenge an das Gesetz. Bei uns sind die Zeiten, wo junge Kinder heiraten konnten, längst vorüber. Sie sprechen von Leuten, die sich fälschlich, als Rabbiner ausgeben und durch ihr ungesetzliches Handeln hunderte von Familien ins Unglück stürzen. Gegen solche Leute müßte man mit aller' Energie vorgehen, und auf sie die Strenge des Gesetzes anwenden. Der Rabbi bat schließlich Herrn Fischer, den führenden Persönlichkeiten der Liga zur Bekämpfung des Mädchenhandels seine Bitte zu überbringen, daß sie in ihrer wichtigen und segensreichen Arbeit nicht erlahmen mögen. Und dann schloß der ehrwürdige Mann die . Unterredung mit folgender Erklärung: „Ich gebe Ihnen die Versicherung, daß ich der Bekämpfung des Mädchenhandels ein erhöhtes Interesse entgegenbringen werde. Ich will es jeder jüdischen Hausfrau und Mutter einschärfen, achtzugeben auf die Erziehung ihrer Kinder, damit sie nicht der Sünde anheimfallen, die in so vielen Gestalten auf sie lauert. Ich werde auch die Rabbiner der Bukowina und Rußlands auffordem, dieser Angelegenheit ihre Tätigkeit zu widmen. Und Sie bitte ich, müh über die Aktionen der Liga aus dem Laufenden zu erhalten, denn ich fühle mich nicht nur als Seelsorger einer Gemeinde, sondern auch als Mensch aufs tiefste verpflichtet, die Bevölkerung aufzuklären und an der Ausrottung des Mädchenhandels mitzuarbeiten. Eine Getaufte am Lembrrger jüdischen Theater. Die Direktion des Lemberger jüdischen Theaters scheint ihre begonnene Reform dadurch krönen zu wollen. daß demnächst anläßlich des Purimfestes eine getaufte Jüdin als Primadonna für jüdisch-nationale Operetten engagiert wird. Es wird nämlich in den vom jüdischen Volksdichter A. Goldfaden verfaßten und in rein jüdisch-nationalem Geiste gehaltenen Operetten Sulamith. Bar Kochba und Königin Esther am 1. März zum erstenmal als Neuling auf der jüdischen Bühne die hier als Sängerin bekannte Frau Opat auftreten, die vor einiger Zeit nicht nur durch ihre Taufe, sondern auch durch ihren baldigen Konflikt mit dem christlichen Ehemann hierorts große Sensation erregte. Es liegt uns natürlich vollständig fern, irgendwie in die rein persönlichen Interessen der Frau Opat eingreifen zu wollen; es ist uns schließlich auch ganz gleichgiltig, welchen Motiven folgend sie es für „nötig" fand, ihren Volksstamm und ihre Religionsgenossenschaft zu verlassen und Heil in den Armen der katholischen Kirche zu suchen: es kann uns aber keineswegs gleichgiltig sein, wenn Frau Opat heute noch die Stirn besitzt, irgendwelche Rolle in der jüdischen Gesellschaft spielen zu wollen. Wie bei allen anderen Völkern ist die Bühne auch bei uns in erster Reihe dazu geschaffen, das Volk auf ein höheres geistiges Niveau zu bringen, denen gute Eigenschaften zu verherrlichen und dessen schlechte Gewohnheiten zu rügen und vor allem die Mafien in sittlich-moralischer Hinsicht zu beeinflußen. Wenn also der Schauspieler in diesem Sinne gewissermaßen als ein Erzieher des Volkes zu betrachten ist — so kann es doch nur derjenige sein, der geistig und moralisch viel höher steht als seine Mitmenschen, der mit Leib und Seele dem. Judentum, seinen Traditionen und Ueberliefemingen treu bleibt, mit einem Worte: an unseren Wunden zu rühren, jüdische Sitten und Gebräuche zu verherrlichen oder gar zu karikieren soll nur demjenigen erlaubt sein, der mit uns wirklich mitfühlt und an unseren Leiden teilnimmt. Mit welchem Rechte erlaubt sich aber die Direktion des hiesigen jüdischen Theaters, dem Publikum kkeberläufer als Künstler zu präsentieren? Welche deutsche Bühne z. B. würde einen Mann als Mitglied akzevtieren, der sein Volk schnöde verraten — denn Taufe ist bisweßen noch ärger als Verrat — und im Stiche gelassen hatte? Was uns in diesem Fall am meistm Wunder nimmt ist die Tatsache, daß der hiesige jüdische Artistenverein kein Wort der Entrüstung dafür findet und daß gerade der Regisseur des Theaters. H"rr I. Gutmann, der doch sonst immer mit 'einem jüdischen Patriotismus faselt, der einzige Verteidiger und Protektor der getauften Jüdin ist. . . Das jüdische Tbeateroublikum hat mit ihren eigenen Mitteln das Tbea^r bis nun erhalten und sollte doch das primitivste Recht besiben, verlangen zu können, daß sein nationaler Instinkt nicht getötet und seine jüdischen Gefühle nicht verletzt werden. Lemberg. M. N. Eine aufsehenerregende Taufe. Dem Krakauer ,.Tog" wird aus Tarnovol geschrieben: „In unserer Stadt hat sich soeben eine nette Sensation , zugetragen. Vorige Woche taufte sich hier der in unserer Stadt als zionistischer Agitator und heißblüti-

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