Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 9 (1.3.1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 140 Dr. Bkpchs Wochenschrift Nr. 9 ger Nationalist bekannte Dr. Rosenfeld, und letzten Samstag fand in einer hiesigen Kirche seine Trauung Mit einer christlichen Lehrerin statt. Wer diesen stürmischen Agitator während der letzten Reichsratswählen und anläßlich der letzten Volkszählung gesehen hat und sich noch erinnert, wie jedes zweite Wort eine Betonung seines jüdischen Nationalismus war und wie er gegen die „verfluchten Afsimilanten" und „fanatischen Chassidim", welche die Juden zur Taufe bringen müssen, gewettert hat, der'hatte in ihm sicherlich einen Makkabäer vermutet, der bereit ist, sich für das Judentum zu opfern. Dieses Heldentum hielt aber nicht lange an. Es kam anders. . . Wir veröffentlichen diese Notiz, für deren Richtigkeit wir die Verantwortlichkeit dem zitierten Blatte überlassen.? Empfang des mährisch-schlesischen. Rabbinerverbandes beim Statthalter. Aus Brünn wird uns berichtet: Dienstag den 13. Februar wurde der Vorstand des Verbandes der Rabbiner Mährens und Schlesiens, Dr. Freimann-Holleschau, Dr. Oppenheimer-Olmütz, Prof. Dr. Reach-Gaya, vom neuen Statthalter der Markgrafschaft Mähren empfangen. Auf die Ansprache des Präsidenten Dr. Freimann erwiderte der Statthalter in einer das Judentum und den Rabbinerstand ehrenden Weise. Die nachfolgende zwanglose Unterhaltung hatte die sozialen und kulturellen Verhältnisse, sowie die Stellung der Rabbiner in den jüdischen Gemeinden Mährens zum Gegenstände und ließ erkennen, daß die leitenden Persönlichkeiten an der höchsten Landesstelle die Bestrebungen des Rabbinerverbandes mit Wohlwollen und regem Interesse fördern. Es'ist bemerkenswert, daß neuerdings die klerikalen Mitglieder des mährischen Landesschulrates die Wünsche des Rabbinerverbandes in Schulangelegenheiten besonders warm unterstützen. Der Empfang des Präsidiums des Rabbinerverbandes beim neuen Statthalter trug den Eharakter jenes hohen Gesinnungsadels und jener wahrhaft vornehmen Denkungsart, die auch seinen Amtsvorgänger Baron Heinold auszeichnete. Anläßlich seiner Ernennung zum Minister des Innern schrieb er an den Vorstand des Rabbinerverbandes u. a.: „Ich bitte die Versicherung entgegenzünehmen, daß ich den Bestrebungen des geehrten Verbandes auch weiterhin rege Aufmerksamkeit zuwenden werde." Jüdische Landeskonferenz in Budapest. Man schreibt aus Budapest: Auf Anregung des Präsidenten der jüdischen Kultusgemeinde in Szabadka, Dr. Adolf Klein, fand am 20. Februar in Budapest eine Landeskonferenz der jüdischen Kultusgemeinden statt, an der über 600 Delegierte der Kultusgemeinden des Landes teilnahmen. Die Konferenz hatte den Zweck, die Frage zu erörtern, auf welche Weife eine einheitliche Autonomie der in drei Lager gespaltenen jüdischen Kultusgemeinden (orthodoxe, neologe und Statusquo-Gemeinden) erzielt werden könnte. Es wurde eine Resolution angenommen, derzufolge noch im Laufe dieses Jahres ein Landeskongreß der jüdischen Gemeinden aller Richtungen einberufen werden soll, der die Ausgabe haben wird, den Frieden zwischen den verschiedenen jüdischen Parteien im ungarischen Judentum wiederherzustellen, damit der jüdischen Glaubensgemeinschaft die ihr im Sinne der Gesetze gebührende Autonomie auf einheitlicher Basis gesichert werden könne. — Die Einheitsbestrebungen, deren Wortführerin die Landeskonferenz war, werden übrigens von der Landesvertretung der orthodoxen Kultusgemeinden (orth. Landeskanzlei) entschieden bekämpft. Diese strebt eine separate Autonomie der orthodoxen Gemeinden an und will von einer organisatorischen Gemeinschaft irgendwelcher Art mit denfortschrittiiU gesinnM' Gemeinden nichts' wUM Bßshdr hat es die ungarische Regierung vermieden, in dieser Streitfrage Stellung zu nehmen. Von ihr allein hängt es aber ab, ob die ungarische Judenheit nach dem Muster der christlichen Konfessionen eine autonome Verfassung überhaupt — auf einheitlicher oder dualistischer Grundlage — erhalten wird. Große Neigung, den Juden dieses Zugeständnis zu machen, scheint bei der Regierung nicht vorhanden zu sein, vielmehr bietet ihr die Haltung der orthodoxen Landesvertretung offenbar den erwünschten Vorwand, den IjUden das ihnen gesetzlich zustehende Recht zu versagen. Zerstörung einer jüdischen Gemeinde in Griechenland. Wie griechische Blätter melden, ist die Stadt Zante im griechischen Archipel in den letzten Wochen zweimal hintereinander von einem schrecklichen Erdbeben heimgesucht worden, das große Verwüstungen in der Stadt anrichtete. Das Judenviertel von Zante ist vollständig zerstört und mehr als hundert jüdische Familien blieben obdachlos. Sowohl in Griechenland als auch in der Türkei sind Sammlungen zu gunsten der hart getroffenen jüdischen Familien von Zante eingeleitet worden. Der einzige jüdische Richter in Rußland' pensioniert. In Saratow in Rußland wirkte seit 35 Jahren ein jüdischer Kreisrichter Jakob Teitel zur vollen Zufriedenheit der Regierung und der Bevölkerung. Teitel war jetzt der einzige Jude, der ein solches Richteramt in Rußland bekleidete. Die reaktionären Gruppen haben sich seit Jahren bemüht, die einfache Amovierung Teitels vom Richteramte zu erwirken, jedoch ohne Erfolg, da der jüdische Richter seinen Pflichten in tadelloser Weise nachkam. Nun wurde er schließlich doch pensioniert und seines Amtes enthoben. Aus diesem Anlasse fand in der Saratower Synagoge ein Festgottesdienst zu Ehren des jüdischen Richters statt, an welchem and), Nichtjuden teilnahmen. In der Festrede betonte der Rabbiner, daß Teitel, trotz seines heiklen Amtes Und trotzdem ihm eine glänzende Karriere winkte, wenn er seinen Glauben gewechselt hätte, seiner Religion und seinem Volke treu blieb und sich allen Aktionen der Saratower Judengemeinde mit großem Eifer widmete. Richter Teitel dankte gerührt für die Ehren, die ihM seine Glaubensbrüder erwiesen. Hätte er sie nicht so hoch eingeschätzt, so wäre er wohl heute nicht pensionierter Kreisrichter von Saratow. Eine Petition jüdischer Frauen an die Duma. Eine Gruppe jüdischer Frauen aus dem Podelier Gouvernement hat, wie aus Petersburg berichtete wird, an die Reichsdüma eine Petition gerichtet, in welcher sie die Annullierung zweier Bestimmungen betreffend die jüdische Ehescheidung verlangt. Die jüdischen Frauen verlangen: 1. es sei in Zukunft verboten, den Scheidebrief der Frau durch einen Bevollmächtigten zuzuschicken, und 2. sei auch die Bestimmung aufzuheben, wonach ein Mann, dessen Frau geisteskrank geworden ist, auf Grund eines Dispenses seitens hundert Rabbiner ohne Ehescheidung sich abermals verheiraten kann. Die Petition ist den entsprechenden Kommissionen zugewiesen worden. Eine Deputation in der Angelegenheit der Klagemaner beim Pascha von Jerusalem» Aus Jerusalem wird geschrieben : Mittwoch den 31. Jänner sprach beim Pascha von Jerusalem Dfaudat Vey eine jüdische Deputation vor, die aus dem Chachambafchi von Jerusalem, dem Chachambsschi von Bagdad und den aschkenasifchen Rabbinern Ehaim Ber-