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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-01 · 9 (1.3.1912) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
9 (1.3.1912)
Date
1912-03-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 138 Dt. Blacks Wochenschrift männern zugänglich ist. Daher komme es, daß die vielen Verdrehungen, Fälschungen und Entstellungen, welche die Judenfeinde an dem Talmud begehen, nur einen engen Kreis von Talmudkennern vorfinden, die in der Lage sind, diese Fälschungen richtigzustellen und die Angriffe zurückzuweisen. Einen endgiltigen Beschluß hierüber hat die genannte Gesellschaft bisher nicht gefaßt. Ein jüdisches Postamt in Petach-Tikwah. In Jerusalem gibt es seit einiger Zeit ein rein jüdisches Postamt, das von einem Juden geleitet wird, dessen Stempel hebräisch ist und in welchem auch hebräische Adressen angenommen werden. Die türkische Regierung hat nämlich, um in Jerusalem sich von den fremdländischen Postämtern allmählich zu emanzipieren, im Judenviertel von Jerusalem dieses jüdische Postamt errichtet und zum Leiter desselben den Juden Elias Honig bestellt Das Postamt ist am Samstag und den jüdischen Feiertagen gesperrt. Die Postkarten trägen außer der türkischen und französischen auch eine hebräische Aufschrift. Nun hat die österreichische Regierung, angespörnt durch den Erfolg des jüdischen Postamtes in Jerusalem, vor kurzem in der jüdischen Kolonie Petach-Tikwah gleichfalls ein ausschließlich jüdisches Postamt errichtet. Dieses Postamt trägt schon an der Front sämtliche Anzeigen nnd Aufschriften nicht nur in den Landessprachen und den bekannteren Weltsprachen, sondern an erster Stelle auch in hebräischer Sprache. Das Gomel-Benschen eines Zn Tripolis verwundeten jüdifchM Soldaten. In der großen Synagoge von Florenz spielte sich vorigen Sabbath eine eindrucksvolle rührende Szene ab. Ein einfacher Soldat, der eines seiner Beine mühsam hinschleppte, stand in einen Talles gehüllt in der Synagoge und bat den Vorsteher um eine Alijah. Zur Thora gerufen, verrichtete er nach Verlesung der Thora das Gebet für die Errettung aus einer Lebensgefahr. Der jüdische Soldat Attilio Orvieto mit Namen ist soeben schwer verwundet aus Tripolis eingeschickt worden, woselbst er an den großen Gefechten bei Sidi Mesri und Ain-Zara teilgenommen hatte. Bei dem letztgenannten Treffen wurde er am linken Deine verwundet und kampfunfähig gemacht. Aufs Schiffs-- lazarett gebracht, wurde er in die Heimat befördert, woselbst ihm eine Auszeichnung zuteil wurde. Es war der erste Sabbath, den der tapfere Soldat. in seiner Heimat verbrachte, und er benützte spontan die Gelegenheit. vor der Heiligen Schrift dem Gott der Heerscharen für die Befreiung aus der Lebensgefahr zu danken. Em jüdischer Jugendbund in Frankreich. In Paris hat sich dieser Tage ein zum größten Teile aus jüdischen Studierenden aller Kategorien bestehender jüdischer Jugendbund gebildet, der sich die Wiedererweckung jüdischen Geistes unter den französischen Juden zur Aufgabe macht. Der Jugendbund führt den Namen »KevnissLvce juive«. ~ Das Testament des P. Loyson. Der am 9. Februar in Paris verstorbene P. Hyazinthe Loyson hatte es sich zeitlebens zur Aufgabe gemacht. den Frieden unter den verschiedenen Konfessionen herzustellen und zu erhalten. Diesen seinem Ideale opferte er Stellung und Vergnügen. Wie ernst P. Hyazinthe diesen seinen priesterlichen Beruf nahm, geht am schönsten aus einer letztwilligen Verfügung hervor. Ein Punkt in seinem Testamente lautet: Ich wünsche, daß die Vertreter der verschiedenen Kulte in ihren geistlichen Ornaten an meinem Leichenbegängnisse teilnehmen. Besonders erbitte ich mir diese hohe Gunst, von dem' Grand Rabbin ........ Die Vertreter fast aller Konfessionen haben dem letztwilligen Wunsche Loyson's entsprochen. Auch der Grand Rabbin war beim.Leichenbegängnisse anwesend. :;• - - Griechische Juden als Begründer von Industrien. Trotz der geringen Zahl von Juden in Griechenland haben diese, wie „Aurore" schreibt, es. verstanden, sich durch ihren Fleiß und ihre Rechtschaffenheit eine angesehene Stellung im, Lande zu erringen. Besonders viel hat Griechenland, seinen Juden bezüglich der Einführung neuer Industriezweige zu verdanken.. Auf diesem Gebiete haben die Juden, mitunter, unter großen Opfern, wertvolle Pionierdienste geleistet. Vor zwei Jahren haben -drei jüdische Kaüfleute ,in Volo eine große Weberei errichtet, welche so Hervorragendes leisten, - daß die Regierung ihr jetzt besondere Aufmerksamkeit, zuwendet. Als jüngst der Chef der französischen MilitärmWön/ General Eydour, sich auf einer Jnspek1ionsrej.se befand, besichtigte er auch diese Fabrik und war von^-der Einrichtung derselben so befriedigt, daß er nach Athen zurückgekehrt,' der Regierung den Vorschlag machte, die Lieferungen für. die. Armee dieser ausschließlich'.von Juden betriebenen Fabrik zu übertragen. Tatsächliche hat jetzt die griechrsche Regierung der genannten Fabrik eine - größere. Ordre erteilt. - . - ' . .-.-v, .. . Neues von den -kaukasischen JudM Die hebräische Wochenschrift „Hamodia" in . Petersburg veröffentlicht diese Woche interessante neue Daten aus dem Leben der kaukasischen Juden. Hiernach gleichen diese in vielen Dingen den Karäern. Sie stehen gleichfalls auf biblischem-Standpunkt, und kennen den Talmud nicht. Als die Regierung vor einigen Jahren an sie die offizielle Frage richtete, ob sie Karäer oder Talmudjuden .seien, haben sie sich ohne.Zögern als. Karäer bekannt. Der Artikelschreiber des „Hamodia" hat über den Ursprung dieses. Beschlusses folgendes erfahren: Als die Anfrage der Regierung herablangte, haben die kaukasischen Juden einen- Kongreße abgehaltem um die Antwort an die Regierung zu formulieren.. Ein einziger Redner bekannte sich indieser Versammlung zum Talmud. Hierauf ließ der Vorsitzende, ein diplomierter Maschineningenieur, eine Thyrarolle und dann einen Talmudtraktat in den Versammlungssaal bringen. Als die Thora in den Saal gebracht wurde, erhob sich die. ganze Versammlung von den Sitzen und'verbeugte sich vor der Heiligen . Schrift, während der--Talmud nicht. die geringste Würdigung fand. Der' schlaue Vorsitzende setzte nun. der naiven Zuhörerschaft auseinander, daß die Szene, die: sich soeben abgespielt hätte, der beste Beweis dafür sei, daß sie Karäer seien. Es ist sehr Wahrscheinlich, daß dieser Beschluß auf die Haltung der russischen Regierung zurückzuführen ist, welche: die Karäer unbehelligt läßt, während ihre Verfolgung der Juden selbst bis. in-den Kaukasus hinein reicht. Eine ÄnsiedlMg bosnischer SephardiM iy/Palästina. . Man berichtet der „N. I. K." aus S a r a j ew ö Demnächst begibt sich eine aus sephardischen Juden Bosniens bestehende Reisegesellschaft nach Palästina zu einer Pilger- und Studienfahrt. > Die Reisegesellschaft wird, auch nach einem geeigneten ländlichen Terrain Umschau halten, auf dem sich eine Anzahl bosnischer Sephardim als Ackerbauer niederlassen.könnte.-Eshandelt sich, um eine Gruppe junger, zum Teil verheirateter Leute, die bereits in Bosnien in ' der Landwirtschaft tätig waren. /'

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