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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-01 · 9 (1.3.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
9 (1.3.1912)
Date
1912-03-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Seite 137 Nr 9 Dr. Blochs Wochenschrift Aleranders III. gestoben ist : „Die Juden sind für Ruhland ein schweres Kreuz, das zu tragen es für immer verurteilt ist." Sombart sieht sich also in einer Gesellschaft, die zu seiner Objektivität wenig Vertrauen erweckt. Wir aber fragen objektiv: 1. Ist die These Sombarts wissenschaftlich begründet? und 2. welche praktische Wirkung, zu erzielen ist sie geeignet? Sombart versucht bekanntlich mit dem Aufgebot umfassender Belesenheit und glänzender Kombinationsgabe in lebendiger Darstellung den Nachweis, dah die grobe Wandlung der Menschheit in der Neuzeit in letzter Ursache auf das Aufstreben, die Entfaltung jener wissenschaftlichen Grundkraft Zurückzuführen sei, die er als Kapitalismus bezeichnet. Diesen Kapitalismus bringt er nun in engste Verbindung mit Bankgeschäft und Handel, während das fast schwindelerregende Aufblühen Englands, Amerikas und Westdeutschlands uns förmlich darauf stobt, dab -Bank und Handel nur ein mehr flüchtiges, vermittelndes Element bilden, dab vielmehr Ackerbau, Industrie und Bergbau, in grobem Stil betrieben, die Grundlagen kapitalistischer Wirtschaft liefern. Sombart übertreibt die Bedeutung des Bankgeschäftes. Er sieht, wenn ich so sagen darf, in der Wirtschaftsgeschichte überall als treibende Kraft den Geist Vankos und dieser Banko trägt in Sombarts Vision die verfehmte Judennase. And auch diese These heruht auf einer Ueberschätzung. Sombart reklamiert einfach schon auf den Namen hin manchen Finanzmann für das Judentum, der mit ihm nie etwas zu tun hatte, so Samuel Bernard aus dem Frankreich des 14. und 15. Ludwig, so die Mallet vom Credit mobilier u. a. Der Kapitalismus ist überhaupt nicht eine Willkürliche Schöpfung, sondern eine Durchgangsförm der wirtschaftlichen Entwicklung, die auch ohne Juden sich herausbilden muhte. Die Geschichte lehrt es ja. Er entstand in Frankreich und England zu einer Zeit, als diese Länder judenrein waren, und in Deutschland haben ihn -zuerst nicht die Juden, sondern die Fugger, in Italien die Lombarden vertreten. Wenn also Sombart durchaus als Vater des Kapitalismus das Judentum ansprechen will, so sind wir so bescheiden, dieses Vaterrecht dankend abzulehnen, zumal uns'bereits in dem unverhohlenen Jubel der Geschäftsantisemiten über die Sombart'sche Entdeckung die Rechnung auf Alimente präsentiert wurde. * * * Dah Sombart eine solche Wirkung beabsichtigt, darf als ausgeschlossen gelten. Er würde sonst gewiß nicht von Juden sich zu Vorträgen über das Judentum einladen lassen. Es ringen nur, wie es scheinr, zwei Seelen in seiner Brust, auf der einen Seite die wissenschaftliche Ueberzeugung von der Bedeutung der Juden und auf der anderen der eingeimpfte Bewußtseinsinhalt, um mit Sombart zu reden, — jene althergebrachte Gewohnheit, den Juden wenn nicht zu verachten, so doch zu bewitzeln. Daher in seinen Schriften und Vorträgen ein Dualismus, der an die fahrenden Sänger im Ghetto erinnert, die es in der Mimik so weit gebracht hatten, dah sie mit der einen Gesichtshälfte lachen, mit der anderen weinen konnten. So weih man auch bei Sombart oft nicht, ist es Ernst oder ist es Hohn, ist es für das Judentum eine Schmeichelei oder eine Frotzelei! Als eine solche erscheint mir unbedingt sein Programm für die Gleichberechtigung der Juden. Am 11. März dieses Jahres werden es hundert Jahre, dah die Juden Preuhens die Emanzipation erlangt haben. Nach Sombart haben sie es herrlich weit gebracht. Denn Juden speisen schon von goldenem Geschirr an der Tafel des Königs von Preuhen. Soll das unser Ziel sein? So emanzipiert waren ja schon die Juden im alten Persien, die, nach der Ueberlieferung, vom König Ahasveros zur Hoftafel gezogen wurden. In dem Kampf um die Gleichberechtigung liegt aber unser Ziel auf einer ganz anderen Seite. * * * Wir haben dieser Frage zum Schluß nur wenig hinzuzufügen. Unter dem frischen Eindruck des Vortrages trat mir das alte talmudische Wort auf die Lippen: „Nicht von deinem Honig, nicht von deinem Stachel!" Sombart, der jüngste Prophet über die Zukunft des Judentums, erinnert in manchem Zuge an den ältesten Nichtjuden, der über das gleiche Thema sich hat vernehmen lassen, an Bileam, den Seher, der ausging, um dem Hebräervolk zu fluchen. Aber siehe da! nur Worte des Segens sprudeln ihm über die Lippen. Aber die alte jüdische Ueberlieferung traut nicht dem Segen Bileams mit seinem überquellenden Hymnus auf Israel. Wir achten die Wissenschaft in Sombart zu hoch, um in allen Punkten eine Parallele zwischen ihm und Bileam zu ziehen, wie diesen jene alte Ueberlieferung zeichnet. Doch ehrlich entrüstet über die hämischen Ausrufungs- und Fragezeichen, die auch aus seinen Worten uns höhnend entgegenzischten, rufen wir ihm den Satz zu, in dem die alljüdische Charakteristik Bileams gipfelt: „Lieber den Fluch eines Mose, als den Segen eines Bileam!" 4- * * Nach dem Vorträge, den das Auditorium durch laute Kundgebungen lebhaften Interesses unterbrochen hatte, schloß Herr Präsident Dr. Stern die Versammlung. und Herr >Dr. Grunwald stellte sich Anfragen zur Verfügung, die von den Herren Dr. Stricker und Böhm an ihn gerichtet wurden. Herr Dr. Grunwald fand Veranlassung. die Vorgeschichte seines Vortrages aufzuhellen. Er hatte sich bei dem Komitee, das den Sombart-Vor trag vor acht Tagen veranstaltet hat. vergebens bemüht, eine Diskussion unmittelbar nach dem Vortrag im Sofiensaal in Gegenwart Sombarts herbeizuführen, eventuell, wenn dieser sie ablehnen sollte, nach dessen Fortgang. Da dieses Ersuchen abgelehnt wurde, hatte er Sombart selbst Unter Berufung auf seine wissenschaftlichen Beziehungen zu ihm vor dem Vortrage zu einer solchen Diskussion aufgefordert. Da Sombart diesem Wunsche nicht entsprach, wandte sich Herr Dr. Grunwald an zwei in Betracht kommende Instanzen mit der Anregung, so rasch als möglich eine solche öffentliche Diskussion herbeizuführen, und Herrn Professor Sombart dazu einzuladen. Aus technischen Gründen verzögerte sich die Ansetzung des Vortrages. Nachdem Herr Dr. Grunwald noch seine Stellung zur jüdisch-nationalen Frage kurz skizziert hatte, schloß die Debatte. Der Abend hat auf sämtliche Teilnehmer einen nachhaltigen Eindruck ausgeübt und dürfte zur Klärung manchen Mißverständnisses beigetragen haben. R. L. Vom Zabrmarkt des Lebens. Die llebersetzung des Talmud 'n die ungarische Sprache. Die Ungarisch-israelitische Literatur-Gesellschaft beschäftigt sich jetzt, wie uns aus Budapest berichtet wird, mit dem Plane, den Talmud in die ungarische Sprache übersetzen zu lassen. Der Vorschlag rührt von dem Sekeretär der israelitischen Landeskanzlei Dr. Franz Mezey her, der diese Anregung damit begründet, daß der Talmud, dessen Lehre auf das geistige und sittliche Leben der Juden einen so großen Einfluh ausübt, nur Fach-

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