Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 9 (1.3.1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 136 Dr. Blochs WochenfchM Nr. S aber nicht, daß man sie damit bekleiden mutz. Auch dieser Ausspruch steht nur in dem gedruckten Vortrag. Hier hat er ihn ausgelassen. Er weiß, daß diese Theorie hier in Wien längst zur Praxis geworden ist in unserer Kommunalverwaltung. Sombart weih auch sehr wohl, daß ein solches Programm, in Berlin rein theoretisch entwickelt, wenige Stunden ostwärts ljenseits der Grenze api gut russisch in einen regelrechti.n Pogrom übersetzt wird^ Doch sehen wir von der Gefährlichkeit einer solchen Ausstellung für den Osten ab, bedenken wir nur die Konsequenzen auch für den Westen. . In letzter Instanz ist, nach der Behauptung Sombarts, die Frage der Gleichberechtigung immer in das persönliche Ermessen gewisser Beamten gestellt. Das mühte dann natürliche auch vom Richter gelten, in dessen Ermessen in so vielen Fällen die Bestimmung einer Strafe, einer Entschädigung gestellt ist. Der brauchte sich nach dieser ^ombart'schen These gar nicht im Gewissen belastet zu fühlen, wenn er dem Christen, der vor Gericht einem Juden gegenüber steht, 1 fl., dem Juden im umgekehrten Falle das zehnfache Strafmaß zumessen würde! Und das von Rechts wegen! Sombart möchte nun auch für den angeblichen Zudrang der Juden zur akademischen Karriere einen Abfluß schaffen. Jüdische Regimenter? Er faßt tatsächliche diese Möglichkeit ins Auge. Sie erscheint ihm mcht ernster Erwägung wert. Hingegen jüdische Universitäten, wissenschaftliche Institute, an denen der Ehrgeiz jüdischer Gelehrter sich ausleben könnte, das wäre eine Lösung! Sombart selbst konstatiert, daß die Juden hier und da V3 der gesamten Steuern zahlen. Dem entspräche das Recht, über V3 der Professuren an den Universitäten verfügen zu dürfen. Und Sombart erzählt, daß in Breslau, als er dort Professor war, ein volles Drittel des Lehrkörpers aus Juden bestanden habe. Rach dem Personalkatalog gab es aber um 1890 in Breslau nur vier .Juden an der Universität, die ein Ordinariat innehatten, es waren der Botaniker Cohn, der Mathematiker Rosanes, der Historiker Caro und der Philosoph Freudenthal. Später trat der Semitologe Fränkel hinzu. Eine außerordentliche Professur oder eine Dozentur bekleideten 11 Juden. Und selbst, wenn Sombart seiner Methode treu die getauften Juden als Juden mitzählt, wäre es mir nach meiner Kenntnis der Verhältnisse sehr willkommen, zu hören, wie er das volle Drittel berechnet. Ich finde nur etwa 30 bei einem Gesamtpersönalbestand von 137! Ueberhaupt sind solche Statistiken, die zwischen Juden und Christen Vergleiche ziehen, mit Vorsicht aufzunehmen. Sombart überraschte viele z. B. duxch die relativ hohen Ziffern jüdischer MitteMüler. Hierbei wird nur eines vergessen, daß nämlich Kadettenschulen, Ritterakademien, Stiftsschulen ufw. bestehen, die ausschließlich von christlichen Schülern besucht werden, aus denen Juden grundsätzlich ausgeschlossen sind, so daß natürlich die Zahl der christlichen Mittelschüler dadurch erheblich gemindert wird. So überrascht, um ein schlagendes Beispiel anzuführen, die Angabe der Statistik, daß in Preußen die größte Zahl der Bestrafungen wegen Duellierens auf die Juden entfällt. Es erklärt sich daraus, daß diese Statistik nach den Angaben der Zivilgerichte angefertigt ist, daß aber die Militärgerichte dazu kein Material beisteuern. Und nun besteht in Preußen die weitaus überwiegende Mehrzahl der Duellanten aus Offizieren und Resekoeo Mieren, die vor dem Kriegsgericht abgeurteilt werden, während die Juden vom Offiziersstande in Preußen vollständig ausgeschlossen sind. Aber, so fragt Sombart wieder, liegt denn wirklich so viel an der ordentlichen Professur? Run. denke man sich einen Mediziner phne Klinik, einen Chemiker ohne Laboratorium, einen Ustronömen ohne Sternwarte! Sombart gestattet freilich den Juden die Errichtung besonderer Institute neben den Universitäten, deren. Dozenten natürlich wie Paul Ehrlich, alles ' in. 'kcr , Mett ■ werden.' können, nur nicht kgl. preußische Ordinarien. Oder der reiche Jude baut süh. eben aus eigenen Mitteln ein Laböratorium oder ein Observatorium und in diesem Observatorium kann er geduldig Ausschau halten nach dem Stern, der die wirkliche Gleichberechtigüng heräüfführt. * * * Was wir aber an der Kritik, wie sie Sombart am Judentum übt, am meisten beanstanden, das ist der Anschein der Wissenschaftlichkeit, mit der er das Amt des Zensors ausübt. Denken wir' uns, einem Techniker von Weltruf fiele es eines Tages ein, über die römische Literatur ein absprechendes Urteil abzugeben, ohne daß er eine Zeile im Cornelius Nepos zu übersetzen imstande wäre. Die Philologen würden ihm heimleüchten, daß ihm zu einem zweiten Versuch die Lust verginge. Dem Judentum geht es nicht so gut. Ueber das Judentum darf jeder zu Gericht sitzen, der auch nicht eine Zeile in irgend einen hebräischen OrigmalteXt, ich säge'nicht übersetzen, nein, ich sage: nicht einmal buchstabieren kann. Das Judentum ist heut das Tripolis der 'Wissenschaft, in dem man sich für souverän erklärt, ohne auch nur eine Handbreit davon wirklich zu beherrschen. Man reißt aus dem lebendigen Zusammenhänge Sätze heraus und diese oft bis gär Komik mißverstandenen Zitate stempelt man zum Corpus delicti gegen das. Judentum. Wenn man diese Methode auf die deutsche Literätur anwenden wollte, man käme womöglich dahin, Schillers Glocke zu konfiszieren. Deün 'es heißt darin: „Nehmet Holz vom Fichtenstamme!" — eine offenbare Aufforderung zum Waldfrevel. Oder man schlage einmal Goethe auf. Sombart notiert aus der Memoiren der Glücket von Hameln, einer jüdischen Kaufmännin, wie oft darin vom Geschäft die Rede ist. Nun lese man das Gespräch, das in „Hermann ünd Dorothea" der Vater Hermanns mit ihm üher die Notwendigkeit einer reichen Heirat führt! In welches Licht könnten wir Goethe rücken, den wir doch verstehen, nach dem Verfahren Sombärts gegen das Judentum, das er nach meiner Ueberzeugüng nicht versteht! Es wird aus /dem alten RoM überliefert, es sei eines Tages der 'Befehl ergangen, Män dürfe bei den Gladiatorenspielen äls Zeichen d es Mißfallens in. die Arena nichts anderes äls höchstens Aepfel werfen. Als nun einmal ein Gladiator Vatmius äüftreten sollte, der eine mächtigePartei gegen sich hätte, die ihn "mit Steinwürfen zu begrüßen pflegte, da erschienen ' einige Mitglieder dieser Partei vor einem Rochtsgelehtten, einem ihrer Gesinnungsgenossen, ünd legten ihm die Frage vor, oh Tannenzapfen auch unter die Äepfel zu zählen seien. „Gewiß", lautete die Antwort, „dem Vatinms gegenüber sind Tannenzapfen' auch Aepfel". Md wie jenen Gladiator im alten Rom, so behandelt man heut das Judentum. Nun bemißt .Sombart allerdings den Anteil des Judentums an der ntateriellen Grundlegung der modernen Zeit außerordentlich hoch, wie fäL' glaube, beängstigend hoch. Aus Judentum und Technik soll die 'Gegenwart äufgebäut sein. Er versteigt sich sogar in seiner Vorliebe für „Prägungen", zu/ dem' Ausruf: „Die Juden sind Wer Schicksal," Das klingt gar zu verdächtig an, Sömbärt selbst . zitierte ' es, das bekannte Wort, Tteitschfes an: „Die Juden sitzd unser Unglück." Md er. ist in der russisches Geschichte so LWmdert, däh er gewiß äM'uu§ das Msrt