Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 8 (23.2.1912)
- Date
- 1912-02-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 124 Nr. 8 Dr. Blochs Wochenschrift s Sohin erstattet Herr Lion den Kastenbericht, welcher mit Rücksicht auf den außerordentlichen Zuschuß der Kultusgemeinde per 1000 X diesmal kein Defizit aufweist. Ortsschulrat Herr Inspektor Kanitz führt aus, die Religionsschule habe das Möglichste geleistet; er erklärt sich gleich dem delegierten Kultusvorsteher Herrn H o f f m a n n bereit, alle Wünsche des Tempel-Vereines entgegen zu nehmen und nach Kräften zu unterstützen. Zum Schluß wurde der Vorstand, bestehend aus 24 Mitgliedern gewählt; derselbe konstituierte sich wie folgt: Dr. Max O b e r s o h n, Obmann; Rudolf Lion, Obmann-Stellvertreter; Moriz Müller, Tempelvorsteyer; Dr. Jakob K o h n, Schriftführer, und Emanuel K o h n, Kassaverwalter. Mitglieder: A. Adler, Jak. Bali nt, M. Beck, Wilhelm Brünner, Paul v. Fischer, Karl Flandrak, Bela Fränkl, Johann Kotanyi, Wilhelm Kronstein, Julius Lederer, Josef Mautner, David Müller, Gustav O e st r e i ch e r, Ludwig Pekarek, Simon Philipp, Moritz Pollak, Eduard R e ch n i tz e r, Ludwig S p i r a und Louis Z e r n e r. Wie«. (DieSyuagoge der JnnernStadt.) Geehrter Herr Redakteur! Es obliegt mir die angenehme Pflicht, im Namen einer großen Anzahl regelmäßiger Besucher des Tempels der Innern Stadt Herrn Albert Mandelbaum, der fich auch sonst schon wiederholt für notwendige hygienische Verbesterungen einfetzte, ebenso auch jetzt in der Frage des Neubaues eines Tempels im I. Bezirke wärmstens und energisch aufgetreten ist, unseren herzlichen Dank an dieser Stelle zu übermitteln. Herr Albert Mandelbaum hat in unserem Sinne schon vor Jahren, als in Wien in einer Kirche ein großes Unglück geschah, darauf hingewiesen, was wir bei einer Panik in unserem lieben alten Tempel zu erwarten hätten, und deshalb bitten wir die mahnenden Worte des Herrn Albert Mandelbaum der nötigen Beachtung zu würdigen. Mit wiederholtem Danke schließend, wünschen auch wir „Schutz den alten Baudenkmälern", aber in erster Linie Schutz dem kostbarsten Material — den Menschen! Ludmilla W e l i s ch. Oberrabbiner Dr. Nathan Ehreufeld gestorben. Samstag den 17. Februar nachmittags ist in Prag der Oberrabbiner von Prag, Dr. Nathan Ehrenfeld, an den Folgen einer schweren Rippenfellentzündung, die ihn im vergangenen Sommer befallen hatte, gestorben. Mit Nathan Ehrenfeld scheidet einer der markantesten jüdischen Prediger aus dem Leben, dessen oratorische und wissenschaftliche Begabung weit über die Grenzen Prags und Böhmens hinaus bekannt war. Als Mensch war Ehrenfeld ein ungemein bescheidener, anspruchsloser Mann, der sich vermöge seines vornehmen Charakters und seines konzilianten friedlichen Wesens allgemeiner Beliebtheit erfreute. Allen Ehrentiteln und Auszeichnungen abhold, suchte er sein einziges Lebensideal in der gewissenhaftesten und rigorosesten Ausübung seines Amtes und in seinen Studien. Dr. Nathan Ehrenfeld wurde 1843 in Csusz (Komitat Komorn) geboren, studierte an den hervorragendsten Rabbinerschulen Ungarns, so in Preßburg und Eisenstadt bei dem berühmten Rabbiner Dr. Hildesheim. Seine Universitätsstudirn absolvierte er in Wien und erwarb das Doktorat in Kiel auf Grund der Dissertation „Iosef Albos' Lehre von den Prinzipien und Kriterien der Religion". Er kam zunächst nach Brandenburg a. H. als Rabbiner, dann nach Prenzlau und Gnesen. Bon dort erhielt er im Iuni 1890 den Ruf als Oberrabbiner nach Prag als unmittelbarer Nachfolger des Oberrabbiners Markus Hirsch. Vorher waren Oberrabbiner in Prag Ezechiel Landau und der Begründer der jüdischen Wissenschaft S. C. Rappoport. Die Installation fand am 4. Juni 1890 im Sitzungssaale des israelitischen Rathauses in feierlicher Weise statt. Seine Antrittsrede hielt er am 7. Iuni in der Klaussynagoge. Er erörterte damals in ebenso geistreicher wie formvollendeter Auseinandersetzung die Aufgaben, die der jüdische Priester als Lehrer des Volkes zu erfüllen habe: Förderung des Friedens in der Gemeinde, Erziehung der Jugend in religiösem Geiste, Wahrung und Erhaltung der religiösen Tradition in der Familie und in der Gemeinde. Ehrenfelds rednerische Begabung war ganz hervorragend, so daß er von den größten und angesehensten Iudengemeinden Deutschlands wiederholt schmeichelhafte Berufungen erhielt, die er aber immer ablehnte. So wurde er als Rabbiner nach Breslau berufen und noch im Iahre 1900 erging an ihn eine ehrenvolle Berufung als Rabbiner nach Berlin. An der Bahre trauern: Frau Jda geb. Posen, drei Töchter, von denen die älteste mit Dr. H. Vrody, Oberrabbinerstellvertreter und Direktor der Talmud-Thora-. schule in Prag, die zweite mit dem angesehenen Kaufmann Alexander Danziger in Wien vermählt ist; die jüngste Tochter ist noch unverheiratet. Ferner hinterläßt der Verstorbene zwei Söhne, Dr. Salo Ehrenfeld, Gymnasialprofessor in Prag, und Semi Ehrenfeld, Kaufmann in Wien. Unter geradezu massenhafter Beteiligung fand am 20. d. M. in der Klaussynagoge die Leichenfeier für den verstorbenen Oberrabbiner Dr. Nathan Ehrenfeld statt. Die schwarz drapierte Synagoge, sowie die Gassen in ihrer nächsten Umgebung waren von Trauergästen dicht gefüllt. Um 2 Uhr nachmittags wurde der Sarg, der die irdische Hülle des Verblichenen barg, von den Mitgliedern der Kultusgemeinderepräsentanz aus dem Badhofe in die Synagoge übertragen und hier vor der Bundeslade niedergestellt. Hierauf widmeten der Schwiegersohn des Verblichenen, Oberrabbiner-Stellvertreter Dr. Brody und der Präsident der Kultusgemeinderepräsentanz Dr. Arnold Rosenbacher dem verblichenen Oberhirten der Prager Kultusgemeinde innige Nachrufe. Dann wurdet der Sarg in den sechsspännigen Galaleichenwagen gehoben, worauf sich der imposante Kondukt zum Straschnitzer Friedhofe bewegte. Hinter dem Sarge schritten die beiden Söhne des Verblichenen, der Schwiegersohn und die anderen Verwandten; ihnen schlossen sich die Trauergäste an, unter denen zu bemerken waren: Der Präsident des- Handelsgerichtes Koschin Ritter von Freudenfels, Regierungsrat Zerboni in Vertretung des Hofrats und Polizeidirektors K r i k a v a, LER. Dr. B a u k a l in Vertretung des Landesgerichtspräsidenten Dr. S ch r a m e k, Hofrat Dr. U n g e r, in Vertretung der Wiener israel. Kultusgemeinde Sekretär Dr. Emil Adler, der Prorektor der deutschen Karl-Ferdinands-Universität Prof. Dr. E r ü n e r t, die Universitätsprofessoren Doktor Spiegel, Dr. Pollak, Dr. Winternitz und Doz. Dr. Reiter, Präsident der Effektenbörse Max Ritter v. Kahler, Präsident der Advokatenkammer Dr. Friedrich Kaufmann, Landesschulrat Dr. Kuh, Polizeirat Lichten st er n, Großindustrieller Dr. Hugo Grab, die Direktoren Brod und Breth, Börsensekretär kais. Rat Dr. L e i p e n, die kaiserlichen Räte Horowitz, Hahn, Soyk a, Klemperer, Kommerzialrat Böhm, Sanitätsrat Dr. W o d n a n s k y, sämtliche Rabbiner Prags und der Vororte, zahlreiche Rabbiner aus der Provinz, die Kantoren der Prager Synagogen, die Kultusgemeinderepräsentanz, der Vorstand der Veerdigungsbrüderschaft, Deputationen aller Prager israel. humanitären und gemeinnützigen Vereine und eine unübersehbare Schar anderer Trauergäste.M Auf dem Friedhofe widmete der Rabbiner von Tachau, weiter der Rabbiner von Gnesen, wo Ehrenfeld vor seiner Berufung nach Prag gewirkt hatte, sowie Obmann der Beerdigungsbrüderschaft Lieben dem Verblichenen ehrende Nachrufe.