Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 8 (23.2.1912)
- Date
- 1912-02-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 Seite 119 Dr. Vlochs Wochenschrift sichtbares Hemmnis. Die übrigen können behaglich ihre Eigenart ausleben usw. Diese Klopffechterei erlahmte gegen Schluß zusehends. Ganz natürlich! Aus dem Kuchen waren die Rosinen genommen. Das soeben erschienene Pamphlet Somba r ts „Die Zukunft der Juden", aus dem der Vortrag nur ein Exzerpt bietet, enthält nämlich alle die Pointen, die er hier auszulassen doch für ratsam hielt. Diese Konstatierung reicht vorläufig zur Charakteristik Sombarts hin. Wie wir hören, soll er in einer hiesigen Veranstaltung demnächst — hoffentlich nicht zu spät — eine öffentliche Antwort erhalten. Wir behalten uns vor, nach dieser auf den Gegenstand eingehend zurückzukomnien. vom Aabrmarkt des Lebens. Der Wunderrabbi als Rechtsfreund. Aus Budapest wird uns geschrieben: „Wenn du in deinem Leben vor irgend einer wichtigen Entscheidung stehst, versäume es nie, vorher die Sache mit deinen Freunden, jdie dir Wohlwollen, zu besprechen." Diese Worte, die er einmal gehört hat, fielen jüngst einem jüdischen Dorfwirt in der Nähe der Stadt Marmarossziget ein, als er einer schwierigen Angelegenheit ratlos gegenüberstand. Der arme Dorfwirt geriet durch den folgenden Fall in eine peinliche Lage. Drei Glaubensgenossen aus Marmarossziget waren nach dem Dörfchen gekommen, um ein größeres Geschäft abzuwickeln. Es gelang ihnen, die Sache glücklich durchzuführen und sie kehrten nach vollendetem Handel in das Dorfwirtshaus ein, um darüber schlüssig zu werden, was sie mit den sechstausend Kronen anfangen sollen, die sie als Erlös nach dem erwähnten Geschäft erhalten hatten. Es war nämlich Abend geworden und die drei Männer hatten Bedenken, mit der ansehnlichen Summe die Wanderung nach der Stadt anzutreten. Nach längerer Beratung kamen sie überein, daß sie das Geld dem ihnen als ehrlichen Mann bekannten Dorfwirt in Verwahrung geben werden. Dieser erklärte sich bereit, seinen Glaubensgenossen den Freundschaftsdienst zu tun. Er nahm das Geld, sperrte es in seine eiserne Truhe und die drei Händler traten beruhigt den Heimweg nach der Stadt an, die sie auch ohne jeden Zwischenfall erreichten. Einige Tage später erschien einer der drei Händler beim Dorfwirt und verlangte im Namen seiner zwei Geschäftsfreunde die Herausgabe der bei ihm hinterlegten Summe, die der Wirt dem Abgesandten der Geschäftskompagnie auch sofort bei Heller und Pfennig auf die Hand zählte. Es vergingen wieder einige Tage, als die anderen zwei Händler im Wirtshause erschienen, gleichfalls um die sechstausend Kronen in Empfang zu nehmen. Der Wirt war über das Begehren der zwei Männer höchst erstaunt und teilte ihnen unter Vorzeigung der Quittung mit, daß er die Summe bereits dem dritten der Kompagnie ausgefolgt hat. Die beiden Händler erschraken, und auch dem Wirte war ganz ungemütlich zumute, als er erfuhr, daß der Mann, der das Geld übernommen hatte, seit mehreren Tagen aus Marmarossziget spurlos verschwunden ist. Die zwei Händler machten nun den Wirt für das ihm anvertraute Geld verantwortlich, und da dieser nicht zahlen wollte und es auch nicht konnte, entfernten sie sich mit der Erklärung, daß sie ihn auf Herausgabe der sechstausend Kronen klagen werden. Kurze Zeit darauf -Hatto denn auch der Wirt die gerichtliche Vorladung in Händen. Der arme Mann war verzweifelt und dachte hin und her, wie er sich aus der Klemme befreien könnte. Er quälte sich lange mit Grübeln und Nachdenken ab, bis ihm die Idee kam, den Wunderrabbi der Gegend um Rat zu fragen. Er erschien am Hofe des gelehrten Mannes und die beiden Männer schlossen sich in das Empfangszimmer ein, wo der Wirt den Fall haarklein auseinandersetzte. Der Rabbi hörte ihn aufmerksam an, und als der Wirt mit seiner Erzählung zu Ende war, sprach der heilige Mann: „Geh' in Frieden nach Hause und komm wieder zu mir eine Stunde vor der Verhandlung." Der Wirt tat, wie ihm geheißen wurde, und erschien am Verhandlungslage abermals vor dem .Wunderrabbi. Die beiden Männer schlossen sich wieder ein und nach Verlauf einer Viertelstunde begab sich der Wirt ins Gerichtsgebäude. Die Verhandlung begann, und nach den üblichen Formalitäten fragte der Richter den Wirt: „Geben Sie zu, daß Sie von den drei Männern sechstausend Kronen in Verwahrung übernommen haben?" — „Jawohl, Herr Richter, ich gebe es zu," antwortete der Wirt in ruhigem Tone. — „Und sind Sie gewillt, ihnen das Geld zurückzuerstatten?" — „Jawohl, Herr Richter!" — „Und warum tun Sie das nicht?" — „Herr Richter." sprach der Wirt, „ich bin von den zwei Männern in Unrecht versetzt worden, weil ich das Geld ihrem Geschäftsgenossen ausgefolgt habe. Wenn ich nun das Geld den hier anwesenden zwei Männern gebe, muß ich befürchten, daß mich der dritte in Unrecht setzen wird. Aber ich bin bereit, die sechstausend Kronen sofort auszubezahlen, wenn alle drei Männer, die mir das Geld übergeben haben, zu mir kommen, (u:m die genannte Summe zu beheben!" Damit war die Verhandlung zu Ende und der Wirt wartet heute noch auf das Erscheinen der drei Männer. Koschere Kochkunst als Lehrgegenstand in einem Lehrernmen-Seminar. Aus Newyork wird uns geschrieben: Das neueste Lehrfach des Teachers-College sind die Speisegesetze der Juden. Fräulein Dora Saruya wird den angehenden Lehrerinnen vorerst drei Lektionen im Koscherkochen geben. Wie Dr. Benjamin R. Andrews vom College erUärt, fand man es zwecklos, den Kindern die amerikanische Küche zu lehren, da die meisten der Schülerinnen jüdischen Glaubens sind. Diese letzteren konnten selbstverständlich ihre Ellern nicht dazu bewegen, zu Hause amerikanisch, anstatt koscher zu kochen. — Und das sei auch ganz selbstverständlich, denn die jüdische Küche und die koschere Kochkunst sei zum mindesten so gut als irgend eine andere. Man wird daher den jungen Damen koscher kochen lehren. Ernennung eines Rabbiners zum Professor für Literatur. Aus Rom wird uns berichtet: Der Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Cuneo. Dr. Gustav Castelbolognesi, wurde vom italienischen Unterrichtsminister zum Professor für Literatur am Gymnasium in Fossano ernannt. In dem Ernennungsdekret wird dem Ernannten das Recht eingeräumt, an Sabbathen und jüdischen Feiertagen keinen Unterricht zu erteilen. Der gesuchteste Arzt der Wett. Eine englische Zeitschrift bringt nach, hebräischen Quellen den Nachweis, daß der unsterbliche jüdische Gelehrte Maimonides bis zum heutigen Tage der gesuchteste Arzt der Welt war. Maimonides war bekanntlich Hofarzt des Sultans Saladin und lebte in Fostat bei Kairo. Von seiner kolossalen Inanspruchnahme, bei welcher er noch Zeit gewann, sich in philosophische Fragen zu vertiefen, erhält man einen Begriff, wenn man den folgenden Brief liest, den Maimonides im Jahre 1199, im Zenith seines Rumes, an seinen berühmten Uebersetzer Ibn-Ti-Pon richtete: „Diesen Brief schreibe ichz