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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-02-23 · 8 (23.2.1912) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
8 (23.2.1912)
Date
1912-02-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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<5ieüe 118 Nr. 8 Dr. BWHs WochMchrift ständnis und eine Beichte. M<m kann unmöglich die Judenfeindschaft triumphierend auf den Schild heben, nachdem in ihrem Zeichen so viele Verbrechen geschehen sind. Umso erbitterter muh man sich an die Schmach der Hilsneraffäre, die Vergewaltigung der Justiz durch die Christlichsozialen, an die furchtbare moralische Beleidigung und schwere materielle Schädigung der Juden unter der Patronanz der Regierung nach Taasfe erinnern. Wer darf von einer Vorherrschaft der Juden sprechen, die sich trotz ihrer Loyalität, ihrer Ehrlichkeit, ihres Fleißes das alles haben gefallen lassen müssen, und die nochheute davor zittern, wenn eine schmutzige antisemitische Blase platzt? Wahrlich, wenn eine Spur von Macht im Judentum wäre, so mühte sie sich jetzt zeigen, wo der unschuldige Hilsner unter der wahnwitzigen Verleumdung des Ritualmordes noch immer im Kerker schmachtet, wo noch immer freches Gesindel es wagt, in dev Presse und in Versammlungen die dümmsten Lügen gegen uns zu schleudern. Die Macht des Judentums mühte diese Reste einer minderwertigen Gesellschaft bedenklicher Elemente endlich hinwegfegen, welche mit der Freiheit der Presse und des Wortes den gemeinsten Mißbrauch getrieben haben. Es wäre wahrlich Zeit, die Staatsgrundgesetze in ihrer Strenge wieder herzustellen, nachdem nun in unzähligen Varianten das heimliche Programm der Christlichsozialen enthüllt wurde: Der Diebstahl an den Gütern der Oeffentlichkeit hinter einer Wand von Lügen. Werner Sombart. Eine arge Enttäuschung. Wer sich auf eine Sensation für den mit großem Tam-Tam angekündigten Vortrag am 18. Februar eingerichtet hatte — und die schönen Toiletten der nichtchristlichen, sowie der „arischen" Damen und Herren ließen diese Vermutung zu —, der kam dieses Mal nicht auf seine Kosten. Obwohl die Worte wohl gesetzt waren und auch tadellos den Lippen des Sprechers durch mehr als l’/2 Stunden entströmten, so ging man doch mit der Empfindung von dannen: das Gute war nicht neu und das Neue nicht gut. Was bei Sombart stets zu tadeln, ist seine allzu bilderreiche Sprache, die für Sozialpolitik nun einmal sich nicht eignet, weil fie den Ernst oder die Bedeutung der Leitsätze schwächt. Kommen nun gar Vergleiche hinzu, zu dem Zwecke, um daraus Schlüsse, selbstverständlich nur solche, die im Voraus gewünscht wurden, zu ziehen, so muß dies geradezu als Unfug bezeichnet werden, welcher die wissenschaftliche Qualifikation des sich so gerne als Forscher Gebärdenden sehr in Frage stellt. Ein solches Gleichnis z. B. ist jenes mit dem Ferment. Daß die Juden überall das Ferment für alle Völker darstellen sollen, ist weder neu, noch zutreffend; ganz unrichtig aber ist es, hieraus die Schlußfolgerung abzuleiten, daß fie, gleich dem „Gewürz einer Speise" (die Metamorphose zum „Gewürz" vollzog sich in Herrn Sombart sprungartig) nicht zu viel sein dürfen, um die „Speise" nicht ungenießbar zu machen. Es ist dies weiter nichts, als eine banale Redensart, geradeso wie die andere, daß die Juden nur deshalb erhalten werden müssen, um die Buntscheckigkeit der Menschenrasse zu erhalten, die vermöge der fortschreitenden Kultur angeblich in eine ganz einförmige „auszuarten" droht. Herrn Professor Sombart's ausgeprägte Liebe für die „Buntscheckigkeit" ging so weit, weit über den guten Geschmack hinaus, daß er dem Auditorium sogar das dem „großen Fritz" angedichtete Bonmot darzubieten für gut befand, daß man die Juden liebe, wenn sie „jung, schön und weiblichen Geschlechtes" seien. Die Tendenz dieses tiefsinnigen Scherzes war denn auch durch die beiden versteckten Komplimente nicht wegzuwischen, deren eines in der Konstatierung bestand, daß Kinder aus Mischehen z» gut, zu intellektuell seien, während das andere in dem Wunsche ausklang, daß das Judentum im Interesse der Kultur erhalten bleibe, d. h. daß die Zukunft der Juden die Zukunft der Kultur bedeute. Wenn cs Herrn Sombart mit dem letzten Satze ernst ist, warum dürfte das Judentum denn als „Gewürz" sich nicht vermehren? Ueberhaupt die Ferment- Idee! Denkt man diesem Ausdruck oder vielmehr Gleichnis tiefer nach — und als Forscher hat man ja die Pflicht dazu — so erkennt man sofort das 'Anpassende dieser Charakteristik. Gerade das ist das Schicksal der Juden in einem jeden anderen Völker-„Kollekliv", daß sie unverstanden, als lästige Ausländer empfunden werden, zwar überall eine wesentliche Kulturerhöhung Hervorrufen, daß diese aber — als unangenehmer Zwang nur unter Widerstreben und langsam sich durchringt. Und zwar deshalb, weil, im Gegensatz zur Wirkung des Fermentes (Spaltpilzes) die Umwandlung im arischen Volkskoloß sich nicht vollzieht, während die Spaltpilze bekanntlich trotz ihrer Kleinheit die Zersetzung des Milieus, in das sie eingedrungen sind, fast ohne Begrenzung durchführen. Das ist somit ein ganz entgegengesetzter Vorgang. Wären die Juden wirklich das Ferment, wie Sombart wähnt, so waren wohl heute längst keine Riesenheerr mehr und verschiedenes andere noch ... Daß die starre gegenseitige Absonderung besteht, hatte der Vortragende ja selbst festgestellt. Natürlich kam auch das Thema der jüdischen Kolonisation an die Reihe, selbstverständllch nur für die „östlichen" (russischen, galizischen und rumänischen) Juden. Namentlich für die russischen Juden müßte in dieser Weise gesorgt werden. Da aber auch Herr Sombart kein Mittel weiß, dieses Ziel der Zionisten oder jenes der Jüdisch-Nationalen zu verwirklichen, so bleibt eben alles beim alten und in dieser trostlosen Lage bleibt das getretene russische Judentum unverändert, gewärtig der Ausführung des Urteils des unchristlichen Präsidenten der Synode, Pobodonoszew unseligen Andenkens: „ein Drittel solle auswandern, ein Drittel möge verhungern, ein Drittel wird erschlagen". — Wir hätten uns die Ausführung des Themas „Die Zukunft der Juden" anders vorgestellt. Von der hohen Bedeutung und Bestimmung des jüdischen Volkes, welche sich beispielsweise im Monotheismus (dem wirklichen) äußert, war kaum ein Wort zu hören. „Verein zur Abwehr des Antisemitismus". * * * Hierzu wird uns von befreundeter Seite geschrieben: Sombart reist in dem Artikel schon seit längerer Zeit. In Berlin und Köln hatte er schmähliche Abfuhr erfahren. So weit es überhaupt möglich ist, seiner habhaft zu werden. Denn seine Gewandtheit, seine Person nicht hinter dem Vortrag, aber nach dem Vortrag verschwinden zu lassen, entbehrt nicht der Bewunderungswürdigkeit. Nach den vorliegenden Berichten war auch von dem Wiener Vortrag eine unerhörte Frotzelei der Juden hinter der Maske „wissenschaftlicher Objektivität" vorauszusehen. Schon die einleitenden Worte mußten jedem Kenner Sombartscher Methode das Blut sieden machen. Wie er uns in sein Herz intimen Einblick erschloß! Antisemit-Sein oder Nichtsein! Das habe er sich erst fragen müssen! Entweder fühlt man es sich oder man ist es nicht. Man versteht diese Mätzchen, wenn man Sombarts „Judenbuch" kennt, wie er selbst es nennt. Diese verdächtigen Beteuerungen der „Wissenschaftlichkeit"! So wie wenn der Onkel Zahnarzt dem Kinde vor dem Zahnziehen versichert: „Es tut nicht weh', wirklich gar nicht weh'!" Dann die Stirn, einem in überwiegender Mehrzahl jüdischen Publikum ins Gesicht zu sagen: „Ein Zuviel von Euch ist ungesund" oder „Zum Assimilieren gehören Zwei. Wir — die anderen — lehnen dankend ab!" „Es gibt zwar Haß und Liebe nur von Person zu Person" (seltsam!), aber „die jüdische Kultur ist mir persönlich nicht so sympathisch, wie die deutsche." Aber warum nicht? Alle diese Sottisen quittieren ja die Juden nicht nur mit klingender Münze, sondern noch mit Beifall patschenden Händen. Diese Zumutungen wurden höchstens noch von dem Elan der Argumentation überboten. Die Unfruchtbarkeit der Mischehen läßt noch keine Schlüsse zu, „da diese Ehen noch zu jung find". Den überschüssigen Judenperzenten steht Palästina offen — ohne

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