Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-02-16 · 7 (16.2.1912) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
7 (16.2.1912)
Date
1912-02-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021981-3021989--20913-3045978
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 106 Dr. Blochs Wochenschrfft Nr. 7 letzten Sitzungen neuerdings mit dieser Frage sich zu beschäftigen, und wird der neue Ausschutz resp. Kultusrat die Beratungen über dieses Projett fortzusetzen haben. Eine Bürgschaft dafür, datz es uns gelingen dürste, diese und andere an uns herantretende wichtige Aufgaben befriedigend zu lösen, erblicke ich in der zielbewutzten Zusammenstellung des neuen Kultusrates, in Gewärtigung Ihrer freundlichen Mithilfe und Unterstützung und in der Voraussetzung, datz bei aller Verschiedenheit, bei aller Teilung der Meinungen doch nur eine Richtschnur, nur ein Ziel vorherrschen wird, und zwar das Wohl des Ganzen, das Interesse an der gedeihlichen Entwickelung unserer Gemeinde. Ich danke Ihnen nochmals für das mir entgegengebrachte Vertrauen und wünsche, datz mir Gott seinen Beistand verleihe, um den Anforderungen, die an mich gestellt werden, nach jeder Richtung hin gerecht sein zu können." Die Ausführungen des neugewählten Präses, besonders die wohlverdienten warmen Worte der Anerkennung für Herrn kais. Rat Biller wurden von den Anwesenden mit Begeisterung aufgenommen. Hierauf wurde zum ersten Präses-Stellvertreter der bisherige Obmann der Schulsektion, Herr Armin B i r - man, gewählt, welcher mit warmen Worten der Verdienste seines unmittelbaren Vorgängers, des langjährigen ersten Präses-Stellvertreter Herrn David Stern, der seit mehr als 20 Iahre der Kultus gemeind ev er-, tretung angehörte, gedachte. Zum zweiten Präses-Stellvertreter wurde der bisherige Obmann der Wohlfahrtssektion, Herr Mar Mayer, zu Ausschutzmitgliedern/ die Herren Ignaz Adler, k. k. Schulrat Professor Adolf Frucht, Adolf Feuerstein, Ienö Koppstein und Adolf Weitz gewählt. Der Kultusrat besteht aus den Herren kais. Rat Bernhard Biller, Emil Freyberg. Dr. Isidor Fuchs, Adolf Fürst, Julius Grüner, Heinrich Reumann, Markus Orowan, Alfred Pick, Ing., Gustav Pollak, Philipp Preis, Adolf Rendi, Samuel Rosenberg, Dr. Julius Spieler und Edmund Trautmann. Jüdische Kandidaten für die türkischen Parlaments- Wahlen. An dem bevorstehenden Wahlkampfe in der Türkei werden die Juden, wie aus Konstantinopel berichtet wird, naturgetreu lebhaften aktiven Anteil nehmen. Besonders in den Städten, wo die Juden in ausschlaggebender Zahl leben, wetteifern die verschiedenen Parteien um die Gunst der Wähler. Die neugegründete Partei „Entente liberale" sucht, wo es nur angeht, die Juden vom jungtürkischen Lager abzubringen. Andererseits weist das jungtürkische Komitee darauf hin, datz die „Entente", wo sie es nur konnte, antisemitische Allüren an den Tag legte, um auch die Judenfeinde für sich zu gewinnen, und sie fand kein besseres Mittel, die Jungtürken zu bekämpfen, als datz sie sie wiederholt eine Judenpartei nannte. Wohl plädieren verschiedene jüdische Organe jetzt für die Gründung einer grotzen jüdisch-politischen Reichsliga, welche die Parole für die kommenden Wahlen an die Juden ausgegeben hätte, aber bei der Zerklüftung, die innerhalb des ottomani- Judentums jetzt besteht, hat die Gründung einer solchen Liga wenigstens gegenwärtig keine Aussicht auf Erfolg. In einzelnen Städten wurden bereits jüdische Kandidaturen namhaft gemacht. So ist es fast sicher anzunehmen, datz der Präsident des jüdischen Zentralkonsistoriums, der bekannte Politiker Rissim Russo, in Konstantinopel kandidieren wird. Er gehört der jungtürkischen Partei an und hat, wie erinnerlich, an der Revolution und an dem Siege derselben hervorragenden Anteil. In Bagdad besteht die Absicht, den auch in Europa bekannten Direktor der Agence Ottomane, Salih Eourdji Bey, ein einflutzreicher Jude von Bagdad, zu kandidieren. In Adrianopel soll die Kandidatur des hervorragenden Gelehrten Rabbi Abraham Danon, Grand-Rabbin der genannten Stadt, bereits beschlossene Tatsache sein. In Saloniki selbst hat man sich bisher auf eine jüdische Kandidatur nicht einigen können. Eine kleine, wenn auch einflussreiche Gruppe hat sich für die Kandidatur des Josef Raar, der auch im Gemeinderate von Saloniki eine hervorragende Rolle spielt, entschieden. Zur DMission des türkischen Grohrabbiners. Man schreibt aus Konstan tinop el: Die Sitzung des Konsistoriums (Medschlitz dschismani) vom 2. d. M. war vollständig dem Studium der Gründe der Demission des Grotzrabbiners gewidmet. Rach vierstündiger Besprechung fatzte das Konsistorium folgende einstimmige Beschlüsse: 1. Das Konsistorium hält seinen Beschlutz über die Legalität des Vertrages mit den Aschkenasim aufrecht. 2. Die Genehmigung der Konsistorialbeschlüsse durch den Grotzrabbiner, obwohl nach Artikel 6 des Chacham- Chane-Nisam-Namessi erforderlich, ist bisher nicht üblich gewesen, ohne datz der Grotzrabbiner jemals etwas dagegen eingewendet hätte. 3. Das Konsistorium unterbreitet den Vertrag dem Grotzrabbiner zur Bestätigung. 4. Falls der Grotzrabbiner Gründe finden sollte, die ihn verhindern könnten, die Bestätigung vorzunehmen, so wird das Konsistorium kommenden Sonntag seine persönlichen Erklärungen entgegennehmen. Ungeachtet dieser Beschlüsse lehnte es der Grotzrabbiner ab, in der Konsistorialsitzung vom 4. Februar zu erscheinen, sondern beschränkte sich darauf, den Text seines an die Regierung gerichteten Rücktrittsgesuches dem Konsistorium zu übermitteln. Am 5. Februar überreichte Rabbi Haim Rahum der Regierung offiziell seine Demission nebst einem Entwurf der Motive,- der Justizminister erachtete diese jedoch nicht für genügend detailliert und teilte daher dem Grotzrabbiner mit, datz er vor einer Ergänzung der Motive das Gesuch der Hohen Pforte nicht unterbreiten könne. Er forderte den Grotzrabbiner auf, die Motive schriftlich eingehender darzulegen und dem Medschlitz Dschismani zu erklären, er solle noch keinen Kaimakam (stellvertretenden Grotzrabbiner) wählen. Der Grotzrabbiner übermittelte dem Konsistorium diese Mitteilung der Regierung. — Die „Ag. Ottomane" glaubt zu wissen, datz die unter dem Präsidium Faragi Effendis stehende, für Anfang nächster Woche einberufene Nationalversammlung (Medschlitz Umumi) die Frage entscheide und datz der Grotzrabbiner seine endgiltige Antwort auf die Wünsche des Ministers nach der Sitzung bekanntgeben werde. Die B'nai-Brith in Rumänien. Bukarest, den 5. Februar 1912. Am 26. Dezember 1886 alten Stils wurden , der Rechtsanwalt Dr. Adolphe Stern zum Präsidenten, der Rabbiner Dr. M. Beck und der praktische Arzt Dr. A. Blumenfeld zu Vizepräsidenten der im Jahre 1872 hier auf ähnlicher Grundlage wie der U. O. V. V. gegründeten „Jnfrätirea (Bruderschaft) Zion", aus der dann im Jahre 1882 die Grotzloge „Zion" Nr. 9 des U. O. V. B. hervorgegangen ist, gewählt und haben seither diese hohen Aemter in ununterbrochener Zeitfolge bekleidet. Die Wiederkehr des 25. Jahrestages der Wahl der genannten Herren in diese Aemter hat nun der Distrikt IX dazu benützt, um den Jubilaren seine Huldigungen darzubringen. An dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.