Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 7 (16.2.1912)
- Date
- 1912-02-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 De. Blochs Wochenschrift Seite 105 derselbe jtnt ersten Mahlgänge dennoch ei n stiin m i g zum Präses wiedergewählt. Mit bewegten Worten des Dankes lehnte derselbe unter Kundgebungen des tiefsten! Bedauerns die Wiederwahl ab, worauf in einem zweiten Wahlgange der bisherige zweite Präses-Stellvertreter Herr Simon Ren di einstimmig zum Präses gewählt wurde, der an den Kultusrat folgende Ansprache hielt: „Meine hochverehrten Herren! Tiefbewegt und vom Ernste dieses Augenblickes durchdrungen. kann ich die auf mich gefallene Wahl zum Präses, das ist der höchsten weltlichen Würde, die unsere Gemeinde zu verleihen hat, nur mit den Worten unserer Alten einleiten: „Der Mensch kann nur dann zu Ehren und Würden emporsteigen, wenn ihm von seinen Nebenmenschen seine Sünden verziehen, wenn ihm seine Schwächen nachgesehen werden." Nur Ihrer freundlichen Nachsicht, nur Ihrem besonderen Wohlwollen, nur Ihrer sympathischen Beurteilung meiner geringen Fähigkeiten, verdanke ich die große Ehre, die Sie mir soeben erwiesen haben. Wenn Sie so nachsichtig sind und aus meiner bisherigen bescheidenen Wirksamkeit im Kultusrate die Uebevzeugung zu schöpfen glauben, daß ich fähig bin, der Nachfolger des verdienstvollsten Mannes zu werden, den je die Grazer Gemeinde besessen, sv will ich gewiß opferwillig meinen besten Willen einsetzen, um mich dieser großen Ehre, dieses großen Vertrauens würdig zu zeigen. Aber genügen bester Wille einerseits und Nachsicht, milde Beurteilung und Wohlwollen andererseits, um einem Vorstehemmte in Graz nach einem Bernhard Biller gewachsen zu sein? Vierzehn Jahre lang hat dieser.Mann das schwierige Amt eines Leiters unserer Gemeinde mit beispiellosem Pflichteifer und Verständnis bekleidet, und müßte ich unsere heutige Sitzung sehr in die Länge ziehen, wollte ich mich mit dem Aufzählen seiner Verdienste befassen. Er war ein unübertroffener Vorsteher, ein mustergiltiger Organisator, ein wohlwollender Freund aller Gemeindemitglieder und Beamten, er war ein rastloser Arbeiter im Weinberge des Herrn. Don seiner mächtigen Energie des Willens, seinem unermüdlichen Fleiße, seinem großen Verständnisse für unsere Verwaltung, von seiner warmen aufopfernden Fürsorge für das Wohl unserer Gemeinde haben nur diejenigen eine Ahnung, die die Ehre hatten, mit ihm zu arbeiten, und wenn wir auf eine erfolgrieiche Entwicklung unserer Gemeinde zurückblicken können, so ist dies in erster Reihe sein Verdienst, welches ich mit den Worten aberkennen möchte, die auf dem Denkmale Moliöres in bler Pariser Akademie der Wissenschaften zu lesen sind. Moliere wurde nämlich zu Lebzeiten die Ausnahme in der Akademie verweigert, obwohl er ein berühmter Dichter war, aber weil er auch dem zu jener Zeit mißachteten Stande der Schauspieler angehörte. 100 Jahre nach seinem Tode wurde ihm in demselben Hause ein Denkmal gesetzt, das die Widmung trägt: „Er braucht uns nicht zu seinem Ruhme, wir brauchten ihn zu unserem Ruhme." Auch wir brauchten einen Bernhard Biller zu unserem Ruhme, denn er ist »es, der die helle Fackel in den früher dunklen Gängen unserer Verwaltung schwang und deren Finsternis erleuchtete. Die Organisation unserer Verwaltung in allen Ressorten, die Ordnung unserer Finanzen, die Regelung unseres Verhältnisses zu unseren Beamten sind unvergängliche Blätter im Lorbeerkranze, mit dem wir für ewige Zeilen sein Haupt schmücken müssen. Die Amtsmüdigkeit des Herrn kais. Rates Biller bedeutet einen schweren Verlust für unsere Gemeinde, für den wir nur den' einen Trost haben, daß er wenigstens unserem Rate erhalten bleibt, und sein Verständnis, seine Erfahrungen auch fernerhin in den Dienst her Gemeinde stellt. Die Leitung unserer Gemeinde ist eine hehre Aufgabe, die zu bewältigen ich mich wahrhaft zu schwach! fühle. Wenn ich trotzdem so unbescheiden bin, die Wahl anzunehmen, so geschieht dies eben nur im Rückblick auf die Wirksamkeit meines hochverehrten Vorgängers, dem es gelang, alle Verwaltungswege zu ebnen, die Dornen und Disteln auf demselben zu beseitigen, wodurch sein Nachfolger entlastet und dessen Aufgabe erleichtert ist. Auf der Bahn, die er gewandelt und die unsere Gemeinde zur Wohlfahrt und zum Ansehen führte, will auch ich fortschreiten, unter Beibehaltung der strengsten Objektivität will ich mein bestes Können dafür einsetzen, um das Interesse unserer Gemeinde, das Ansehen des Iudentumes in unserem Wirkungskreise fördern zu helfen. Ihnen heute programmatische Erklärungen abzugeben, möchte ich lieber unterlassen, denn die Ausstellung vielversprechender Programme kann, wenn dieselben nicht eingehalten werden, zu unliebsamen Konsequenzen führen und den Vorwurf des Wortbruches nach sich ziehen. Wenn ich aber dennoch auf zwei große Aufgaben Hinweise, die zu lösen unsere nächste Arbeit sein dürfte, so geschieht dies, weil dieselben bereits Programmpunkte der abgelaufenen Periode bildeten und deren Verwirklichung der neue Kultusrat übernimmt. In erster Reihe werden wir uns mit der so oft beratenen Aenderung der Statuten zu befassen haben. Die meisten zu ändernden Punkte, darunter auch der wichtigste, und zwar die Wahlordnung, sind von dem! abgetretenen Kultusrate bereits prinzipiell beschlossen. Bei neuerlicher Durchberatung aller bereits festgelegten Punkte aber steht es uns frsei, Beschlossenes aufzuheben resp. abzuändern. Möge es uns gelingen, diese wichtigste aller Arbeiten zu Nutz und zu Frommen unserer Gemeinde, zur Zufriedenheit aller Gemeindeangehörigen durchzuführen. Der zweite wichtige Punkt unserer Beratungen dürfte das Projekt des Ausbaues unseres Amtshauses resp. Schulhauses bilden. Die Notwendigkeit der Erweiterung unserer Kanzleiräume, das Wünschenswerte der Trennung der zweiten von der dritten Klasse und die dadurch bedingte Schaffung weiterer Schulzimmer, das dringende Bedürfnis nach einem heizbaren Winterbetsaal. in welchem zu den hohen Feiertagen, an denen sich unser Haupttempel viel zu klein erweist. Filialgottesdienst abgehalten werden kann, machen diese Vaufrage zu einer Frage von großer Bedeutung. Schon vor 3 Jahren, und zwar im Jahre 1909, hat Herr kais. Rat Biller einen wohldurchdachten Plan dieses Ausbaues entworfen und dem Kultusrate vorgelegt. Obwohl schon damals jedermann das Wünschenswerte der Verwirklichung dieses Projektes einsah, wurde demselben aus dem Grunde nicht näher getreten, weil in dem vorangegangenen Jahre durch die Bestellung des Rabbiners und Sekretärs, durch die Pensionierung der Rabbinerin, durch die Regelung der Beamtengehälter, durch die Einführung des Gemeindeboten und vieles andere unser Budget eine derart große bleibende Belastung erfahren hat, daß wir zu einem allgemeinen 20prozentigen Steuerzuschlag unsere Zuflucht nehmen mußten und der Kultusrat nicht so bald wieder neue Lasten schaffen wollte. Nachdem nun in den letzten drei Jahren unser Budget ein stabiles geblieben ist, unsere Finanzlage sich gebessert hat, die Notwendigkeit der Erweiterung unserer Räumlichkeiten aber eine viel brennendere geworden ist, so hat sich bereits der abgehende Ausschuß veranlaßt gesehen, in einer seiner