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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-02-16 · 7 (16.2.1912) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
7 (16.2.1912)
Date
1912-02-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 96 bei den Wahlen recht gründlich abgeführten Antisemitismus wieder aufzustacheln und dem deutschen Volke die Wahlen dadurch zu verleiden, -aß man die Juden als Regisseure des Wahlergebnisses hin stellt. Zuder Zeit, als der Antisemitismus auf der aufsteigenden Linie war, hätte eine solche Unterstellung vielleicht größeren Eindruck machen können, seitdem aber diese Richtung abgewirtschaftet hat, wird mit ihr nicht mehr viel anzufangen sein. Für die Ueberzeugung der eigenen Sache spricht es nicht, wenn sich! die Konservativen herablassen, ihre Waffen aus der Rüstkammer der Antisemiten zu entnehmen." Seit langer Zeit hat ein offiziöses Blatt keine so abweisende Sprache gegen die Konservativen und deren Antisemitismus geführt. Dieser verlogene und demagogische Judenhaß der Junker ist umso verächtlicher, als diese Partei während des Wahlkampfes sich auch um die jüdischen Stimmen mit ausdrücklichen Erklärungen über ihre interkonfessionelle Gerechtigkeitsliebe gewendet hat. Nun erlebt sie Mit ihrer lächerlichen Art, sich Luft zu schaffen, eine schneidige Abfuhr von der Seite der Regierung. Vor kurzer Zeit wäre diese Tatsache noch sensationeller gewesen, als sie es jetzt ist. Man betrachtet es bereits als fast selbstverständlich, daß der Antisemitismus überall Bankerott macht, und sogar in dem bis jetzt so finsteren Deutschland. Denn überall macht man die Erfahrung, daß gerade die Gegner der Juden und deren angeblicher Korruption in Wirklichkeit die Korruption betreiben. Das berühmte Wort, daß Antisemitismus die Gesinnung der Kanaille sei, wird jetzt Tag um Tag bewiesen. In Oesterreich wie in Deutschland, wo auch oft genug die Strafanstalten das Ende der antisemitischen Führer sind. Es ist aber auch sehr natürlich so. Hervorragende Antisemiten werden meistens die Leute, denen es an wertvollem Wissen und Können fehlt und die nur hervorragend schimpfen und verleumden können. Ihnen hat jetzt die „Kölnische Zeitung" den Standpunkt klar gemacht. Zu wünschen wäre nur, daß die Gerechtigkeit der deutschen Regierung nicht bloße Theorie bleibe, sondern daß man auch aufhüre, die Juden als Staatsbürger zweiten Ranges zu behandeln. Man muß ihnen in der Verwaltung und Armee die gleichen Rechte geben wie den anderen, man darf sie nicht nach jahrzehntelangem Aufenthalt aus dem Staate ausweisen. Denn die Taufe, die sie äußerlich vor den Behörden gleichberechtigt macht, vermehrt doch wahrhaftig innerlich weder ihre Fähigkeiten noch ihr Recht. Die Juden, welche nach der Meinung der Junker die Herrschaft anstreben, wollen in Wirklichkeit nicht mehr, als daß man die letzten Reste der Sklaverei in Europa aufhebe. im NerfuchslehrpLarr für jüdische Mittelschulen. Wie wir bereits in der vorigen Nummer dieses Blattes berichteten, gelangten in der jüngsten öffentlichen Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Reformvorschläge für den jüdischen Religionsunterricht an Mittelschulen zur Beratung. Abteilungsleiter Guido Fuchsgelb hielr über diesen Gegenstand das folgende Referat: Während des Schuljahres 1909/10 hat sich der Kultusvorstand mit der Beratung eines neuen Lehrplanes für den Religionsunterricht an Mittelschulen eingehend befaßt, der an die Stelle des zufolge Plenarbeschlusses vom 11. Juni 1901 in Geltung befindlichen treten sollte. Ein von der Lehrerkonferenz beschloffener Entwurf wurde von der durch die Zuziehung nicht im Dienste der Kultusgemcinde stehender Fachmänner verstärkten Unterrichtskomm iffion nach vielfachen eingehenden Beratungen Nr. 7 und nach Vornahme mannigfacher Abänderungen dem Plenum des Kultusvorstandes vorgelegt. Während die für die Unterklaffen vorgesehenen Lehipmsen befriedigten, gingen die Meinungen bezüglich des Lehrstoffes der obersten Mittelschulklassen stark auseinander. Dieser Umstand hat das Mitglied der Unterrichtskommission, H'rru Dr. Maximilian Steiner, veranlaßt, im August 1910 Vorschläge für eine umfassende Reform des Religionsunterrichtes an den zwei obersten Mittelschulklaffen auszuarbeiten, die im wesentlichen 1. eine Aenderung in der Methode, 2. eine Aenderung des Lehrstoffes anstrebten. Bevor diese Anträge seitens der Unterrichtskommission der geschäftsordnungsmäßigen Behandlung zugeführt wurden, gelangten si' an sämmtliche in Wien wirkende Religionslehrer der Mittelschulen mit dem Ersuchen um Aeußerung zur Versendung. Am 12. Dezember 1910 konnten sohin mit den Reformvocschlägen auch die dem Kultusvorstande zugekommenen Ausführungen der Lehrer der Unterrichtskommission in Vorlage gebracht werden. Es wurde beschlossen, ein ögliedriges Komitee, bestehend aus den Herren Dr. Leopold Kohn, Regierungsrat Prof. Dr. Jerusalem, Rabbiner Dr. D. Feuchtwang, Professor M. Kanitz und Dir. S. Heller mit der Beratung und Antragstellung an die Unterrichtskommission zu betrauen. Während der Arbeit dieses Komitees haben zwei Konferenzen der Religionslehrer an Mittelschulen stattgesunden, in welchen die Reform- Vorschläge vorgetragen und diskutiert wurden. Die Ergebnisse sind dem Sub-Komitee vorgelegt worden, das nunmehr der Unterrichtskommission konkrete Anträge zu stellen in der Lage war. Ueber Beschluß des Plenums vom 6. Juli 19U wurde für die 1. bis 6. Gymnasial- und für die 1. bis 5. Real-Klasse der im Schuljahre 1909/10 beratene und beschlossene neue Lehrplan mit Beginn des Schuljahres 1911/12 in Wirksamkeit gesetzt, während für die zwei obersten Klaffen die Geltung des alten Lehrplanes bis zur Erledigung der Reform-Vorschläge aufrecht zu bleiben hat. Schon in der Plenarsitzung hat sich der Kultusvorstand mit den Grundzügen der Stein er'schen Reformvorschläge einverstanden erklärt, dieselben jedoch bezüglich der Details, insbesondere aber der Festsetzung des Lehrpensums zur neuerlichen Beratung an die Unterrichtskommission rückgewiesen. Am 5. November 1911 hat das Plenum des Kultusvorstandes den folgenden modifizierten Vorschlägen der Unterrichtskommission beziehungsweise des Vertreter-Kollegiums zugestimmt: Versuchsweise sei: In der 7. und 8. Klasse des Maximilian-Gymnasiums, IX. Wasagasse; in der 6. und 7. Klasse der Staatsrealschule, IX., Glasergaffe; » n 6. „ 7. „ „ „ I., Schottenbastei ein Reformlehrplan eiyzusühren, der hinsichtlich der Details neuerlich zu beraten sein wird. Den an diesen Schulen wirkenden Religionslehrern seien besondere Instruktionen zu erteilen, welche nebst anderen Vorschriften auch die folgenden enthalten müssen: „Der Vortrag des Lehrers soll in der Regel nur die Hälfte der Unterrichtszeit in Anspruch nehmen. Nach dem Vortrage soll der Lehrer die Schüler auffordern,, sich über Einzelheiten des Vortrages auszusprechen, Fragen zu stellen, Gedanken auszutauschen. Sache des Lehrers wird es sein, die gestellten Fragen aufklärend zu beantworten, die geäußerten Ansichten zu bekräftigen oder selbe zu berichtigen, bezw. durch Gegenargumente in die richtige Bahn zu lenken." Die Schüler werden durch solche Aussprache befähigt, den dargebotenen Lehrstoff zu erfassen und sich denselben anzueignen, was durch das bisherige bloße Memorieren nicht ermöglicht worden war. Diese Aussprache zwischen dem Lehrer und sämtlichen Schülern soll an Stelle der bisherigen Form des Examinierens dem Lehrer als Grundlage für die zu erteilenden Noten dienen. Dr. Blochs Wochenschrift

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