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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-02-16 · 7 (16.2.1912) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
7 (16.2.1912)
Date
1912-02-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 7 0pB Bloch’s I«hrs«.SXM Lentralorgan für die gesamten Unter essen des Judentums. -rr"~~-D- Wien, 16. Februar 1912 Lrscbetnr jeden Freitag. Brief-Adreffe: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adreffe: Bloches Wochenschrift, Wie«. o (J=-~ -=0 o fp für ©eftrrrcli?}: Q uall'jäbrtfl 8 Sinnen: Etnzelerenrvl^.r:;">m i'.'iie: Für » Eu>i1'Uli: Halbjährig In jtimen. Ganzjährig ftxom-n. Anzeigen: Die 2nal gei'raltene Pelttzeile Heuer. i nO O O —0 o? D. k poMparkapenamI? Sleartng-Verk ebr Vir. 810.976. Redaktion und Administration. BMiit IX/1, Hahngaffe Nr. 15. l) Nr. 14.847. <1 QO — ■ —:-On Inhalt: Leitartikel: Die Herrschaft der Juden. — Ein Versuchslehrplan für jüdische Mittelschulen. — Unsere Weisen über den Umgang mit Menschen. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Das Denkmal für Berek Josselowitsch. Baron Edmond Rothschild in Oberegypten. Der neue Hafen von Tripolis. Tschirikoffs „Juden" in Odessa verboten. Jüdisches Heldentum. Auszeichnungen in Frankreich. Von den Juden in Neuseeland. Ein getaufter Jude, Gehilfsminister in Rußland. Die Kamslarstellung. — Korrespondenzen: Generalversammlung des Tempelbauvereines des VIII. Bezirkes der Stadt Wien. Verband zur Unterstützung armer israel tischer Wöchnerinnen in Wien. Konstituierung des Grazer Kultusvorstande«. Jüdische Kandidaten für die türkischen Parlamentswahlen. Zur Demission des türkischen Großrabbiners. Die B'nai Britb in Rumänien. Zur Chief-Rabbi-Frage in England. Die Heimkehr König Eduards aus Indien. Die Teilnahme der bulgarischen Juden an den Festlichkeiten in Sofia. Zur Knabenmordaffare in Kiew. Der russische Börsenkongreß gegen die Einschränkung der Rechte der Juden. — Vermischtes. — Feuilleton: „Judentaufrn". — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Die Herrschaft der Huden. Antisemitismus der deutschen Junker. Die deutschen konservativen haben einen wahren Berserkerzorn über ihre schweren Verluste bei den letzten Wahlen in den Reichstag. Sie haben aber nicht den Mut, sich die wahren Ursachen der Niederlagen einzugestehen. Die Bevölkerung hat ihnen eben eine gebührende Lektion für eine ganze Reihe von Fehlern und schweren Politischen Verbrechen gegeben. Die Junker, welche sich bekanntlich immer auf die Stützen des Thrones hinausspielen, sind in Wahrheit nicht Patrioten, sondern krasse Egoisten nach dem berüchtigten Motto: „Und der König absolut, wenn er unseren Willen tut." Als es sich darum handelte, die Kosten der großen Flotten- und Heeresrüstungen zu beschaffen, für welche die Junker lärmende Propaganda machten, da haben diese Edlen Vülow gestürzt und den Reichstag gesprengt, weil man die notwendigen neuen Steuern dem Großgrundbesitze auferlegen wollte, statt den Lebensmitteln des armen Volkes. Als die preußischen Bürger und Arbeiter für eine gerechte Form des Wahlrechtes in das preußische Abgeordnetenhaus demonstrierten, hat man sie mit dmr blanken Polizeisäbel und Militär auseinandergetrieben. Alle höheren Stellen im Staate nehmen die Konservativen in Anspruch, sie propagieren die Unterdrückung der Polen und machen dabei Geschäfte, sie entfalten eine Schreckensherrschaft über ihre Arbeiter als Gutsherren und als Industrielle, sie haben dafür gesorgt, daß sie bei der Kreiseinteilung für die Reichstagswahlen in kolossalem Vorteil sind, sie sind die schärfsten Kriegshetzer, welche ohne den Gegendruck der Bevölkerung Heuer im Sommer den Weltbrand entzündet hätten. Da sie nun auf dieses riesige Sündenregister bei den Wahlen die richtige Antwort bekommen haben, suchen sie in ihrem junkerlichen Zorn nach einem Sündenbock und haben nun diesen mit dem hohen Geiste ihres Parteiorgans, der „Kreuzzeitung", glücklich in den Juden gefunden, die in allen Ländern mit gleicher Beliebtheit zur Verantwortung für alle möglichen Vorgänge herangezogen werden. Nun beträgt die Anzahl der Juden in Deutschland nicht ganz ein Prozent, und von diesem besitzt ein Teil nicht einmal die deutsche Staatsbürgerschaft, also auch kein Wahlrecht. Trotzdem aber versucht die „Kreuzzeitung" Stimmung für einen Kreuzzug gegen die Juden zu machen und schreibt im Stile ihrer berühmten Führer Hammerstein und Stöcker, daß die Niederlage der Konservativen in erster Linie dem Judentum zuzuschreiben ist und daß dieses sich nunmehr vorbereitet, die Herrschaft über Deutschland anzutreten. So heißt es an einer Stelle der „Kreuzzeitung": „Einstweilen betrachten sich feit den Reichstagswahlen die Juden als unsere Führer. Sie versprechen dem Volke ein „neues Preußen", in dem an Stelle der Ritter und Heiligen die Börsenbarone in Herrenhaus und Abgeordnetenhaus sitzen, die Beamten- und Offiziersstellen bekleiden, den Staat entchristlichen, aus der Schule den Religionsunterricht entfernen werden. Der Siegesrausch hat sich sogar der Organisation der orthodoxen Juden bemächtigt, die bisher oft genug erklärt haben, daß ihre Religionsfreiheit bei den Konservativen am besten aufgehoben sei, da nach deren Glauben der Menschheit das Heil von den Juden gekommen ist." Eine andere Stelle, die an den Bericht einer jüdischen Versammlung anknüpft, lautet wörtlich: „Die Begeisterung, mit der sich die Versammlung zum „Trutzjudentum" bekannte, beweist, daß nunmehr das Judentum aus der ganzen Linie zum Angriff gegen Christentum und Deutschtum übergeht. Da die gesamte politische Linke bis in die Reihen der Freikonservativen hinein bereits kapituliert hat, da auch der Evangelische Bund und der katholische Modernismus sich die Protektion der Judenpresse gern gefallen lafsin, hat die Triumphstimmung der Juden vorläufig eine große Berechtigung." Das Merkwürdige an der Affäre sind nun nicht diese wahrhaftig schon banalen Angriffe selbst, sondern die Verteidigung. Niemand anders als die berühmte „Kölnische Zeitung", das halboffiziöse Organ der deutschen Regierung, borgt sich die „Kreuzzeitung" aus und liest ihr und ihren konservativen Hintermännern ordentlich die Leviten. „Man könnte es den Juden nicht verdenken", schließt der Artikel der „Kölnischen Zeitung", „wenn sie nach solchen Ausführungen der „Kreuzzeitung" vom Größenwahn befallen würden und sich wirklich als unbeschränkte Herren des Deutschen Reiches fühlten. Sie dürften aber viel zu klug sein, um diese Jeremiade der „Kreuzzeitung" ernst zu nehmen und nicht zu erkennen, daß es sich hier lediglich um den Versuch handelt, den

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