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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-02-09 · 6 (9.2.1912) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
6 (9.2.1912)
Date
1912-02-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 90 Nr. ö Dr. Mochs Wochenschrift Der neue Oberrabbiner der Federation. Rabbiner Dr. Moritz Jung aus Ung. Brod (Mähren) wurde vom Vorstände der „Federation of Synagogues", dessen Präsident Lord Swaythling-Montagu ist, zum Oberrabbiner gewählt. Die Federation ist ein Verband von 51 Synagogengemeinden, die zahlreiche Schulen und viele Wohltätigkeitsanstalten umfaßt. Sie zählt zirka 50.000 Mitglieder, besitzt jedoch auf den überwiegend größeren Teil der Londoner Judenheit einen überragenden Einfluß. Dr. M. Jung, ein gebürtiger Ungar, besuchte die Talmudschulen der berühmten rabbinischen Koryphäen zu Preßburg und Huszt, ging dann nach Marburg, wo er, ein begeisterter Schüler Professor Cohens, philosophische Studien betrieb, frequentierte hierauf die Universitäten Würzburg, Heidelberg und wurde in Leipzig zum Doktor promoviert. Dr. Jung hat namentlich auf dem Gebiete des Schulwesens Hervorragendes geleistet. Seine Schulgründungen (Storozynetz, Bukowine, Ung. Brod, Mähren und seit kurzem in Wien) sollen dem immer dringender werdenden Bedürfnisse nach jüdischen Schulen möglichst entgegenkommen. Sein Organisationstalent und seine Arbeitskraft dürften in London einen großen Wirkungskreis finden. Der Nestor der deutschen Journalisten. Der Nestor der deutschen Journalisten, Herr Mar Löwenthal, beging vorige Woche seinen 90. Geburtstag. Geboren zu Fordon bei Bromberg, wandte er sich in jugendlichem Alter nach Berlin, wo er durch Erteilung von Privatunterricht sich den Besuch des Gymnasiums zum Grauen Kloster und nach dessen Absolvierung den der Berliner Universität ermöglichte. Durch allzu eifrige Teilnahme an dem erregten politischen Leben des Sturmjahres 1848 wurde er unter dem Minister von Mühler relegiert und auch vom Besuch aller anderen deutschen Universitäten ausgeschlossen. Es gelang ihm dann, in Amerika aus eigener Kraft sich eine Eristenz als Kaufmann zu schaffen. Nach Deutschland zurückgekehrt, wandte er sich der Journalistik zu und war zunächst Redakteur bei der „Bank- und Handelszeitung", später längere Zeit Redaktionsmitglied bei der damals neu g^ründeten „Tribüne", insbesondere auf literarischkritischem Gebiete. Seine vielseitige Bildung und die außerordentlich gute Kenntnis der englischen Sprache brachte ihn mit vielen hervorragenden Persönlichkeiten in Beziehung. Nachdem er noch zwei Jahrzehnte als Berwaltungsbeamter im Dienste der hiesigen jüdischen Gemeinde tätig gewesen, trat er in den wohlverdienten Ruhestand, gehegt von der Liebe und Pflege seiner einzigen Tochter, einer Lehrerin. Ad multos annos! Vermischtes. Bortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag, den 15. Februar 1912, 1j28 Uhr abends, studet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Bereines, I., Eschenbachgafse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Max Gruuwald statt. — Thema : „Jüdische Hoffaktoren Karls VI". Mst Vorführung von Lichtbildern. — Eintritt frei, ohne Karten. Kraryablösungsspendeu zugunsten der Chcwra-Kadischa in Wien I., Seitcustettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des ikl. Edwund Lenk: Von Bernaid Löwi K 10, Erna und Otto Nußbanm K 10, M. Kodn K 10, H. Schermer K 5, Karl Lenk K 20, Fritz Lenk K 20, Ernst Löwi K 10, Gustav Schönfeld K 10, Carl Kurz K 10, Julius Weiß K 10, Philipp Schwarz K. 20. Zusammen K 135, - Anläßlich des Ablebens der sel. Franziska Plohn: Von P. M. K 5. Anläßlich des Ablebens der sel. Adele Löwen st ein: Von B. Frischauer K 10, Julie Weiß K 10. Zusammen K ±0. Wien. (Verein Frauenhort, IX. Müllnergasse 21.) Am 2. Februar veranstaltete der Frauen-. Hort an der Gruft seiner verstorbenen ersten Präsidentin Rosa Ziffer er eine Trauerkundgebung, bei der Frau Regine Bettelheim im Namen der jetzigen Präsidentin Reg ine Kopstein und Herr Julius Kop stein im Namen der Beiräte'tieferschütternde Nachrufe hielten. Außerdem versendet der Vorstand ein Gedenkblatt für die Verewigte mit der Reproduktion ihres ausgezeichneten Porträts vom akademischen Maler Fritz Schwarz und einem Nachruf. Dem Jahresbericht des Frauenhortes entnehmen wir, daß derselbe im Jahre 1911, in dem zuerst Frau Zifferer, dann Frau kais. Rat Fröhlich und zuletzt nach ihrer Rückkehr aus dem Süden Frau Regine Kopstein die Leitung hatten, 51.0 7 4 Kronen verausgabt hat, und zwar für Barunterstützungen, Oster- und Kohlenverteilung, Kinderbekleidung und Aufenthalt von 151 Mädchen im Kaiser Franz Josefs-Arbeiterinnen-Erholungsheim in Se eben stein. Im abgelaufenen Jahre hat der Verein sowohl für den 19. als 9. Bezirk die Kinderbekleidung und Wöchnerinnenaktion geleitet. Nach Ablauf des Trauerjahres für Frau Zifferer konstituierte sich der Vorstand neu, und wurde Frau Reg ine Kopstein zur Präsidentin, die Damen Olga von Doktor und Regine Bettelheim zu Vizepräsidenlinnen, Frau kais. Rat Anna Hirsch zur Kassierin, Frau Martha Stiaßny zur Kontrollorin, Frau Helene G l o g a u zur Schriftführerin und Frau Minna Vrukner zur Kassierinstellvertreterin neu, Frau Emilie Q u i t t n e r zur Kontrollorin und Frau Clötilde Benedikt zur Schriftführerin wiedergewählt. Die hochverdiente zweite Vizepräsrdentin, Frau Johanna Fröhlich, welche seit Begründung des Vereines so verdienstvoll wirkte, wurde bei ihrem bedauerlichen Ausscheiden aus dem Vorstände zum einzigen weiblichen Ehrenmitgliede des Vereines an Stelle der Frau Zifferer gewählt. Wir hoffen, daß dem Verein unter der Leitung seiner jetzigen Präsidentin, welche sich schon lange um den Frauenhort als erste Vizepräsidentin die größten Verdienste erworben hat, nicht nur die alten Gönner erhalten bleiben, sondern zahlreiche neue Zuwachsen, damit er seiner Mission und dem Andenken seiner ersten Präsidentin gerecht werden kann. Wien. Der „Israelitische Frauenverein" des 18. Bezirks hat Sonntag, am 28. Januar, im Deutschen Volkstheater eine Wohltätigkeitsvorstellung veranstaltet, um deren Zustandekommen sich der G e s a m t v o r st a n d dieses tüchtigen und rührigen Vereins sehr verdient gemacht hat. Ohne die hingebungsvolle, selbstlose Arbeit des freiwilligen Sekretärs des Frauenvereins, des Herrn Amtsleiters Sigismund Rochmis, aber wäre die Veranstaltung unmöglich gewesen. Sie fiel glänzend aus. Es wurde „Therese Krones" mit Frl. Glöckner und Hrn. Thaller in den Hauptrollen aufgeführt. Das Haus war ausverkauft und von einem äußerst vornehmen Publikum dicht besetzt. Auch der Präsident der Kultusgemeinde war anwesend. Wie wir hören, beläuft sich das Reinerträgnis auf 1600 Kronen. Der Frauenverein, der z. B. jüngst erst 50 Kinder ausgezeichnet bekleidet hat und viele Arme monatlich unterstützt, verdient die höchste Anerkennung. Das Präsidium bilden zurzeit die Damen: Frau Ottilie Hofmann, Jeanette Feuchtwang, Pauline Hirsch und Johanna Grünberger.

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