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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-02-09 · 6 (9.2.1912) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
6 (9.2.1912)
Date
1912-02-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 88 T>t. Wochs Wochenschrift Nr. 6 Haupts der britischen Gesamtjudenheil eine kleine Londoner Körperschaft, Klotz weil sie über beträchtliche Geldmittel verfügt, die leistungsschwacheren, aber weit zahlreicheren Gemeinden der Residenz und der Provinzstädte majorisiert. Unter diesen Umständen zieht es die Federation vor, an der Wahl des Chief-Rabbi überhaupt nicht teilzunehmen, hat aber in einem Schreiben an die United Synagogues die Hoffnung Und den Wunsch ausgesprochen, diese möchten einen Grotzrabbiner wählen, der allen Richtungen genehm ist. und den auch die Federation anzuerkennen in der Lage wäre. Die Haltung der Federation ist deshalb von grotzer Bedeutung, weil sie einen ansehnlichen Teil der jüdischen Bevölkerung des East End vertritt und als Wortführerin der konservativen Richtung im englischen Judentum gilt. „Das einzige Land, m welchemder Antisemitismus unbekannt ist." Tempora mutantor! Wer hätte es je gedacht, datz Spanien, das Land der traurigsten und blutigsten Erinnerungen für das jüdische Volk, jemals Gewicht darauf legen wird, offiziell festzustellen, datz es das einzige Land in Europa fei, in welchem der Judenhatz völlig unbekannt sei. Und dennoch ist es geschehen. In einem Briefe des spanischen Konsuls in Saloniki, Antonio Sugue, an die Redaktion des jüdischen Blattes „El Liberal" findet sich der obenzitierte tragikomisch klingende Passus. Die Liga zur Hebung des Fremdenverkehres in Spanien hat soeben eine Propagandaschrift herausgegeben. Der spanische Konsul in Saloniki übersendet nun dem genannten Blatte ein Exemplar dieser Schrift Mit der Bitte, dieselbe wohlwollend zu besprechen, und schlietzt dann das Schreiben mit folgenden Worten: „Es sei mir noch gestattet, besonders Zu betonen, datz Spanien das einzige Land in Europa ist, wo der Antisemitismus unbekannt ist. Die jüdischen Firmen in Barcelona Mar Sciaki, Mark Matalon und Jsaac Errera, die auch in Saloniki wohl bekannt sind, sind ein lebendiger Beweis dafür, wie gut die Juden mit den Spaniern in Barcelona auskommen." Die genannten drei Firmen sind drei Spaniolen aus Saloniki, die seinerzeit infolge der bekannten Aktion des spanischen Senators und Schriftstellers Anchel Pulido nach Spanien zurückkehrten und dort gutgehende Geschäftsverbindungen Mit dem Orient aufrechterhalten. Die Emigrationsberatung in Petersburg. Vorige Woche fand in Petersburg die Beratung über den Emigrationskongretz statt. Schon vor drei Jahren hat die Bewegung begonnen. Es wurde mit den amerikanischen Juden Fühlung genommen. Ein Bureau mit einem bezahlten Sekretär wurde in Newyork eröffnet, Versammlungen wurden abgehalten und schlietzlich beschlossen, die russische Judenheit zu dem Zwecke der Vorbereitung eines Emigrationskongresses zu organisieren. Eine Deputation war voriges Jahr in Europa herumgereist, um bei den verschiedenen Organisationen, wie „Jca", „Alliance", „Hilfsderein", Propaganda für die Idee eines Weltkongresses für Emigration zu machen. Die Deputation fand aber wenig Gegenliebe. Der bekannte Philanthrop Schiff in Newyork sprach sich energisch dagegen aus, und jetzt hat die Beratung in Petersburg wieder damit geendigt, womit man in Petersburg vor drei Jahren begonnen hatte. Es wurde nämlich gegen eine ansehnliche Minderheit beschlossen, nochmals eine Deputation nach Amerika zu senden. Die Abstimmung war eine namentliche. Für die Absendung einer Deputation nach Amerika waren 19 gegen 10 Stimmen. Dagegen waren fünf Vertreter von Petersburg, drei von Minsk, je einer von Riga und Borifvw. (Ein Vertreter von Minsk war dafür.) Im ganzen waren bei der Beratung 10 Provinzstädte beteiligt, sieben haben sich durch ihre Vertreter für die Deputation nach Amerika ausgesprochen, zwei dagegen, und die Meinungen der Vertreter von Minsk und Petersburg waren geteilt. i Eine wichtige Rede des Präsidenten Taft. Dem amerikanischen Kongresse liegen jetzt nicht weniger als neun neue Gesetzentwürfe vor, welche mehr oder minder strenge Matznahmen zur Einschränkung der Einwanderung in Amerika bezwecken. Vor einigen Tagen fand nun in Washington eine Delegiertenkonferenz des Verbandes aller e'mwanderungsfreundlichen Organisationen in Amerika statt, welche zwei volle Tage in Anspruch nahm. An der Konferenz durften auch Gegner der Einwanderung teilnehmen und das Wort ergreifen, um auf diese Weise die Möglichkeit einer gründlichen Aussprache aller Parteien und einer Beleuchtung der wichtigen Frage von allen Gesichtspunkten zu ermöglichen. Unter den Erschwerungen, welche diese erwähnten Gesetzentwürfe planen, gibt >e!s einige, die sich direkt gegen die osteuropäischen Juden richten. Aus diesem Grunde haben die in der Konferenz vertretenen jüdischen Emigrationsvereine nach Schlutz der Tagung eine Deputation an den Ministerpräsidenten Taft entsendet, um ihn über die Stimmung in den jüdischen Kreisen aufzuklärM. Präsident Taft, der zu jener Zeit unpätzlich war und sonst kerne Besuche empfing, machte dieser Deputation gegenüber eine Ausnahme. Nach Anhörung ihrer Wünsche hielt der Präsident an dir jüdische Abordnung die folgende kurze, aber kräftige Rede: „Gentlemen! Sie werden wohl begreifen, datz die Regierung in der Behandlung der Emigrationsfrage grotze Vorsicht walten lassen mutz. Ich gehöre aber nicht zu jenen, die in den Einwanderern eine Gefahr für das Land erblicken. . Unser Land ist grotz genug, und Amerika kann jedem, der hieherkommt und hier ein friedlicher, die Landesgesetze respektierender Bürger werden will, die gleichen Rechte gewähren, und ich habe durchaus nicht die Absicht, den Immigranten dieses Recht zu nehmen. Wir brauchen viele Arbeitskräfte, wir fangen zum Beispiel erst jetzt an, dm grotzen Mangel an Arbeitskräften in der Produktion von Lebensmitteln zu verspüren. Wir brauchen eine Bevölkerung, welche die Produktion von Nahrungsmitteln zu ihrem Lebensberufe macht. Das einzige, dessen wir bedürfen, ist, die Immigranten nicht in den grotzen Städten abnützen zu lassen, sondern si!e gleich nach ihrer Ankunft der Bodenkultur zuzuführen. Ich bin überzeugt, datz es sich für die jüdischen Einwanderer bei ihrem Fleitze und ihren bekannten Fähigkeiten eher lohnen würde, grotze Zentren für Lebensmittelproduktion zu schaffen und bei den immer steigenden Preisen der Nahrungsmittel sogar in kürzerer Zeit Vermögen zu schaffen, als zum Beispiel, wie es gar soviele von ihnen tun, in den grotzen Städten Zeitungsunternehmungen zu gründen. Ich werde naturgemätz alles aufbileten, damit die unerwünschten Elemente nicht nach Amerika kommen, aber andererseits werde ich gleichzeitig mit allen Kräften daran arbeiten, datz die ehrlichen, gesunden und gesetzliebenden Immigranten, welche Hieherkommen, um hier ein Gebiet ehrlicher Betätigung zu finden, ungehindert und ohne Schwierigkeiten hereingelassen werden." Die Deputation hat diese Ausführungen des Präsidenten mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Der enMche Besuch m Rutzland und der Dumadeputierte N'UeloMtsch. Wie aus Petersburg berichtet wird, hat der Umstand, datz der jüdische Dumadeputierte Nisselowitsch eine

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