Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 6 (9.2.1912)
- Date
- 1912-02-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 84 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 6 der im Buche der Könige berichtet wird, daß sie dem Erbauer einer alten Prophezeiung gemäß, „den ältesten wie den jüngsten seiner Söhne gekostet" habe. Der Tod eines jüdischen Trappisten. In Jerusalem wurde anfangs dieses Monats eine der interessantesten Figuren des Jerusalemer Iudenvier- Lels zu Grabe getragen. Es war dies Rabbi David Cohen oder wie er allgemein genannt wurde: Rabbi David Schlothek (Der Schweigsame). Vor 28 Jahren hatte der Verstorbene das Gelübde getan, kein Wort mehr zu sprechen und er hat sein Gelübde bis zu seinem Todestage eingehalten, nur in den allerseltensten Fällen der Gefahr kam ein Wort von seinen Lippen und auch das nur in hebräischer Sprache. Man nannte ihn in seiner Umgebung den Trappisten. Auch sonst war Rabbi David der Schweigsame ein ganz merkwürdiger Mensch. 22 Wochen im Jahre fastete er von Samstagabend bis zum nächsten Sabbatheingang. Der größte Teil seiner 58 Lebensjahre war dem Studium der Heiligen Lehre und Wohltätigkeitsakten gewidmet. Er wurde auch von allen, die ihn kannten, wie ein heiliger Mann verehrt. An seinem Leichenbegängnisse hatte sich beinahe die ganze Jerusalemer Iudenschaft beteiligt, und 12 angesehene jüdische Gelehrte hielten ihn ehrende Nachrufe. Eine englisch-jüdische landwirtschaftliche Schule. Eine Reihe einflußreicher jüdischer Persönlichkeiten in England interessieren sich zurzeit sehr für das Projekt, in England eine jüdische landwirtschaftliche Schule zu errichten. Es soll jungen Juden und Jüdinnen Gelegenheit zur praktischen Ausbildung in der Landwirtschaft gegeben werden, so daß sie sich später auf dem Lande ansiedeln können. Es soll zunächst ein Versuch mit 200 bis 300 Schülern gemacht werden, und zwar werden vorwiegend jüngere Einwandererelemente aus . dem Osten dafür herangezogen werden. Man schätzt die Kosten der Einrichtung auf 1000.000 Pfd. Diese Summe soll durch Ausgabe von Grundschuldbriefen auf den Besitz des Instituts aufgebracht und jährlich mit 2VZ Proz. verzinst werden. Ferner soll ein Gut zum Preise von 50—60.000 Pfd erworben werden. Weitere 10.000 Pfd. für Nebenausgaben sind vorgesehen. Die in die Anstalt eintretenden Schüler sollen zwischen 13 und 17 Jahre alt sein und wenigstens 5, höchstens 7 Jahre in der Schule bleiben. Die Schüler sollen am Reingewinn beteiligt werden und ihr Gewinnanteil wird ihnen gutgeschrieben und ihnen beim Abgang von der Schule ausgehändigt. Die Kosten für einen Schüler sollen nach Berechnung 15—20 Pfd. jährlich betragen. Neben der landwirtschaftlichen Ausbildung sind Abendkurse vorgesehen,' die hebräische Sprache und jüdische Religion sollen besonders gepflegt werden. Ein jüdisches Tagblatt m rumänischer Sprache. Wie bereits berichtet, hat in den Beratungen des unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Adolf Stern in Bukarest jüngst stattgefundenen Kongresses die Frage der systematischen Verteidigung der Rechte der rumänischen Juden die Hauptrolle gespielt. Es wurde beschlossen, die Schaffung eines jüdischen Tagblattes in rumänischer Sprache in Angriff zu nehmen. Wie uns nun aus Bukarest berichtet wird, haben die sofort eingeleiteten Vorarbeiten bisher schon einen schönen Erfolg aufzuweisen, so daß, wenn keine besonderen Hindernisse eintreten, dieses für die rumänischen Juden äußerst wichtige Organ schon im Frühjahre wird erscheinen können. Das Blatt soll i'm Sinne des Kongreßbeschlusses nicht einer bestimmten politischen Partei, sondern ausschließlich den Interessen und dem Rechtsschutz« der rumänischen Juden dienen. Korrespondenzen. Aus der öffentliche» Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israel. Kultnsgemeinde vom C. Februar 1912. Nach Eröffnung der Sitzung durch den Präsidenten Dr. Alfred Stern verliest erster Sekretär kaiserl. Rat Dr. Lieben den Einlauf. Im Einlaufe befinden sich: Dankschreiben dcr G schwrster Baumgarten für den Beschluß des Kultusvorstandes betreffend die Aufnahme ihres Vaters des sel. Herrn Emanuel Baumgarten in die Haskara der ^Gemeindebethäuser. Dankschreiben des Herrn kais. Rates Wilhelm für die Glückwünsche des Vorstandes anl. seines 70. Geburtstages. Zuschrift des Herrn Pros. Dr. Ludwig Stein (Dank für die ihm anl. seines Vortrages in Wien gewordenen Ehrungen). Dankschreiben des Herrn Geh. Negierungsrates Professor Doktor Ludwig Geiger für die Zusendung des Bibliothekskataloges der Salo Cohn'schen Schenkungen. Dankschreiben des Herrn I. V. Baß für die Glückwünsche des Vorstandes anl. seines 70. Geburtstages. Dankschreiben des Herrn Schriftstellers Alois Kulka für die Gratulation des Vorstandes anl. seines 70. Geburtstages. An Spenden liefen ein: Von Herrn Baron Alexander Popper anläßlich des Leichenbegängnisses der sel. Frau Adele Löwenstein für die Armen anstatt.K 1000.— Von Herrn S. Heit anl. des Ablebens seiner Gattin Frau Negine Heit für die Chewra-Kadischa..... L 200.— für den Handlungs-Krankenverein . „ 100.— für die Armenanstalt.„ 100.— für den Frauenverein I. ..... „ 100— K 500.— Von Anselm und Amalie Wechsler-Stiftung zur Verteilung an israelitische Arme am 18. Jänner 1912 . „ 127.42 Von Frau Emma Lackenbacher zur Verteilung an 10 Arme „ 100.— Von Frau Rachel Marmorosch für wohltätige Zwecke anl. des Sterbetages des sel. Herrn Jacob Marmorosch „ 40.— Den ersten Punkt der Tagesordnung bildet die Beschlußfassung über einige vom Vertreterkollegium beantragte Statutenänderungen. Noch ehe die beantragten Statutenänderungen zur Verlesung gelangen, erhält Kultusvorsteher Wilhelm Kuffner das Wort. Die beantragten Aenderungen, führte Redner aus, bewegen sich in drei Richtungen, ein Teil der Aenderungen betrifft eine vollständige Neugestaltung des Kultussteuerregulativs, ein weiterer Teil bezweckt die infolge der Einverleibung der Floridsdorfer Kultusgemeinde notwendig gewordene Erhöhung der Zahl der Vertrauensmänner, und der dritte- Teil soll dem Gesetze über die Verffcherungspflicht der Angestellten im Rahmen der Eemeindestatuten Rechnung tragen. Während jedoch die zwei letztgenannten Aenderungen genügend vorbereitet, und auch wirklich sehr dringlich sind, ist die geplante Statutenänderung betreffend die Kultussteuer einerseits nicht entsprechend vorbereitet, andererseits auch nicht auffchiebbar, da wir gerade am Beginne eines Steuertrienniums stehen und erst kürzlich die Steuerbemessung für die kommenden drei Jahre erfolgt ist. Ueberdies ist das Vorstandsmitglied Herr Dr. Leopold Kohn, der ausgezeichnete Fachmann in Angelegenheiten der Kultussteuer und eines der eifrigsten und sachkundigsten Mitglieder des Steuerberatungskomitees, leider krank und nicht in der Lage, heute hier diese wichtige Statutenänderung zu vertreten. Er beantrage daher, die Beschlußfassung über die Statutenänderung betreffend die Kultussteuer zu vertagen und nur die anderen zwei erwähnten Punkte in Beratung zu ziehen. Kultusvorsteher Dr. Schreiber spricht sich gegen diesen Antrag sowohl aus formellen wie auch aus materiellen Gründen aus, so sehr er auch Gewicht darauf legen würde, die Meinung des Herrn Dr. Leopold Kohn hier zu hören. Eine Vertagung würde in der Oeffentlichkeit leicht Mißdeutungen zur Folge haben.