Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 6 (9.2.1912)
- Date
- 1912-02-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021981-3021988--20889-3045953- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 83 Nr. 6 Dr. Bkochs Wochenschrift Frauen ein Geheimnis gebliebenen Satzungen unserer Religion verbreitet und in die weitesten kreise Hinausgelragen. Die verschiedensten Epochen jüdischer Geschichte, die verschiedensten Themata jüdischen Interesses, sie werden daselbst der Allgemeinheit durch den Bund näher gebracht, um einen umfassenden Ueberblick über jüdischen Geist, jüdische Tätigkeit, über jüdisches Leben und Streben in allen Ländern der Welt zu ermöglichen. Nächst den dem heutigen Judentums so nottuenden Reformen inbezug auf die Schule, die Bekämpfung des' Unglaubens in der Familie ist es eine Legion sozialer Uebelstände, deren Sanierung der Bund anstrebt. So z. B. bildet die Abschaffung des Mädchenhandels, die Verhinderung der Lungentuberkuloseverbreitung, die Handhabung des Korrektionswesens und die Erziehung der verlassenen Kinder den Gegenstand ihrer liebevollsten Fürsorge. Die Institution der „District liurses-1 und ,.Yisiting instruktoiws-1 ist ebenfalls der Initiative des Bundes zu verdanken. Das sind Frauen, denen die Pflicht obliegt, die Wohnungen der Armen zu besuchen, um sich daselbst um deren Haushalt und Kinder zu kümmern, ihnen die verschiedensten Anleitungen und Mittel zu deren Erziehung zu geben, sie aber auch mit hygienischen Instruktionen zu versehen, die krank darniederliegenden Armen zu pflegen und für Medizin und Aerzte zu sorgen. Ebenso rührend ist die Sorgfalt, die der Bund den Kranken in den Spitälern angedeihen läßt und wie er sich nachher der das Hospital verlassenden Rekonvaleszenten annimmt. ' '2 j S ■. Nach diesen Mustern weitestgehender religiöser und sozialer Betätigung, die sich auf die mannigfachsten Gebiete der Menschenliebe erstreckt, soll nunmehr auch bei uns ein Bund der jüdischen Frauen ins Leben treten, zu welchem sich bisher schon eine ziemlich große Zahl teilnehmender Frauenvereine gemeldet. Die im ganzen Lande existierenden jüdischen Frauenvereine werden sich durch ihre in das Zentrum Budapest zu entsendenden Delegierten an der Arbeit des Bundes beteiligen, der ihnen die notwendige Anregung und Direktive dazu geben wird, um das höchste, das erhabenste Ziel: die Erlösung der Bedrückten auf dem Wege der Religion und der sozialen Arbeit — zu erreichen. Budapest. Amelie Neumann. i0om Zaörmnrlrt des Lebens. Die Gleichstellung Jerusalems mit Mekka. Von einer interessanten Aktion weiß die Jerusalemer Zeitschrift „Hamoriah" zu berichten. Nach dieser Quelle soll eine Gruppe von Jerusalemer Persönlichkeiten, in welcher Vertreter aller Konfessionen zu finden sind, Schritte unternommen haben, um für die Bewohner von Jerusalem die Befreiung vom Militärdienste in demselben Maße zu erwirken, wie dies bezüglich der Bevölkerung der anderen heiligen Städte Mekka und Medma bereits der Fall ist. Die Initiatoren dieser Aktion begründen dieselbe mit der Tatsache, daß Jerusalem eine heilige Stadt sei, sowohl für die Mohammedaner, wie auch für die Christen und Juden. Man ist in den beteiligten Kreisen sehr gespannt, welchen Ausgang diese Aktion haben wird. Hohe Auszeichnung. Aus Rom wird uns berichtet: Wohltuendes Aufsehen hat die Auszeichnung des Bureauchefs der italienischen Deputiertenkammer Commendatore Montalcini mit dem Savoyenorden für Zivilper onen hervorgerufen. Dieser Orden wird nur einer sehr beschränkten Anzahl von Personen verliehen, und zwar auf Grund eines Vorschlages des Ordensrates an den König, und im Sinne der Statuten dürfen nur besonders hervorragende Vertreter der Literatur, Kunst und Wissenschaft in Vorschlag gebracht werden. Em Eremplar des altpalästinensischen Hohlmaßes Efah. Eine Newyorker Revue bringt die Mitteilung, daß der amerikanische Antiquitätensammler Iales im Besitze eines Eremplars des altpalästinensischen Hohlmaßes, der Efah. ist, deren in der Bibel so häufig Erwähnung getan wird. Anerkannte Archäologen hätten mit Bestimmtheit festgestellt, daß das Steingefäß mit der biblischen Efah identisch sei. Mister Iales hat dieses seltene Eremplar vor einiger Zeit mit anderen Antiquitäten, welche von den Ruinen des Schlosses König Arthurs in Nordcornwall in England ausgegraben wurden, erworben.' Es wird angenommen, daß diese angebliche Efah seinerzeit von religiösen Palästinapilgern von dort nach England gebracht wurde. Ein Jude Professor an einer katholischen Universität. Aus Newyork wird uns berichtet: Der ausgezeichnete Direktor des hiesigen Montefiore-Asyls Dr. Siegfried Wachsmann dürfte wohl der erste Jude sein, der zum Professor einer kath. med. Fakultät ernannt wurde. Die ausschließlich von Katholiken und für Katholiken gegründete Fordham Universität in Newyork hat Dr. Wachsmann zum Professor für klinische Medizin ernannt. Dr. Wachsmann, der erst 50 Jahre alt ist, wurde in Deutschland geboren und hat seine medizinischen Studien an der Berliner Universität absolviert. Er kam im Jahre 1899 nach Newyork und wurde bald darauf Direktor des Montefiore-Asyls. Dr. Wachsmann hat sich durch seine medizinischen Forschungen einen Namen gemacht. Von der Deutschen Orientgesellschaft. In Gegenwart des Kaisers und vor einer zahlreichen glänzenden Versammlung hielt in der Berliner Deutschen Orientgesellschaft am 13. Januar der Gießener Archäologe Professor C. Watzinger einen Lichtbildervortrag über die deutschen Forschungen in Palästina. Es waren insonderheit die Ausgrabungen der Deutschen Orientgesellschaft, denen der Vortragende als archäologischer Augenzeuge beigewohnt hatte, die der noch jugendliche Gelehrte in den Kreis seiner Betrachtungen zog. Professor Watzinger erzählt zunächst von den Forschungen im Berglande Galiläa, wo die deutsche Expedition eine hochinteressante Synagogenruine in Telhu legte. Diese Stadt ist das alte Capernaum am Genezareth. Dies Gotteshaus zeigte den für seine Entstehungsperiode, die Römerzeit, charakteristischen Grundriß der dreiteiligen Basilika. Die Außenfront der Synagoge ist noch in ziemlich guter Weise erhalten: sie zeigt reichen figürlichen Schmuck, der, jüdischen Satzungen entsprechend, wieder abgemeißelt zu sein scheint. In Galiläa hat die Orientgesellschaft noch verschiedene andere altjüdische Tempelruinen entdeckt. Von größerer Bedeutung aber waren die Funde in der Totenstadt von Petra, unweit der Hedschasbahn, wo man besonders ein wunderbares Grabdenkmal aus rotem Sandstein, das sogenannte „Schatzhaus des Pharao", erforschte. Zum Schluß ging der Gelehrte auf die Grabungen der Deutschen Orientgesellschaft ein, die 1908 09 unter Professor Sellin an der Stelle des alten Jericho unternommen wurden. Er zeigte hier eingehend und deutlich die Spuren einer dreimaligen Besiedelung der Stadt, die einst die stärkste Feste der Kanaaniter war. Am deutlichsten nachweisbar sind hier die Spuren der Wiedererbauung des unter Josua zerstörten Jericho, von