Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 5 (2.2.1912)
- Date
- 1912-02-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. B Dr. Blochs Wochenschrift Seite 7» ferenzen in Berlin veranlaßt hatten, die A. I. 5t. O. ins Leben zu rufen. An diesen Konferenzen hatte sich Dr. Bendiener als Vertreter der Prager Kultusgemeinde beteiligt. Trotz des augenblicklichen Nachlassens blutiger Pogrome ist die Lage der jüdischen Massen in Rußland eine höchst kritische. Ein permanenter wirtschaftlicher Druck zwingt sie zur Auswanderung, der sich aber nun England und Amerika verschließen. Deshalb mußte ein neues Abfluß- und Ansiedlungsgebiet gesucht werden. Ein solches bot sich nur in den Ländern des Orients. Dieser zeitgemäßen, Humanitären Aufgabe, der Ansiedlung der Juden im Orient, dient die A. I. 5t. O. Nach dem Vorgänge auswärtiger jüdischer Großgemeinden und dem ermunternden Beispiele Wiens würde sicherlich auch die Prager Gemeinde, ihren Traditionen gemäß, dem förderungswürdigen Werke ihre volle Unterstützung angedeihen lassen. Der aus Berlin eingetroffene Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses der A. I. 5t. O., Dr. Alfred N o s s i g, sprach über die Vorzüge des Orients als Siedlungsgebiet für die Juden und über die Notwendigkeit der Beobachtung kommerzieller Prinzipien bei der Humanitären Förderung der 5tolonisation. Herr Ernst Löwenberg. Berlin, berichtete über die von der A. I. 5t. O. bereits in die Wege geleiteten Kolonisations-Unternehmungen und die von ihr zum Teile geschaffenen, zum Teil vorbereiteten Finanzinstitute. Beide Referenten fanden lebhaften Beifall. In einer Besprechung, die sich an die Versammlung angliederte. beschloß der Kreis der Einberufer auf Antrag von Herrn Dr. W e l 1 s ch ein größeres Komitee zu bilden, das aus zwei Sektionen bestehen wird. Die erste wird sich, unter Heranziehung finanzkräftiger und finanzkundiger Persönlichkeiten, mit der Unterstützung der kommerziellen Institute der A. I. 5t. O. befassen, während die zweite die Propaganda für die A. I. 5t. O. als humanitäre Organisation in Prag und in anderen jüdischen Gemeinden Böhmens in die Hand nehmen wird. l Konferenz des Jto-Rates in Wien. Wie aus London berichtet wird, hat das Erekutiv- Komitee der jüdisch-territorialistischen Organisation in seiner Sitzung vom 19. Januar beschlossen, auf ausdrücklichen Wunsch der ausländischen Mitglieder des internationalen Rates, im kommenden Frühjahre in einem der jüdischen Zentren im 5tontinent eine Konferenz der Jto- Organisation abzuhalten. Der Ort der 5tonferenz ist wohl noch nicht endgiltig festgestellt, doch haben sich die Meisten für Wien ausgesprochen. Der Präsident der Jto-Organisation Israel Zangwill hat sein Erscheinen an dieser Konferenz zugesagl. Gründung eines Deutschen Landes-Komitees der Alliance Israelite. DÄ ,.N. I. K." meldet: Am Sonntag, den 28. ds. Mts., fand ist Berlin eine von der Deutschen Konferenzgemeiinschaft der Alliance Israelite Universelle e'nberufene Delegiertenversammlung der deutschen Lokalkomitees statt, die zu dem Vorgehen der Pariser Leitung Stellung nehmen sollte. Die Versammlung war sehr stark beschickt. Abgesehen von zahlreichen Gästen, die den Verhandlungen folgten, nahmen daran als stimmberechtigte Mitglieder 18 Berliner und etwa 50 Herren aus allen TeÄen des Reiches teil. Nach längeren Verhandlungen wurde m'ck allen gegen eine Stimme die Gründung eines Deutschen Landes-Komitees der Alliance Israelite Universelle beschlossen und ein 5tomitee aus 5 Personen eingesetzt, das bis zur Einsetzung des definitiven Vorstandes die Geschäfte des Landeskomitees führen rdird. Diesem vorbereitenden Komitee gehören auch die Herren Geheimrat Landau und Justizrat Fuchs an. Der Leitung der deutschen Konferenzgemeinschaft wurde einstimmig ein Vertrauensvotum erteilt. Jahresversammlung der rumänischen Juden in Bukarest. Vorige Woche fand in Bukarest unter dem Vorsitze des Vukarester Kultuspräsidenten Dr. Stern die Versammlung der jüdischen Gemeindedelegierten von Rumänien statt. Mehr als hundert jüdische Gemeinden hatten ihre Delegierten entsendet. Die Stimmung in der Versammlung war eine sehr gedrückte und alle Redner betonten, daß die gegenwärtige judenfeindliche Gesetzgebung in Rumänien nicht nur das wirtschaftliche, sondern auch das kulturelle und moralische Niveau der jüdischen Volksmassen in Rumänien herabzudrücken drohe. Eben deshalb müßten sich die Aktionen des Delegiertentages auch in allen diesen Richtungen bewegen. Es müßten Abwehr-Aktionen sowohl politischer als auch kultureller Natur ins Leben gerufen werden. Das Hauptgewicht aber sei die zielbewußte Agitation gegen den Punkt 7 der rumänischen Staatsgrundgesetze, durch welche die Juden zu fremden und zwar zu rechtlosen Fremden degradiert wurden. Im Sinne dieser einmütigen Aussprache beschloß der Delegiertentag die Gründung eines dem Schutze der Interessen der rumänischen Juden dienenden Tagblattcs. die Herausgabe von Aufklärungsbroschüren usw. Ebenso wurden hinsichtlich der Verbesserung der Erziehungsverhüllnisse der rumänisch-jüdischen Jugend wichtige Beschlüsse gefaßt. Zur Durchführung aller dieser Beschlüsse wurde ein Zentralkomitee mit dem Sitze in Bukarest und mehrere Zweigbureaus in den wichtigsten Zentren des Landes geschaffen. Falls die sofort einzusetzende Aktion den gewünschten Erfolg ausweisen wi!rd, soll das in Aussicht genommene Tagblatt noch vor Eintritt des Frühlings erscheinen. Bei diesen ihren große finanzielle Opfer erheischenden Aktionen rechnet die rumänische Judenschaft auf die Mithilfe ihrer ins Ausland ausgewanderten glüälicheren Glaubensbrüder. Interessant ist auch, daß in der Delegiertenversammlung auch der Wunsch laut wurde, irgend etwas gegen die Auswanderung der Juden aus Rumänien vorzukehren, weil dadurch der Versuch, die Rechte der rumänischen Juden durch sie selbst und zwar im Lande selbst zu erwirken, eine Schwächung erleide. Jüdische Opfer des russisch-persischen Konfliktes. Tie russischen Antisemiten hören wohl nicht auf, in lügenhafter Weise zu behaupten, daß die russischen Juden sich für den Militärdienst nicht eignen, im Kriege keinen Mut an den Tag legen und daher aus dem russischen Heere auszuschließen seien. Das hindert jedoch nicht, die jüdischen Soldaten in Rußland, so oft das Land irgend eine kriegerische Erpedition unternimmt, in auffallend großer Zahl in den Kriegsdienst zu stellen und sie gerade auf die erponiertesten Punkte zu dirigieren. So ist es auch jetzt in der russischen Erpedition nach Persien der Fall. Unter den Gefallenen auf russischer Seite befinden sich verhältnismäßig viel jüdische Soldaten, über deren Heldenhaftigkeit vom Schauplatze des Kampfes berichtet wird. In einer Stadt allein, in Ribnitzi im Podolier Gouvernement, ist die Nachricht von dem heldenmütigen Tode dreier jüdischer Soldaten bei dem Zusammenstöße in Täbris eingelangt. Endgiltrge Abschaffung des Eides „More Judaico" in Rumänien. Nach langjährigen schweren Kämpfen ist es, wie aus Bukarest gemeldet wird, endlich gelungen, die endgiltige Abschaffung des Gerichtseides „More Judaico" zu erwirken. Der Oberste Gerichtshof hat in seiner jüngsten Entscheidung diese für die Juden beschämende Eidesformel