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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-02-02 · 5 (2.2.1912) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
5 (2.2.1912)
Date
1912-02-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 72 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. S Vorstandes, Herr Dr. Heinrich Schreiber, hatte die Aufgabe, die Wogen der Begeisterung für dieses Werk zu dämpfen und die materielle Unterstützung der Muttergemeinde in Frage zu stellen, weil sie zu stark in Anspruch genommen ist und das Gebarungsbudget nicht belasten und ins Schwanken bringen darf. Die Wichtigkeit des Gotteshauses stehe außer Frage, aber die Herbeischaffung der Mittel zu seiner Erbauung müsse wohl dem Vereinsvorstand allein obliegen. Gegen diese hoffnungslose Eröffnung erhoben sich vor allem Herr Kultusvorstand und Mitglied des Vereinsvorstandes. Herr Mar Zirner, indem er als Kenner der Verhältnisse und in jedem Sinne human und religiös fühlender Mann versprach, beim Präsidium des Kultusvorstandes unsere Interessen zu vertreten und im Kultusvorstand Förderer der Hietzinger zu gewinnen. Lebhaft war das Plädoyer des Herrn Samuel Mohr, des Obmannes des Vertrauensmännerkollegiums vom 12. bis 15. Bezirk, des warmen Freundes des Hietzinger . Tempelvereins. Ihm stehe es außer Frage, daß der Vau geschehen und der Kultusvorstand mittun müsse. Dringlich wurden und alle Argumente für den Bau und die Hilfe durch den Vorstand faßten in sehr beredter Weise zusammen die Herren Aalomon Beer,-Isidor Bernfeld, Isidor Güns Franz Josef Klein, Alexander Koch und Advokat Dr. Pisk. Der Tenor aller Reden war, daß der Kultusvorstand den steuerkräftigen Bezirk unterstützen müsse, weil sonst zahlreiche Bewohner des besten Mittelstandes ohne religiöse Hilfe seien. Die anderen Verhandlungsgegenstände betrafen die Erhöhung des jährlichen Mitgliedsbeitrages von 7 auf 10 Kronen und die durch die energische Frau Franziska Birmann angeregte Frage, den Iugendgottesdienst besonders für Mittelschulen besuchter zu machen und den Religionsunterricht besser zu» organisieren, worüber Herr Amtsleiter Guido Fuchsgelb, der Vertreter der Beamtenschaft der jüdischen Kultusgemeinde, dankenswerte Aufklärungen gab. Die Synagoge der Innern Stadt. Die Regulierung der Innern Stadt, welche in letzterer Zeit in besonders raschem Tempo vorwärtsschreitet, hat das allgemeine Jntereffe der Frage der Errichtung einer neuen Synagoge in der Innern Stadt zugewendet. Bekanntlich ist der Plan aufgetaucht, die unbedingt notwendige neue Synagoge auf dem Rudolfsplatz zu errichten. Auf eine diesbezügliche Notiz in der „Neuen Freien Presse" vom 25. Jänner d. I. erschien am darauffolgenden Tage in demselben Blatte die nachfolgende Zuschrift: «Herr Redakteur! Ihrem gestrigen Abendblütte entnehme ich, daß am Rudolfsplatze ein neues israelitisches Beihaus errichtet und der bisherige Tempel in der Seitenstettengaffe demoliert werden soll. Ob das Bedürfnis nach einem neuen Bethause angcfichts der bereits stark angewachsenen Zahl von israelitischen Bethäusern ein so dringendes ist, daß man hiefür einen Teil der öffentlichen Gartenanlage am Rudolfsplatz opfern muß, bleibe dahingestellt. Daß aber der alte Tempel, ein wahres Juwel der Empirebaukunst, der neumodischen Demolierungsmanie zum Opfer fallen soll, grenzt wirklich an Vandalismus. Dieses Bauwerk war das Meisterstück des Architekten Kornhäusl, des Erbauers der Weilburg im Helenental. Mit Ausnahme des gleichfalls im Empirestil gehaltenen großen RedoutensaaleS in der Hofburg gibt eS kein Gebäude in Wien; das als gleichwertes anzusehen wäre. Es ist in den Jahren 1825 bis 1887 erbaut und durch den seither verstorbenen Architkkten Stiaßny getreu nach den Originalplänen vor etwa zehn Jahren restauriert worden. Sache der Zentralkommiffion zur Erhaltung der Baudenkmale wäre es, den angedrohten Eingriff in den ohnehin stark gelichteten Kunstbestand Wiens zu hindern. Ein alter Wiener." Mit Bezug auf diese Auseinandersetzungen erhalten wir nunmehr die folgende Gegenäußerung, welcher wir, ohne uns mit derselben zu identifizieren, Raum geben: Hochgeehrter Herr Redakteur! Heute hat in der »Neuen Freien Presse" ein alter Wiener fich dahin geäußert, daß für einen Tempelbau am Rudolfsplatz keine Notwendigkeit vorhanden ist und daß der alte Tempel in der Seitenstettengaffe, dieses „Meisterwerk der Baukunst", nicht der neumodischen Demolierungsmanie zum Opfer fallen soll. Darauf bitte ich mir ein paar Worte der Erwiderung zu gestatten. Wenn der alte Wiener meinte, daß für einen größeren Tempel kein Bedarf vorhanden ist, so möge er einmal gefälligst an einem beliebigen Freitag abend den Tempel in der Seitenstettengasse besuchen, so wird er sehen, daß nicht bloß das ganze Haus überfüllt, sondern auch die Vorhalle gepfropft voll von Menschen ist. Ferner was das „Meisterstück der Baukunst" anbetrifft, so ist es mit der Meisterhaft igkeit nicht gar so weit her, denn erstens hat man beim Bau die Fenster vergessen und Ein- und Ausgänge, sowie Auf- und Abgänge zu und von den Galerien, für überflüssig gehalten. Es ist ein Bau, bei dem an Luft, Licht und Sicherheit gar nicht im Entferntesten gedacht wurde.' Es wäre nur zu wünschen, daß dieses angebliche Meisterstück der Baukunst, je eher vom Erdboden verschwinde, jedenfalls früher, bevor es ein Unheil anrichtet. Wollte man, daß alles so bleibt, wie es zur Zeit unserer Vorfahren gewesen, müßte man beispielsweise das elektrische Licht kassieren und wieder zur Talgkerze zurückkehren und der Schnellzug müßte wieder dem Stellwagen Platz machen. Wien, 26. Jänner 1912. Albert M a n d e l b a u m. Die Allgemeine Jüdische Kolonisations-Organisation in Oesterreich. Im Anschluß an die vor kurzem stattgehabte Versammlung im Sitzungssaale der Wiener Kullusgemeinde hat sich in Wien ein Komitee gebildet, das in erster Linie die Förderung der Finanzinstitute der A. I. K. O. zum Zweck hat und dessen Mitglieder bereits eine Reihe von Beteiligungen gezeichnet haben. Sobald das Komitee auf dem Wege der Kooptierung seinen Ausbau vollendet hat, wird es an namhafte Mitglieder der Wiener Kultusgemeinde einen Aufruf erlassen. Ferner beschloß das Komitee, die von Dr. Alfred Rossig und Herrn Ernst Loewenberg in der Wiener Versammlung erstatteten Referate in Druck zu legen und zu verbreiten. Am 28. Jänner hat nun auch in Prag im Festsaal des israelitischen Rathauses eine Versammlung zugunsten des Werkes der A. I. K. O. stattgefunden. Die Einladungen waren von einem Kreise angesehener Mitglieder der Prager Kultusgemeinde ausgegangen, dem u. a. der Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, die Leiter der Kultusgemeinde Dr. Arnold Rosenbacher, Doktor Ludwig Vendiener, kaiserlicher Rat S. Haurowitz/ kais. Rat Robert Fuchs, kais. Rat Moritz Hahn. Dr. R. L. Kohner, die Präsidenten der Humanitätsvereine Bnai Brith Dr. Moritz H a m m e r s ch l a g, Doktor Gustav G i n tz, Dr. Arnold P o l l a k, der Leiter der Prager Filiale der Israelitischen Allianz Heinrich D e n h o f, ferner die Herren kais. Rat Leon Vondy, G. G. Bacher, Ad. Glaser, k. k. Kommerzialrat M. Job, Dr. Friedrich Kaufmann, Präsident der Advokatenkammer für das Königreich Böhmen, S. L i e - bers und Dr. Weltsch angehörten. Unter den Anwesenden bemerkte man kais. Rat Gottlieb Pollak, Dr. P o r g e s, Vorsteher der Kullusgemeinde Karolinenthal, Dr. Ar je, Rabbiner von Smichow, kais. Rat D. Tr oller, Dr. Ludwög Pick, Dr. W. Schleißner, kais. Rat V. Klemperer, kais. Rat. M. Thias und viele andere hervorragende Mitglieder der Prager Kullusgemeinde. In seiner warm gehaltenen Eröffnungsansprache hob der Vorsitzende Dr. L. Ben dien er die Motive hervor, die seinerzeit zwei internationale jüdische Kon-

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