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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-02-02 · 5 (2.2.1912) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
5 (2.2.1912)
Date
1912-02-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 68 Dr. Blochs WochMschrift Nr. 5 Vom Aabrmarkt des Lebens. Die neueste Kundgebung Leroy-Beaulieu's gegen die Blutluge. Wie erinnerlich hat vor kurzem ein großer Kreis russischer Gelehrter und Schriftsteller gegen die Ritualmordhetze in Rußland öffentlich feierlichen Protest erhoben. Jetzt hat sich diesen Kundgebungen auch der bekannte französische Gelehrte Anatole Leroy-Beaulieu durch einen speziellen Brief an die „Rjetsch" angeschlossen. Der Brief lautet: „Ich war tief betroffen und begann mich — ich wage es zu sagen — für Rußland zu schämen, als ich erfuhr, daß man in der russischen Presse und selbst von der Tribüne der Reichsduma herab im Ernst mit der Erörterung der Legende über rituelle Ermordungen christlicher Kinder durch Juden sich befassen konnte. Dies beweist in erster Reihe, wie stark und blind die antisemitischen Leidenschaften bei uns noch sind. Indes, wenn es auch in Westeuropa noch zahlreiche Antisemiten gibt, sei es aus religiösen, sei es aus wirtschaftlichen Motiven, so wird doch selten jemand unter ihnen es noch wagen, derartige Märchen aufrechtzuerhalten. Sonst müßte man auch der Ueberzeugung der chinesischen Volksmassen recht geben, daß die christlichen Missionäre für chinesische Kinder nur zu dem Zwecke Heine errichten, um ihnen für bestimmte magische Bedürfnisse die Augen auszureißen. Hat doch niemals die Legende vom Ritualmord, die eine Ausgeburt des Mittelalters ist, auch nur durch eine einzige wohlbegründete Tatsache ihre Bestätigung gefunden. Im Gegenteil! Alle Untersuchungen, die in verschiedenen Ländern angestellt worden sind, haben ihre völlige Lügenhaftigkeit ergeben. Dabei ist es ja in einem solchen Falle Pflicht derer, die von einem Ritualmord schreien, Indizien zu liefern. Hingegen von jenen, die ein solches Vorurteil nicht teilen und es für völlig grundlos hallen, Beweise zu fordern — das heißt, alles umzudrehen und auf jegliche Logik Verzicht leisten. Gestatten Sie mir auf das angeführte Beispiel zurückzugreifen und die Frage zu stellen: Ist jemand berechtigt, von den christlichen Missionären Beweise zu fordern, daß sie niemals kleinen Chinesen die Augen ausgerissen haben? Was mich betrifft, so habe ich nach langjährigem Studium der Frage gefunden, daß die diesbezügliche Beschuldigung nicht nur ungerecht, sondern auch sinnlos ist und daß sie in erster Reihe völlige Unkenntnis dessen offenbart, was das ganze Judentum und alle jüdischen Gesetze enthalten. Wenn es, wie ich in meinem Werke „Israel cliez les Nation«“ geschrieben habe, hat passieren können, daß ein christlicher Knabe irgendwann von Juden getötet worden ist (bewiesen hat man einen solchen Fall nicht), so konnte es nur aus Rache für üble Behandlung und für Verfolgungen geschehen, welche die Juden solange von seiten der Christen haben erdulden müssen. Weder die Religion, noch die Rasse hat damit zu tun. In vielen Ländern ist es vorgekommen, daß Männer dieser oder jener Religionen, dieser oder jener Abstammung, in ihrem Haß gegen ihre Feinde für die Leiden, die sie von ihnen zu erdulden haben, an ihnen oder — o, wehe! — selbst an ihren Kindern sich rächen. Haben jedoch irgend etwas Aehnliches jemals die Juden getan? Ich zweifle daran. Wenn aber selbst die christliche Legende vom kleinen Simon aus Trient irgend welchen Grund haben sollte, wenn die Juden damals tatsächlich ein solches Verbrechen begangen haben, so kann es in meinen Augen keine andere Erklärung haben. Erinnert Euch daran, wievielmal Christen bei Juden Kinder geraubt haben, um sie zu taufen. Schon dies allein konnte blutige Repressalien Hervorrufen. Jene Russen, die bemüht sind, diesen Fleck von Rußland abzuwaschen, die der rohen und verleumderischen Beschuldigung der Anstiftung von Ritualmorden durch Juden ein Ende bereiten wollen, erweisen ihrem Vaterlande einen großen Dienst und werden es in der Achtung der zivilisierten Welt rehabilitieren. Darum werde ich glücklich sein, meinen Namen neben den Unterschriften jener Ihrer Landsleute zu sehen, die ihre Pflicht erfüllen und mit einem Protest gegen die Ritualmordbeschuldigungen hervürlreten. Die Beschuldigung selbst aber beschmutzt weit mehr die Ehre derer, die sie Vorbringen, als derer, gegen die sie gerichtet ist." Die Ausgrabungen bei Ain Shems (Veth-Schsmesch). An einer der fünf wichtigen Straßen, welche die Ebene der Philister mit dem Hügelland von Judäa und Samaria verbinden, und zwar an der vierten Straße von Süden gerechnet, liegt Veth-Schemesch (Haus der Sonne), das heutige Ain Schems der Araber. Die Stadt liegt ungefähr in der Hälfte des Weges zwischen hem Mittelmeer und Jerusalem. In diese Stadt wurde die Vundeslade von Ekron, der Philisterstadl, gebracht, damit sie auf israelitischem Boden geborgen sei (I. Sam. 6, 12 ff.). Sie stand, wie die ihr benachbarten Städte Lachisch, Gath und Gezer, öfters lange unter ägyptischer Herrschaft, die Kultur und die Macht der Hettiter haben ihre Fühler nach ihr erstreckt, sie spielte eine Rolle in den Kämpfen zwischen Israeliten und Philister, sie fühlte die assyrische Macht und war noch in den Zeilen des Exils bewohnt. An dieser historisch interessanten Stätte hat d'er Palestine Exploration Fund unter der bewährten Leitung von Dr. Duncan Mackenzie Ausgrabungen anstellen lassen. Diese begannen am 6. April 1911, und scheu am 17. Mai resp. 1. Juni waren ausgezeichnete Erfolge zu verzeichnen. Eine große Mauer wurde auf beträchtlicher Länge aufgedeckt, deren Südtor gefunden wurde. Dieses Tor hat einen engen Eingang und einen langen Durchgang zwischen Kammern, welche für Wachen zur Verteidigung des Tores bestimmt waren, es erinnert an die bei Ezechwl beschriebenen Tempeltore. Die Mauer scheint aus der Zeit des Königreichs Israel zu stammen, aber es liegen Funde vor, die noch auf eine viele Jahrhunderte vorher bereits errichtete andere Mauer - Hinweisen. Auch zahlreiche Steinwerkzeuge und Höhlenwohnungen wurden vorgesunden, die auf eine viel frühere Besiedelung der Stätte schließen lassen. Topfwaren aus der Zeit von ungefähr 1450, ägyptische Funde aus der Zeit der 18. Dynastie wurden entdeckt. Pere H. Vincent von der biblischen und auch archäologischen Dominikanerschule in Jerusalem, der bekannte Archäolog und Verfasser des rühmlich bekannten Buches über Kenaan, hat auf gestempelten Topfhenkeln schon eine Inschrift entdecken können „Dem Könige, Hebron". Nachdem die Ausgrabungen in wenigen Wochen schon solch Interessantes hervorgebracht haben, darf man ihrer Fortsetzung mit großen Hoffnungen entgegensehen. Die Kainsdarstellung. Aus Amsterdam wird der „Vossischen Zeitung" berichtet: Nach der feststehenden und deshalb auch bis heute eingehaltenen, aber namentlich in der letzten Zeit vielfach als veraltet und unzeitgemäß angegriffenen Bestimmung der flir Schüler der „Ryks-Acadenne van Beeidende Künsten" in Amsterdam gemachten Stiftung müssen die für Zuweisung des Reisestipendiums, des „piix de Rome“ aufgegebenen Borwüife entweder dem klassischen Altertum oder der Bibel entnommen werden. In dem abgelaufenen Jahre war die Reihe an letzterer gewesen, aber man war nicht wenig erstaunt, als die im Kunstsaal der Akademie ausgestellten Modelle der Bewerber für den Bildhauerpreis eine plastische Darst.llung des „Todes von Kain" gaben. Wo steht in der Genesis ein Wort über den Tod des Brudermörders, und heißt es nicht wörtlich, daß der Herr ein Zeichen an Kain gemacht habe, daß ihn niemand erschlüge? Der Dinklar der Akademie, der Maler ter Kinderen,

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