Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 5 (2.2.1912)
- Date
- 1912-02-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. S Dr. Blochs Wochenschrift Seite 69 hat in einer besonderen lan fnn STrii* der Bekanntmackiung des Re. sultats der Preisbewerbung eine Art Rechtfertigung der Wahl des genannten Vorwurfs beigefügt, und aus dieser ging hervor, daß es sich hier um eine in der christlichen Krrcke bekannte und weitverbreitete Legende handelte, die aber seit dem 16. Jahrhundert vollständig aus der Volksüberlieferung verschwunden ist. Lamech, so hieß es. der siebente in der mit Adam beginnenden Geschlechterreihe, wurde gegen das Ende seines Lebens blind, was ihn "der nickt hinderte, sein m Berufe, der Jagd, nachmgehen, wobei er sich von seinem Sohne Tubalkain führen und leiten ließ, der ihm das Wild zeigte und den Bogen richtete. Einmal geschah es, daß der Jüngling den Bogen auf ein Gebüsch richtete, in welch m er ein Tier vermutete; aber der Pfeil, den Lan ech abdrückte, rötete Kain, der sich hier verborgen batte. Als Lamech inne wurde, was er getan hatte, richtete sich sein Zorn gegen Tubalkain, den er erschlug, und in der Tat deuten Lamechs Worte in der Bibel: „ich habe einen Mann erschlagen mir zur Wunde und einen Jüngling mir zur Beule" darauf hin. daß mit dem Mann Kain und mrt dem Jüngling Tubalkain gemeint war. Der Kirchenvater Hieronymus spricht schon über diese Sage, im neunten I 'hrbundert trat sie mit zahlreichen Ausschmückungen auf und seit der E fi'duna der Buchdruckkunst wurde sie, wie die U91 erschienene Nürnberger Chronik beweist, in weiten Volkskrersen bekannt, wie auch im französischen R ysterienspiel d s Alten Testaments das Srück: „Le desespoir de Kain et de Lamech, qui le tua“ eine hervorragende Rolle spielte. Besonders zahlreich sind die diese Legende darstellenden Bildbauerarbeiten des Mittelalters, in v'elen Kathedralen F ankreicks und Italiens findet man sie an den Portalen oder auf Glasmalereien abgebildet, und Lucas van L-yden hat sie in Kupfer gestochen. Nach dem 1h. Jahrhundert verschwindet die Sage aus dem Volksmund, erst Anfang der Neunzigerjabre des vorigen Jahrhunderts rst sie von einem französischen Kunsthistoriker wieder aufgefrischt worden, und unmöglich ist es nicht, daß dre Art und Weise, wie die von der Amst rdamer Akademie ausgeschriebene P-eisaufzabe gelöst worden ist, dazu beitragen kann, der verg'ssenen Legende neues L den ein »hauchen. — Hierzu schreibt Rabbiner Dr. Ro'enzweig in Berlin: Die Quelle zu der erwähnten plastiscken Darst.llung des Todes KainS rst nickt, wie der Amsterdamer Korrespondent angibt, eine in der christlichen Kirche bekannte und weit verbreitete Legende, die seit dem 1«. Jahrhundert vollständig aus der Bolksüberlieferung verschwunden ist, sondern eine alte jüdische Deutung zu den dunklen Worten in Gm. 4, 23, die sich in Jalknt Genesis 38 und im Kommentar des R. Salomo b. Isaak zur erwähnten Stelle ficket. Die Juden im französischen Senat. Bei den jüngst stattgehabten Ergänzungswahlen für den französischen Senat wurde Ferdinand Cremieu.r zum Senator des Bezirkes Gard wiedergeroählt. Der französische Senat zählt somit nach wie vor 4 jüdische Mitglieder, und zwar Ferdinand Dreyfus, Seine et Oise, Eduard M'lliaud, Rhone, und Paul Strauß, Senator des Seine-Departements. Zur Frage der Klagemauer. Wie aus Jerusalem berichtet wird, ist die Vorstellung des Grand Rabbin^s von Jerusalem beim Mutessaris von Jerusalem in Angelegenheit der Klagemauer bisher ohne Erfolg geblieben. Der Rat der Judengemeinde von Jerusalem hat deshalb beschlossen, falls nicht bald eine günstige Erledigung herablangen sollte, im Wege einer Deputation beim Mutessarif die dringende Außerkraftsetzung der Verfügung zu erMten, durch welche der Besuch der Klagemauer und die Verrichtung von Gebeten daselbst erschwert wurde. Korrespondenzen. Kaiserlicher Rat Ignaz Wilhelm. Am 27. v. Z. feierte kaiserl. Rat Ignaz Wilhelm, der Herausgeber der „Korr. Wilhelm", seinen 70. Geburtstag, aus welchem Anlasse ihm aus den Kreisen seiner Kollegen, sowohl wie aus allen Gesellschaftskreisen zahlreiche Ehrungen zuteil wurden. Ignaz Wilhelm ist in Boskowitz in Mähren om 28. Jänner 1842 geboren. Er hat in Brünn und Wien an der Realschule und der Polytechnik studiert und ist ^ein Selfmademan im wahrsten Sinne des Wortes. Im Jahre 1858 kam er nach Wien und hat sich hier, nachdem er einige Zeit im Buchhandel tätig gewesen war. der Journalistik gewidmet, zu der ihn seine rasche Auffassung, ein glänzendes Gedächtnis und prägnanter, knapper Stil befähigten. Im Jahre 1865 gründete er die „Korrespondenz Wilhelm", die schon damals einem Bedürfnisse entsprach, weil die Lokalberichterstattung ziemlich im Argen lag. Seine sprichwörtlich gewordene gewissenhafte und unparteiische Berichterstattung fand von allem Anfang an gebührende Anerkennung. Mit strengster Objektivität hat Wilhelm seit nahezu fünf Jahrzehnten den Wiener Blättern Berichte über lokale Vorfälle. Personalien und über alle das Kaiserhaus betreffenden Ereignisse geliefert. Ohne Unterschied der Partei zählen die Wiener Blätter Wilhelm seit Jahren zu ihren unentbehrlichen Mitgliedern. Mit unermüdlicher Kraft und Geistesschärfe steht auch heute noch Wilhelm dem komplizierten Apparat vor, der vom frühesten Morgen bis in die späte Nacht funktioniert. Nur drei Jahre fehlen noch zu einem halben Jahrhundert seit dem Bestände der „Korrespondenz Wilhelm", eine lange unausgesetzte, anstrengende und aufreibende Arbeitsperiode. Welcher Geduld, welcher Ausdauer es Jahre hindurch bedurfte, um an maßgebenden Stellen Vertrauen für sich zu erringen. Information zu erhalten, über interessante und wichtige Begebenheiten des Tages rechtzeitig unterrichtet zu werden, kann em Laie nicht beurteilen. Während seiner mühevollen und erfolgreichen Arbeit hat er nie einen Erholungsurlaub genommen, sondern seine Urlaubsreise meist mit eiuer schwierigen Berichterstattung verbunden, in Ischl, wenn Monarchenbesuche beim Kaiser waren, in Badgastein von 1872 bis 1888 regelmäßig hei den Begegnungen unseres Kaisers mit Kaiser Wilhelm I., und zwar für die großen Blätter Wiens, für Budapefter, Berliner und für Provinzblätter. Bei einzelnen dieser Kaiserbesuche waren auch der jetzige deutsche Kaiser, Bismarck und Moltke in Gastem, was der Berichterstattung große Aufgaben stellte. Seit 1865 dauert diese opfervolle gewissenhafte Arbeit Wilhelms, der schon über die Begegnung unseres Kaders mit Napoleon III. in Salzburg referierte und i!m Jahre 1888 in Innsbruck Berichterstatter über die Begegnung des Kaisers mit Königin Viktoria war. Sein Arbeitsgebiet ist die Berichterstattung über lokale Ereignisse, sowie aus der Hof- und Gef-rllschaftsfphäre, und die Wiener Tagespresse dankt ihm wesentliche Mitwirkung bei der Berichterstattung über das silberne Hochzeitsjubiläum des Kaff-erpaares, den Tod des Kronprinzen und der Kaiserin, bei Ausstellungen, Kongressen und großen Festlichkeiten. Auch über die Kronlandsreisen des Kaisers von 1878 bis 1384, über die Krönung Alexanders III. in Moskau, über die Monarchen-Entrevuen in Skierniewice und Kremfier, über die Trauerfeier für Kaiser Ferdinand II., die Einweihung der Votrvkirche und des Rathauses und vieles andere hat die „Korrespondenz Wilhelm" umfängliche Berichte ausgegeben. deren Mitteilungen auch in die gesamte Auslandpresse übergingen. Ignaz Wilhelm gehört zu den geachtetsten Journalisten Wiens und erf freut sich allgemein in allen Gefellschaftsschichten der größten Sympathie. Sie kam im Jahre 1890 bei dem 25 jährigen Jubiläum der Korrespondenz in zahlreichen Ovationen zum Ausdruck. Wilhelm wurde damals vom Kaiser durch Verleihung des Titels eines kaiserlichen Rates ausgezeichnet. Der Monarch hat auch seither die Verdienste des Mannes im Jahre 1898 durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Joseph-Ordens und im Jahre 1907 durch Verleihung des Ordens der Eisernen Krone dritter Klasse ausgezeichnet. Auch der deutsche Kaiser hat Wilhelm durch Verleihung des Kronenordens dritter Klasse und des Roten Adler-Ordens