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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-01-26 · 4 (26.1.1912) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
4 (26.1.1912)
Date
1912-01-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 54 Dr. Blochs wieder sich in Prag ansiedeln durften, lag das Gemeinwesen sehr darnieder. Damals beschlossen einige Männer, eine Vereinigung für Begräbnis- und andere humanitäre Zwecke zu gründen,- rabbinische Autoritäten begutachteten den Verein und statteten ihn mit Satzungen aus. Als erster erscheint auf der diesbezüglichen Urkunde Rabbi Eliefer der Deutsche (Aschkenasi) unterfertigt. Ihm stand der durch seine Beziehungen zu Kaiser Rudolf II. und durch die Legende bekannte Rabbi Lob Bezalel, genannt der hohe Rabbi Lob, zur Seite, und diese beiden Koryphäen gaben durch ein strenges Leichenbestattungs-Statut dem Begräbnisse wieder den Charakter der Pietät. Die Organisation der Prager Beerdigungsbrüderschaft verbreitete sich bald über die meisten israelitischen Gemeinden des österreichischen Kaiserstaates und blieb, als der Völkerfrühling des Jahres 1848 hereinbrach, außer einigen durch die veränderte Gemeindevertoaltung bedingten Abänderungen ökonomischer Art auch dann dieselbe auf Religiösität und Gesittung fußende Humanitätsanstalt wie vordem, nach den Worten ihres Anwaltes Leopold Edlen von Lämel: „Was in trüber Zeit Lorbeeren errang, hat nicht den freundlichen Blick schönerer Zeit zu scheuen." Die historische Kündigungsfeder. Der Präsident der amerikanischen Republik, Taft, hat die Feder, mit welcher er die Resolution des Kongresses betreffend die Kündigung des Handelsvertrages mit Rußland unterschrieben hat, dem Weltverbande der B'nai B'rith zum Geschenke gemacht. Der Derbandsvräsident Adolf Kraus in Chicago hat diese sinnige Auszeichnung in einem Dankbriefe an Taft zur Kenntnis genommen und veranlagt, daß die historische. Feder dem Archive der B'nai B'rith zu ewigem Andenken einverleibt werde. Korrespondenzen Ehrungen Dr. Blochs in Amerika. Aus Newyork wird uns unterm 11. Jänner geschrieben: Es war ein wahrhaft erhebender Anblick, der sich am Abend des 4. d. M. in Cooper Union bot. Galizische und bukowinische Juden bildeten das Hauptkontingent der von der Föderation galizischer und bukowinischer Juden einberufenen Versammlung, aber auch aus anderen Ländern Europas gebürtige Glaubensbrüder hatten sich eingefunden, um den Worten des Hauptredners des Abends, Dr. Bloch, zu lauschen. Und als dann dieser schließlich die Rednertribüne bestieg, begrüßten ihn nicht endenwollende Beweise der Sympathie und Liebe. Im Namen der Einberufer eröffnete Präsident Bernhard Türkei die Sitzung und übergab seinem Amtsvorgänger, Herrn Semel, das Wort, der in hebräischer Sprache die Verdienste Blochs Revue passieren ließ und speziell hervorhob, wie er es war, der in offenem Kampf Gegner wie Rohling, Schneider und Türck durch Vewe'smaterial entwaffnete. Nach ihm sprach Rabbiner Klein von der Ohab Zedek Synagoge, der im wesentlichen darauf hinwies, daß auch Bloch aus den Tiefen der talmudischen Lehren schöpfte. Wenn ein Dr. Lueger, ein Bismarck und ein russischer Zar diese Versammlung sehen würden, so dürften sie auch mit der Gewißheit von dannen ziehen, daß wir genügend geistige Kräfte besitzen, um auch diese Erzfeinde des Judentums überwinden zu können. Nunmehr ergriff Kongreßmann Goldfogle das Wort, der erklärt, zu einer solchen Versammlung lohne sich schon die Reise von Washington nach Newyork.. Er hob den Abbruch des Vertrages mit Rußland her-i WochMchrift Nr, 4 vor, den sowohl er, als auch der ihm folgende Redner, der auch in Europa bekannte, große Philanthrop Nathan Straus, ein Bruder des gewesenen Handelsministers Oscar S. Straus, als eine Frage der jüdischen Nation, die innerhalb einer nationalen Frage liege, bezeichnet. Nach einigen kurzen Ansprachen von Jsaac Even und Reuben Vrainin tritt Dr. Bloch, stürmisch begrüßt, ans Rednerpult. Herr Dr. Bloch dankt für die ihm dargebrachten Ovationen, erklärt indes, er würde es höher anschlagen, wenn die Versammlung ihre Sympathie der von ihm vertretenen Sache, nicht seiner Persönlichkeit zuwenden würde. „Sie Alle wissen, daß es noch Länder gibt, die kulturell rückständig genug sind, den Juden die Gleichberechtigung abzusprechen- oder nur auf dem Papier zu gewährleisten. Unter den letzteren darf sich meine galizische Heimat den zweifelhaften Ruhmestitel zuschreiben, an der Spitze zu marschieren. Die 900.000 dort lebenden Juden, von denen Mlehr als 25 Prozent beschäftigungslos sind, leben in der tiefsten Not, junge Mädchen jüdischer Abkunft werden von der Straße geraubt und auf Lebenszeit ins Kloster gesperrt. Die einzige Organisation, die in Europa zur Hebung dieser Zustände besteht, der galizische Hilfsverein, ist nur mit geringen Mitteln ausgestattet und konnte zur Linderung der bestehenden Not in den letzten zehn Jahren nur 150.000 Dollar aufwenden. Deshalb wende er sich um Hilfe an das kräftige israelitische Kontingent Amerikas." Die vom Redner eingebrachte Resolution, die Zustände in Galizien nicht durch Förderung der Auswanderung, sondern durch Besserung im Lande zu heben und die Gründung eines Unterstützungs-Komitees in die Wege zu leiten, fand allgemeine Annahme. Gestern, den 10. d. M., war Dr. Bloch Ehrengast der vornehmsten jüdischen Organisation Newyorks, der „Judaeans", welche Dr. Bloch im Hotel Aster ein Bankett veranstaltete. Auch hier wurde Dr. Bloch von mehreren Festrednern, so auch vom Richter S. Lachman, Reverend Dr. Moses u. m. a., begrüßt. Dr. Bloch guittierte diese Ovationen mit einer großzügigen Rede über den Eindruck, den das jüdische Leben in Amerika auf ihn machte. Er schloß seine mit rauschendem Beifall aufgenommene Rede wie folgt: „Als ich in dieses glorreiche Land kam. da hatte das amerikanisch Volk soeben einen Schritt vollzogen, der mit flammenden Worten in de Geschichte verzeichnet werden wird. Es war die Kündigung des Handelsver träges mit Rußland. Diese Tat wird für ewige Zeiten als ein Symbol da für dienen, daß in dieser Republik alle Bürger wirklich gleich sind. Denn dieser Schritt wurde gerade in einer Zeit unternommen, da die europäischen Mächte in der Jagd nach materiellen Vorteilen selbst auf Kosten von Recht und Gesetz mit einander wetteifern. Der mutige Schritt des amerikanischen Volkes hat uns jedoch den trostreichen Beweis geliefert, daß Freiheit und Recht endlich eine sichere Heimstätte gefunden haben. Ich beglückwünsche Euch, amerikanische Juden, denn mit eurem Kampfe habt ihr den Rechtstitel erworben, als die Führer der Judenschaft der ganzen Welt angesehen zu werden. Euch wenden sich unsere Blicke zu, wenn uns Hilfe nottut. Der englische Jude dünkt sich vollkommen gleich mit dem englischen Nichtjuden. Die Londoner Rothschilds empfangen in ihren Palais Könige als ihre Gäste. Aber der letzte und ärmste englische Arbeiter kann frei nach Rußland gehen, wann und so oft es ihm beliebt, aber Rothschild, der Freundbes Königs, kann es nicht. Frankreich ist eine Republik. Ihre Grundpfeiler sind die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Aber ein französischer Jude kann deshalb doch nicht nach Rußland kommen. Die Schmcch besteht nicht darin, daß sie nicht nach Rußland g'h.en dürfen, bndern darin, daß sie gegen diese Ausnahmsstellung nicht mit dem ganzen Einsatz ihrer Ehre protestieren." Ein wahrer Vegeisterungstaumel folgte diesen zündenden Worten des hinreißenden Redners. Rabbinerverband in Böhmen. Am 26. Dezember 1912 fand die Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Böhmen unter dem Vorsitze des Präsidenten Prof. Dr. Adolf Kur rein statt. Der vom Präsidenten erstattete Rechenschaftsbericht legte Zeugnis ab von der rührigen Tätigkeit, die der Verband entfaltete. Als in einer Kultusgemeinde Böhmens lein Kollege bittere Erfahrungen durchmachen

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