Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 3 (19.1.1912)
- Date
- 1912-01-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021981-3021985--20848-3045909- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. S Dr. Blochs WochSnWrist Seite 45 spannung seiner Kräfte, durch Stundengeben und sonstige Nebenarbeiten sich durchbringen konnte. Endlich stand er am Ziele. Mit glänzendem Erfolge bestand er die juristischen Rigorosen und promovierte sub auspiciis imperatoris. . Einen so glänzend qualifizierten Bewerber öffnete selbst der Staat die Pforten zu einer Beamtenlaufbahn, ohne an seiner Konfession und seinem östlich klingenden Namen Anstoß zu nehmen. Chaim Tiefbaß trat bei der Finanzprokuratur ein und stieg, dank seinen hervorragenden Kenntnissen, seinem Scharfsinne und — seiner Anpassungsfähigkeit, immer höher und höher. Wer jetzt den schlanken, eleganten jungen Mann sah, hätte in ihm kaum den einstigen Chederjungen in zerrissenen Kleidern und Ringellocken wiedererkannt., Er verkehrte in der besten Gesellschaft. Freilich nahmen seine ehemaligen Kollegen daran Anstoß, daß er eifrig bestrebt war, sich nur mit Christen zu befreunden, und daß er insbesondere ängstlich bemüht war, seinen jüdischen Landsleuten aus Galizien soviel als möglich aus dem Wege zu gehen. Auch darüber munkelte man, daß Chaim Tiefbaß für seine greisen Eltern und seine armen Geschwister in dem fernen galizischen Städtchen kaum das Notwendigste tat und sich nur höchst ungern an seine Abstammung erinnern ließ. Vor einem halben Jahre brachte die „Wiener Zeitung" seine Ernennung zum Oberfinanzrat. Vor drei Wochen hat sich Chaim Tiefbaß taufen lassen. G. L. gttarttht«. Bei Ullstein u. Co., Berlin,'SW. 68, Kocbstrasse 23 sind neuerdings erschienen (ä 1 Mk.): Heinz Tovote, Mutter! . . Die „Mutter“ ist eine von ihrem Sohn abgöttisch geliebte, als Idealgestalt weiblicher Reinheit verehrte Fran. Und dieser Glaube, an die Mutter wird zerstört, da der Sohn die niederschmetternde Entdeckung macht, dass auch diese Frau menschlich gefehlt hat. Walter Bloem, Sonnenland. An Bord des schmucken Lloydschiffes „Therapia“ würfelt der Zufall eine buntgemiachte Reisegesellschaft zusammen. Um die Schicksale dieser liebenswerten Menschen schlingt sich ein munterer Kreis von meist humoristisch gesehenen Gestalten und im Hintergründe zieht ein leuchtender Reigen von Landschafts- und Knlturbildern aus den gesegneten Zonen des Südens vorüber. Walter von Molo, Die Weibsgesellen. Berlin 1911. Schuster u. Löffler. In eigenartigem Stil wird der Kampf zweier Männer, die einander fast brüderlich nahestehen, um das Weib geschildert, das dem einen durch Neigung, dem anderen durch Schicksal angehört. Ein Pfarrer, der des Amtes entsetzt wird, weil er einer Judenleiche die letzte Ehre erwiesen, ein anderer, der blutigen Fanatismus predigt und an einer Bauernhank zum Betrüger wird, flankieren die Gruppe. x. „Das Reich der Deutschen“. (Ein Weckruf von Konrad Stauffer.) Verlag der „Priener Buchdruckerei und Verlagsanstalt“ Glas u. Hübner, Prien am Chiemsee. M. 2.—. Man merkt es jeder Seite an, dass es von einem Manne geschrieben wurde, der im praktischen Leben steht. Umso wirksamer ist sein Weckruf an das Bürgertum, vor allem an die Kaufmannschaft. Auch was von den Juden gesagt wird, ist ehrlich und gut gemeint. Solchen unmodernen Mahnungen wünschten wir eine reiche Nachfolge. R Jerusalem. Jahrbuch zur Förderung einer wissenschaftlich genauen Kenntnis des jetzigen und des alten Palästinas. Herausgegeben von A. M. Luncz unter Mitwirkung von Fachmännern im Heiligen Lande und ausserhalb desselben. Band IX. Heft 3 bis 4. Druck und Verlag des Herausgebers, Jerusalem 1911. Shakespeare’s „Macbeth“ in jüdischer Sprache. Der galizische Schriftsteller Isaac Weinstock hat soeben im Aufträge des Lemberger jüdischen Theaters die erste Uebersetzung von Shakespeare’s gewaltigem Drama „Macbeth“ in die jüdische Sprache vollendet, Das Stück wird noch in dieser Saison auf der Lemberger jüdischen Bühne zur Aufführung gelangen. Vor einiger Zeit hat Herr Weinstock auch Schiller’s „Räuber“ ins Jüdische übertragen und damit gleichfalls am Lemberger jüdischen Theater grosse Erfolge erzielt. „Das freie Wort“. Frankfurter Halbmonatsschrift für Fortschritt auf allen Gebieten des geistigen Lebens. Begründet von Karl Saenger. Herausgegeben von Max Henning. XI. Jahrgang, Nr. 20. Zweites Jännerheft 1912. Inhalt: Zur Wirtschaftftsfrage an der Jahreswende. — Intimus! Diplomatische Doktorfragen. — Philalethes: Die Lüge in der ulramoutanen Politik. — Otto Corbach: Klassenjustiz. — H. Kötschke: Trennung von Staat und Kirche. — Dr. John Mez: Die volkswirtschaftliche Bilanz der Rüstungen, — Dr. H. Kur el a: Träume, Vögel, Seelen und Götter! — Kleine Mitteilungen. — Neuer Frankfurter Verlag, G. m. b. H., Frankfurt am Main. Jung-Juda. Illustrierte Zeitschrift für unsere Jugend. XIII. Jahrgang, Nr. 1. Prag, den 5. Jänner 1912 (16. Tebeth 5672). Inhalt: Heinrich Grünau: Umkehr. — Ben Jehuda. — Der Hofmeister und sein Zögling. — Tripolis (mit 2 Illustrationen). - Oskar Stein: Der Sabbathgast. — H. Rosenbaum: Der elfte Mann. — Dr. Adolf Heller: Das Erdbeben. — Egyptische Schulmädchen. (Illustration.) — Vom Hirten zum Gelehrten. — J. Labiner: Zwei Helden. — Briefkasten. — Uebersetzungsaufgabe und Preis-Rätsel. — Redaktion und Administration: Prag, II., Stephansgasse 6^9. Kriefkaste« Dr. H. K. Das historische Haus Fäedrichstraße 225 in Berlin wird jetzt verschwinden, da es verkauft worden ist nnd abgerissen werden soll. Das Grundstück wurde von Friedrich Wilhelm I. bei dem Fortbau der Friedrichsladt von der Mauerstraße zum Bellealliauceplatz seinerzeit den Kaufleuten der Judenschaft angewiesen, die es, ebenso wie die meisten Gewerke ähnliche benachbarte Grundstücke, in dieser Gegend bebauen mußten. Hier siedelten sich nach Fidicin damals an: die Seidenwirker (Nr. 239), die Hutmacher (Nr. 240), die Posamentierer (Nr. 241) usw., auf der anderen Seite der Straße die Tabakspinner (Nr. 125), die „neuen Gewerke" (Nr. 26), die Wein- und Bierschänker (Nr. 31), die Butterhändler (Nr. 37). Die erste Bebauung des Grundstücks Nr. 225 fällt nur kurze Zeit nach Erteilung des Generalprivilegiums an die Juden, die nach ihrer Vertreibung aus der Mark (im Jahre 1572) in einer Zahl von 30 Familien 1671 hier ausgenommen wurden und 1700, 1714, 1730 neue Privilegien erhielten. In dem Hause wurde lange Jahre hindurch die bekannte Neußsche Wagenfabrik betrieben und als Wahrzeichen dafür stand über der Eingangstür auf einer Konsole eine herrschaftliche Kutsche. Mit dem Haus schwindet das älteste Gebäude der Friedrichstraße dahin. M. P. in E. An L.der Budapester Universität wurde bloß ein einziges Mal, und zwar an der juristischen Fakultät, ein Jude zum Dekan gewählt. Es war dies der auch außerhalb Ungarns bekannte Rechtsgelehrte Professor Dr. Gustav Schwarz. Er blieb auch während seines Dekanates noch Jude. Merkwürdigerweise ließ er sich unmittelbar nach Ablauf des Dekanatsjahres taufen. Sein Uebertritt zum Christentum hat damals nicht geringes Aufsehen erregt. Der von Ihnen genannte Professor für ungarische Philologie an der Budapester Un.versität Dr. Simoryi ist wohl ordentlicher Profesior, aber gleichfalls getauft. Vor seiner Taufe war er P,ofessor für ungarische Sprache und Literatur an dem Budapester Landesrabbinerseminar. Professor Bernhard Alexander, einer der hervorragendsten Philosophen der Jetztzeit, gehört unseres Wissens auch heute noch dem Judentums an. Statistiker. Die von der Pariser Zeitschrift „Nature" in jüdische Blätter übergegangene Statistik über die Zahl der Juden in den einzelnen Weltteilen, Ländern und Städten ist durchaus unverläßlich. Sie entspricht nicht einmal recht den Daten der vorletzten Volkszählung. Nach der „Nature" soll es in Wien jetzt nicht mehr als 146 926 Juden geben. Diese Zahl ist in Wien schon längst überschritten. Heute dürfte man in Wien schon über 170.000 Juden zählen. Ebenso steht es mit den übrigen, von dem genannten Pariser Blatte angeführten Ziffern. Das die Juden betreffende statistische Material der letzten Volkszählung in Oesterreich ist unseres Wiffens bisher noch nicht zusammenfassend behandelt worden. K. S. A. In London erscheinen unseres Wissens die folgenden jüdischen Blätter: „The Jewish Chronicle", (englisch) 2 Finsbury Square. „The Jewish World" (englisch) E. C. 7 South Street Finsbury,. „The Jewish Cxpreß (Jargon) E., 89 Commercial Street. „The Jewish Journal" (Jargon) 22 Osborn Street. In Paris: „L'llnivers Jsraelite" (Redakteur S. Halff) (französisch) 10 Rue du Delta. Notizen. Jüdische Bühne. Direktion: M. Siegler. „Hotel Stefanie", II., Taborstraße 12. Freitag den 19., Samstag den 20. und Mittwoch den 24. Jänner 1912 : „M enfch soll man seiOperette von A. und M. Scharr. — Sonntag den 21., Montag den 22. und Dienstag den 23. Jänner 1912: „Schabes Koidesch", Operette von S Feivmann. — Donnerstag den 25. Jänner 1912: „Gabrie l", Operette von I. Lateiner. — Sonntag den 21. Jänner, nachmittag halb 4 Uhr: „Al Naharojs Buwel", Operette von I. Lateiner.