Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 3 (19.1.1912)
- Date
- 1912-01-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 4 Dr. Wochs WochWWkfft Nr. 3 der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands gegründet. Derartige Vereinigungen können wohl die Jugend dem „Judentums dem Namen nach" erhalten, aber werden das Judentum nicht stärken und stützen, weil die Tendenz von diesen Vereinigungen nicht das Studium der heiligen Sprache ist, in welcher die größten schätze des jüdischen Geistes aufgespeichert sind, oder die Ausübung der religiösen Satzungen. Liebe und Begeisterung' für unseren erhabenen Glauben können einzig und allein die Eltern in ihnen Lindern wachrufen, wenn sie ihnen mit gutem Beispiele vorangehen, wenn sie selbst Juden sind mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit allen Kräften; wenn sie Juden sind aus Ueberzeugung von der Wahrheit. Innigkeit und Tiefe des Judentums. Hochachtungsvoll Hermann Tauber. Gedenkfeier für Bernhard Frankel. Aus Berlin wird geschrieben: In dem mit Topfgewächsen aller Art und der sehr wohl gelungenen Büste des Verblichenen geschmückten Hörsaal der Universitätsklinik für Hals- und Nasenkrankheiten hatte sich eine stattliche Anzahl von Mitgliedern der Berliner Laryngologischen Gesellschaft, von Chariteärzten, jetzigen und früheren Assistenten und Freunden zusammengefunden, um der Gedenkfeier beizuwohnen, die sie ihrem Begründer und Vorsitzenden veranstaltete. Der langjährige Mitarbeiter Bernhard Fränkels hiÄt die Gedenkrede, die sich unwillkürlich, indem sie die glänzende Laufbahn des Dahingeschiedenen als eines zu großem Ansehen gelangten Laryngologen vor den Augen der Versammlung aufrollte, zu einer Darstellung der Entwicklungsgeschichte der Laryngologie im allgemeinen, wie der Laryngologie in Berlin gestaltete. Fiel doch die Lehrzeit Bernhard Fränkels auf dem Gebiete der Hals- und Kehlkopfkrankheiten mit den Anfangsstadien der Entwicklung dieser Disziplin selber so ziemlich in die gleiche Zeit. So war es denn wirklich ebenso lehrreich wie anziehend, den in jugendlicher Begeisterung für sein Spezialfach schwärmenden Bernhard Fränkel an der unverdrossenen Arbeit zu sehen, um der Laryngologie auch die ihr gebührende Stellung im Rahmen des universitären Lehrkörpers zu erkämpfen. Herr Professor Rosenberg schilderte den beschwerlichen Aufstieg der Laryngologie in Berlin unter der ebenso zielbewußten wie klugen Führung Bernhard Fränkels so anschaulich, daß man die einzelnen Phasen von neuem milzuerleben schien. Sodann erwähnte der Festredner die seltene organisatorische Begabung Bernhard Fränkels, die sich bei der Gründung der Laryngylogischen Gesellschaft, des Archivs für Laryngologie und des internationalen Fachkongresses auf das Glänzendste bewährt habe. Das Andenken Bernhard Fränkels werde ein bleibendes sein, wie er selbst seinen zahlreichen Schülern zu einem leuchtenden Vorbild geworden. Ernste Gesänge leiteten die Feier ein und beschlossen sie. Außer den beiden Töchtern des Dahingeschiedenen waren noch eine Anzahl von Universitätslehrern, Generalarzt der Armee v. Schjerning und Mitarbeiter des Ministeriums des Innern anwesend. Die Rede des Bürgermeisters von Newyork bei einem Chanukahfeste. _ Aus Newyork wird uns geschrieben: Am dritten Chanukahabende fand in der rumänischen Synagoge Schaare-Schomajim ein großes Chanukahfest statt, an welchem nicht nur die gesamte rumänisch-jüdische Kolonie des Distriktes, sondern auch hervorragende Mitglieder des Newyorker Gemeinderates mit dem Bürgermeister Gaynor und seinem Sekretär Stuwer an der Spitze erschienen waren. Sowohl die Synagoge, als auch die Vorhalle waren prächtig dekoriert, und als der Bürgermeister erschien, wurde ihm an der Schwelle der Syna-s goge eine Prachtausgabe der Psalmen in hebräischer und englischer Sprache Überreicht. Nachdem die drei Chanukahkerzchen unter Beobachtung des traditionellen Ritus durch den Kantor entzündet wurden, hielt Mayor Gaynor eine Ansprache, in welcher er insbesondere die Anhänglichkeit der Juden an ihre Religion rühmend hervorhob und fuhr dann fort: „Die Christen haben wohl die Bibel, welche die Juden der Welt gegeben, annektiert, aber das Volk der Bibel, die Juden selbst, aus den christlichen Staaten von Europa verdrängt, verjagt oder ihnen die Existenz erschwert. Besonders trifft das bei Ihnen zu, die aus Rumänien hiehergekommen sind. Jetzt allerdings glaube ich, sind Sie frei und sicher in allen Ländern Europas mit Ausnahme von zweien. Aber auch diese werden früher oder später rjur Vernunft kommen müssen. Jedesmal, wenn etttie große Persönlichkeit zur Herrschaft gelangt ist, wie Napoleon oder Cromwell, haben die Judenverfolgungen in diesen Ländern aufgehört. Denn nur verkrüppelte Seelen können sich so erniedrigen, um die Juden zu verfolgten. Man wirft oft die Frage auf, weshalb die Juden sich verhältnismäßig so wenig mit Ackerbau beschäftigen. Woher sollten sie es auch? Da man sie gerade von hem Boden, von dem Acker und dem Pflug vertrieben hat. Als sie von der Diaspora von einem Lande ins andere getrieben wurden, wußten sie dafür sorgen, daß ihr Vermögen mobil sei, um es leicht auf die Wanderung mitnehmen zu können. Aber ich spreche die Hoffnung aus, daß Sie, meine lieben Freunde, in diesem reichen Lande Ihre Kinder zurückführen werden zu dem Boden und zur Bebauung desselben. In Newyork gibt es eine Unmasse von Peddlern, die kaum das Notdürftigste verdienen. Es wäre viel besser, wenn sie eine kleine Farm in Lang Island oder weiter drinnen im Innern des Landes erwerben und dort frei und wirtschaftlich unabhängig leben würden. Ich gestehe es offen, ich hatte Angst, vor Ihnen dieses heikle Thema zu berühren, aber aus dem Beifall, den Sie mir gerade bei diesen Worten zollen, ersehe ich mit großer Freude, daß Sie der gleichen Meinung sind und daß Sie auch sicherlich das Ihrige dazu tun werden, um sie in die Tat umzusetzen." Bürgermeister Gaynor bat dann, daß eine Anzahl ausgewählter Psalmen in hebräischer und englischer Sprache verlesen werden möchten. Nachdem dies geschehen, hielten auch Sekretär Struwer und Kongreßman Goldvogl Ansprachen, in welchen auch die Paßfrage zur Erörterung gelangte. Kongreß der rumänischen Juden. Anläßlich des am 7. und 8. Jänner stattgefundenen Kongresses der eingeborenen Juden wurden nachfolgende zwei Telegramme abgesendet: „Sr. M. dem Könige! Die Delegierten der Vereinigung der eingeborenen Juden, aus allen Teilen des Landes versammelt, um über die Mittel zu beraten, durch welche sie zur Erfüllung ihrer Forderungen gelangen könnten, stellen ihre Interessen unter den hohen Schutz Ew. Maj. und drücken Ihnen ihre Gefühle unbegrenzter Liebe und unerschütterlicher Ergebenheit aus. Es lebe Ew. Majestät! Es lebe die Dynastie! Es lebe Rumänien!" „Herrn P. P. Carp, Ministerpräsident, Tzibanesti. Die Delegierten der Vereinigung der eingeborenen Juden, aus allen Teilen des Landes versammelt, um über die Mittel für die Besserung ihrer Lage zu beraten, beeilen sich dem Chef der Regierung ihre Gefühle tiefer Liebe für das Land auszudrücken und neuerdings zu versichern, daß die eingeborene jüdische Bevölkerung die Lösung der Judenfrage durch das Land und seitens des Landes anstrebt. Im Namen.der Versammlung der Präsident Dr. Ad. Stern."