Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-01-19 · 3 (19.1.1912) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
3 (19.1.1912)
Date
1912-01-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021981-3021985--20842-3045903
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. t D». MoW WoHMsHrM «eite 19 Korrespondenzen. Allgemeine Jüdische Kolonisations-Organisation. Die A. I. 5t. £>., welche, wie ans ihrem letzten Jahresberichte zu ersehen war, bereits tontrete Kolonisations-Unternehmungen in Angriff genommen u"d organisatorisch in England, Deutschland und Rußland Fortschritte gemacht hat, eröfknete nun ihre Attion auch in Oesterreich. Unter der Aegide des Vorstandes des Jüdischen Kolonüationsvereins in Wien, der österreichischen Mitglieder des Zentralrates der A. I. 5t. O.. des Präsidiums der Wiener Kultusgemeinde, des Oberrabbiners Dr. Güdemann und eines Kreises von Wiener Industriellen und Großkaufleuten fand am 15. Jänner im Sitzunos^aale der Wiener Kultusgemeinde eine aut besuchte Versammlung namhafter Mitglieder der Gemeinde statt. Den Vorsitz führte UniversitcLsproressor Dr. S. Ehrmann. Als Referenten waren Dr. Alfred Nossig, der Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses der A. I. K. O. und Herr Ernst Löwenberg aus Berlin eingetroffen. Im Namen der Kuliusaemeinde begrüßte Präsident Dr. Alfred Stern die Erschienenen mit ein-r herzlichen und aufmunternden Ansprache. Dr. Nossig entwickelte in seinem Referat die leitenden Gesichtspunkte der neuen Orientkolonisations- Bewequng. Er schilderte die Bedeutung der Kolonisation im Verhältnis zur Emigration, die spezielle Eignung des Orients zum jüdischen Siedlungsgebiet, den gegenwärtigen Stand der Kolonien und die organisatorischen Maßnahmen, welche die A. I. K. O. zur Fortführung des Ansiedlungswerkes auf kaufmännischer Grundlage getroffen hat. An diese Ausführungen knüpfte Herr Ernst Löwenberg einen Bericht über die von der A. I. K. O., bezw. von ihrem Finanzinstitut, der ..Orient Colonising Co." eingeleiteten Kolonisations-Unternehmungen und beleuchtete die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der Kräfte auf dem Gebiete der neuen, kommerziell basierten Kolonisation. Im Laufe der Diskussion, welche den mit Beifall aufgenommenen Referaten folgte, regte der Generalkonsul der Republik Bolivia Bankier 3. Weiß die Idee an, jüdische Emigranten in Bolivia, statt im Orient anzusiedeln. Demgegenüber hoben nicht nur die Referenten, sondern auch alle nachfolgenden Redner die unvergleichliche Ueberlegenheit des Orients hervor. Der Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Gustav Kohn, wies auf die Gefahren der Niederlassung von Juden in einer ungeeigneten Umgebung hin. Nach den Erklärungen, die der bekannte Newyorker Philanthrop Jacob H. Schiff ihm gemacht hätte, ist die Ablenkung des Auswandererstromes von Nord-Amerika eine dringende Notwendigkeit. Da könne kein anderes Gebiet als der Orient in Betracht kommen und es sei erfreulich, daß die A. I. K. O., in steter Fühlung mit allen dem gle'chen Z'ele zustrebendm Organisastonen, durch kork ete. großzügige Kolonisations - Unternehmungen und durch Gewinnung neuer Kreise das Werk fördere. Regierungs- Rat Prof. Dr. Jerusalem setzte sich, unter lebhafter Anerkennung der Ausführungen der Referenten, in einer begeisternden Ansprache für die Orientkolonisation ein, die bereits auf festem Boden stehe und deren weitere Aussichten für jeden Vorurteilslosen überzeugend seien. Im gleichen Sinne und mit derselben Wärme sprach der Reichsratsabgeordnete Dr. Ofner zugunsten des Werkes der A. I. K. O., das den Mann dem Boden, den Boden dem Manne anpasse. Kais. Rat W. Anninger und Fabrikant S. Kassel erörterten Details der kolonialen Unternehmungen. Kais. Rat Jonas Weil. Vize- Präsident der Börse für landwirtschaftliche Produkte, betonte die Notwendigkeit der Aufbringung eines tunlichst beträchtlichen Kapitals für das kommerzülle Kolonisations-Institut. da nur dann seriöie Resultate erzielt werden können, und sprach die Ueberzeugung aus, daß die Wiener Judenheil hier im Verein mit anderen Gemeinden ihre Pflicht tun werde. Von großer Wirkung war die Ansprache des k. k. Kommerzialrates Heinrich Mendl. der die Idee der kommerziellen Kolonvaston als zeitgemäßen Fortschritt der Philanthropie begrüßte. Diese Idee wäre geeignet, die gesamte Judenheil Europas tatsächlich, wie die A. I. K. O. es anstrebt, im Rahmen eines wirklich aussichtsreichen Werkes zu vereinigen. Er selbst stelle sich der neuen Bewegung als überzeugter Apostel?ur Verfügung. Zum Schlüsse beantragte kais. Rat W. Anninger. daß Mitglieder des einladenden Komitees und die durch die eben stattgehabte Besprechung gewonnenen Freunde des Kolonisationswerkes die Aufbringung weiterer Mittel für die Institute der A. I. K. O. persönlich in die Hand nehmen. Es erfolgte dann auch sofort eine Verständigung zwischen den betreffenden Personen, die die weitere Aktion übernommen haben. Die Hilfsaktion für die Juden Galiziens. Nach vielen Vorbereitungen und langen Vorberatungen ist auf Anregung der Jca der jüdische Verband ,,Selbsthilfe" zustande gekommen. Die von einem Redaktionskomitee, bestehend aus den Abgeordneten Doktor Kolischer, Dr. von Löwenstein. Dr. Adolf Groß, ferner Rabbiner Dr. I. Thon und dem Präsidenten der Krakauer Kultusgemeinde Dr. Tilles verfaßten Statuten wurden von der Statihalterei bereits genehmigt. Um die Aktion nicht durch parteipolitische Streitigkeiten von vornherein unmöglich zu machen, wurden in den ersten Ausschuß, der bereits gewählt wurde. Vertreter aller jüdischen Parteien in Galizien nominiert und auch gewählt. Präsident wurde Herr Samuel Edler von Horowitz und zu Vizepräsidenten wurden die Herren Abgeordneten Dr. Kolischer (Polenklub). Abgeordneter Dr. Groß (unabhängige Juden), Abgeordneter Doktor Diamant (Sozialdemokrat) und Rabbiner Dr. Thon (Zionist) gewählt. Der Verband soll jedoch jede Politik ausschließen und sich hauptsächlich auf Aktionen wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Natur erstrecken. Cs liegen bereits verschiedene Vorschläge und Aktionspläne vor. welche demnächst in dem erweiterten Ausschuß, dem gleichfalls Angehörige aller Parteien beigetreten sind, zur Beratung gelangen werden. Es besteht die Absicht, nach Tunlichkeit die ganze Hilfsaktion ohne größere Inanspruchnahme auswärtiger Mittel durchzuführen. Aber gerade aus diesem Grunde muß erst abgewartet werden, ob es wirklich möglich sein wird, in Galizien selbst die jedenfalls überaus großen Mittel, welche zur Durchführung der geplanten Aktionen notwendig sind, aufzubringen. Die Erhaltung unserer Jugend für das Judentum Wir erhalten folgende Zuschrift: Ung.-Brod. 15. Jan. 1912. Sehr geehrte Redaktion! Zum Artikel „Die Erhaltung unserer Jugend für das Judentum" in Ihrem sehr geschätzten Blatte vom 12. Januar 1912 erlaube ich mir Nachstehendes zu bemerken : Vereinigungen der jüdischen Jugend, wie selbe Herr Friedrich Karbach, beziehungsweise sein 14 jähriger Sohn, in dem obenerwähnten Artikel anregt, bestehen bereits seit mehreren Jahren in Deutschland. Mit Unterstützung des Zentralvere'mes deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wurde im Jahre 1909

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.