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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-01-19 · 3 (19.1.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
3 (19.1.1912)
Date
1912-01-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 Dr. MoOs WochMhrift Seite 37 durch die von Generation zu Generation überlieferten, falschen Interpretationen angesetzt hat, entfernt, bilden sie unerschöpfliche, wichtige Dokumente für die Geschichte der Juden im Nordosten und damit der alten jüdischen Geschichte überhaupt. Durch die Umgestaltung des alten, entstellten, geschichtlichen Materiales und Rehabilitierung der Wahrheit gewinnt die Geschichte der Juden des Altertumes an hervorragender Bedeutung, da der Nordosten, namentlich der kaukasische Isthmus, im hohen Altertume kein abseits gelegener Erdwinkel war,, sondern eine Wellbühne des Handels¬ und der geistigen Kultur bildete. Dort war die älteste Handelsstraße, wo die Pulsadern des Verkehres vom Osten nach Westen und vom Nvrden nach Süden der bekannnten Welt sich konzentrierten, und diesen Weg wanderte auch die Kultur. Dieser Isthmus bildete auch die Brücke für die aus dem zentralasiatischen Völkerbecken nach Europa strömenden Völkerschaften, weshalb auch die von den Juden seit ältester Zeit dort eingenommene, hervorragende Position eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die allgemeine Geschichte hat. Wir müssen alle sich nun darbietenden Fäden, die uns dorthin führen, aufnehmen, um an der Hand derselben jene Wege zu betreten, die uns unserem Ziele näher bringen oder durch die wir in die Lage versetzt werden, den angesammelten, den freien Ausblick hindernden Schutt wegzuräumen und eine offene Perspektive in die Geschichte des Altertums zu gewinnen. . Kehren wir nach dieser kurzen Abschweifung zu unserem Ausgangspunkte zurück, um zu sehen, daß die alte und weit verbreitete Annahme, die den in der Bibel vorkommendeu Namen 112 durchwegs als Tyrus, in Phönizien am Mittelländischen Meere, erklärt, entschieden irrig ist. Hiebei können wir die schon oft gemachte Wahrnehmung wiederholen, daß auch hier auf der Suche nach der Wahrheit die alten Rabbinen sich als die verläßlichsten Ciceronen bewähren. S. Spinner, Wien. (Fortsetzung folgt.) Die jungst entzifferten Papyri und Ostraka über eine jüdische Militarkolonie in Elephantine und Affnan. Von Rabbiner Dr. M. Nosenmann. Die semitische Wissenschaft im allgemeinen und die jüdische im besonderen haben dieser Tage eine Bereicherung erfahren und gar viele Kärrner werden lange zu tun haben, da ein König im Reiche des Wissens, Professor Sachau in Berlin, mit allem Rüstzeug der Gelehrsamkeit ausgestattet, an einen weitausgedehnten Bau die Hand angelegt hat. Dieser Bau, oder besser gesagt, dieser geistige Wiederaufbau betrifft nichts anderes als eine durchaus militärisch organisierte Kolonie, die vor 2400 Jahren an der Südgrenze Aegyptens, am ersten Nilkatarakt, 962 Kilometer südlich von der jetzigen Hauptstadt des Landes, Kairo, sich befand und rein jüdischen Ursprunges gewesen ist. In dieser jüdischen Militärkolonie, k't,t xb-n genannt, von der bis nun 6 „Fähnlein", ein jedes in mehrere „Hundertschaften" xrxa zerfallend, festgestellt werden konnten, ging es lebhaft zu, wie in einem Bienenkorb. Die Krieger waren nämlich — wie seinerzeit die in der österreich-ungarischen M ischeinen läßt, abgesehen von der Erwähnung von Engeln und Wundererzählungen, die gleichfalls auf dessen Entstehung im Osten Hinweisen. Das wichtigste Argument dafür, daß dieses Buch im Osten entstanden ist, dürfte aber u. a. auch das fein, daß der Verfasser gleich den Parthern die selencidische Aera um ein Jahr zurlickoadiert. litärgrenze — in ihrer freien Zeit Landwirte, Gewerbetreibende. Kaufleute, besaßen Haus und Hof, schlossen Käufe und Verkäufe, prozessierten viel, richteten Briefe, so sie sich verkürzt oder bedroht fühlten, an den persischen Statthalter in Aegypten, sogar an den persischen König selber, wie auch an ihre Glaubensbrüder in Palästina, so an den in Nehemias (12,22) erwähnten Hohenpriester Iochanan. an Delajah und S ch e l o m j a h, die zum erstenmal auftauchenden Namen der Söhne des gleichfalls im Buche Nehemias erwähnten Samaritaners Sanballat, und hatten Sinn und Interesse für Literatur, aber auch für religiöse Veranstaltungen und Feste, von denen sie namentlich das Passahfest gewissenhaft feierten (Tafel 6). lieber diesen so merkwürdig gearteten Typus der jüdischen Niederlassungen war bis vor kurzem keine noch so geringfügige Kunde vorhanden. Erst im letzten Jahrzehnt des verflossenen Jahrhunderts wurden in Assuan und auf der gegenüberliegenden Insel Elephantine von deutschen und englischen Gelehrten Papyri und Ostraka, kn aramäischer Sprache abgefaßt, aufgefunden, welche eine verschollene jüdische Kulturwelt unseren erstaunten Blicken erschlossen. Zehn dieser Papyri wurden bald von S a y c e und C o w l e y (Aramaic papyri discovered at Assuan. Edited by A. H. Sayce with the assistance of A. E. Cowley, London, 1906) und drei von Sachau (Drei aramäische Papyrusurkunden aus Elephantine. Berlin, 1907) entziffert und von mir seinerzeit an einer anderen Stelle besprochen. Nun erscheinen neuerdings von Sachau nicht weniger als 61 Papyri und viele Ostraka, sowie Krugaufschriften aus jener jüdischen Militärkolonie. (Aramäische Papyrus und Ostraka aus einer jüdischen Militärkolonie zu Elephantine. Altorientalische Sprachdenkmäler des 5. Jahrhunderts vor Christus, bearbeitet von Eduard Sachau, Leipzig. Hinrichs'sche Buchhandlung, 1911. Die Fülle des Dargebotenen ist unerschöpflich und unübersehbar. Es genüge der Hinweis, daß auf den Tafeln 18 bis 24 eine große Anzahl neuer hebräischer Namen vorkommt, daß die Stellung der Frau bei den Juden in einem neuen Lichte erscheint, so daß Sachau zu der schwerwiegenden Bemerkung sich veranlaßt findet: „Eine Erscheinung allgemeiner Art, welche wir den Elephantkne- Urkunden entnehmen, ist die. daß die Frau in diesem semitischen Altertum . . . vollkommen gleichberechtigt mit dem Manne ist.... Diese, für die Rechtsgeschichte sehr beachtenswerte Tatsache steht in einem grellen Gegensätze zu der Stellung. welche später das römische und germanische Recht der Frau angewiesen hat." (Einleitung S. XIX.) Eine Fundgrube neuer Wortbildungen sind diese Papyri für den semitischen Sprachforscher, ebenso bieten sie neue Aufschlüsse über die damals herrschende Geldwährung, über Maße und Gewichte. Der berühmte Achikar-Roman, der bekanntlich von einer Kultursprache zur anderen bis in das späte Mittelalter gewandert ist und bereits im Apokryphenbuch Tobit seinen Niederschlag gefunden hat, ist in den Papyri fragmentarisch enthalten. Wann diese Militärkolonie und von wem sie an der Südgrenze Aegyptens begründet wurde, läßt sich bis zur Stunde nicht feststellen. Sie war alter als Kambyses, der Aegypten seiner Herrschaft unterwarf (525 ante). Schon damals erhob sich in Elephantine ein prachtvoller Tempel, bestehend aus Marmorsäulen und einem Dache aus Zederholz, versehen mit 5 steinernen Pforten und geschmückt mit Geräten aus Gold und Silber, die zur Darbringung von Brand- und Weihrauchopfer für Adonai verwendet wurden. Im Aristeas-Briefe, aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert stammend, wird erzählt, daß der

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