Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 3 (19.1.1912)
- Date
- 1912-01-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 36 Dr. Bkochs WochMHM Nr. 3 wiederum in Alexandrien entstanden sein sollen, wodurch man nur noch das Chaos ins Unermeßliche steigerte. Viele Schriften der Bibel wie Hiob *), mancher Propheten, Psalmen rc., ferner auch die griechische Uebersetzung des Pentateuch2) und manch anderer biblischen Bücher, die Wie der Verfasser des Buches Hiob aus Egypten stammen soll, weil in dem Buche Hiob Schilderungen des mana und jmb Vorkommen, in welchen man das Krokodil finden will, ist uns unbegreiflich. Mit Behemoth dürfte doch eher, wie der Talmud (Bab. Bathra 74b) es auffaßt, ein Landtier wie der im Norden lebende „Ur" (Plin. VIII, 15) auch Bos primigenius genannt, gemeint sein und Hiob sagt auch m »am rrwtn. Desgleichen verstand man auch unter nur den Thunfisch, der während der Laichzeit in großen Mengen in den Pontus und Rasvbis ging (Strabo XI und Plin IX, 20); weil sie die Schiffe begleiteten, nennen sie die Griechen und die Römer Pompili, fast eine wörtliche U.bersetzung des hebräischen Wortes. Einzelne Exemplare erreichten eine ungeheuere Größe, wie 15 Talente (ca. 800 Pfund) (Aristoteles, Hist. Anim. VIII, 34), darum wurde daraus ein fabelhaftes Seeungetüm gemacht. Während der Winterzeit liegen sie in den tiefsten Abgründen verborgen und lockt sie nur der Vollmond aus ihren Verstecken, deshalb heißt es fm1? “rny. Auch «a^a ist keine Papyrusstaude, sondern eine Art Tang (Agama) oder die im Nordosten im Wasser wachsenden Binsen (Herodot III, 98) aus welchen man im Altertum auch Taue rc. anfertigte (Miichna Klaim VI, 8) die Homer (Jll. II, 135) foapta nennt. Das Wort in« findet sich auch im Syrischen im selben Sinne (Jerus. Berach. VI «min1? «aiin« und «rnn«! jans rc.). Warum in die Ferne schweifen, wenn das Wahre nahe liegt. — Uz bildet auch einen Teil Arams; «aw lag davon im Osten und die a'liva im Westen. Die LXX wiedergeben Uz mit Au6uai, worunter sie gewiß das im Talmud oft erwähnte «anc« später Astianene genannt, meinten. Die Angabe des Eusebius (Onom. p. 268) basiert auf einer irrtümlichen Auffassung des apokryphen Scholions z. St. der LXX, wie wir anderweitig Nachweisen. *) Die Aristeassage über die Entstehung der LXX ist ja von der Kritik fast einstimmig als apokryph anerkannt worden. Selbst wenn die Sage als historisch begründet anerkannt werden sollte, tut dies unserer Behauptung keinen Eintrag, da auch in Alexandrien später die von früherher zirkulierende« griechischen Rezensionen der Bibel gesammelt, teilweise neu übersetzt und redigiert werden konnten. Die Lösung der auf die Entstehung der Septuaginta bezuhabenden Fragen bereitet deshalb solche Schwierigkeiten, weil man die Entstehung derselben nach Alexandrien verlegen möchte. Es ist ja hier nicht der Ort, in Details darüber einzugehen, aber soviel läßt sich kurz sagen, daß die Juden in Alexandrien der griechischen Sprache noch nicht mächtig waren, als die Septuaginta zu synagogalen Zwecken im Norden augefertigt wurde, welch letzteren Umstand auch verschiedene Momente bestätigen, wie zum Beispiel die Art der Wiedergabe vieler geographischer Namen u. s. w., was wir im Laufe dieser Arbeit noch vielmals nachzuweisen Gelegenheit haben werden. Es ist ja selbstverständlich, daß solche Verhältniffe, wie sie Jerus. Sota VII, 1, erzählt, daß man in pmp das Schemagebet in griechischer Sprache verrichtete, nicht über Nacht entstehen konnten, ebenso die unter Justinian (Novelle 146) bei den Juden des Nordens übliche Vorlesung des Pentateuch in griechischer Sprache, sondern nur als Folgen alter Institutionen, da dieses Idiom ihnen dort als zweite Muttersprache eigen war. Syncellus (Chron. eä. Bonn I, 471), aus allen Quellen schöpfend, berichtet von einer Jüdin aus Thrazien, die im Verkehre mit Demoeritos stand und deren griechischer Styl allgemein gelobt würde. Ebenso finden sich bei Joskphus (contra Ap. I, 23) Berichte griechischer Schriftsteller angeführt, wonach Pythagoras mit Juden aus Thrazien (IouSauüV 7.xi Oapxwv) (wie alle um das Schwarze Meer Wohnenden damals genannt wurden, (s. v. II, 2) verkehrte, deren Ansichten er in seiner Philosophie verwertete; desgleichen die Mitteilungen des Aristoteles über seinen Verkehr mit einem Juden der „oberen Gegend", der ins Küstenland heruntergekommen war. (xax töv avd) totuov elg zobg imd-xlxxzcovg ÖTzoxazocßorivw), der nicht nur der Sprache, sondern auch dem Geiste nach ganz Grieche war. Es ist daher selbstverständlich, daß bei diesen griechisch sprechenden Juden des Nordens sich schon sehr früh das Bedürfnis nach einer griechischen Uebersetzung das Pentateuch geltend machte, die denn auch zu synagogalem Gebrauche von verschiedenen Verfassern und zu verschiedenen Zeiten angefertigt wurde. Den Stempel ihrer sukzessiven Entstehung trägt die Septuaginta, trotz aller an ihr vorgenommenen Aenderungen, noch heute an sich. — Da bei den dortigen Juden das Syrische ge- .wissermaßen Muttersprache war, schimmert dieser Dialekt auch bei der Uebersetzung (wie z. B. bei Xaßpafra #nnaa für nnaa, Ttaa^a khdb für nDB usw.) durch. Bei dieser Voraussetzung finden auch alle anderen hinsichtlich dieses Themas noch problematisch gebliebenen Fragen leicht eine Lösung. Die meisten der im Norden lebenden Juden bestanden noch aus den dorthin exilierten Zehnstämmeisraeliten, die wohl ältere, sowohl halachische, als agadische Elemente der Traditionslehre rezipierten, aber doch ihren in manchen Lesarten abweichenden Pentateuchtext beibehielten, der gewiß auch bei den dortigen Judäern im Gebrauch Apokryphen»), Sibyllen und die andere jüdische, pseudoepigraphische, wie auch die ganze, sogenannte, jerusalemilische Literatur in syrisch-hebräischer Sprache ist zweifellos durchwegs in Vorder- und Kleinasien entstanden. Wenn man von diesen alten Schriftdenkmälern die Roftschichte, die sich war; darum ist der dieser ihrer Uebersetzung zugrundegelegte Text dem der Samaritaner ganz kongruent. Dies dürfte auch zur Genüge den Umstand erklären, daß die LXX bei Uebersetzung der letzten Teile des Buches Exodus nicht nur ein Fortspinnen des Textes unterlassen, sondern geradezu eine Vernachlässigung desselben an den Tag legen; der alte Antagonismus der Zehnstnmmes-Jsraeliten gegen die Zentralstelle in Jerusalem und manche Einrichtungen des Tempels kommt hier wieder einmal gelegentlich der Schilderung der Stiftshütte zum Durchbruch. Es ist auch unrichtig, daß in den Stellen in Lcviticus 23 bei der Uebersetzung der Worte naivn nnnaa nur der pharisäischen Auslegungsweise Rechnung getragen wurde, es gelangen hier vielmehr Lehrmeinungen beider Sekten, der Sadduzäer und Pharisäer, zum Ausdrucke. In Leviticus 23, 11: x^ £7ca6pcov ttjs upoxYjg erscheint wohl der Standpunkt der Pharisäer (was auch noch nicht einmal sicher ist) rezipiert, da na» im hebräischen Text gleichbedeutend mit Pessach aufgefaßt wird, folglich muß V. 15: dnö zrjg exaupcov z&y aaßßaxüjv, so übersetzt werden: Angefangen von dem auf die (abgelaufenen) Pessachfesttage folgenden Tage" Die Peschito übersetzt V. 11 schon «am« «ar* maa „nach dem letzten Pcssachfesttage (hier kann «3m« nicht am zweiten Tage bedeuten, well ma voransteht, sondern am letzten, wie es die Vulgata hat: altsro äik sabbati) und V. 16 mit Rücksicht auf V. 11 mit xam mro ja von dem dem letzten Feiertage nachfolgenden Tage an." Denn die Juden im Norden hatten, wie aus dem im Norden verfaßten Buche der Jubiläen ersichtlich, eine ganz eigene, ulte Kalenderordnung im Gebrauche. Sie begannen nämlich stets das Jahr, gewiß nach sehr altem Usus, vom Sonntag zu zählen; sie teilten dasselbe in vier Quartale zu je drei Monaten und vier Wochen, und fügten noch einen Schaltmonat von vier Wochen, nämlich zu jedem Quartal eine Schaltwoche, hinzu, um diese Rechnung mit dem Sonnenjahr ungefähr auszugleichcn, das bei ihnen 52 Wochen oder 364 Tage enthielt. (Buch der Jubiläen c. 6.) Die Festtage fielen daher stets auf ein und denselben Tag der Woche, was das Jubiläenbuch in dieser Stelle ganz besonders hervorhebt, wo das ganze Gewicht auf die Wochenzählung gelegt wird. Der erste Pessachtag fiel daher immer auf einen Sonntag, das Qmerfest (das ein besonderer Feiertag nach Pessach war, wie aus Midrasch Tadsche C. VI. niyiatp.-m ,naiyn an ,maan an ersichtlich) auf den ersten nach dem auf den Samstag fallenden Schluß des Peffachfestes folgenden Sonntag und das Wochenfest fiel demzufolge desgleichen auf einen Sonntag in der Mitte des Monats Sivan (Jub. 15, 1). Der Omer dürfte also, nach dieser Angabe und Kalenderordnung, am 22. Nissan d. h. am Sonntag, nach dem am 21. stattfindenden Frühjahrsäquinoctiumstag n'tP«na natpn nma dargebracht worden sein (Jub. 6, 31), was auch alle diese alten Bibelübersetzungen mit „nächstem Tage", d. h. nämlich dem Sonntage nach Pessachschluß meinten. — Unsere Annahme steht übrigens auch mit der alten Tradition in Einklang. Im alten Bereich Rab. 0. 10 heißt es bei Erwähnung einer der für Plolemäus vorgenommenen Aenderungen des Textes »ana D^apn n« ^«w “f?an 'übn — -am heißt hier Kleinasien (s. w. u.). ES dürfte Ptol. III., auch EuergeteS I genannt, (247— 222 v. Ehr.), der den Osten und Norden Kleinasiens und einen Teil Vorderasiens eroberte, gewewesen sein, der gelegentlich dieses KriegszugeS eine Kopie des dort zirkulierenden griechischen Uebersetzungstextes des Pentateuch verlangte. (Deshalb auch die alte Tradition arn frni) n»p) Die alten Quellen wie die Mechilta (C. 19) rc. haben nur »abn1? lanaiP und der Jerus. Meg. I. aanpip; es sind nämlich bei der Abschrift an der vorhandenen griechischen Uebersetzung mit Rücksicht auf ihn und auf manche von ihm aufgeworfene Fragen nur geringe Veränderungen vorgenommen worden. Wir werden dies anderweitig ausführlich begründen. *) Da nur bezüglich des II. Maccabäerbuches sich leicht allgemein ein Irrtum, es bilde einen Auszug aus einer Geschichte Jasons von Cyrene (Africa), einschleichen kann, indem man sich auf 2,24 berief, wollen wir diesen auch kurz berichtigen. Im Text ist bei der griechischen Wiedergabe ein kleiner Fehler (oder ist es nur ein Kopistanfehler?) unterlaufen. Es heißt I«<7tuvo? toö Kupyjvai'ou und lautete der hebr.Text zweifellos «anpa J-D«’ ja, welch letzteres Coronus inHyrcanian ist. Das Targum wiedergibt das bliblische n»p mit «a’np und der Talmud (Ab. Sar. 30 a) nennt den Wein aus Hy-canien «3’np (s. o. II. 2). Das östliche Gebiet dieses Landstriches nennen die alten Geographen Jgsonius, ebenso der Talmud die Einwohner dieses Gebietes (Jeb. 98 a). nt boBD by na«i m« ->a «an Q'N -anab *|bn j'O«' ja «a"py“n aiv' R. Akiba lebte während des Feldzuges Trajans und später auch einige Zeit während der Regierungszeit Hadrians in Hyrcanien (zend. Verkhana im Talmud pna); ö\n »ana heißen hier die Seestädte des Caip. Meeres (s. w. u.). Dieses bedeutet also; „Ein Einwohner des Landstriches Jasonius ging in die etwas nördlicher gelegenen Städte des Casp. Meeres rc. Ernste Kritiker haben die Angabe bezüglich Cyrenes längst in Zweifel gezogen, da das II. Maccabäerbuch eine große Vertrautheit mit dem oberen Syrien durch-