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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-01-19 · 3 (19.1.1912) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
3 (19.1.1912)
Date
1912-01-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 34 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 3 Monat bringt eine neue Hatzlaffäre zum Vorschein. Man wirft den Juden die Sucht nach Bequemlichkeit vor, aber das kolossale Heer der Staatsbeamten besteht fast durchwegs aus Christen. Die Juden sind angeblich Verächter der Vaterlandsliebe und Verräter, in den ganz und fast reinen Südstaaten sind es die Klerikalen, die fast ständig Revolution machen. Man wirft den Juden skrupellose Verderbtheit vor und nach dem Tode des christlichsozialen Führers wurden dessen letzte Worte entstellt und für eine ehrgeizige Jntrigue verwendet. Man wirft den Juden übergroßen Geschäftsgeist vor, aber dir Gemeinde kauft unter den merkwürdigsten Umständen eine große Unternehmung nach der anderen. Man spricht von der Unterwürfigkeit der Juden, aber niemand hat so arg um die Gunst der Regierung gebuhlt, wie die Christlich-Sozialen, als sie Orden, Stellen und Titel wünschten. So fällt eine antisemitische Verleumdung nach der anderen auf jene zurück, welche sie ausgesprochen haben. Das wird aber die' Christlich-Sozialen im Gemeinderat und im Landtag nicht hindern, diese Verleumdungen immer wieder auszusprechen. Nur daß die Bevölkerung auf diese Rufe Jud! Jud! nicht mehr recht hinhört und die Lügen nicht mehr unbesehen glaubt. Sie hat unterscheiden und kritisieren gelernt und so ist die Zeit der lügnerischen antisemitischen Demagogie trotz aller Anstrengung und den Bemühungen vorüber. Die dritte Keicheduma ««d die Juden. Vom Dumadkputierten M. Nisselowitsch. Anläßlich des Sessionsschlusses der dritten Reichsduma äußert sich der Dumadeputierte Nisselowitsch über die Haltung der Duma gegenüber den Juden wie folgt: Ein bitteres Gefühl von Kränkung und Empörung hat die letzte Session in den Herzen aller Deputierten zurückgelassen. Denn eigentlich konnte sie niemanden befriedigen. Mit großem Applomb sind die Oktobristen bei der mit Ungeduld erwarteten Eröffnung der letzten Session nach der Ermordung Stolypins mit einer Interpellation über die politische Geheimpolizei auf den Plan getreten. Und schließlich gaben sie sich mit der schwachen Antwort des Ministeriums des Innern zufrieden. Von der oktobristischen Interpellation ist nichts anderes zurückgeblieben, als der antisemitische Eindruck ihres Auftretens und ihre Vereinigung mit den offenen Pogromhetzern. lleberhaupt hat die letzte Dumasession nur das eine Positive gebracht, daß die Oktobristen, die man bisher gewohnt war als die gemäßigten Liberalen anzusehen, sich nicht nur mit den Nationalisten, sondern auch mit den extremsten Rechten verbündeten. Dies trat insbesondere bei der Beratung der Gesetzvorlage über die Gleichberechtigung der Russen in Finnland, ferner als sie für die Interpellation über den Ritualmord stimmten, und bei der Beratung des Gesetzes über die städtische Selbstverwaltung in Polen zutage. Das Zeichen zu diesem offenen Frontwechsel hat der Führer der Oktobristen, Gutschkow, selbst gegeben, als er eine Interpellation über die Ermordung Stolypins mit dem Satze begann: „In Kiew hat der Jude Mordo Bagrow usw. usw.". Ich habe, sagt Nisselowitsch, wohl jede mögliche Gelegenheit ergriffen, die Haltung der Oktobristen ins richtige Licht zu setzen. Und so wie der erste Tag der Session begann, in Haß gegen die Juden, so wurde die ganze Session im Zeichen der wildesten Judenfeindschaft, wie sie die einstigen offenen Pogromhelden stets verrieten, zu Ende geführt. Auch die Polen haben uns nicht verschont. Auch diese sonst klugen Politiker der Opposition glaubten, daß sie durch ihr' Hervortreten als Antisemiten von ihren neuen Freunden im rechtesten Flügel etwas erreichen können, ohne deshalb ihre Sympathien im linken Flügel emzubüßen. Und gerade die Haltung dieser schlauen Politiker ist für die gegenwärtige Lage der Juden in Rußland äußerst symptomatisch.. Und inmitten dieser für uns so schmerzvollen bitteren Ereignisse stehen wir da und werfen nach wie vor die alte Frage auf: was sollen wir tun? Durch den Willen der Vorsehung in das Zentrum von Leiden und Feindseligkeiten gestellt, frage ich mich oft: woher soll uns Hilfe kommen? Und ich sehe es immer mehr und mehr ein, daß in sehr vielen Belangen wir selbst an unserer Hilflosigkeit schuld sind. Weil die Juden von der dritten Duma von vornherein nichts Gutes zu erwarten halten, haben sich unsere jüdischen Politiker in den einzelnen Städten vollständig in sich zurückgezogen. Aus diesem Grunde haben wir uns im Zentrum der Ereignisse immer so vereinsamt fühlen müssen. Während unsere Gegner immer von der Einigkeit der Juden sprechen, wissen wir es leider zu gut, daß diese Einigkeit unter uns vorläufig noch ein Traum, ein frommer Wunsch ist. Da ist zum Beispiel der Gesetzentwurf über das jüdische Ansiedelungsgebiet. In dieser Richtung hatten wir auf die Führer in den jüdischen Provinzgemeinden große Hoffnungen gesetzt. Wir haben sie mit genauen Instruktionen versehen. Aber das alles hat leider nichts genützt. Es soll ja nicht bestritten werden, daß unsere führenden Elemente in der Provinz sich an philanthropischen Werken sehr fleißig betätigen. Aber sie haben sich bisher unfähig gezeigt, gegen unsere allgemeine Rechtlosigkeit mitzukämpfen und darin liegt eigentlich unser Hauptunglück. Allerdings mag man dagegen einwenden, daß man bei der gegenwärtigen politischen Lage in Rußland sehr schwer Mut und Freude an einer politischen Arbeit haben kann. Aber ich glaube doch, daß es schon Zeit ist, sich zu sagen, daß unsere Gleichgiltigkeit, unsere unglaubliche Indolenz, unsere traurige Lage nur noch verschlechtert. Ebenso sicher ist es andererseits, daß wir den Kamps gegen unsere Feinde nur durch die Vereinigung aller unserer moralischen, intellektuellen und materiellen Kräfte aufnehmen und führen können. Deshalb werde ich nicht aufhören, unseren Mitarbeitern in den Provinzgemeinden zuzurufen, daß sie sich vereinigen mögen, weil ich nur in der Vereinigung unsere Rettung erblicke, und die Ueberzeugung habe, daß dann auch Gott mit uns sein wird. _________ Die Ketrilignng der Inden am Kerischen Welthandel im Altertum. (Nachdruck verboten. Uebersetzungsrecht Vorbehalten.) (Fortsetzung.) 5) "Hi:. Wenn es noch eines Beweises bedürfen sollte, daß die talmudische Literatur oft den Schlüssel zur Erklärung der Bibel birgt, ohne den ganze Partien derselben in vielfacher Beziehung fast ganz unverständlich blieben, so könyen auch die auf das vorangestellte Wort bezughabenden Bibelstellen hiefür als Beispiel dienen. Wir sprechen hier nicht von der Bibel als Religions- oder Gesetzesbuch, sondern als Geschichtsguelle. Denn stellt man nach dieser Richtung hin einen Vergleich zwischen ihren konzisen, aber klaren Angaben, die mit wenigen yur wie zufällig hingeworfenen Worten ein ganzes Situationsbild aufrollen und den märchenhaft dunkeln Erzählungen anderer Literaturdenkmäler der ältesten Geschichte, so muß jeder Unbefangene zugeben, daß die Bibel ei r Ge chichtsbuch par excellence ist. Die eigentliche ursprüngliche Tendenz bei der Abfassung der meisten biblischen Bücher mag wohl eine andere als GefchichtS-

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