Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-01-12 · 2 (12.1.1912) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
2 (12.1.1912)
Date
1912-01-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021981-3021984--20828-3045888
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Sette 26 Dr. Wachs WvchMchrift Rr. 2 internationalen Kurstadl Karlsbad, die vielleicht 20.060 jüdische.Kurgäste alljährlich beherbergt, .nicht gekommen, daß man einen Juden in den Stadtkat wählt. Ls ist ein offenes Geheimnis, daß man es in der deutschfortschrittlichen Partei nicht wagte, diesen verdienten Juden Karlsbads, dessen Sohn Moritz Richard Rosenfeld derzeit zu den angesehensten Aerzten Karlsbads zählt, geradeso, Äie der Schwiegersohn, Dr. Posner, gleich ihm jahrelang im Karlsbader Krankenhause zum Wohle der jüdischen und christlichen Bevölkerung in wirklich hochherziger und menschenfreundlicher Weise wirkte, zu nominieren — einen Juden wählt man in Karlsbad noch lange nicht in den Stadtrat, lieber löst man ihn am Ende ganz auf. Wenn aber dieser und die vorhergehenden Berichte etwa bei Lesern den Ein» druck erwecken, es sei in Karlsbad unleidlich wegen der deutscharischen Verhältnisse, dann irrt man. Von einem Antisemitismus der Bevölkerung kann man in Wirklichkeit nicht sprechen, und der Fremde, insbesondere der jüdische Kurgast, der hierher kommt, merkt gar nichts davon. Es wird in Karlsbad kein Antisemitismus gegen Kurgäste ausgeübt, aber man spielt mit demselben seit Jahren und hilft sich damit zu Würden. Stellen und Aemtern, und das sollten die Herren Rädelsführer endlich bleiben lassen, denn dieses Spiel ist ein Spiel mit dem Feuer. Ci« neuer jüdischer Deputierter im türkischen Parlament. Aus Konstantinopel wird uns berichtet: Im Wahlkreise Hedje im demen wurde bei einer Ersatzwahl der Jude Selim Amram Esfendi zum Abgeordneten gewählt. Der neue Abgeordnete wird als energischer und tatkräftiger Mann geschildert, von dem erwartet wird, dah er im Gegensätze zu den übrigen 4 jüdischen Abgeordneten im türkischen Parlamente gerne die Gelegenheit ergreffen werde, für die Rechte der Juden das Wort zu ergreifen. Anlaß hiezu werden ihm jedenfalls die Zustände im Aemen und der Umstand bieten, daß die Juden im Pemen am meisten unter den unsicheren Verhältnissen zu leiden haben. Der Besuch der englischen Parlamentarier in Rußland. Der wiederholt verschobene Besuch der englischen Parlamentarier in Rußland macht auf die liberale und besonders die jüdische Bevölkerung einen sehr deprimierenden Eindruck. Roch bis in die letzte Minute waren diese Kreise der Meinung, daß dieser Besuche auch jetzt, trotz der englisch-russischen Entente, bis auf weiteres verschoben werden würde. Die Erbitterung über diese Demonstration, welche einer Zustimmung der russischen Vorgänge gleichkommt, macht sich in verschiedenen Artikeln der großen liberalen Blätter Englands Luft. So wirft ein Blatt die folgende Frage auf: Wir sind neugierig, ob die englischen Parlamentarier, welche jetzt Rußland einen Ehrenbesuch abstatten, auch eines unserer jüdischen Parlamentsmitglieder mitnehmen dürfen. Ob z. B. Männer wie Sir Jsaacs, Samuel Montague und Herbert Samuel, die in unserem Lande in so hoher Achtung und Ansehen stehen, und sich bereits große Verdienste um England erworben haben, die zweifelhafte Ehre genießen dürfen, mit von der Partie zu sein, das heißt, ob sie dasselbe Recht, als Gast nach Rußland zu gehen, genießen werden, wie ein englischer Christ. Es ist ein trauriges Zeichen unserer Schwäche, daß wir den besten Söhnen unseres Vaterlandes nicht einmal dieses kleine gleiche Recht mit den übrigen Bürgern dieses Staates sichern und schützen können. Vermischtes. Wien (Vortragsabend der „Oester reichifch- Jsraelitischen Union.") Donnerstag den 18. Jänner, präzise */«8 Uhr abends, findet im Ffftsaale des Nlederösterre'chrschen Gewerbevereines 11, eine Vereins-Versammlung der „Österreichisch - Israelitischen Union" statt, in welcher Frau Annita Müller einen Vortrag mit Lchtbildern unter dem Trtel: „M eine Reise durch Palästina" hallen wird. Vortrag ans jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 18 Jänner 1Ö12, präzise iji8 Uhr abends» findet im Fstsaale des Ingenieur- und Arcyaeklen- Vereines, l., Eichenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiners Adolf Altmann aus Salzburg statt. Thema: „Die Juden in Alt-Solzburg bis zu ihrer Vertreibung." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei ohne Karten. Wien. Dienstag den 9. d. M., um 8 Uhr abendS' fand im Stadttewpel das vom „O sterr.-ungar. Kantorenverein" veranstaltete R quiem für seinen vor kurzem verschiedenen Präsidenten kais. Rat Oberkantor Josef Singer statt. Zur Trauerfeier hatten sich eingefunden: Die Fam lienangehörigen Herr und Frau Oskar Straus, Herr und F au Hans Singer, Herr und Frau Direktor K l a p p h o l z, ferner der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, Viz- Präsident Dr. Gustav Kohn, Vorsteher Dr. Marcus Spitzer, die Kultusvo-sicher Eman. G r ü n w a l d, Carl Lemberger und Sam. Steiner, die Bethausvorsteber Arthur Beck und Dr. E. Münz, I. Sekretär kais. Rat Dr. Lieben, Sekretär Dr. Adler, die Rabbinen Dr. B a ck, Kramer, P a p o, Dr. T a g l i ch t, die Vorsteher der Chkwra-Kadischa S. S i m o n, Jacob Kann, S. Goldmann und Leopold Otto, Hofrat Dr. Schlag, kais. Rat Direktor H.e l l e r, die Obmänner der Tempelvereine im V. und X. Bezirke A. H o f m a n n und Jac. E. Straßberg, eine Vertretung des Fugbachtempels und Delegierte kultureller und humanitärer Vereine, der Präsident des Vereines zur Unterstützung armer alter Männer Herr Isidor Schwarz, Religionsschulinspektor Pof. Kanitz. Prof. Dr. Pollak, Armenrat Josef I e l l i n e k, zahlreiche Religionslehrer und Beamte der Kultusgemeinde, fast sämtliche Kantoren Wiens und der Vorstand des Oesterr.-ung.Kantorenvrreines unter F chrung des I. Vizepräsidenten Oberkantor Bauer, viele Gemeindemitglieder rc. Die Trauerfeier wurde mit der Aufführung des großen Sulzer'schen R^quiums eingeleitet. Die kantorale Funktion versah infolge Unwohlseins des Oberkantor Fuchs I. Kantor Kaufmann, der das wirkungsvolle Rezitativ stimmungsvoll wiedergab. Der Chor stand unter persönlicher Leitung des Prof. Josrph S u l z e r. Die Trauerrede hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann, welcher die ernste und hohe Lebens- und Amt führung des Heimgegangenen Oberkantors würdigte und den Kantoren ans Herz legte, in seinem Sinne das von ihm begonnene Werk, den Oesterr.-ung. Kantorenverein, weiterzusühren. Von besonders ergreifender Wirkung war das nach der Rede vom Chore vorgetragene Maskichim: „Seele, was betrübst du dich?", das bekanntlich von Oberkantor Singer komponiert und in den Wiener Gottesdienst eingeführt wurde. Nachdem Oberrabbiner Dr. Güdemann das Menucho mechauno gesprochen hatte, schloß die erhebende Trauerfeier mit dem Schitmffi und dem darauffolgenden Kaddifchgebet. * * * Nach Ablauf der 30 Trauertage nahmen am *50. Dezember bei den Jugendgottesdiensten Inspektor Prof. Kanitz und Religionslehrer M. Antscherl, Anlaß in ihren Worten des verstorbenen Oberkantors ehrend zu gedenken. Wien. (Barmizwah-Feier.) Samstag den 20. Jänner, '/2O llhr früh, feiern der Erste Kantor im Stadttempel Herr M. M a t y a S und seine Gattin die Barmizwah ihres Sohnes Alexander.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.