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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-01-12 · 2 (12.1.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
2 (12.1.1912)
Date
1912-01-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Rr. 8 Vr. mm mmmrn Seite S1 hebräischer Sprache abgefaßt ist, wird nicht auf Pergament, sondern auf einem Weizenkorn geschrieben werden. Das soll gleichzeitig der Ausdruck der Freude der jüdischen Kolonisten darüber sein, daß sie wieder sich dem Ackerbau widmen können. Diese eigenartige Adresse enthält dreihundert hebräische Buchstaben und kann durch ein Mikroskop leicht gelesen werden. Der Schreiber der Adresse ist der jüdische Kolonist Abraham Schächter, der vor wenigen Iahren aus Rußland eingewandert ist und in der Provinz Alberta eine Farm besitzt. Eine ähnliche Adresse wurde seinerzeit Sir Moses Montefiore überreicht. Schalom Asch m London. Vorige Woche fand im Londoner Iewish Working Men's Club ein literarischer Abend statt, an welchem der in London anwesende jüdische Dichter Schalom Asch einen Vortrag über jüdische Theater hielt. Unter den Ehrengästen befanden sich auch Sir Francis Montefiore und Kapitän Friend. In seinem Vortrage begrüßte Schalom Asch das große jüdische Theater, das demnächst in London eröffnet wird, welchem er eine große Bedeutung für die kulturelle, moralische und auch selbst religiöse Erziehung der breiten Volksmassen des Londoner East End zuschpribt. Viel wichtiger sei es noch, daß diese seine Anschauung auch von reichen und einflußreichen Persönlichkeiten Londons geteilt wird, wodurch dieses jüdische Volkstheater eine weitere moralische Grundlage erhalte. Dem modernen jüdischen Theater erwachsen große wichtige Aufgaben, zunächst diejenige der Veredelung des jüdischen Dramas, das dann sicher von der jüdischen Bühne seinen Weg auf die internationale Bühne finden werde. Das Londoner jüdische Volkstheater müsse aber auch eine Schule für tüchtige moderne jüdische Schauspieler und Schauspielerinnen werden. Hierauf las Schalom Asch eine seiner neuesten Skizzen, betitelt „Jüdische Kinder", vor und erntete großen Beifall. Aus diesem Anlasse sei erwähnt, daß laut Londoner Vlätterimeldungen es Schalom Asch gelungen sei, Mar Reinhardt für das Jüdische Theater zu interessieren. v«' K Der württembergische Oberkirchenrat über die Leichenverbrennung. Die württembergische israelitische Oberkirchenbehörde hat einen Erlaß herausgegeben, in dem es heißt: „Da eine Verletzung der Leiche nach dem israelitischen Religionsgesetze auf Grund einer biblischen Anordnung, abgesehen von tzewissen Ausnahmefällen, nicht gestattet ist. so ist grundsätzlich die Feuerverbrennung einer Leiche religiös unzulässig und eben darum eine geistliche Mitwirkung bei derselben ausgeschlossen. Sollte vor Abführung des rituell gereinigten und bekleideten Leichnams im Trauerhause von der Familie die Verrichtung eines Gebetes oder einer Ansprache gewünscht werden, so ist die Abhaltung einer solchen Feierlichkeit, welche von dem Religionsgesetz weder gefordert noch untersagt ist, ebenfalls in das freie Ermessen des Rabbiners gestellt, und hat er dabei dieselbe Vorsicht wie bei der Rede am Grabe zu beachten." Dieser Erlaß wurde vor einigen Tagen herausgegeben, anläßlich der Feuerbestattung des verstorbenen jüdischen Geheimen Kommerzienrates von Pflaum, des bedeutendsten Bankiers in Württemberg. Im Leichenzug war kein Rabbiner zu sehen. Ein Lektorat für talmudische Wissenschaft an der Leipziger Universität. Aus Leipzig teilt man der „N. I. K." mit: Das sächsische Kultusministerium hat beschlossen, an der Universität Leipzig eine Lektorstelle für späthebräische, jüdischaramäische und talmudische Wissenschaften zu errichten. Sie wird vom 1. April ab dem Privatgelehrten Israel Issar Kahan in München übertragen mit der Maßgabe. daß dessen Unterricht mit dem alttestamentlich-eregetischen Seminar in Verbindung steht und gleich diesem der Oberleitung des Professors Dr. Kittels unterstellt ist. Die Leipziger Universität ist die erste, die endlich die Bedeutung der talmudischen Wissenschaft durch die Schaffung dieses Lektorats anerkennt. Ausstellung einer alten Synagoge. Im Luitpold-Museum in Würzburg gelangt jetzt eine alte Synagoge zur Ausstellung, welche im Obergeschoß eines Häuschens zu Kirchheim bei Würzburg sich befunden hatte. Ueber diese lesen wir in „Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern. Unterfranken, 3. Bezirksamt Würzburg" folgendes: „Kleiner Raum 5.4O Meter lang, 6.54 Meter breit mit hölzerner Tonnendecke. Die Wände Fachwerk. An der Nordseite trennt eine mit Holzgittern versehene Bretterwand den Raum für die Frauen ab. — Decke und Wände sind aufs reichste mit Blumenwerk bemalt. In zahlreichen Feldern Vibelterte in hebräischen Lettern. An der Westwand Bild einer Stadt, wohl Jerusalem. An der Westseite Meisterinschrift. Sie lautet übersetzt: „Handarbeit des Meisters in der Malkunst» zur Ehre Gottes und der Welt, von mir Lazarus Sußmann. Sohn des Rabbi Salomon Kantor aus Brod." Die Jahreszahl dürfte mit 1740 aufzulösen sein (Mitteilung des Herrn Distriktsrabbiners Nathan Bamberger in Würzburg). Die Stilformen sind die einer etwas älteren Zeit. Dem Eingang gegenüber Lade mit Gesetzesrollen, als hölzerner Schrank mit Säulen an den abgeschrägten Ecken gebildet. Gebrochener Giebelaufsatz. Den Antritt flankieren seitlich Holzschranken, darauf eiserne Lichterrechen. In der Mitte des Raumes achtseitige Lesetribüne, eine Stufe erhöht. Holzbrüstung, über der sich acht schmale Pfeiler erheben, die ein Leistenkranz in zirka drei Meter Höhe (vom Boden) verbindet. An der Nord- und Südseite des Hauptraumes Sitzbänke, in Stallen geteilt. Von der Deckr herab hängen mehrere kleine Messingkronleuchter aus dem 17. Jahrhundert. Kunst- und kulturgeschichtlich sehr interessante Anlage." Die Erhaltung unserer Jugend für das Judentum. Es liegt mir eine kleine Broschüre vor: „Vorschläge, betreffend eine Reform des jüdischen Religionsunterrichtes an den oberen Klaffen der Mittelschulen, erstattet an den Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde von Dr. Maximilian Steiner." Die vortreffliche Arbeit, welche in den weitesten Kreisen Eingang und Verbreitung finden sollte, birgt für mich einen speziellen Reiz. Nicht nur deshalb, weil ich mich selbst oft und eingehend mit dem Thema befaßt habe, nicht nur. weil ich von vielen Anregung-n des Verfoffers begeistert bin, sondern weil ich so Manches von diesem hochgeschätzten, gelehrten Manne bestätigt finde, was in dem Gehirne eines noch nicht vierzehnjährigen Knaben gereist war. Vor ungefähr einem Jahre fiel mir ein Notizbuch meines Sohnes in die Hand, in welchem ich Ausschreibungen fand, denen ich entnahm, daß der damals noch nicht Vierzehnjährige sich unausgesetzt mit dem Gedanken beschäftigte, bei Indifferenten Liebe und Verständnis für das Judentum wachzurufen. Einige Sentenzen frappierten mich und ich forderte meinen Jungen auf, bei Gelegenheit in zusammenhängender Form seine Ansichten zu Papier zu bringen. Er tat dies in den letzten Sommerferien, und ich habe die kleine Schrift inzwischen wiederholt Freunden und Bekannten gezeigt und ihren Rat darüber eingeholt, ob ich meinen Sohn in seinen Bestrebungen ermuntern und fördern oder aber von

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