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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-01-12 · 2 (12.1.1912) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
2 (12.1.1912)
Date
1912-01-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette SO Dr. BloKs WoWnWrift Nr. 3 fügte Herr Lohn im Jahre 1909 eine noch bedeutendere Schenkung hinzu, indem er in gewohnter Munifizenz aus der sehr wertvollen Bücherei des als Chassid bekannten R. Nachum Beer Friedmann aus Sadagora für die Bibliothek die ihr fehlenden Werke ankaufte. Ueber diese großartige Bereicherung der Bibliothek der Wiener Kultusgemeinde erstattet jetzt der durch seine bisherigen Publikationen als erfolgreicher Forscher sehr geschätzte Kustos dieser Bibliothek, Herr Dr. Bernhard Wachst ein, in einem soeben erschienenen, prächtig ausgestatteten Werke*) einen ausführlichen Bericht. Die Aufgabe. die sich W. bei der Abfassung seines Katalogs gestellt: eine erschöpfende Charakteristik der Bücher und die Aufnahme der biographischen und genealogischen Daten der Autoren zu liefern, wurde von ihm mit philologisch vollendeter Akribie gelöst. Die Beschreibung der Werke hält zwischen nichtssagender Kürze und uferloser Weitschweifigkeit die Mitte. Sie ersetzt nicht die Lektüre der Bücher, verrät aber doch genug von ihrem Inhalt, um zu tieferem Studium anzuregen. Die große Belesenheit und Kombinationsgabe des Verfassers begegnen uns an vielen Stellen des Katalogs, der sich den bibliographischen Leistungen der hervorragenden Meister auf diesem Gebiete (eines Steinschneider, Benjakob, Zedner usw.) würdig an die Seite reiht. Trotz der wortsparenden Knappheit enthält das Buch kleine Ausschnitte oder Miniaturaufnahmen aus der Kultur- und Literaturgeschichte der Juden. — Da der Besitzer dieser Sammlung ein Schwiegersohn des Wunderrabbi von Sadagora und ein direkter Nachkomme des R. Beer aus Mizricz war, bot sich eine günstige Gelegenheit dar, im Vorwort eine nicht unsympathische Seite des vielgestaltigen Chassidismus psychologisch zu analysieren. Voll feinfühliger Nachempfindung für die leisesten Regungen in der Stimmung eines solchen für wahrhaft glückselig gehaltenen Rabbi und seiner zahllosen Verehrer im Osten gewährt uns die Darstellung Wachsteins einen tieferen Einblick in das oft verkannte, heute schon besser verstandene chassidische Wesen. Die in hebräischer und aramäischer Sprache gedruckten Bücher sind nach der alphabetischen Reihenfolge der Autornamen geordnet. Dem Titel folgt in Anlehnung an die vom Verfaster verwendeten Ausdrücke die Inhaltsangabe des Werkes, dann der Autorname, endlich Druckort, Jahreszahl, Format, oft auch. Anführung der Approbationen und Zensurvermerke. Von welch imposanter Reichhaltigkeit diese Sammlung ist, zeigen folgende statistische Angaben: Die Bibel mit den zu einzelnen Büchern gehörigen Kommentaren ist durch 53, der Talmud und seine Kommentare durch 27, die Liturgie durch 38 Nummern vertreten. Sehr mannigfaltig ist die große Reihe der aufgenommenen Nesponsenwerke, stattlich die Zahl der Schriften mystischkabbalistischen Inhalts, während Bücher mit deutschen Typen natürlich ausgeschlossen sind. Unter den Gelegenheitsschriften fesseln besonders die Gebiete um Waffenglück für die Kaiserin Maria Theresia und für die Kaiser Josef II. und Franz II., welche im Aufträge der jüdischen Gemeinde in Mantua in den Kriegsjahren 1778, 1788 und 1799 verfaßt und in den dortigen Synagogen rezitiert wurden. Künstlerisches Interesse erweckt in dieser Sammlung ein mit 6 in Kupfer gestochenen Vignetten versehenes Eremplar eines Gebetes um die Wiedergenesung dev Kaiserin Maria Theresia: Eine Vignette stellt die Parzen dar, von denen Atropos im Begriffe, den Lebens-r faden zu durchschneiden, durch einen heranschwebend.en Engel davon abgehalten wird. Bezeichnend für den ethi¬ *) Katalog der Salo Cohn'schen Schenkungen von Dr. B. Wach stein. I. Bücher aus der Sammlung des Rabbiners Nachum Beer Friedmann-Sadagora. Gilhofer u. Ranschburg. — Wien 1911. scheu Grundzug im Charakter des Chassid-Sammlers ist die Tatsache, daß die Sammlung nicht weniger als 16 verschiedene Kommentare zu den Pirke Aboth, dieser unvergleichlichen Darstellung rabbinischer Ethik, enthält. Ein darunter befindlicher, von R. David Chasan im Jahre 1748 verfaßter Kommentar heißt „David in der Festung". Warum? Ein schlechter Kerl hatte dem damals in Wien weilenden Autor sein Passepartout entwendet und ihn noch, obendrein beim „Judenamt" als verdächtigen Fremden denunziert. Wochenlang schmachtete der völlig unschuldige David Chasan im Arrest und mußte, als er dann erkrankte, ins Judenspital gebracht werden, wo er seinen Kommentar vollendete und zur Erinnerung an seine unfreiwillige Wiener Haft mit dem Namen „David in der Festung" betitelte. Erfreulicher ist allerdings die pietätvolle Sitte, die von begeisterten Verehrern geübt wird: kinderlosen Autoren durch die Drucklegung ihrer Werke ein ewiges Denkmal auf Erden zu errichten (vergl. Nr. 77 und 117). So bietet dieser Katalog eine Fülle geschichtlicher Daten und kulturhistorischen Materials. In einem „Weltereignisse" betitelten Werke finden wir beispielsweise eine Geschichte des osmanischen Reiches und des Rabbinats von Konstantinopel, daneben einige den Schwärmer Salomo Molcho, den Kabbalisten Chajim Vital, sowie das Ableben Salomo Lurjas betreffende Nachrichten. Bekannten Namen noch jetzt blühender Familien begegnen wir sowohl unter den Autoren, beziehungsweise ihren Vorfahren (wie die berühmten Familien Neumark-Mirls, Abraham Broda, Israel Koppel usw.) als auch unter den Pränumeranten. So lesen wir in einem 1809 in Amsterdam erschie-, nenen Werke unter den Subskribenten von Düsseldorf den Namen „Samson Heine", des Vaters Heinrich Heines. — Wir resümieren: Das splendid ausgestattete Werk Wachsteins ist nicht nur ein schönes Ehrendenkmal für den hochherzigen Spender dieser kostbaren Büchersammlung, sondern auch eine wahrhafte Bereicherung der iii^ dischen Literatur. Die Schatzgräber der jüdischen Wissenschaft werden aus diesem inhaltsreichen Kataloge manches Goldkorn für ihre Forschungen zu holen vermögen. Vom Aabrmarkt des Lebens. Von der Bibliothek des Baron David Ginzburg. Wie uns aus Petersburg berichtet wird, hat sich für die Bibliothek des verstorbenen Baron David Ginzburg bisher noch kein Käufer gefunden. Die Bibliothek ist noch vollständig intakt, da die verschiedenen Angebote wegen Ankaufs eines Teiles der Bibliothek von der Familie zurückgewiesen wurden. Gegenwärtig wird laut Auftrag der Erben eine neue Katalogisierung der Bibliothek mit einer Beschreibung und Inhaltsangabe der in der Sammlung befindlichen Unica und Handschriften durchgeführt. Mehrere wissenschaftliche Korporationen wandten sich an die gegenwärtigen Besitzer dieser reichhaltigen Büchersammlung mit der Anregung, den Katalog, der an sich schon einen großen wissenschaftlichen Wert darstellen wird, in Druck legen und veröffentlichen zu lassen. Bisher hat die Familie jedoch in dieser Frage noch keine Entscheidung getroffen. Eine Huldigungsadresse aus einem Weizenkorn. In den nächsten Tagen wird der neue Generalgouverneur von Kanada, Herzog von Connaught, seinen neuen Posten beziehen. Aus diesem Anlasse werden auch die jüdischen Kolonisten in Kanada eine Deputation zum Empfange des Vizekönigs entsenden und ihm eine Huldigungsadresse überreichen. Diese Adresse, die in

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