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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-01-12 · 2 (12.1.1912) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
2 (12.1.1912)
Date
1912-01-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 22 Dr. BLochs WochMchM Nr. 2 der Beschäftigung mft derartigen Fragen abhalten sollte. Ich entschloß mich schließlich, keines von beiden zu tun, sondern ruhig abzuwarten, wie er sich von selbst weiterentwickeln würde. Wenn ich, angeregt durch die Schrift des Herrn Dr. Steiner, mein Vorhaben aufgebe, und die Aussprüche eines dem Kindesalter eben Eatwachl-neu der Deutlichkeit übergebe, so geschieht es nicht, um den Ehrgeiz des Knaben zu nähren oder gar mich zu brüsten, sondern einzig und allein, um darzutun, daß es nur eines geringen Anspornes bedarf, um bei der Jugend Begeisterung und Liebe für die jüdische Sache,zu erwecken. Mein Sohn besucht jetzt die fünfte Klasse des Gymnasiums und hat außer dem Religionsunterrichte, den er in der Schule durch Herrn Professor Dr. Weschler genießt, nur mich als Lehrer im Hebräischen. Ich widme dem h°bräischen Unterrichte täglich, ehe er zur Schule geht, zehn Minuten und lasse ihn abwechselnd einige Verse aus dem jeweiligen Wochenabschnitte und einige Stellen aus den täglichen Gebeten und den Psalmen lesen und übersetzen. Außerdem liest er fleißig jüdische Geschichte. Ich lasse nunmehr Stellen aus seiner Niederschrift folgen, indem ich mir erlaube, ihnen ähnliche Ausführungen des Herrn Dr. Steiner gegenüberzusetzen: ..D^e einziqdauernde, feste Vereinigung der jüdischen Jugend kann nur durch einen möal'chsi viele Länder umfassenden Bund erre-cht werden. I-' dielen könnte jed-s ilraelitilche Knd innerhalb bestimmter Altersgrenzen ausgenommen werden. Hauvtzweck müßte sein, in den Teilnehmern die Ueberreugung wackzuruf n, daß sie Angehörige einer achMnqgebietenden KL'p-rsckaft sind. Dementsprechend müßte da« Ansehen der Vereinigung nach Außen hin immer gewahrt werden . . . Der Bund müßte seinen Mitgliedern durch Errichtung von Bibliotheken Gelegenheit zur Lektüre bieten, er müßte an d-n Feiertagen Gottesd i e n lt e veranstalten, die sih in den größeren Städten ja vielleicht allwöcher tlich abhalten ließen. Es müßten Vorträge aebalten werden, Preisfür Kunst, Literatur urd Sport ausgeschrieben werden. Alljährlich eine große Zusammenkunft in einer größeren Stadt, eventuell nur in kleinen Unterabteilungen. Ich bin der festen Ueb rzeuannn. daß dieses Uaternebmen. ri-lben,,rßt geleitet, wenigst-ns e nigen N tz-n bringen würde, indem es, mö-l chst viele Kmd«" vereinigend, neben nns rer a'ten R'lig'0'i ein neues, festes BindkM'tte! des Judentums abgeben könnte “ Diese kleine Probe aus den praktischen Vorschlägen möge genügen. Aber auch sonst weist die Niederschrift des Gymnasiasten in ihrer Begründung vieles auf, das in dem Werke des Herrn Dr. Maximilian Steiner Bestätigung findet. Nach dieser meiner Erfahrung neige ich zu der Annahme daß es nach einem rationellen Plane tatsächlich möglich sein könnte, ähnlich wie bei meinem Sohne, mit verhältnismäßig wenig Anstrengung seitens der Schule und des Elternhauses viele Jünglinge, wenn schon nicht zu Kennern des jüdischen Schrifttums, so doch zu begeisterten Anhängern des Judentums zu machen. Und als solchen rationellen Plan erachte ich die vortreffliche Schrift des Herrn Dr. Maximilian Steiner. Friedrich Karbach. Korrespondenzen Der Empfang Dr. Blochs m Newyork. Aus Newyork wird uns unter dem 24. Dezember geschrieben: Vorgestern ist hier an Bord der „Amerika" der Wiener Schriftsteller und Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift", Dr. I. S. Bloch, angekommen. Trotzdem sein Besuch in Amerika ausschließlich seiner Familie gilt, haben die verschiedenen jüdischen Verbände und Gesellschaften es sich nicht nehmen lassen, dem wegen seiner Kämpfe für das Judentum bekannten Gelehrten und Schriftsteller einen feierlichen Empfang zu veranstalten. An die Spitze eines sehr großen Empfangskomitees hatten sich die Präsidenten zahlreicher Vereine galizischer und Bukowinaer Juden gestellt. Ein Schiff mit Vertretern der Vereinigten jüdischen Gesellschaften, darunter die Verbandspräsidenten Josef Barondes, Bernhard Turtel, W. Fischmann, Bernhard Semel und Dr. E. Pollak, fuhr der „Amerika" bis zur Quarantäne entgegen, um dem geschätzten Gaste den ersten Willkommensgruß zu entbieten. Am Pier empfingen den gefeierten Gast mehrere hunderte Landsleute. Dr. Bloch zeigte sich über die großartige und herzliche Begrüßung seiner hier ansässigen Landsleute und Stammesbrüder sehr erfreut. Sämtliche maßgebenden Blätter, sowohl die englischen als auch die deutschen und jüdischen, widmen Dr. Bloch an auffallender Stelle größere Artikel und bringen nebst seiner Photographie die wichtigsten Daten seiner Lebensgeschichte und schildern besonders ausführlich seine Kämpfe gegen Rohling, seine erfolgreiche parlamentarische Tätigkeit und seinen durch große Gelehrsamkeit unterstützten Kampf gegen die Blutbeschuldigung. Die hervorragendsten Tagesblätter haben Dr. Bloch um seine Meinung über den jetzt so aktuellen Paßkonflikt befragt. Dr. Bloch äußerte sich mit großem Enthusiasmus über die Haltung Amerikas in der russischen Paßfrage und erklärte die Kündigung des russischen Vertrages für eine politische Großtat, durch welche die Vereinigten Staaten sich den Dank aller freiheitsliebenden Völker verdient haben. Ueber die Lage der Juden in Oesterreich befragt, erklärte Dr. Bloch, daß der Antisemitismus in Westosterreich wohl noch nicht verschwunden sei, doch habe er in der letzten Zeit so große Niederlagen erlitten, daß die Hoffnung auf eine allmähliche Gesundung der Verhältnisse berechtigt erscheint. Viel schlimmer, weil noch völlig ungeklärt, liege die Sache in Galizien. In Galizien ist der Antisemitismus nicht Sache der Agitation, sondern eine Erscheinung des praktischen Lebens. Die Juden werden in Galizien durch alle möglichen Mittel in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht, wodurch sich ihre Notlage steigert und sie zur Auswanderung getrieben werden. Das größte Unglück für die galizischen Juden ist. daß sie keinen Weg zur Selbsthilfe finden. Die Hilfe müsse daher von auswärts kommen. Ihre auswärtigen begüterten Brüder müssen ihnen bei den Bemühungen, sich ökonomisch zu kräftigen, zu Hilfe kommen. Die Hilfsaktion müsse sich auf die Schaffung von Industrien, Ermöglichung von billigen, reellen Krediten, Errichtung von Handels- und Gewerbeschulen rc. erstrecken. Der von der V'nai V'rith- Vereinigung geförderte „Hilfsverein für die notleidenden Juden in Galizien" tue sein Möglichstes, doch reichen seine Mittel nicht aus, um die notwendige große Aktion ohne Unterstützung von außen zu bewältigen. Dr. Bloch erklärte schließlich, daß er die Absicht habe, in einer Konferenz mit den Führern der galizischen Juden in Amerika das ganze galizische Judenproblem durchzube- Aus dem Werke des Herr« Dr. Steiner: „Bedenkt man, welche Ralle die „Vereinswaierei" unter Erwachsenen soielt, lo wird man zugesteben, daß ähnliche Formen bei der Jugenderziehung nicht außrracht gelassen werden sollten. Der Orden, der Ornat, die Uniform v-rf/hlen selten die Wirkung; der Pädagoge iß sohin befugt, sich ähnlicher Re'rmittel ut bedienen. Distinkt onszeicken für die Schüler, Ausschüsse, Buchprämien undAehnlicheS . . . Eine weitere fakultative Zutat wäre in der Einrichtung emes der Religionsschule nah'liegenden Lesezimmer« zu ft «den . . . Auch auf Au-ssün-, Leseabende mit v-rteilten Roll n, Wettturnen. gesellige Bereinigungen legt Forel großen Wert . . . Obenan aber sind Vorträge zu stellen, welche — aelch-chtlichen oder l'teranschen Inhalts — das Interesse der Jugend für das Judentum anregen. Als Schlußstein dieses Aufbaues wäre ein sveziell für die Ob rstufe d-r Mittelschule bestimmter Gottesdiensi einzurichten. De'.selbe könnte etwa v'-rzehnlägig a>s Minchaaebet an Sabbatben abgehalten weiden." .

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