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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-01-05 · 1 (5.1.1912) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
1 (5.1.1912)
Date
1912-01-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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S!r l Dr. Mochs Wochenschrift Sette 9 Sie werden abermals eine gemeinschaftliche Vorstellung der Regierungen der genannten Länder bei Rußland anregen, zumal, da jetzt die Angelegenheit von den Vereinigten Staaten durch die Kündigung des Handelsvertrages mit Rußland mit in Fluß gebracht worden ist. Ein russischer Diplomat über die Patzfrage. Ein jüdischer Journalist hatte Gelegenheit, einen hohen Petersburger Diplomaten, der während der Weihnachtsfeiertage in Wiesbaden weilte, zu sprechen und befragte ihn über den Konflikt zwischen Rußland und Amerika. Der Diplomat äußerte sich ungefähr wie folgt: „Wir würden, wenn auch nicht mit großem Vergnügen, so doch ohne jede Beschränkung und ohne Konfessionsvisum amerikanische Juden hereinlassen, es sind meistens arme polnische „Schnorrer", die früher in unserem Reiche wohnten, recht bescheidene Leute, die drüben zwar ihren Kaftan verloren, aber noch keine Dollarmilliarden gewonnen haben; Leute, die sich um Politik nicht kümmern und denen jeder Tschinownik ihre Asra ansieht, auck wenn sie nicht im Visum verzeichnet steht. Die kann man, wenn man will, auch leicht mit anderen gesetzlichen Mitteln Hinausweisen. Sie holen hier irgend einen Verwandten ab, besuchen die Gräber ihrer Toten und reisen meistens unter Hinterlassung einiger hundert Dollar für ihre Eltern oder Geschwister bald wieder ab. Aber, wenn wir sie hereinlassen, dann müssen wir auch englische, deutsche und französische Juden auf unbeschränkte Zeit aufnehmen, und das tun wir, ich gestehe es, äußerst ungern. Denn diese sind äußerlich von den anderen Westeuropäern nicht kenntlich, viele von ihnen bekunden aber meistens eine derartig radikale Gesinnung, daß wir sie durchaus nicht allzulange hier behalten wollen und die Türklinke des hinauskomplimentierenden Pförtners nur ungern aus den Händen geben. Gewiß kommt auch eine große Zahl gutgesinnter, sehr respektabler Westjuden zu uns, aber wir können sie doch nicht aussuchen, und um nicht noch mehr Gärpilze in unser ohnehin schon überschäumendes Faß zu gießen, müssen wir auch manchen neutralen Stoff zurückweisen. Konnte doch jüngst sogar ein jüdischer Freund des Kaisers nicht hereinkommen und mußte erst die allerhöchste Intervention anrufen. Es ist auch wahr, daß die westeuropäischen Richtjuden oft aus dem gleichen Holz geschnitzt sind, aber sie sind nicht so beweglich und verkehren nicht so viel mit Zeitungsleuten und zuletzt: was können wir gegen diese tun?" Der Diplomat versicherte noch, daß dem modernen Russen jede Religionsverfolgung fernliege, und bedauerte nur. daß mit dieser Verleumdung den Amerikanern so viel moralischer Entrüstungssturm in die Segel geblasen würde. — Man sieht, daß selbst ein intelligenter Russe, wie es doch wenigstens ein russischer Diplomat sein sollte, keine Ahnung von den inneren Beweggründen der amerikanischen Vorgänge hat. Daß der Diplomatenkosak in seiner blinden Wut gegen die Juden auch gleichzeitig die westeuropäischen Juden verleumdet, mag weiter nicht wundernehmen. Nützen wird es ihm nicht viel. Er hat damit höchstens erreicht, daß man sich auch in den übrigen Staaten endlich wird aufraffen müssen, mit Rußland — amerikanisch zu sprechen. Kongretz der jüdischen Gemeinden von Griechenland. Im Frühjahre 1912 findet in Athen der Kongreß der jüdischen Gemeinden von Griechenland statt. Dieser Kongreß hätte ursprünglich im September dieses Jahres stattfinden sollen, mußte jedoch wegen Abwesenheit eines, allerdings sehr einflußreichen Delegierten verschoben werden. Schon diese Tatsache allein beweist, wie „El Liberal" mit Recht hervorhebt, die kritische Lage, in welcher sich die Juden Griechenlands und ihre Gemeinden derzeit befinden. Die Zahl der Juden in Griechenland wird jetzt auf 8000 geschätzt, welche sich in verschiedene Gemeinden teilt. Die wichtigeren sind Trekala, Korfu. Larissa. Wolo und Athen. Von allen diesen Gemeinden ist Larissa die einzige, welche eine eigene jüdische Schule hat. die auch von der Regierung eine, wenn auch sehr kleine Subvention erhält. Ein Versuch, die Erhöhung dieser Subvention zur Aufbesserung der Lehrergehälter bei der Regierung durchzusetzen, blieb ohne Erfolg. Obgleich es in Griechenland verhältnismäßig nicht wenige sehr reiche Juden gibt, herrscht unter ihnen ein solcher Jndifferentismus gegenüber jüdischen Wohlfahrtsanstalten, daß in den meisten Gemeinden solche entweder gar nicht bestehen oder kaum vegetieren können. Am bezeichnendsten für die Situation ist wohl der nahezu unglaubliche Zustand, daß selbst in der Hauptstadt des Landes und dem Sitze des jüdischen Zentralkonsistoriums, also in Athen, keine einzige jüdische Schule besteht, und daß der Präsident der Athener Judengemeinde, Konstantinides» der für die Errichtung einer Synagoge und einer jüdischen Schule 500 Pfund spendete, nicht in die Lage kommt, diese Institutionen auch ins Leben zu rufen und für dieselben eine Regierungssubvention anzusprechen, da das einzige Forum, in dessen Namen er dies tun könnte, nämlich das Zentralkonsistorium, seit Jahren nicht wiedergewählt und konstituiert werden konnte. Aus demselben Grunde konnte auch die Frage der Gemeindeumlagen nicht geregelt werden, welche erst auf Grund einer Bestätigung seitens des Parlaments eingehoben werden könnten, das Parlament hingegen nur solchen kulturellen Steuern Gesetzeskraft verleiht, welche von dem gesetzmäßig gewählten und konstituierten Konsistorium beschlossen wurden. Um nun allen diesen unhaltbaren Zuständen ein Ende zu bereiten, war, wie erwähnt, für September d. I. ein Kongreß ausgeschrieben, auf welchem eine Neuordnung des jüdischen Gemeindewesens und die Wahl eines Zentralkonsistoriums hätte vorgenommen werden sollen. Dieser Kongreß wird nun, wie aus Athen berichtet wird, im Frühjahre 1912 doch, stattfinden. Der Prozetz eines Missionärs. Wie noch erinnerlich, hat Pastor Russell vor einigen Monaten eine Vortragsreise durch Europa gemacht und überall unter dem Vorwände, ein Freund des Zionismus zu sein, Mission getrieben. Sowohl in England, als auch in Deutschland und Oesterreich, wohin der Ruf des Pastor Russell schon früher gedrungen war, wurde der Missionär nicht besonders liebenswürdig empfangen. In Wien und in Lemberg wurden seine Versammlungen ge# sprengt, und er konnte seine Vorlesungen nur unter polizeilicher Assistenz halten. Die Enthüllungen über Pastor Russells Treiben erschienen zuerst in dem New-r Yorker jüdischen Blatte, das „Morgenjournal". Seit diesen Enthüllungen ist das Missionsgeschäft des Pastor Russell vollständig lahm gelegt, und das veranlaßt ihn nun, gegen das „Morgenjournal" einen Ehrenbeleidigungs- und Schadenersatzprozeß anzustrengen. Pastor Rustell fordert in seiner Klage vom „Morgenjournal" einen Schadenersatz von 200.000 Dollar und man ist nun im Newyorker Ostend nicht wenig gespannt, welchen Ausgang dieser Prozeß nehmen werde. Spenden zum Andenken an Baron Gustav Rothschild. Der Sohn des jüngst verstorbenen Baron Gustave de Rothschild, Baron Robert von Rothschild, hat zum Andenken an seinen Vater viele große Spenden gemacht. Darunter auch mehrere für jüdische Zwecke, und zwar für die Pariser Synagogen 50.000 Franken, für das Pariser Rothschild-Spital 100.000 Franken, für das Wohltätigkeils - Amt der Pariser jüdischen Gemeinde 200.000 Franken und für Schulzwecke 20.000 Franken.

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