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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-01-05 · 1 (5.1.1912) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
1 (5.1.1912)
Date
1912-01-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 10 Dr. Wochs WvchOWrift Nr. 1 Die Besetzung des englischen Chief-Rabbinats. Die Frage der Besetzung des Großrabbinats von England wird nun doch bald gelöst werden. Im Sinne des letzten Beschlusses des Erekutivkomitees der United Synagogues findet am 14. Januar, vormittags 11 Uhr, die große Konferenz zwischen dem Exekutivkomitee und den Delegierten aller jener Körperschaften Großbritanniens statt, welche zur Erhaltung des Großrabbinats fixe Beiträge leisten. In dieser Konferenz wird wohl noch nicht die Wahl des künftigen Großrabbiners erfolgen, sondern bloß die Richtlinien festgestellt werden, welche bei der Auswahl des künftigen Oberrabbiners einzuhalten sein werden. Es ist jedoch gar nicht ausgeschlossen, daß die Konferenz einen ganz anderen Verlauf nehmen wird, als das Erekutivkomitee der United Synagogues es wünscht, da von verschiedenen Seiten eine Agitation in der Richtung entfaltet wird, daß jene Körperschaften, welche bisher zur Erhaltung dieses Amtes namhafte Beiträge leisteten, die Weiterleistung solcher Beiträge für die Zukunft verweigern mögen. Würde diese Agitation von Erfolg begleitet sein, so wäre damit ypso facto die Auflassung des Amtes selbst verbunden. Diese Delegiertenkonferenz hat übrigens auch sonst eine große Bedeutung, weil es wohl seit vielen Jahren wieder der erste Fall ist, daß die Iudenschaft des britischen Reiches ihre Delegierten nach London zu einer Beratung entsendet. Lord Rothschild als Präsident der United Synagogues wird auch die Delegierten zu einem Lunch laden, und ebenso werden die Makkabaerns, der vornehmste jüdische Klub Londons, den Delegierten zu Ehren einen Festabend veranstalten. Die Rekrutenanshebllng in Rußland. Aus Warschau wird berichtet: Die Zeit der Rekrutenaushebung, die jedes Jahr mit den Herbstmonaten hier beginnt, ist eine ungemein kritische Zeit für die jüdische Jugend im Rayon. Während man in Petersburg darüber verhandelt, ob man die Juden nicht vom Heere ganz ausschließen soll, wird hier der Prozentsatz der jüdischen Rekruten immer mehr in die Höhe geschraubt. Hier in Warschau, wo die jüdische Bevölkerung nur ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmacht, sind dieses Jahr 536 Christen und 625 Juden zum Militärdienst herangezogen worden. Somit mußten die Juden, die, wie gesagt, nur ein Drittel der Bevölkerung ausmachen — abgesehen von den vielen Fehlenden, deren Verwandte es mit einer hohen Geldstrafe werden büßen müssen — 129 Soldaten mehr stellen als die anderen Konfessionen zusammen. In anderen Städten Polens und des Rayons sieht es nicht besser aus, und trotzdem wird immer .noch davon gefaselt, daß die Juden nicht genügend ihrer Militärpflicht Nachkommen. Ein Aufruf gegen die Taufepidemie in Rußland. In Petersburg fanid dieser Tage eine vertrauliche Besprechung der einflußreichsten jüdischen Persönlichkeiten Rußlands statt, in welcher über eine Stellungnahme zu der verheerenden Taufepidemie unter der jüdischen Jugend in Rußland beraten wurde. Es wurde eine größere Aktion beschlossen, die mit einem Aufrufe an die jüdische Oeffentlichkeit des Landes eingeleilet werden soll. Die endgiltige Abfassung dieses im Entwürfe bereits vorgelegten Aufrufes wurde einem Redaktionskomitee übertragen, das seine Arbeit schon in den allernächsten Tagen vorzulegen hat. Die Vertretung jüdischer Sekten bei der Krönungsfeier in Indien. Bei der soeben vollzogenen Krönungsfeier in Delhi waren nicht nur sämtliche Eingeborenen hindustanischer Stämme, sondern auch die religiösen Sekten des englischen Kaiserreiches offiziell vertreten. Außer den jüdischen Gemeinden, welche ihre Delegierten entsandt hatten, sah man auch die Vertreter der in Europa wenig bekannten jüdischen Sekte „Benei Israel", die ihren Sitz in Bombay hat. Diese Sekte soll laut ihrer Legende vor 1800 Jahren sich in Indien niedergelassen haben, ihre Sprache ist der sogenannte Maharati-Dialekt, ihre Schrift ist ähnlich dem Sanskrit. Die Benei Israel legen Gewicht daraus, nicht als Juden angesehen zu werden, ihre Existenz wurde zum erstenmale durch die Aufzeichnungen des Weltreisenden Benjamin de Tudela im 12. Jahrhundert bekannt. Genaueres über ihre Lebensweise jedoch erfuhr man erst im 19. Jahrhundert durch christliche Missionäre. Die wichtigsten Feiertage dieser Sekte sind Rosch-Haschanah, Iomkippur. Purim. Pessach und Sukkoth, welch letzteres Fest bei den Benei Israel am vierten Tage des Monates Tischri beginnt. Der ganze Monat Ellul ist ein Fastenmonat, der auch von ihnen Ramadan, bekanntlich der Fastenmonat der Mohammedaner, genannt wird. Das Schebuothfest und Chanukah ist ihnen unbekannt. Die Benei Israel haben in Bombay eine Synagoge, „Keneseth Elijahu", die eine Sehenswürdigkeit von Bombay bildet. r Eine wertvolle Schenkung für den „Bezalel". Aus Jerusalem berichtet die „N. I. K.": Ein junger jüdischer Landmesser namens B. Fabrikant, der vor kurzem seine Studien in der Schweiz beendet hat und sich in Palästina niederlassen will, hat der Kunstgewerbeschule „Bezalel" seine überaus reichhaltige Sammlung kunstgewerblicher und kunstgeschichtlicher Schrfften sowie verschiedene Kunstwerke hervorragender Meister zum Geschenk gemacht. Die Sammlung repräsentiert einen Wert von über 10.000 Franken. Sie wird als besondere Abteilung im Museum des „Bezalel" Aufstellung finden und den Namen des Spenders tragen. Vom Grabmal Ratzels. Aus Jaffa wird der „N. I. K." geschrieben: Der hiesige Oberrabbiner A. I. Kuk veröffentlicht in der jüdischen Presse einen Aufruf, in dem er darauf hinweist, daß ein in unmittelbarer Nähe des Grabmals Rahels bei Bethlehem befindliches Grundstück seit einiger Zeit zum Verkauf steht. Rabbiner Kuk regt nun an, das betreffende Terrain sollte von jüdischer Seite erworben werden, um darauf eine Thora-Lehranstalt zu errichten. Späterhin könnte dort durch Zukauf geeigneter Ländereien eine neue jüdische Kolonie gegründet werden. Vermischtes. Wien. Die öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde findet Sonntag den 7. Jänner 1912, Vs 11 Uhr vormittags, ]., Seitenstetten gaffe 4, II. Stock, mit folgender Tagesordnung statt: Konstituierung des Kultusvorstandes: 1. Wahl des Ersten Vizepräsidenten; 2. Wahl des Zweiten Vizepräsidenten; 3. Wahl von 8 Mitgliedern des Vertreter-Kollegiums; 4. Wahl der Mitglieder in die Kommissionen und Komitees. Bortrag aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Donnerstag den 11. Jänner 1912, 1/a8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eichenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Med.-Dr. Ignaz Zoll schon statt. Thema: „Der Raffenwert der Juden." Eintritt frei ohne Karten.

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