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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-01-05 · 1 (5.1.1912) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
1 (5.1.1912)
Date
1912-01-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Blocks WochMjfchrist Seite 7 Prager Journalisten haben sich von dem Vereine losgelöst und eine eigene Vereinigung gegründet, welche hoffentlich ohne Rücksicht auf Konfession und politische Parteizugehörigkeit das journalistische Selbstbewußtsein heben wird. Straßendemonstration der Lemberger Chassidim wegen Sabbath-Entweihung. Aus Lemberg wird uns berichtet: Am letzten Sabbath-Chanukah war das jüdische Viertel unserer Stadt der Schauplatz einer erregten Demonstration, wie sie wohl noch nie und nirgends gesehen wurde. Die Ursache dieser Volksaufregung lag darin, daß am Samstag früh zwei jüdische Fischhändlerinnen es gewagt haben, auf dem Marktplatze des Ghetto ihre Verkaufshülle aufzuschlagen und ihre Ware feilzubieten. Es war dies der erste Fall, daß eine solche öffentliche Sabbathentweihung im Zentrum des Ghetto gewagt wurde. Kaum wurde diese Entweihung in den einzelnen Teilen des Judrnviertels bekannt, als aus allen Richtungen die Chassidim, die aus ihren Klausen kamen, dem Markte zueilten und unter fürchterlichen Lärmszenen die Fischhändlerinnen zwangen, den Verkauf einzustellen. Die Menge wuchs immer mehr an, da in den meisten Beihäusern sogar der Gottesdienst unterbrochen wurde, um an der Bestrafung des Frevels teilnehmen zu können. Ein bekannter Talmudgelehrter Moses Levp sprang in seiner Erregung auf einen Fischkelter und hielt eine zündende Rede, in welcher er unter Tränen klagte, daß in der uralten Iudengemeinde Lembergs bisher wenigstens das jüdische Viertel vor solchen Freveltaten verschont geblieben sei, und nun wollen jüdische Mütter aus purer Gewinnsucht eine Bresche schlagen in die Sabbathherligung. Da die beiden Frauen sich in ihrem Leben bedroht fühlten, waren sie schließlich gezwungen, ihre Buden zu schließen und so den Folgen der Volkserregung zu entgehen. Auch so war es nur dem Einschreiten einiger Besonnener zu danken, daß ein größeres Unglück vermieden wurde. Auf den Gräbern der Hasmonäer. Im Krakauer ,,Tog" beschreibt Pinkas Graubart einen Besuch der Gräber der Hasmonäer. Diese Gräber liegen in der Nähe von Modiim auf dem Berge, den die Araber ..Churbai, Sesch, Haam" (Die Ruine eines Volkes) nennen. Auf diesem Berge befindet sich die Gruft ..der drei jüdischen Sultane", wie es im Volksmunde heißt. Drei kleine Stufen führen in einen kellerartigen Raum, auf dessen Boden ein dreieckiger Stein ruht. An jedem dieser Dreiecke befindet sich ein Grab. Um diese Gruft herum befinden sich noch mehrere Gräber, die gleichfalls den Hasmonäern zugeschrieben werden. In einem dieser Gräber sah der Erzähler verschiedene Elas- und Tonscherben, über welche der arabische Führer die Legende erzählte, daß früher sehr viele zu diesen Gräbern gewandert seien und dort inbrünstige Gebete verrichteten. Die Betenden brachten kleine Krüglein mit sich, in welchen sie die bei dem Gebete vergossenen Tränen sammelten und sie dann in das Grab warfen. Reben den Gräbern springt ein silberklarer Quell aus dem Boden. Dies scheint eine Anspielung auf die Oelkrüglein zu sein. Heute werden die Gräber der Hasmonäer nur von fremden Touristen aufgesucht, und auch diese unterziehen sich nur selten der großen Mühe, mit welcher die Erkletterung des Berges, auf welchem diese Gräber liegen, verbunden ist. Der ungarische Kultusminister über die jüdischen Schulen. Das Kuratorium der Budapester israelitischen Land'eslehrerpräparandie entsendete dieser Tage zum Kultusminister Grafen Ioh. Zichy eine Deputation, die den Minister bat, für das bei dieser Anstalt zu errichtende Internat eine staatliche Subvention zu bewilligen. Der Minister versprach, die vorgetragene Bitte, wenn nur irgendwie möglich, zu erfüllen, umso mehr, als er sich die Ueberzeugung geholt hat, daß die öffentlichen jüdischen Schulen und deren Lehrer zu den besten und verläßlichsten im Lande gehören. Ueberdies wünsche er. durch die Gewährung dieses Ansuchens seiner aufrichtigen, warmen Sympathie für die jüdische Konfession Ausdruck zu geben. " : Aus dem letzten Rechenschaftsberichte der ungarischen Regierung. Das ungarische Gesetz verfügt, daß die Negierung alljährlich einen Bericht über die Tätigkeit der einzelnen Ministerien und die öffentlichen Zustände veröffentliche und dem Reichstag unterbreite. Dieser Bericht wurde nun gleichzeitig mit der Einreichung des Budgetpräliminare vorgelegt und bezieht sich auf das Jahr 1910. Wir entnehmen dem umfangreichen Bande zunächst die folgenden die Iuden betreffenden Daten. Die Zahl der christlich-jüdischen Ehen ist seit 1905 von 400 auf 700 im Iahre gestiegen. Der überaus größte Teil der Vereinbarungen bezüglich der Konfession der Kinder fiel zu Gunsten der christlichen Konfession aus. Was die Konfession der Schüler an Gymnasien und Realschulen betrifft, so waren 22" » derselben Iuden. An den Hochschulen waren 29'6"<> der Studierenden Iuden. Ein Elaubenswechsel fand in 7032 Fällen statt, wobei die Iuden 380 Gläubige verloren, während die Römischkatholiken 1007 Gläubige gewonnen haben. Der Makkabaerpokal in Budapest. Eine schöne Sitte hat sich in Budapest seit einiger Zeit eingebürgert. Der Verband der jüdischen Jugend feiert alljährlich unter großer Parade das Ebanukafest. bei welchem stets irgend eine hervorragende Persönlichkeit der ungarisch-jüdischen Gesellschaft mit dem prachtvollen Makkabäerpokal in der Hand die Festrede hält. In diesem Iahre wurde der Bankdirektor Hofrat Franz Szekely dazu ausersehen, die Makkabäerrede zu halten. Es war dies ein feierliches Gelöbnis, im Sinne der Makkabäer für die Erhaltung unserer Religion mit Gut und Blut einzutreten, dabei aber jener Aufgaben nicht zu vergessen, welche die Iuden in den Ländern, in denen sie wohnen, zu erfüllen haben. Salomo» Lefmann. Die „I. Pr." schreibt: Jetzt, da die gesamte Deutsche Tagespresse von Rang den 80. Geburtstag Salomon L e s m a n n s. ord. Honorarprofessors an der Heidelberger Universi ät und Mitglied der dortigen Akademie der Wissenschaft, dem lesenden Publikum kündet, wollen auch wir nicht bintansteben, dem verdiens!vollen Gelehrten in unseren Spalten einige Wote m widmen. Ist doch „dies r echte deutsche Gelehrte, der die G'ündlichkeit seiner westfälischen Heimat mit dem W tz des Psälzerlandes in sich vereintet" ein Sohn Israels. Und Salomon Lefmann verdient eine Erwähnung in den jüdischen Z'i-- schriften nicht etwa nur darum, weil er das Ovr r bringen konnte, die Tanfe zu verschmähen und damit auf ein ihm sonst sicher q-wes nes Ordinariat zu verzichten; seine Z igebörigkeit nun Jndentuni ist nicht etwa, — um ein ironisches Wort des G feierten selbst zu gebrauchen — ein Ztfallsjudentum; nein, in Wort und Tat bekannte und bekennt er stets frei und offen sein: „Ich bin Jude." Und er, der hervorragende Sanskritist, der deutsche Grl-hrte, der wie nur wenige in den Ketsi der indogermanischen Sprachen einardrnngen i't, der die Schönbelt Japhets in die Z'lte Sems, in »'eine Zelte, hrneintrug und die Behauptung daß ein Jude cn-ischen Geist nun und nimmer erfassen und würdigen könne, durch die Tat anfs Glänzendste Lügen strafte, wäre mehr vielleicht als irgend ein anderer der Versuchung ausgesetzt gewesen, ein Aufsehen des jüd'scheu Volkes in die deutsche, die arische Kultur für die glücklichste Lösuna der Judenfrage zu erachten. Nur wenigen mag es bekannt sein, daß Lefmann einst diese psendophilosemiti»sche Forderung eines M o m m s e n in leidenschaftlichen Auseinandersetzungen dem berühmten Historiker persönlich gegenüber bekämpft hat; nur spärlich ist aus unserem Lager die Zahl derer, die Z:ugn:S davon ablegen könnten, wie er auch in manchen seiner Vor-

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