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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-01-05 · 1 (5.1.1912) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
1 (5.1.1912)
Date
1912-01-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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bette 6 Nr. 1 Dr. Mochs WochsnßchM Ganzen gefühlt und wollen auch in Zukunft als treue Söhne unsere ehrwürdigen Gemeinde für deren Würde und Wohlfahrt wirken, solange Sie, verehrte Herren, uns Ihre werktätige Unterstützung schenken!“ Zum dritten Punkt der Tagesordnung, „Vorlage des Rechnungsadschlufscs und der Bilanz pro 1911" ergreift Herr Kasseverwalter kais. Rat Friedrich P o l l a k das Wort, indem er an Hand des heurigen Ergebnisses eine eingehende Darstellung über die wirtschaftliche Lage des Vereines bietet. Wiewohl das Ergebnis des heurigen Jahres ein relativ günstiges war, so sei die Situation des Vereines keineswegs eine rosige; es verweist der Referent insbesondere auf die erfolgte Einreihung einer Anzahl von Vereinsangestellten in die staatliche Pensionsversicherung, die dem Vereine ganz bedeutende Lasten auferlegt, zumal sie rückwirkend vom 1. Jänner 1909 in Kraft zu treten hat. welcher Umstand dem Vereine bis heute Kosten von fast K 3000.— verursache. Aus diesem Grunde hat der Vorstand nach seinem Anträge den gesamten Gebahrungsüberschuß des heurigen Jahres der Post „Asiekuranz-Reservefond" zugeführt, welche Maßregel wohl auch die Zustimmung der verehrlichen Generalversammlung finden wird. Zum Bericht des Kasseverwalters meldet sich Herr Ferdinand S p i e r a zum Wort und gibt der Meinung Ausdruck, daß nach seiner Anschauung die Angestellten nicht in die Pensionsversicherung gehören. Der Vorsitzende gibt die Aufklärung, daß wohl bei sämtlichen Angestellten der Rekurs ergriffen, jedoch von der ersten Instanz abgewiesen worden sei. Nun erstattet der Revisor Herr Moritz M a n t l e r den Bericht der Revisoren, welcher mit dem Ausdrucke ganz besonderer Anerkennung und herzlichsten Dankes für Herrn kais. Rat Pollak die musterhafteste Ordnung in den Büchern des Vereines konstatiert und mit dem Anträge schließt, es sei dem Vorstande für die Gebahr ung im Jahre 1911 das Absolutorium zu erteilen. Dieser Antrag wird mit großem Beifalle einstimmig angenommen und als Revisoren für das Jahr 1912 gewählt die Herren Moritz M a n t l e r und Leopold S t o w a s s e r, als Ersatzrevisor Herr Dr. Karl Löwy. Hierauf bringt der Vorsitzende eine Zuschrift des Herrn Kaffenverwalters zur Verlesung, mit welcher letzterer dem Verein ein Türkenlos widmet und gewisse Bestimmungen über die Verwendung desselben trifft, welche neuerdings die rege Fürsorge des Kaffenverwalters für die Interessen des Vereines bekundet. Der Präsident nimmt diese Spende mit der Versicherung herzlichsten Dankes entgegen. Als Minimal - Jahresbeitrag der. Mitglieder für das Jahr 191$ wird der Betrag von 12 Kronen festgesetzt. Anschließend daran richtet der Vorsitzende an die Mitglieder einen warmen Appell, mit Rücksicht auf die immer steigenden Auslagen des Vereines diesen Betrag nach Tunlichkeit zu erhöhen. Der nächste Punkt der Tagesordnung betrifft die „Wahlen in den Vorstand". Im heurigen Jahre gelangen zum Austritt die Herren k. k. Kommerzialrat Mox Eisenberger, Ignaz Klein, Hermann König und k. k. Generalstabsarzt Doktor Jakob Zuckermann. Von dem durch Unwohlsein am Erscheinen verhinderten Herrn Kommerzialrat Eisenberger liegt ein Schreiben vor, welches der Vorsitzende zur Verlesung bringt. In demselben bewirbt er sich neuerdings um ein Mandat, indem er es als treuer Anhänger unseres Glaubens nnd als pietätvoller Sohn feines Vaters für seine Pflicht hält, die heilige Aufgabe des Ver» eines nach seinen schwachen Kräften zu fördern. Die Bewerbung des Herrn Eisenberger wird mit einigen warmen Worten seitens des Herrn kaiserl. Rates Friedrich Pollak aufs lebhafteste unterstützt, worauf die Herren Ignaz Klein, Hermann König und Generalstabsarzt Dr. Zu ck e rm a n n ihre Kandidatur anmelden. Es wird hierauf zur Wahl geschritten und als Skrutatoren nominiert die Herren David K o h n, Ludwig Mahler, S. Lemberger und Isidor Spiera. Nach erfolgtem Skrutinium und der Konstatierung, daß gegen den Wahlvorgang keine Einwendung erhoben wurde, verkündet der Obmann der Skrutatoren, Herr David K o h n, das Wahlrcsultat, daß die 4 Kandidaten mit sämtlichen abgegebenen Stimmen einstimmig gewählt wurden. Der Vorsitzende erklärt demnach die Herren Eisenberger, Klein, König und Z u ck e r m a n n als auf 3 Jahre gewählt und schließt mit dem herzlichen Danke an die Erschienenen die 38. ordentliche Generalversammlung. Die Tendenzen eines Prager Jonrnalistenvereines. Aus Prag wird uns geschrieben: Vor längerer Zeit wurde in Böhmen unter dem Titel „Verein deutsche Presse" eine Journalistenvereinigung gegründet, welcher eine nicht geringe Zahl hervorragender Politiker, Stadtvertretungen und Korporationen mit beträchtlichen Widmungen als beitragende Mitglieder beitraten. In Kreisen, welche mit den journalistischen Verhältnissen Böhmens vertraut sind, insbesondere jenen Kreisen, welche das nördliche Böhmen kennen, war man sich darüber klar, daß trotz der schmetternden Posaunenstöße der obige Verein nicht allzulange jene Stellung einnehmen werde, die man ihm zumutete, und bereits derzeit ist der größte Teil der Prager Journalisten aus dem Vereine ausgetreten und hat ein Syndikat Prager Journalisten gebildet, weil sich im „Verein Deutsche Presse" Vorgänge abspielten, welche sich nicht mit den Ansichten vieler ehrenwerter Journalisten vertrugen und der genannte Verein auch alle Anzeichen trägt, daß derselbe offenbar in das antisemitische deutschradikale Fahrwasser zu segeln beabsichtigt. Da dieser Gegenstand die jüdischen Verhältnisse berührt, mögen hier einige Worte bemerkt werden. Wenn man in Wien, Prag usw. beobachtet, mit welchem Fleiße die dortigen Journalisten der Tagesblättev allabendlich bis nach Mitternacht arbeiten und zuweilen in den ersten Morgenstunden bleich und ihre Gesundheit für die Oeffentlichkeit gefährdend sich aus den Redaktionen nach Hause begeben, dann sieht man ein ganz anderes Bild, als wie dies im nördlichen Böhmen sichtbar ist. In vielen Städten, wie in Teplitz, Aussig, Leitmeritz und Neichenberg usw. gibt es sicherlich hochehrenwerte und tüchtige Journalisten, dagegen muß man sich von manchen anderen eine verschiedene Meinung bilden, den. Man kann es kaum glauben, welcher Größenwahn, welcher Brotneid, welche Ueberhebung unter einer Klaffe von antisemitischen Journalisten Nordböhmens besteht und welcher Terrorismus nicht nur gegen die Juden, sondern gegen die gesamte Bevölkerung ausgeübt wird. Es gibt Städte in Nordböhmen, in welchen ganze große Genossenschaften, wie die der Gastwirte, Kaufleute, die Verwaltungsbehörden, kaiserliche Aemter, Stadtbehörden von ganz unbedeutenden Schmierblättern boykottiert werden; wehe dem Theater-, dem Konzert- oder Varieteeunternehmer, der nicht gratis jede verlangte Zahl von Logen- oder Parkettsitzen gewährt, wehe dem Bürger, dem Beamten, der sich nicht des Wohlwollens des Herrn „Redakteurs" des „Wochen- oder Morgenblattes" erfreut; unausgesetzt werden sie als Zielobjekte der gehässigsten persönlichen Angriffe benützt, ohne auch nur die Möglichkeit einer Erwiderung zu haben. Als nun der obige „Verein Deutsche Presse" gegründet wurde, da glaubte man natürlich, er werde vor allem die Stande s e h r e der Journalisten heben und die deutsche Presse von jenen Preßalligatoren reinigen, die sie unzweifelhaft besitzt, und die, anstatt der Oeffentlichkeit zu dienen, einen unglaublichen Terrorismus auf dieselbe ausübt; allein leider- Haben sich diese Erwartungen nicht erfüllt, und in kurzer Zeit spielte gerade eine Reihe solcher Personen, die es besonders auf die Juden abgesehen haben, eine tonangebende Rolle im „Verein Deutsche Presse". Die Folge ist nun von selbst eingetreten: die

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