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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-01-05 · 1 (5.1.1912) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
1 (5.1.1912)
Date
1912-01-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Vlochs Wochenschrift Seite 5 Londoner Aufenthalt Heinrich Heines an dem Hause Nr. 32 Graven Street W. C. eine Gedenktafel angebracht werde, welche Heines Residenz in diesem Hause verewigen soll. Die Kommission beschloß einstimmig, dem Gemeinderate diesen Beschluß zur Annahme vorzulegen. Die baupolizeiliche Bewilligung hiezu wurde bereits erteilt und ebenso hat auch der Hauseigentümer seine Zustimmung zur Anbringung der Gedenktafel gegeben, und es besteht kein Zweifel, daß der Gemeinderat den Antrag der Kommission annehmen werde. Die Enthüllung der Gedenktafel soll dann in feierlicher Weise vor sich gehen.! . Ein achtjähriger jüdischer „Verbrecher". In Hömel (Rußland) wurde dieser Tage der achtjährige Schüler des dortigen Progymnasiums Kahan unter dem Verdachte des politischen Verbrechens ausgeschlossen. Diese merkwürdige Verfügung wurde nach einer langen hochnotpeinlichen Untersuchung gesprochen. Für europäische Zustände geradezu komisch wirkt die Begründung dieses Urteils. Hiernach sollen nach dem Attentat auf Stolypin einige Schüler der Gymnasialabteilung der Anstalt im Schulhofe das Attentat besprochen haben. Hierbei hatte nun der achtjährige Kahan die Kühnheit, die Politik Stolypms einer Kritik zu unterziehen. Infolge einer Denunziation leitete der Schuldirektor ein? strenge Untersuchung ein, welche damit endete, daß der kleine Verbrecher wegen „Politischer Unverläßlichkeil" aus der Anstalt ausgeschlossen wurde. Der kleine Kahan kann sich schon heute auf seine Zukunft in Rußland freuen. Korrespondenzen. Die 38. Generalversammlung des Israelitischen Tempelvereines für Mariahilf-Nenban. Am 28. Dezember 1911 hielt der Israelitische Tempelverein für Mariahilf und Neubau seine Generalversammlung ab. Wie aus dem Berichte ersichtlich, schreitet dieser ausgezeichnete Verein unter der umsichtigen Leitung seines langjährigen Präsidenten Herrn Kultusvorsteher Dr. Jakob Engel in seiner gedeihlichen Entwicklung immer fort. Der Vorsitzende eröffnet die 38. ordentliche Generalversammlung, indem er die Beschlußfähigkeit konstatiert und in warmer Weise die erschienenen Ehrengäste begrüßt. Vor allen Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. T a g l i ch t, die Abordnung des Frauenvereines, bestehend aus der Präsidentin Frau Frida Strauß und Vizepräfidentin Josefine E n g e l, den Präsidenten des Humanitätsvereines Dr. Karl Löwy und den Redakteur Dr. Moritz Löwy. Er teilt ferner mit, daß ihr Fernbleiben von der heutigen Generalversammlung die Herren Kommerzialrat Max Eisenberger, Kultusvorstand Samuel Steiner und Herr Doktor I. S. Bloch entschuldigt haben. Redner gedenkt des Todes dreier Mitglieder, und zwar der Herren Siegfried Kal ich, Josef P a s ch k a und Josef P i ck. Uebergehend zur Tagesordnung, verliest der Schriftführer Herr August Fis che l das Protokoll der 37. ordentlichen Generalversammlung, welches verifiziert und von den Vereinsmitgliedern Ferdinand S p i e r a und Rudolf Sohr mitunterfertigt wird. Hierauf erstattet der Vorsitzende den Jahresbericht des Vorstandes, welcher ohne Debatte zur Kenntnis genommen wird. Von den 290 Mitgliedern zahlten im abgelaufenen Jahre: 1 Mitglied einen Beitrag von X 100.—, 1 Mitglied einen Beitrag von X 60.—, 2 Mitglieder ä X 50.—, 2 Mitglieder ä K 40.—, 5 Mitglieder ä K 30.—, 3 Mitglieder a K 25.—, 1 Mitglied ä K 24.—, 35 Mitglieder ä K 20.—, 1 Mitglied ä X 18.—, 3 Mitglieder ä K 16.—, 23 Mitglieder ä K 15.—, 3 Mitglieder ä K 14.— und der Rest X 12.— Jahresbeitrag. Die laufenden Angelegenheiten des Vereines wurden in 7 Plenar-Sitzungen und einer Anzahl von Sektions- und Komitee- Sitzungen beraten; das Aktenprotokoll verzeichnet die Erledigung von 522 Geschästsstücken. Einen breiten Raum in den Beratungen des Vereines nahmen Maßnahmen betreffend bauliche Veränderungen in unserem Tempelgebäude ein. Leider erlauben die finanziellen Verhältniffe des Vereines auch mit Rücksicht auf die vorhin erwähnten, momentan außerordentlich dringenden Ausgaben in absehbarer Zeit nicht, diesem Gedanken näher treten zu können. Im abgelaufenen Jahre stiftete Herr Leopold Schlichter für seinen verewigten Vater weiland Dr. Solomon Schlichter eine Jahrzeit-Stiftung um den Betrag von X 600.—. Mit besonderer Befriedigung verzeichnet der Bericht die namhafte Steigerung unseres SpendenerträgniffeS, das eine Rekordziffer darstellt. Es kamen uns an Spezialspenden zu: eine Widmung des Präsidenten anläßlich der Vermählung seiner jüngsten Tochter Grete per X 500.—; eine Spende des Herrn kaiserl. Rates Toffler anläßlich der Vermählung seines Sohnes per X 300.—; von Herrn Rudolf Weil anläßlich seiner silbernen Hochzeit X 100.—; von Herrn I. L. Heller anläßlich des Ablebens seiner Gattin X 100.—; ein ungenannt sein wollender Wohltäter spendete eine Anzahl von Teppichen für den Tempel, wodurch uns eine beträchtliche Ausgabe erspart blieb. Aus der Chronik des Vereines gedenkt der Bericht eines Freudenfestes, das am 21. Juni festlich begangen wurde! Der 80. Geburtstag des allverehrten Vizepräsidenten und Seniors des Vereines, Herrn Friedrich P o l l a ck, der an der Wiege des Vereines gestanden und nunmehr seit 5 Dezennien unter den werktätigen Förderern des Tempels und unter den unermüdlichen Mitarbeitern des Vereines an erster Stelle zu finden ist. Der Jubilar spendete an diesem Tage dem Tempel einen Betrag von X 1500.— und hatten wir auch noch weitere größere Spenden aus diesem Anlaffe zu verzeichnen. Der Vorstand ergriff mit Freude die Gelegenheit, , um feinen Präsidenten, Herrn Dr. Jakob Engel, anläßlich der Vermählung seiner jüngsten Tochter in herzlicher Weise zu begrüßen und widmete ihm aus diesem Anlaffe ein von Künfilerhand verfertigtes, den Tempel darstellendes Aquarell. Am 1. November d. I. beging der Vereinssekretär, Herr Heinrich B o n d y, fein 25jähriges Amtsjubiläum, anerkennt dankbarst, daß der genannte Funktionär während dieses ganzen nicht unbeträchtlichen Zeitraumes stets in musterhafter, vorbildlicher Weise seines Amtes gewaltet, die Jntereffen des Vereines unermüdlich wahrgenommen und durch seine Lebensführung sowohl als auch durch sein Denken und Fühlen mit zum Gedeihen und zu den schönen Erfolgen des Vereines wesentlich beigetragen hat. Der Vorstand, welcher namens des Vereines den Jubilar in einer Adresse und durch ein Ehrengeschenk feierte, wünscht Herrn Sekretär Bondy auch für künftige Zeiten das allerbeste. Der Bericht schließt mit den Worten: „Wir nebmen mit besonderer Befriedigung Anlaß, auch an dieser St-lle eines Ereignisses zu erwähnen, da« zwar nicht direkt Angehörige unseres Vereines betrifft, das jedoch in keinem Berichte eines jlldischen Vereines unerwähnt bleiben darf: des 80. Geburtstages jenes Mannes, der seit vielen Jahren mit sicherer erfolgreicher Hand die Geschicke unserer großen Kultusgemeinde Irrtet. Unser Verein hat freudig die Initiative ergriffen, um aus diesem Anlaffe eine gemeinsame, überaus würdige Kundgebung sämtlicher Tempelvereine zu veranstalten, die unter Führung ihres Präsidenten am 29. Augu't v. I. dem vielgefeierten Jubilar ein prachtvolles Angebinde mrt einer herzlichen Ansprache überreichten. Der Präsident, Herr Dr. Alfred Stern, hat sich über diese Kundgebung außerordentlich gefreut und derselben in einer an alle Vereine gerichteten Zuschrift Ausdruck verliehen, in welcher er für diese solenne Ehrung dankte und der Bitte Ausdruck gab, daß die Tempelvereine nach wie vor im guten Einvernehmen mit der Hauptgemeinde wirken mögen. Ankuüpfend hieran sei betont, daß wir allezeit bestrebt waren, unsere hohe Aufgabe im friedlichen Einvernehmen mrt der Muttergemeinde zu erfüllen; wir haben uns stets als ein Teil des großen

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