Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 52 (29.12.1911)
- Date
- 1911-12-29
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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«ette 88d Dr. Wochs WochErist Rahmen des TageS paßten, und stärkten sich zum Schluffe an einer Jause, die ihnen von liebevollen Frauenbünden gereicht wurde. Alles in Allem, Ls war ein schöne?, ein herrliches Fest, von echt jüdischem Geiste getragen, ein Fest, das den Kindern unvergeßlich bleiben wird. Nachstehend der Bericht: Schon in den ersten Nachmittagsstunden begann der. Zuzug der Kinder zum Redoutensaale und bald war der große Saal bis auf das letzte Plätzchen von zirka 1200 Kinder voll besetzt. Herr Doktor M. Brunner eröffnete das Fest mit einigen einleitenden Worten. Herr Oberkantor Heller entzündete die Lichter, worauf der Chor das Moaus zur Jeschuossi und zum Schluffe, nach der schönen, dem Auditorium so recht angepaßten Rede des Herrn Rabbiners Dr. Levy das Adaun Aulom sang. Ein Lichtbtldervorträg des Herrn Sekretärs Bondi — die fünf Bücher Moses — beschloß das schone Fest, worauf den Kindern in den oberen Räumlichkeiten eine Jause, bestehend aus Cacao oder Schokolade und Kuchen verabreicht wurde, während den meisten Kindern noch Zuckerwerk und ein Büchlein mit jüdischen Erzählungen mit auf den Weg gegeben wurde. Hat das schöne Fest nichts anderes erreicht, als daß es in 1200 Kinverseelen, aber auch in den Herzen mancher Erwachsenen ein Stück Judentum zum Bewußtsein brachte, dann darf die Toynbeehalle mit Stolz auf die schöne Feier zurückblicken. Dem Komitee, an beffeu Spitze Herr Sonderling stand, allen Damen und Herren, die durch Spenden zum Gelingen des Festes beigetragen haben, sei bestens gedankt. A. S. Preßburg Herr Lazar Gestetner, Borstandspräses der hiesigen israel. Kultusgemeinde, vollendet demnächst das 80. Lebensjahr, sowie das 40. Jahr seiner Wirksamkeit als Vorsteher der Gemeinde. Aus diesem Anlasse hat derselbe der im Entstehen begriffenen israel. Mensa für Rabbinats-Hochschüler und Univerfitätshörrr einen Gründungsbeitrag von 2000 Kronen zugewendet. Da der Spender auch als Präses der Kultusgemeinde die unentgeltliche Ueberlaffung sämtlicher Lokalitäten für die Mensa propagiert und durchgesetzt hat, so hat er sich um die Gründung und Schaffung dieser wichtigen Institution bleibende Verdienste erworben. Für den verdienten Gemeindepräses, der Mitglied und Funktionär sämtlicher hier bestehenden Wohltätigkeitsvereine ist, werden große Ovationen zu seinem Doppel-Jubiläum vorbereitet. Es ist besonders hervorzuheben, daß Herr Gestetner sich namentlich um das Schulwesen der israel. Gemeinde große Verdienste erworben hat, da es nur seiner Energie und seinem rastlosen Bemühen zu danken ist, daß die Lehranstalten dieser Gemeinde in neuen, den modernsten Anforderungen entsprechenden Gebäuden «ntergebracht find. Dafür, sowie für sein Eintreten im Jntereffe der Lehrerschaft wurde derselbe schon vor Jahren vom israel. LaudeSlehrerverein zum Ehrenmitgliede ernannt. Bndapest. Die Tischgesellschaft zur Bekleidung armer Greise hielt am 11. Dezember 1911 in Budapest im Ludmer'schen Gasthaus, Hollogaffe 17, ihr diesjähriges Bekleidungsfest, bei welchem 63 arme Greise mit Winterkleidern versehen wurden. Präsident Herr Samuel Billes begrüßte die zum Feste erschienenen Gäste. Anwesend waren die Herren: Bezirksvorsteher Rakoffy. Dr. Junker Pal, als Vertreter des Protektors. Ehrlich G. Gustav, Dr. Stern Jguae, Oberarzt, Chefredakteur Dr. Singer Artur, Proseffor Billes Armin. Dr. Kahn Laszlo, Arzt, Schwartz I. Karl, Direktor, Klein Jguäe, Richter des VII. Bezirkes, Ostiller Oskar, Rosner Hermann, Weidler Georg. Stadtr Präsentant Spitz Lajos. Sturm Leo, Radler Ivan, Naß David, Bekman« Jakob, Borsafstin Kalman, Winter Hermann. Berlin. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hat soeben ihren neunten Jahresbericht herausgegeben. Er beginnt mit einem Nachruf auf das im Berichtsjahre dahingcschiedene Mitglied des Ausschusses, Herrn Rabbiner Dr. Bogelstein- Stettin. Der Mitgliederstand ist abermals um nahezu hundert gewachsen, die Finanzen haben sich im Ganzen günstig entwickelt. Der Bericht erwähnt sodann die kostenlose Erteilung mehrerer Werke an die Mitglieder der Gesellschaft und deren neueste Publikationen, von denen wir den II. Band der Talmudischen Archäologie von Krauß und den III. Baud der neuesten Gesch chte des jüdischen Volkes von Philippson hervorheben; letzteres Werk ist mit diesem Bande abgeschlossen. Die großen wissenschaftlichen Unternehmungen der Gesellschaft schreiten weiter fort; für bestimmte wissenschaftliche Aufgaben hat die Gesellschaft sich mit dem Gesamtarchiv der deutschen Juden zu gemeinsamer Arbeit vereinigt. Der Bericht erwähnt zum Schluß die reichen Erfolge, die von der Ge. sellschaft ausgehen und die sich nicht nur in ihrem äußern Erstarken und dem Anwachsen ihrer Mitgliederzahl, sondern auch in dem zunehmenden Verständnis für das Judentum und seine Wissenschaft in jüdischen wie auch in christlichen Kreisen dokumentieren. Der Bericht ist von dem Bureau der Gesellschaft, Berlin N, Gr. Hamburgerstr. 29, kostenlos zu beziehen. Die Mitgliederversammlung der Gesellschaft, welche dem Andenken Ludwig Philippsous aus Anlaß der 100jahrtgen Wiederkehr seines Geburtstags gewidmet ist, findet in Berlin am 3. Jänner.1912 statt; die Festrede hält das Mitglied des Aus^ schufleS, Herr Dozent Dr. I. Elbogeu. Frankfurt a. M. (H u n d e r t j a h r - F e i e r.) Gm ernstes würdiges Fest feierte die israelitische Gemeinde, die Hundertjahrfeier des Tages, an dem die Frankfurter Juden von langem Drucke befreit wurden. Die Aula des Philanthropin, in der der Festakt vor sich ging, war von den Honoratioren der jüdischen Gemeinde, sowie der hiesigen Christenheit gefüllt. Man sah unter den Gästen Polizei- Präsidenten Rieß von Scheurnschloß, Geh. Regierungsrat Dr. Varrentrapp. Bürgermeister Grimm, die Direktoren der hiesigen höheren Schulen, die Stadtverordneten Josef Fromm, Adolf Jung u. s. w. Als Vorsitzender der israelitischen Gemeinde sprach zunächst Justizrat Dr. Blau. Redner betonte die Bedeutung dieser Feier für die Frankfurter Judenheit. Das befreiende Wort des Fürstprimas von Frankfurt brachte unseren Vorfahren vor 100 Jahren die äußere wie auch die innere Emanzipation; nicht nur wurden sie von hundertjähriger Bedrückung, sondern auch von hundertjährigen Vorurteilen befreit. Die einstigen verachteten Schutzjuden haben als freie Bürger für ihre Vaterstadt und Vaterland Hervorragendes geleistet. Gar manche werfen die Frage auf: Ob nicht diese Emanzipation dem Judentums die Auflösung als seine Erlösung brachte? Biel wahres ist dabei, allein auf den jüdischen Gefilden grünt es wiederum, die Rückkehr zum Judentum ist im Wachsen begriffen, immer mehr greift im jüdischen Lager die Ansicht Platz, daß das Festhalten an dem uralten Glauben und den eigenen Kulturgütern nur von Segen für die Juden wie auch für das Vaterland sein kann. Mit einem warmen Appell zur Treue an die eigene Religion schloß der Referent seine Ausführungen. Sodann ergriff der bekannte Frankfurter Historiker, Herr Professor Dr. Kracauer, das Wort zu seiner formvollendeten und inhaltsreichen Festrede. In knappen, aber klar umschriebenen Zügen skizzierte Redner die Geschichte der Frankfurter Judenheit von ihrer Niederlassung im 12. Jahrhundert bis zur Emanzipation im Jahre 1811. Besonders verweilte er bei der Schilderung des 300 jährigen Ghettos. (Es würde uns zu weit führen, hier auf Einzelheiten der interessanten Rede einzugehen, da wir dieselbe noch im Auszug bringen.) In klaren, trefflichen Worten entwarf der folgende Redner, Direktor Dr. Adler, ein Bild von dem geistigen und kulturellen Stand der Ghettojudcn. Es wäre ein unverzeihlicher Irrtum, meinte der Redner, zu behaupten, daß der Ghettojude sich, in einem kulturellen Tiefstand befand. Der Ghettojude stand kulturell weit höher als seine christlichen Mitbürger; der Talmud, der eine Fortsetzung der Bibel und der Propheten darstellt und deffen Studium in den Schulen des Ghetto in starkem Maße und mit Elfer betrieben wurde, bildete eine kulturelle Fundgrube für seine Jünger; die Talmudschulen standen auf einem hohen Niveau und haben die Ideale erhalten! Gewiß haben die Bewohner des Ghettos den Jargon dem Deutsch vorgezogen, allein in einer Zeit, wo Schüler und Lehrer einer jüdischen Hochschule als Dlenstboten auf den Magistrat geführt wurden, konnte keine besondere Pflege des Deutschen bei den Juden platzgreifen. Allein, sobald die Tore des Ghettos gefallen waren und den Juden die Erwerbung allgemeiner Bildung ermöglicht wurde, leisteten sie auch da Bedeutendes. Auch die Begründer des Philanthropin erwarben sich um die Bildung der Frankfurter Judenheit hohe Verdienste. Bürgermeister Grimm betonte als letzter Redner, daß die Emanzipation der Juden vor hundert Jahren von großem Segen für Stadt und Staat war. Es ist noch manches auf dem Gebiete ihrer völligen Emanzipation zu leisten und glaubt, daß die Betonung des Emigranten nur von Nutzen daher sein kann. Mit dem Chor „Es kennt der Herr die Seinen", fand die würdige Feier ihren Abschluß. Auszeichnung eines jüdischen Chefarztes in Alexandrien. Der König von Italien hat dem Chefarzt des jüdischen Hospitales in Alexandrien (Egypten) zum Chevalier des italienischen Kronenordens ernannt. Der Ausgezeichnete, Laties Bey, nimmt in Alexandrien eine hervorragende gesellschaftliche Stellung ein und ist der Begründer verschiedener philanthropischer und kultureller Organisationen. Auch als Publizist hat Laties Bey sich einen Namen gemacht, und seine zahlreichen medizinischwissenschaftlichen Arbeiten, sowie seine Referate auf internationalen medizinischen und naturwissenschaftlichen Kongressen haben lebhafte Anerkennung gefunden. Feuilleton Das Symbol. Den alten Kornfeld kannte jung und alt. Die Jungen, weil sie zu ihm in die Schule gingen, die Alten, weil sie zu ihm in die Schule gegangen waren. Und es gab niemanden in der Stadt, der dem alten Kornfeld, nicht freundlich nachgeblickt hätte, wenn er, meist in tiefes Sinnen verloren, aber trotz seiner Jahre fest und