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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-29 · 52 (29.12.1911) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
52 (29.12.1911)
Date
1911-12-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 878 Dr. Blochs WochMchM Nr. 52 Wie«. (Verlobung.) Fräulein Grete Kuznitzky, Tochter des Herrn Eugen Kuznitzky, Direktor i. P., hat sich mit Herrn Ludwig Pollak, Gesellschafter der Firma Jakob und Ludwig Pollak, verlobt. Wie«. (Wahl eines Kantors.) Die Stelle eines Chasans in der Schiffschul wurde Herrn Leopold Müller aus Kleinwardein, der am letzten Samstag den Probevortrag hielt, verliehen. Herr Müller, der im 26. Lebensjahre steht, hat auf der Jeschibah in Huszt sich gründliches talmudisches Wissen erworben. Im 20. Lebensjahre wandte er sich gesanglichen und musikalischen Studien zu und wurde zunächst im 22. Lebensjahre Chasan in Nagy-Karoly und ist seit 1SJ4 Jahren in gleicher Eigenschaft in Kleinwardein. Mit seinem Probevortrag hatte Herr Müller einen solch durchschlagenden Erfolg, daß er noch in der am Samstag Abend stattgefundenen Vorstandsfitzung einhellig zum Chasan der Schiffschul gewählt wurde. Wie«. (Todesfall.) Am 27. d. M. starb in Wien der Mitbegründer und langjährige Mitchef der Firma Hermann Pollack's Söhne, Herr kais. Rat Bernhard Pollack, Edler von Parnau im Atter von 65 Jahren. Der Verstorbene, der auch mehrere Jahre hindurch Vorstandsmitglied der Wiener isr. Kultusgemeinde war und als solches das Finanzreferat inne hatte, errichtete zu Lebzeiten viele große humanitäre Stiftungen und wirtte auch sonst sehr wohltätig. Wie nun bekannt wird, hat der Verblichene auch letztwillig über große Summen für humanitäre Zwecke verfügt. Der Verstorbene war in der letzten Zeit zu leidend, um eine Stiftung mit genauen Bestimmungen zu errichten und beschränkte sich darauf, in einem Kodizill zu seinem Testament allgemein festzusetzen, daß mehrere hunderttausend Kronen— im Anschlüsse an bereits bestehende Stiftungen — für arme und kranke Kinder israelitischer Konfeffion verwendet werden sollen. Wien. (Todesfall.) Die jüdische Lehrerschaft Wiens hat wieder einen schmerzlichen Vertust zu verzeichnen. Am 18. Dezember d. Z. verschied nach langem, schmerzhaften Leiden der städtische Lehrer und Rettgionslehrer der israelitischen Kultusgemeinde Richard Karpfen im 38. Lebensjahre. Der Verblichene, bei allen, die ihn kannten, seiner Liebenswürdigkeit und seines hochachtbaren Charakters wegen urigemein beliebt, vereinte groben pädagogischen Takt mit peinlichster Gewiffenhastigkeit und erfreute sich bei Eltern, wie Schülern uneingeschränkten Vertrauens und aufrichtiger Hochschätzung. Er gehörte zu jenen jüdischen Lehrern, die IO Jahre lang trotz musterhafter Leistungen durch die christlich-soziale Partei von jedem Avancement ausgeschlossen waren. Ein besonderes Verdienst erwarb sich Karpfen dadurch, daß es ihm im Vereine mit zwei anderen Kollegen, mit denen er ein kleines Komitee bildete, im Jahre 1904 gelang, die Avancementsperre der jüdrschen provisorischen Lehrer zu Falle zu bringen. Unterstützt von der »Oesterreichisch-Jsraelitischen Union", vom Reichsratsabgeordneten Seitz. von den Gemeinderäten Klebinder, Dr. Hein und Dorn, wurde das Komitee beim damaligen Ministerpräsidenten Dr. Körber, beim Unterrichtsminister Hartl und beim Bürgermeister Dr. Lueger vorstellig und überreichte all diesen eine Denkschrift, in welcher das Elend der präterierten Unterlehrer und das Unrecht, das sie schuldlos erleiden mußten, nebst den genauen Angaben ihrer Dienstzeit, ihrer Belobungsdekrete u. s. w. klargelegt wurde. Eine erfreuliche Folge dieser Aktion war der Beschluß des Stadtrates, die provisoriU>en Unterlehrer und Unterlehrerinnen mosaischen Glaubens an Schulen mit jüdischer Majorität zu ernennen. Zu den ersten, die avancierten, gehörte Karpfen. Richard Karpfen, der auch dem Lehrervereine des II. Bezirkes bis zu seinem Tode als Ausschußmitglied angehörte, erlag einem tückischen Kehlkopfteiden. Er hinterläßt das beste Andenken bei seinen zahlreichen Freunden, Kollegen und Bekannten. Rabbiner Dr. Feuchtwaug hielt dem Verblichenen einen warmen Nachruf. Professor M Kanitz sprach im Namen des Kultusvorstandes und der Rettgionslehrer Worte des Gedenkens, Ortsschulrat Guido Fuchsgelb gedachte namens des Ortsschulrates im zweiten Bezirke des Dahingeschiedenen und schließlich Lehrer Adolf Rosenfeld als Vertreter des Lehrkörpers, in dem der Verstorbene viele Jahre pflichteifrigst wirkte. Eine Abordnung von Schülern mit fchwarzumflorter Schulfahne, viele Lehrer und als Delegierter des Lehrervereines im zweiten Bezirke Lehrer M. Hernfeld gaben dem so früh Dahingeschiedenen die letzte Ehre. Die kantoralen Funktionen versah Erster Kantor Jurberger mit dem Chore. Das Leichenbegängnis fand Donnerstag den 21. d. M. unter großer Beteiligung statt. Wie». Der Vorstand des Israelitischen Frauenvereines für den XVlll. Bezirk in Wien veranstaltet Sonntag den 28. Jänner 1912, um halb 3 Uhr nachmittags im Deutschen Volkstheater eine Wohltätigkeits-Vorstellung. Zur Aufführung gelangt: »Tberese Krones" von Karl Haffuer, in der Titelrolle mit Josefiue Glöckner und Willi Faller. Das Erträgnis dieser Vorstellung dient dem wahren wohllallgen Zwecke zur Bekleidung armer frierender und ungerhnßer Schulkinder, sowie zur Unterstützung armer Wöchnerinnen und zur Erteilung von Pfründen an greise, arme, jüdische Männer und Frauen. Karten sind bei den Vorstandsdamen sowie im Sekretariate (Telephon 14.206) des Vereines XVIII., Schopenhauerftraße 39, während der Bureaustunden von 3 bis 5 Uhr nachmittags erhältlich. Wieu. (»Tomech Ewjonim.«.) Am 17. Dezember veranstaltete dieser Verein im Festsaale des Ingenieur- und Architekten- Vereines eine Wohltätigkeits-Akademie. Der Abend nahm einen glänzenden Verlauf. Die Vorträge fanden allgemeinen Beifall. Insbesondere fand das Vereinsmitglied Ober-Kantor Don Fuchs, der in uneigennütziger Weise einige Opern vortrug, großen Beifall. Um die Zusammenstellung des Programms und die Regie des Abends hat sich der Obmann des Vergnügungs-Komitees Vorstandsmitglied Herr Johann Hofbauer allgemeine Anerkennung erworben. Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein Poale-Zion. Samstag den 30 d. M. im Vereinslokale, II., Herminengasse 8. Vortrag des Gen. Wachmann über »Sozialpolitik und Sozialdemokratie". Beginn präzise 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. (Konzert-Akademie.) Der Bttnden-Hilfsverein „Humanitas" veranstaltet am 6. Jänner 1912 um 7 Uhr abends im großen Saale des Vereines »Volksheim", Wien, XVI., Koflerpark 7, eine Konzerl-Akademie mit folgenden Miiwirkenden: die Damen: Frau Luise Weiß-Laßner, Konzertsängeri» (Gesano); Frl. Hilda Gerhardt (Klavier). Die Herren: Dr. Otto Kaperl. Konzertmeister am Raimund-Theater (Violine); Dr. Max Krampflitschek (Re-italion); Kapellmeister Schmidt-Sandten, Hos-Pfarrorgamst (Harmonium); Jgn. Krieger, Julius Stein, Karl Stropp (Klavier); Egon Eugelmann (Gesang). Sitzplätze ä K 1.— , —.80, —.60, Stehplätze ä —.20 beim Portier des „Volksheim" und bei den Vorstandsm tgliedern. Chauukafe er des Hietzinger Frauenwohltätigkeitsvereines. Unter den vielen Festen, die in Wien zu Chanuka gefeiert werden, verdient das des Hietzinger Frauenwobltätipkeitsvereines, welches am 19. Dezember 1911 in Hopfners Parkhotel Schönbrunn, Hietzinger Hauptstraße 12—14, veranstaltet wurde, besondere Würdigung. Der Vorstand des Vereines hat es sich zur Aufgabe gemacht, gegen 200 verlassene Kinder, die auf Kosten von Behörden in Familienpflege in Wien untergebracht sind, stetig zu inspizieren, sie mit allem, was sie an Kleidern, Wäsche und Schuhe brauchen, zu versehen und ihnen vor allem Liebe und Freude zu bieten. 30 Damen sind an diesem Liebeswerk beteiligt, sind die mütterlichen Schützerinnen und Freundinnen der armen, entweder beider Eltern oder eines Elternteiles beraubten Kinder. Zu Chanuka erhielten diese ihre ganze, neue Ausstattung; Bilder rührender Freude und inniger Rührung boten sich dar, als die Kleinen in veränderter äußerer Gestalt anfmarschierten. Am 19. wurden 231 Kinder — andere kleinere Gäste waren mit eingeladen worden — mit Spielsachen, Büchern und-Backwerk beschenkt und im herrlichen Saale des Parkhotels mit einer Festjause von den Damen selbst bewirtet. — Herr Prediger und Rabbiner Dr. Max Gruuwald begeisterte in einer Ansprache die Jugend für den jüdischen Glauben und spornte sie an, tüchtige Menschen zu werden, vor Allem der Wohltäter stets zu gegedenken. Mit Segenswünschen für unseren Kaiser schloß er. Die Kinder, die zahlreich erschienenen Damen des Vereines und Gäste anderer Vereine aus allen Bezirken sangen die Volkshhmne. Herr Kantor Gotthold Friedländer hatte die Chanukalichter entzündet und mit einem Kmderchor das Chanukalied erhebend und eindrucksvoll gesungen. — Als dann einige Kinder öffentlich den Damen dankten, sah man manche Träne fließen. Die Kinder waren glücklich und die Damen erfreuten sich an diesem ihrem Glücke. Die mächtige Bewegung der Kinderfürsorge findet im Hietzinger Frauenwohltätigkeitsvereine unter Leitung der Frauen Laura Krenberger, Xlll, Auhofstraße 221. Gisela Zirner, XIII., Neue Weltgasse 9, und Hermine Berufeld, XIII., Suppegasse 10, werktätige Hilfe. Es ergeht der Aufruf zur Mitarbeit an alle Damen, die mit warmen Herzen unsere Jugend heben und stärken wollen. Wien. (K i n d e r j a u s e.) Am 6. Dezember veranstaltete der Elternverein „Pestalozzi" im Hotel Bayr. Hof eine Kinderjause, welche sehr animiert verlief und den edlen Bestrebungen des Vereines alle Ehre machte. Nach einer Begrüßungsrede des Herrn Lemberger erfolgte die Bewirtung von 90 Schützlingen des Vereines durch die Vorstandsdamen. Während der Jause fanden Vorträge statt. Eingeleitet wurden dieselben durch Vorführung einer aus putzigen Kleinen bestehenden Turnerriege des Herrn Oberlehrers Grünspan. Hierauf sang Fr,au Mela Jellinek mit ihrer prächtigen Stimme einige Lieder und wurde I bhaft akklamiert. An Stelle des erkrankten Herrn Chiavaeei K;e tu besonders liebenswürdiger Weise Lehrer Aufwerber einige Märchen vor. Den Schluß der Vorti äge bildete ein von den Schützlingen hübsch getanzter Reigen, den Prof. Löw einstudiert hatte. Wien. (Chanuka-Feier.) Sonntag am 3. Chanuka-Abend im Kreise der Schiffschul-—Beth-hamidrasch-Mitglieder eine erhebende Feier statt. Anläßlich des Jahrzeittages des sel. Rabbiners S. Spitzer. Begründers der Schiffschul, hielt Se. Ehrw. Herr Rabbiner S. Fürst eine tief durchdachte, zündende Festrede, in welcher er besonders die

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