Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 52 (29.12.1911)
- Date
- 1911-12-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Nr. Ü» «ettr »7« Dr. Molch« gehende Unterstützung in Aussicht gestellt. Dr. Blaustem unterhandelte auch mit dem Handelsrate des Staates Utah, dessen Mitglieder gleichfalls die Versicherung gaben, daß sie die in Aussicht genommenen jüdischen Kolonien nach besten Kräften fördern werden. Die jüdischen Lehrer der Jca--Kolomen m Argentinien. Wie wir einer Mitteilung des in Entrerios erscheinenden „El Colono Jsraelita Argentino" (Der jüdische Kolonist) entnehmen, fand daselbst die gründende Generalversammlung des Verbandes der jüdischen Lehrer der Ica-Kolonie statt. Die Versammlung, an welcher fast sämtliche Lehrer der Kolonie teilnahmen, nahm einen äußerst anregenden Verlauf. Außer verschiedenen Standesfragen wurde die Frage des hebräischen und Bibel- Unterrichtes eingehend diskutiert und zum Schlüsse beschlossen, eine llebersetzung der für die Schulen bestimmten Vibelausgaben ins Spanische durchzuführen. Ferner wurde beschlossen, der hebräischen Sprache in den Schulen einen viel weiteren Raum zu sichern, als dies bis jetzt der Fall war. Zur Unterstützung dieses Beschlusses hat die Versammlung die Notwendigkeit von Jugendbibliotheken in allen Schulen der jüdischen Kolonien ausgesprochen und behufs Gründung solcher Schulbibliotheken die entsprechende Aktion eingeleitet. Mehrere Lehrer haben Klage darüber geführt, daß in manchen Kolonien der Unterricht der hebräischen Sprache Lehrern anvertraut ist, welche nicht die geringste Eignung hiezu haben. Es wurde beschlossen, in dieser Angelegenheit der Zentraldirektion in Buenos-Aires ein Memorandum zu unterbreiten, in welchem hauptsächlich verlangt wird, daß die Direktion nur solche Lehrer für Hebräisch anstellen möge, deren Befähigung hiezu vom Lehrerverbande anerkannt wird. Die vorgelegten Derbandsstatuten wurden angenommen und die Wahl der Vorstandsmitglieder durchgeführt. Ehmillm Ignaz Goldziehers. Aus Budapest wird uns geschrieben: Am 20. Dezember wurden es 40 Jahre, daß Dr. Ignaz Goldzieher als einundzwanzigjähriger Zögling die Dozentur an der Budapester Universität erlangt hat, an der er nun als ordentlicher Professor wirkt und deren Zierde er bildet. Aus diesem Anlasse erschienen heute in der Wohnung des Jubilars nicht nur unsere Gelehrten, sondern es kamen aus weiter Ferne, aus Deutschland, Holland, Schweden, Dänemark Professoren herbei, um ihm den Tribut ihrer Verehrung und des Dankes für seine wissenschaftlichen Leistungen darzubringen. Die ersten Gratulanten waren der Direktor und die Dekane der Universität, geschmückt mit der goldenen Amtskette, und eine Deputation von Professoren der verschiedenen Fakultäten. Universitätsprofessor Hofrat Fröhlich begrüßte den Gefeierten mit herzlichen Worten, der dem Namen Ungarns im Auslande Ehre gemacht und als Leuchte seiner Wissenschaft durch Dezennien wirkte. Ihm folgte der Dekan der philosophischen Fakultät Beke, der das im Jahre 1870 von dem damals zwanzigjährigen Eoldzieher eingegebene Habilitationsgesuch verlas, in dem der Gesuchsteller gelobte, seine ganze Kraft dem Vaterlande zu widmen und seiner Wissenschaft zu leben. Diese Versprechen hat Goldzieher glänzend erfüllt: in vierzigjähriger Arbeit habe er seinem Vaterlande Ehre gemacht, sei anerkannter Meister und Pfadfinder seiner Wissenschaft geworden und habe Schüler nicht allein der Heimat, sondern der Welt erzogen. Nun kamen die ausländischen Gelehrten an die Reihe. Ihr Sprecher, Professor Betrold aus Heidelberg, überreichte gleichzeitig im Namen von fünfzig Fachmännern, zumeist Professoren sämtlicher Universitäten in Europa und Amerika, eine Festschrift, die Originalessays aus allen Gebieten Wochenschrift der orientalischen Wissenschaften enthält. Professor Goldzieher antwortete mit einer geistreichen und herzlichen Rede, in welcher er den Freunden, sowie seinem ebenfalls anwesenden ersten Lehrer, Professor Vambery, für die Ehrung Dank sagte. Der Nachfolger Tolmatschow^s. Dieser Tage hat der neue Stadlhauptmann von Odessa. Rewa, eine Deputation der Odessaer Judengemeinde empfangen, welche gekommen war, den neuen Chef der Stadt zu begrüßen und ihn um seinen Schutz zu bitten. Rewa zeigte sich über diese Begrüßung sehr erfreut und gab das Versprechen, die Juden ganz im Sinne der Gesetze zu behandeln und auch nicht die geringste Ungesetzlichkeit zuzulassen. Er sei, sagte er, von der ehrlichen Absicht erfüllt, die Fehler, welche sein Vorgänger begangen, wieder gut zu machen. Zum Beweise dafür, daß seine Absichten aufrichtig sind, habe er den Volksverbändlern verboten, den aus Odessa scheidenden General Tolmatschow mit einer Prozession aus der Stadt hinaus zu geleiten, da die Befürchtung nahe lag, daß die vereinigten reaktionären Gruppen diese Gelegenheit zur Veranstaltung von Pogromen und sonstigen Ausschreitungen gegen die Juden benützen könnten. Die Deputation nahm diese beruhigenden Versicherungen mit Dank entgegen, doch scheint in der Bevölkerung selbst der Glaube an die Dauerhaftigkeit dieses guten Willens zu fehlen. Auszeichnung eines jüdischen Gelehrten in Rußland. Der berühmte Bakteriologe Hafkin wurde, wie uns aus Petersburg berichtet wird, in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Bekämpfung der Pestepidemie mit dem St. Wladimir-Orden ausgezeichnet. Gesellschaft zur Verbreitung höherer Bildung unter den Juden in Rußland. In Petersburg wurde vorige Woche eine neue Gesellschaft zur Verbreitung höherer Bildung unter den Juden in Rußland legalisiert. Zu den Initiatoren und Förderern gehören die angesehensten jüdischen Persönlichkeiten von Petersburg. So unter anderem die Herren: M. A. Ginsburg, M. Wavelberg, A. Ginsbürg, Advokat Sliosberg und mehrere andere. Die russsschen Schriftsteller gegen die Ritualmordhetze. Der „Russ. Korr." ist folgender von über hundert der bekanntesten russischen Schriftsteller und Gelehrten (darunter Andrejew, Gorki, Korolenko, Kowalewski u. a.) Unterzeichneter Appell an die russische Gesellschaft zugegangen. Der für die russische und westeuropäische Oeffentlichkeit bestimmte Appell ist eine Folge der überhandnehmenden Ritualmordhetze und Pogrompanik. Dessen wichtigste Stellen lauten: Im Namen der Gerechtigkeit, der Vernunft und der Menschenliebe erheben wir unsere Stimme gegen den neuen Ausbruche des Fanatismus und der finsteren Lüge. Von altersher zieht ein Jahrhunderte alter Kampf der Menschlichkeit, die zur Freiheit, Gleichberechtigung und Brüderlichkeit der Menschen ruft, gegen die Predigt der Knechtschaft, des Hasses und der Absonderung. Wie es immer der Fall war, sind es auch diesmal dieselben Personen, die für die Rechtlosigkeit ihres eigenen Volkes eintreten, die zugleich am energischsten in ihm den Geist des Glaubenshasses und der Rassenfeindschaft wachzurufen bestrebt find. Sie, die weder die Volksmeinung noch die Volksrechte achten, sie, die diese mit den grausamsten Mitteln unterdrücken, sie schmeicheln auch den Volksvorurteilen, sie rufen den Aberglauben hervor und stacheln unausgesetzt zu Gewalttätigkeiten gegen die Mitbürger fremden Stammes auf.