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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-29 · 52 (29.12.1911) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
52 (29.12.1911)
Date
1911-12-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 874 Dr. Mochs WochMschrift Nr. 83 Friedhofes, sich selbst erhält, und überall Zuschüsse notwendig find. Unter solchen Umständen bleibt wohl nichts anderes übrig, als genau festzulegen, welche Aufgaben die dringendsten find und darüber hinaus auf allen Gebieten Reduktionen eintreten zu lassen. Zwei Fragen find es, die in letzter Zeit die öffentliche Meinung besonders beschäftigt haben. Die eine ist die hebräische Sprache, dieser innerste Ausdruck des Volkstums, die Seele des Wischen Volkes. Diejenigen, die ihre Einschränkung oder völlige Abschaffung beim Religionsunterrichte und in der Lüurgie verlangen, haben kein Verständnis für dasselbe, fie wiffen ihre Bedeutung nicht zu würdigen. Es sind die Reformer, die fich auch von den jüdischen Satzungen nicht drucken lassen. Die zweite Frage, die in den jüdischen Blättern vielfach diskutiert wurde, ist die Auflassung der Religionslehrer-Bildungsanstalt der Wiener Kultusgemeinde. Es geschah dies nicht aus Ersparungsrücksichten, sondern weil der Bedarf der Gemeinde für längere Zeit gedeckt war. Aber wenn dies auch der Fall ist, so muß einem trotzdem die stetige Abnahme der jüdischen Lehrer in Wien große Sorge bereiten. Die Zahl der jüdischen Lehrer an den Wiener Kommunalschulen, gegenwärtig zirka 30 bis 40, steht in keinem Verhältniffe zur jüdischen Bevölkerungsziffer und wenn um die Besetzung einer Oberlehrerstelle oft gigantische Kämpfe geführt werden, sollte auch in diesem Belange rechtzeitig vorgesorgt werden. Es wurde in der Debatte betont, daß das Judentum demokratisch sein muß. Allerdings find wir auch in der Gemeindeverwaltung demokratisch. Wir sind es auf dem Friedhofe, wir sind es im Tempel, dem einzigen Ort, wo die Zusammengehörigkeit und Gleichheit aller zum Ausdrucke kommt, aber überall find wir durch die Geldfrage beschränkt und wir können nur insoweit demokratisch sein, als es der Geldsack zuläßt. Zum Schluffe erklärt Redner, für das Budget stimmen zu wollen. Präfident Dr. Alfred Stern stellt gegenüber den Ausführungen Dr. Spitzers fest, daß die Lehrerbildungsanstalt nicht aufgelaffen wurde. Der vor fünf Jahren ins Leben gerufene Kurs zur Heranbildung jüdischer Religionslehrer an den Wiener Volks- und Bürgerschulen war gleich bei der Gründung nur für eine Dauer von vier, eventuell fünf Jahren in Ausficht genommen und hatte bloß eigentlich den Zweck, den Bedarf der Wiener Kultusgemeinde an jüdischen Religionslehrern zu decken. Diesen Zweck hat der Lehrerbildungskurs nach fünfjährigem Bestände vollkommen erfüllt, so daß von einer Erneuerung dieses Kurses abgesehen wurde. Der Versuch, die Provinzgemeinden zu entsprechenden Beitragsleistungen einer von vielen Seiten gewünschten Reichsanstalt zur Heranbildung jüdischer Religionslehrer zu gewinnen, hat bisher nicht den erhofften Erfolg gehabt, so daß demnächst ein neuerlicher Aufruf an die Provinzgemeinden ergehen wird, und sollte auch dieser nicht das gewünschte Resultat zeitigen, so wird auch der Plan der Errichtung einer Reichsanstalt als gescheitert endgiltig aufgegeben werden. Nach einem Schlußworte des Referenten Max Frank, in welchem er, wie er sagte, es für seine Pflicht hielt, besonders dem Vizepräsidenten Hofrat Dr. Rappaport für seine klugen Mahnungen zur Vorsicht zu danken, und in öffentlicher Sitzung seiner lleberzeugung Ausdruck zu geben daß aus dieser Mahnung nicht bloß kühle Berechnung, sondern auch ein warmes Herz spricht, wurde das. Budget sowohl im Allgemeinen, als auch in seinen Einzelheiten einstimmig angenommen und die Sitzung mit einem neuerlichen Dank für den Referenten geschlossen. Israelitischer Humanitätsverein sür die westlichen Bezirke Wiens. Am 19. Dezember fand im Freitischlokale Restaurant Goldner, VI., Kollergerngaffe 1, die 44. ordentliche Generalversammlung des obigen Vereines statt. Außer zablreichen Bereinsmitgliedern wohnten derselben auch die Kultusvorsteher Dr. Jakob Engel und Samuel Steiner, die Präsidentin des Frauenwohltätigkeitsvereines für Mariahilf und Neubau, Frau Frida Strauß in Begleitung der Vizepräfidentin Frau Fanny Fröhlich und die Präsidentin des Vereines zur Ausspeisung armer Kinder im XII. bis XV. Bezirk Frau Regine L a n d e i s bei. Unter den ^gelaufenen Entschuldigungsschreiben befanden fich solche des Herrn Rabbiners Doktor T a g l i ch t und des Ehrenmitgliedes Herrn Dr. B l o ch. - Nachdem der Präfident Herr Dr. ^Karl Löwy die Erschienenen auf's Herzlichste begrüßt hatte und das Protokoll der vorjährigen Generalversammlung genehmigt worden war, erstattete der Präsident den Jahresbericht, aus welchem hervorging, daß die Entwicklung des Vereines sich in den gewohnten Grenzen gehalten und daß die Zahl der Mitglieder eine Vermehrung erfahren hat, da der Vorstand bestrebt ist, durch eifrige Werbetätigkeit die durch Todesfälle und andere Ursachen entstehenden Lücken auszugleichen. Kultusvorsteher Dr. Engel überbrachte in herzlicher Rede die Sympathien des Kultusvorstandes und des Mariahilfer Tempelvereines; er erklärte, daß es die Kultusgemeinde aufrichtigst begrüße, wenn so ausgezeichnet geleitete Vereine sie in der Armenpflege unterstützen. Kultusvorsteher Steiner versprach, fich^für eine Erhöhung der Subvention, welche die Kultusgemeinde dem Vereine gewährt, gemeinsam mit Herrn Dr. Engel einsetzen zu wollen. Der Präfident Herr Dr. Löwy sprach beiden Vorrednern für ihre Worte und die zugesagte Unterstützung den besten Dank aus. Der von dem Kassaverwalter Herrn Hermann König erstattete Kassabericht wurde nach kurzer Debatte genehmigt und der Leitung auf Antrag der Revisoren das Absolutorium erteilt. Sodann wurde zu den statutenmäßig erforderlichen Wahlen geschritten und die aus dem Vorstande ausgeschiedenen Herren Hermann König, Dr. Ludwig Landau, Leopold P i ck wieder-, Herr Paul H e r s ch e l (an Stelle des resignierenden Herrn Dr. M. Saxl) neugewählt. Zu Revisoren pro 1912 wurden neuerlich die Herren Friedrich Haas und Ernst Schüller bestellt. Mit einigen Dankesworten des Präsidenten fand hierauf die Generalversammlung ihr Ende. Die Teilnehmer vereinigten sich nunmehr zu einem gemeinsamen Abendmahl, in dessen Verlaufe einige gediegene Trinksprüche ausgebracht wurden. * * * Am 5. Jänner veranstaltet der Humanitätsverein für die westlichen Bezirke eine Wohltätigkeits - Vorstellung im Raimund-Theater zugunsten des Freitisches. Zur Aufführung gelangt die Operette „Kasimirs Himmelfahrt", Musik von H. Granichstätten, Tert von Willner und Bodanzky. Karten sind zu haben an der Tageskasse, sowie bei den Herren Dr. Karl Löwy, VII., Mariahilferstraße 96, und Hermann König, VII., Seidengasse 28. Antisemitismus an der Prager Handelsakademie Wir erhalten folgende Zuschrift: Wien, 24. Dezember 1911. Hochgeehrter Herr Redakteur! Unter dem Titel „DerAntisemitismusander Prager Handelsakademie" veröffentlichte Ihre geschätzte Zeitschrift am 1. und 15. Dezember Schilderungen antisemitischer Unzukömmlichkeiten, die an der Prager Handelsakademie vorgefallen wären. Ich habe diese Akademie 1856—1859 frequentiert und habe allen Grund, sie noch heute, also nach einem halben Jahrhundert in dankbarer, freundlicher Erinnerung zu behalten, so daß ich nicht umhin konnte, von der Direktion Aufklärung zu verlangen, da es mir unverständlich war, daß an dieser Anstalt, wo zu meiner Zeit, trotz Konkordatherrschaft und Germanisierungszwang, stets ein vornehmer Ton herrschte, jetzt plötzlich derartige Rohheiten eingeriffen wären.

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