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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-29 · 52 (29.12.1911) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
52 (29.12.1911)
Date
1911-12-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 872 MochMchrist Nr. 83 Dr. daß, wenn die Angelegenheit mit'Energie betrieben wird, ein Widerstand von Seite der Regierung bald fallen gelassen werden dürfte, dies umsomehr, weil die staatlichen Finanzen durch das verlangte Entgegenkommen in keiner Weise berührt werden. — Dann erst, wenn wir von den drückendsten Geldsorgen befreit find, wenn die zahlreichen verborgenen Kräfte freigemacht find, dann erst kann unsere Gemeinde aufblühen, als eine Freude für die Besitzenden, als eine Hilfe für die Leidenden. Ich empfehle das Budget Ihrer Annahme. Die Ausführungen des Budgetreferenten wurden mit Beifall ausgenommen. Präsident Dr. Stern dankt dem Referenten für feine instruktive ausführliche Berichterstattung. Die Plenarversammlung schließt sich diesem Beisallsvotum unter neuerlichem Beifall an. Die Generaldebatte über das Budget eröffnet Vizepräsident Hofrat Dr. Rappaport. Er weist zunächst auf den Umstand hin, daß unser Budget abermals ein Defizit aufweist, was umsomehr Bedenken erwecken müsse, als sämtliche Reserven der Kultusgemeinden beinahe erschöpft sind. Die Betsitzpreise find erhöht, auch die Friedhoftaxen und Steuern haben eine Erhöhung erfahren und trotzdem ist das budgetäre Gleichgewicht der Gemeinde nicht hergestellt. Dies gebe umsomehr zu denken, als außer den im Budget angegebenen Ausgaben viele solche Auslagen unvermeidlich sein werden, welche derzeit noch nicht präliminiert erscheinen. So zum Beispiel sei es geradezu beschämend, in welchem Zustande sich das Amtshaus der Wiener Kultusgemeinde befinde, und die Errichtung eines Amtshauses ist bereits eine unaufschiebbare Notwendigkeit geworden. Ebenso müsse eine ganze Kategorie von Funktionären durch eine Neuregelung ihrer Bezüge besser gestellt werden. Er sehe nun keine Quelle, aus welcher die Deckung dieser immensen Auslagen geschöpft werden könnte. Ec sei nicht der Ansicht des Referenten, daß durch die Herabsetzung des Stcuerminimums von 20 auf 10 Kronen eine Erhöhung der Einnahmen der Kultusgemeinde erzielt werden könnte. Hingegen ist er der Ueberzeugung, daß die Kultusgemeinde auf dem Gebiete der Wohltätigkeit viel zu viel leiste, ohne damit das gewünschte Ziel, die Linderung der Not, zu erreichen. Ohne einen formellen Antrag stellen zu wollen, spricht sich Redner dafür aus, daß ein großer Teil der Wohltätigkeüsagenden der Kultusgemeinde, unter anderem auch die Fürsorge für verlassene Kinder, die Unterstützung von Mittelschülern mit Lehrmitteln und Schulgeldbeiträgen der ganz selbständig wirkenden Armenanstalt übertragen werde. Ueberdies seien alle Anträge auf Erhöhung der einzelnen Budgetposten bis auf weiteres abzulchnen, wenn die Notwendigkett einer solchen Erhöhung nicht jeden Ziveifel ausschließt. Dr. Heinrich Schreiber erklärt, daß die ausgezeichneten Darlegungen des Herrn Finanzreferenten und die Erklärungen des Herrn Vizepräsidenten Hofrat Dr. Rappaport eine Fülle von Anregungen geboten und damit der Diskussion ein schätzbares Relief gegeben haben. Redner möchte sich indessen als eines jener Mitglieder des Vorstandes, die gerade erst vor Jahresfrist die Gemeindestube betreten haben, darauf beschränken, sich in großen Zügen Rechenschaft zu geben über die Wirksamkeit des Vorstandes im letzten Gebarungsjahre. Da aber muß der emsigen und ersprießlichen Tätigkeit der leitenden Personen im Präsidium und Vertreter-Kollegium mit voller Anerkennung gedacht werden, und die naturgemäße Konsequenz dieser Feststellung ist der Ausdruck des vollen Vertrauens, die darin sichtbar zur Geltung kommen mag, daß Redner für die unveränderte Annahme des Budgets stimmen wird. Ohne auf die Einzelhetten der zahllosen Positionen eingehen zu wollen, was ja auch in den Rahmen einer Generaldebatte nicht falle, seien bloß die grundlegenden Gesichtspunkte und Aktionen gestreift, > welche die Tätigkeit des abgelaufenen Jahres gekennzeichnethaben. Vor allem sei daher mit großer Befriedigung des glück-) lichen Abschlusses jener Transaktionen gedacht, welche biej. Schaffung des neuen eigenen Friedhofes gesichert, die Erweite-?, rung des Spitales zur Tat gereift und die bauliche Vollendung des rituellen Bades beschleunigt haben. Da ist es auch am Platze, eine Schuld der Dankbarkeit abzustatten an das unter der Leitung seines Obmannes Herrn Vorstehers Schramek verdienstlich arbeitende Baukomitee und vor allem an die zur Mitarbeit berufenen fachkundigen auswärtigen Mitglieder dieses Komitees, die buchstäblich zu jeder Tages- und Jahreszeit zur Stelle sind, um mit ihrer Sachkenntnis in Rat und Tat den Interessen der Gemeinde zu dienen. Vollkommen sei auch der Klage beizupflichten, daß das jetzige alte Verwaltungsgebäude lange nicht mehr genüge, daß es der repräsentativen Stellung der Gemeinde nicht entspreche und daß eS hoch an der Zeit fei, daß es endlich der Harke des Demolierers verfalle, um einem würdigeren und geräumigeren Baue Platz zü machen. Es wäre dies auch deshalb wünschenswert, damit nicht der mit der Revision unserer statutarischenVerfassung einhergehenden Forderung auf Vermehrung der Kultusmandate immer wieder der Eiuwand entgegenhalle, daß es hiefür auch an den nötigen Raum gebricht. Wenn es gelingt, mit diesem Neubau auch den Plan eines neuen großen Tempels zu verwirklichen, so wird damit auch ein weiterer und vom Redner hochgehaltener Wunsch breiter Bevölkerungsschichten die langersehnte Erfüllung finden. Wohl aber sei zu bedauern, daß der ursprüngliche Anlauf, den diese Bauprojekte genommen hatten, sich wieder verlangsamt hat und es sei daher die Mahnung angebracht, in der Verfolgung dieser Projekte nicht zu erlahmen. Wenn die Steuerregulierung und Steuererhöhung erwähnt wurde, so findet Redner ihre Rechtfertigung nicht so sehr in der Ausrechterhaltung des Gleichgewichtes im Haushalte der Gemeinde, als vielmehr in der Notwendigkeit, den vielfachen und stetig wachsenden Aufgaben der Gemeinde noch wirksamer nachzukommen. Besonders sympathisch sei es zu begrüßen, daß bei Aufstellung des Etats die Summe für die Förderung und Subventionierung der Trmpelvereine erhöht wurde, weil darin die hohe Wertschätzung für diese Vereine zum Ausdrucke kommt, die für die Pflege des Gottesdienstes, des Religionsunterrichtes in ihren Bibclschulen und für das jüdische Leben überhaupt nicht genug hochzuveranschlagendc Leistungen vollbringen. Die Tätigkeit dieser Verbände ist ein Ruhmesblatt jüdischer Opferwilligkeit. Ist aber vom Religionsunterrichte die Rede, so sei der Reform nicht vergessen, welche über.Initiative des Herrn Vorstehers Dr. Steiner eingcleitet wurde, und wenn es auch nicht an Bedenken gegen diese Neuerung gefehlt hat, so soll doch erst das Ergebnis dieses Versuches abgewartet werden in der Erwägung, daß nichts unversucht bleiben soll, wenn es, was uns am meisten am Herzen liegt, die Erziehung und Heranbildung des Nachwuchses im jüdischen Geiste gilt. Noch will Redner der Ansicht des Herrn Vizepräsidenten Dr. Rappaport, der sich als Sparmeister bekannt hat, insofern entgegentreten, als er sich gegen die Präfidialfonds gewendet und dafür plaidiert hat, daß dieser Zweig der Armenunterstützung gleichfalls an die Armenanstalt gewiesen werde. Der Präsidialfonds ist eine Art Dispositionsfonds und davon möchte Redner auch nicht einen Heller abstreichen, weil die ungeschmälerte Votierung herkömmlich als Ausdruck des Vertrauens zu werten ist. Auch mutet es eigentümlich an, wenn gerade ein Mitglied des Präsidiums den Präfidialfonds anficht, was den Eindruck erwecken muß, als ob das Präsidium selbst über die Notwendigkeit dieser Dotierung im Zweifel sei und ihrer entraten könnte. Allerdings volenti non üt injuria. Aber dem steht doch die Erwägung entgegen, daß der Vorstand und in seiner Vertretung seine berufene Repräsentanz die Wohltätigkeit nicht aus den Händen geben und nicht auf eine Selbstverfügung Verzicht tun soll, die im jüdischen Kultus einen bedeutsamen Teil seines Wesens ausmacht. Im Uebrigen gelte es, angesichts der stürmisch wachsenden Erfordernisse, die nicht so sehr, wie betont wurde, aus der Verschlechterung der sozialen Lage, als vielmehr aus dem raschen Zuflusse armer Glaubens- 1 genossen aus der Fremde emporschnellen, einen weiten Blick zu t'bewahren,^um in Verhältnissen gerüstet zu sein, für die der jf; Maßstab der Erfahrung fehlt, weil er sich bei der Größe der Ge- '| meinde fast maßlos ausgeweitet hat. Wir müssen aber auch unentchwegt eine Politik des Herzens, des warmfühlenden Herzens befolgen

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