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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-29 · 52 (29.12.1911) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
52 (29.12.1911)
Date
1911-12-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Dr. Bkochs ZvochMfchrift Atr. 52 Seite 870 auch konstatieren, daß die Erben des Verewigten aus dem Nachlaffe uns eine weitere Summe von K 20 i.OOO'— zugewiesen haben, so daß die nicht unbedeutenden Adaptierungskosten des neuen Hauses das Budget unserer Gemeinde nicht im Geringsten belasten. Abschnitt E, Versorgungs- und Siechenhaus, erfordert diesmal gegen das Vorjahr einen um X 10.600'— geringeren Zuschuß, hauptsächlich weil heuer die außerordentlichen Ausgaben des Jahres 1911 im Betrage von K 25.000'— entfallen. Dadurch verwandelt sich auch hier das vermeintliche Minus in ein nicht unbedeutendes Mehrerfordernis, welches allerdings durch die Erhöhung der Gehalte Post 1 um X 1500.—, Wasserpreiserhöhung, Post 8, X 2500'—, Motorenbetrieb, Post 22, X 1900'—, hauptsächlich aber infolge der durch die anhaltende Preissteigerung bedingten Erhöhung der Verköstigung, Post 32 um X 10.000 — mehr als gerechtfertigt ist. In den Einnahmen ist bei Stiftungen ein Plus von X 5000'— und bei den magistratischen Verpflegsgebühren eine vermutliche Mehreinnahme von X 1000'— zu verzeichnen. Ich halte es für ganz überflüssig, über diese so klaglos verwaltete Anstalt, die neben dem Spital den Stolz unserer Gemeinde in Bezug auf Wohlfahrtseinrichtungen bildet, viele Worte zu verlieren, aber ich erfasse mit Vergnügen die Gelegenheit, an dieser Stelle unserem so fleißigen Damen-Komitee, au dessen Spitze Frau Jda Diamant, welche seit vielen Jahren an dieser Anstalt und seit einiger Zeit auch in unserem Krankenhaus so erfolgreich tätig ist, unseren herzlichsten Dank abzustatten. Abschnitt X, Armen- und Wohltätigkeits-Angelegenheiten ist, mir zirka X 34.000'— höher veranschlagt als im Budget des Vorjahres und zwar ist Kapitel 24, Wohltätigkeitsamt bei Post 1 Gehalte um X 1400'— gestiegen, während Kapitel 25 bei Post 1 um X 2000'—, Post 8, Armenanstalt, um weitere X 5000'—, Post 10, periodische Unterstützungen, um X 5000'—, Post 15, verlassene Kinder, um X 11.000'—, andere Posten um X 900'— in den Ausgaben höher eingestellt wurden, Kapitel 26, Subventionen an Vereine, ist fast unverändert, Kapitel 27, Rituelle Verköstigung, erfordert durch Erhöhungen bei Post 6 und Post 18 ein Plus von X 3000'—, Kapitel 28 bleibt unverändert. Wie alljährlich ist auch im diesmaligen Voranschlag der Zuschuß zu diesem betrübendsten Kapitel unseres Budgets, und zwar diesmal um nicht weniger als X 34.000'— gestiegen. Dies zu rechtfertigen kann ich mir voll ersparen, denn Jedem von Ihnen ist die immer mehr und mehr steigende Notlage eines großen Teiles der jüdischen Bevölkerung wohlbekannt, eine Notlage, die durch das stetige Anwachsen der Wohnungszinse und der Preise aller Lebensbedürfnifle noch ungemein verschärft wird. Abschnitt 6-. Finanzielle und administrative Angelegenheiten: Kapitel 29, Kultussteuer, ist auf Grund der eben erfolgten Regulierung mit X 120.000 höher veranschlagt, als im Vorjahre. Kapitel 30, Gemeindeverwaltung, ist in den Ausgaben um X 63.800'— gestiegen, weil Post 1 Gehalte teils wegen normalmäßigen Vorrückungen meist aber wegen der der Beamtenschaft gewährten Teuerungszulagen um X 37.500 —, Posten 6 und 16 um zusammen X 1400'— gestiegen find, und als Kosten der im Jahre 1912 stattfindenden Neuwahlen, Post 30 X 25.000'—, neu eingestellt wurden. Kapitel 31, Matrikelamt, ist im ganzen, hauptsächlich bei Post 1 Gehalte, um X 1600'— gestiegen, Kapitel 33, Gnadengaben, um X 3000'— zurückgegangen, Kapitel 34, Gebäude-Erhaltung, X 1500'— weniger veranschlagt worden, Kapitel 35, Zinsen und Konto Korrent- Spesen, erfordert wegen der Zinsen für die zum Ankäufe des neuen Friedhofes aufgenommene schwebende Schuld, Post 23, einen Mehrbetrag von X 22.000'—. Kapitel 36, Diverse Einnahmen und Ausgaben, benötigt einen um X 150.000'— geringeren Zuschuß durch Entfall der Post 7, Ankauf von Wertpapieren X 100.000'— und Kosten des Baues der Mikwah, wofür im Vorjahre X 50.000'— eingestellt waren. Bei diesem Abschnitte erfülle ich gerne die Pflicht, unserem bewährten Beamtenkörper, an dessen Spitze unserem lieben und hochgeschätzten I. Sekretär, Herrn kaiserl. Rat Dr. Theodor Lieben, den Dank und die Anerkennung des Vorstandes auszusprechen. Aber ich möchte als Finanzreferent bei dieser Gelegenheit auch nicht versäumen, der Leistungen unseres Liquidators des Herrn Emil Katz, der heuer wie alljährlich die dornige und mühevolle Arbeit der Zusammenstellung unseres Voranschlages besorgt, dankbar und anerkennend zu gedenken. Ueberhaupt muß man sagen, daß es der Arbeitskraft und der Arbeitsfreude unserer Beamtenschaft in erster Linie zuzuschreiben ist, daß die schweren Sorgen, welche die Verwaltung eines so großen Gemeinwesens uns auferlegen, eine wesentliche Linderung erfahren, und schon deshalb allein glaubten wir verpflichtet zu sein, auch unserseits etwas zur Linderung der Sorgen unserer Beamtenschaft, welche unter der herrschenden Teuerung aller Lebensbedürfnisse schwer leidet, beizutragen. Deshalb haben wir, ohne daß ein Ansuchen vorlag, uns entschlossen, aus freien Stücken eine für die Rangsklassen VIII bis inkl. IV gleichhohe Teuerungszulage zu gewähren. Wir sind ja allerdings dadurch von dem Usus, der von anderen Körperschaften bei Gewährung von Teuerungszulagen befolgt wurde, abgewichen, aber wir haben uns dabei, und sicher mit vollem Recht, von der Erkenntnis leiten lassen, daß der in kleinen Bezügen stehende Beamte einer Hilfe noch viel dringender bedarf, als der besser besoldete, und es nicht angeht, ihm weniger zu gewähren, als den Beamten einer höheren Gehaltsstufe. Freilich hat dies unser Budget nicht unwesentlich belastet, aber wir sind dessen gewiß, daß die Gemeindemitglieder unser Vorgehen aus vollem Herzen billigen werden. Meine Herren! Es ist bereits zu einer Tradition geworden, daß unser Budget alljährlich mit einem größeren oder geringeren Fehlbetrag abschließt und wenn es auch in den letzten Jahren, mit Ausnahme eines Jahres, gelungen ist, durch weitgehende Sparsamkeit, oft aber auch durch Rückstellung vorhergesehener Ausgaben das Gleichgewicht zu erhalten, so dürfen wir uns doch der Erkenntnis nicht verschließen, daß dieses Gleichgewicht ein höchst labiles ist und daß wir alljährlich ein unaufhaltsames Steigen der Ausgaben beobachten. Das statistische Jahrbuch unserer Gemeinde, eine noch unvollendete und überaus anerkennenswerte Arbeit unseres Archivars, des Herrn Sigm. Husserl, zeigt uns hochinteressante Daten für die Richtigkeit der eben angeführten Tatsache, und ich werde Ihnen, sehr geehrte Herren, einige Ziffern aus diesem in Kürze erscheinenden Elaborat nennen, die in hohem Maße geeignet sind, uns ein klares Bild vor Augen zu führen und uns zum Nachdenken über die zukünftige Gestaltung unserer Finanzen zu veranlaffen. Die Wiener jüdische Bevölkerung betrug im Jahre 1903 155.000, im Jahre 1910 175.000 Seelen, was einer Zunahme von 14% entspricht. Wenn man dagegen die Gesamtausgaben unserer Gemeinde in Vergleich zieht, so sieht man, daß dieselben 1903 X 2,100.000, 1910 X 3,200.000 betrugen, also in jenem Zeitraum, der für die Bevölkerung einen Zuwachs von 14% brachte, um 52% gestiegen find. Von diesen Gesamtausgaben möchte ich jene Lasten ausschälen, welche uns die offene Armenpflege — also Wohltätigkeit ohne Spital und Versorgungshaus — verursachte. Der Zuschuß betrug für diesen Zweig der Ausgaben 1903 X 198.000, 1910 (inkl. der X 100.000 Spende für das Waisenhaus) X 386.000, ist also in 7 Jahren um nicht weniger als 96% gestiegen, ohne die X 100.000'— Spende, welche ja eigentlich eine außerordentliche, sich nicht so bald wiederholende Ausgabe war, beträgt^ie Steigerung allerdings nur 45%. Die in den Gesamtausgaben für Wohltätigkeit enthaltenen Beträge, welche wir speziell für die einmaligen und für die Periodischen Unterstützungen sowie für die Kinderfürsorge benötigten und welche 1903 X 163.000'—, 1910 X 235.000— als Zuschuß ausweisen, sind gleichfalls in diesem Zeiträume um 45°/° gestiegen. Allerdings, wenn man hier mit jenen wieder bedeutend erhöhten Ziffern vergleichen wollte, die das uns eben vorliegende Budget per 1912 diesem Teile unserer Wohltätigkeits-Ausgaben zuweist, so erhöht sich der Perzentsatz der Steigerung bereits auf 60% gegen das Jahr 1903. Ganz unrichtig ist aber die oft aufgestellte Behauptung, daß die Ausgaben für Kultus, dessen Pflege ja schon nach

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