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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-22 · 51 (22.12.1911) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
51 (22.12.1911)
Date
1911-12-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 852 Dk. BWchS wird. I.n Kenntnis dieser Tatsache wäre es daher unser unwürdig, einen solchen Beschluß überhaupt zu fassen. Diese Ausführungen wurden von den Anwesenden mit peinlichster Stille angehört. Als sie sich jedoch von der Wirkung dieser Lektion erholt hatten, begannen die anwesenden christlichen Mitglieder einen wüsten Lärm, und es gelang ihnen auch tatsächlich, zum Teil durch Drohungen und zum Teil infolge des Umstandes, daß in der Versammlung zufällig die Juden in der Minorität waren, den Beschluß, die 2000 Rubel für das Denkmal zu zeichnen, dennoch durchzusetzen. Korrespondenzen. „Verlassene Kinder." Wißt Ihr, was „verlassene Kinder" sind? — Kinder, deren Eltern verschollen, verdorben, vielleicht gestorben find, irgendwo in der weiten Welt, Kinder, die nicht Vater noch Mutter haben, die für sie sorgen und sie lieben, und den Grabhügel nicht kennen, unter dem die vielleicht ruhen, die sie ins Leben gesetzt. Kinder, deren Vater oder Mütter krank und elend find, in Spitälern und Heilanstalten ihr Leben verbringen müssen und an Liebe und Sorgfalt nichts ihren Kindern zu geben vermögen. Einsam und verlaßen sind diese armen Geschöpfe. Sie wissen nichts von froher, sonniger Kindheit, sie, die von fremden, oft lieblosen Menschen gequält und herumgestoßen werden. Der Magistrat zahlt ein Paar Kronen an Kostgeld für jedes dieser Kinder, damit sie nicht ganz verhungern und auf der Straße verkommen. Die Kultusgemeinde tut ein Uebriges: sie ergänzt diesen Verpflegskostenbeitrag auf einen gewissen, noch immer sehr minimalen Betrag, um es zu ermöglichen, daß die jüdischen Kinder bei jüdischen Pflegeparteien untergebracht werden. — Doch sowohl die eine, als auch die andere Leistung, bezw. Fürsorge, erstreckt sich nur bis zum 14. Lebensjahre des Kindes. Dann ist es vogelfrei, meist noch ohne Erwerbsmöglichkeit, sich selbst überlassen, ohne Obdach, ohne schützendes Heim. — Welchem Schicksale es entgegengeht, ist das schwer zu erraten?: Es endet schließlich im Zuchthaus oder in der Gosse. Im Westen Wiens bildete sich vor fünf Jahren ein Frauenverei«, ein.jüdischer Frauen-Wohltätigkeitsv er ei n. Doch nicht in gedankenlosem „Almosengeben" betätigt er sein „Wohltun". Um ernste, soziale Arbeit zu leisten, haben sich ernste Menschen zusammengetan: In das Elend, in das freudlose, liebeleere Leben verlassener Kinder Sonnenschein und Fröhlichkeit zu bringen, sie zu tüchtigen Menschen zu erziehen, sie so lange zu schirmen und zu schützen, bis sie fest auf eigenen Füßen stehen können, das haben die Damen dieses Vereines sich zur Aufgabe gemacht. — Jede derselben hat eine Anzahl Kinder als ihre speziellen Schützlinge übernommen, ist in stetem Kontakt mit ihnen, überzeugt sich durch eigene Anschauung, ob sie gut behandelt werden, sieht, was ihnen fehlt, wo ihnen zu helfen ist. — Und der Verein ergänzt die Verpflegskostenbeiträge von Magistrat und Kultusgemeinde, damit die Kinder besser untergebracht, besser gepflegt und genährt werden können: Aus den finsteren Kellerstuben werden die Kinder hinausgebracht auf's Land und dort erzogen, damit ihre armen, oft so schwachen und kranken Körperchen in Licht und Luft gesunden und erstarken. Sie werden bekleidet; sobald irgend etwas an Wäsche oder Kleidungsstücken fehlt oder defekt ist, wird es nachgeschafft oderausgebcffert. Die schlecht inder Schule vorwärtskommen, erhalten Nachhilfe stunden. — Und wenn sie die Schule verlassen, dann werden sie in die Lehre getan; ratend und helfend steht ihnen der Verein zur Seite, bis sie sich allein und selbständig auf ehrliche und ehrenbafte Weise ihr Brot verdienen können. Doch hat der Verein mit einer großen, das Resultat seiner ungeheueren Arbeit fast in Frage stellenden Kalamität WchGchrift bi zu kämpfen. — Nahezu 200 Kinder stehen unter seiner Obhut und es ist kaum möglich, für. ein Drittel derselben geeignete Pflegeparteien zu finden. Die anderen Kindern müssen wandern, bald dahin, bald dorthin — sich irgendwo daheim zu fühlen, lernen sie überhaupt nicht in ihrer jammervollen Kindheit. Und der stete Wohnungswechsel bedingt den Wechsel der Schulen, der oft den Lehrerfolg von Jahren in Frage stellt. Diese die Entwicklung und Erziehung der Kinder so überaus hemmende Tatsache fordert es gebieterisch, daß der Verein seinen schon lang gehegten Plan: „Die Gründung eigener Kolonien für seine Schützlinge" zur Ausführung bringe. Um dies zu ermöglichen, haben das Ehrenmitglied des Vereines Herr Kultusvorstehcr Max Z i r n e r und Frau in neuerlicher Bekundung ihrer so oft bewiesenen Munifizenz ein Haus in Purkersdorf erstanden, dasselbe entsprechend adaptiert dem Vereine behufs Errichtung von Kolonien zur Verfügung gestellt. In der reizend gelegenen Villa können 30 Kinder untergebracht werden. — Doch für die so dringend notwendige Gründung von weiteren Kolonien, um auch den anderen Kindern ein gesundes, dauerndes Heim zu schaffen, reichen die Mittel nicht aus bei den von Tag zu Tag sich mehrenden Anforderungen, denen der Verein, will er seinem Zweck entsprechen, genügen muß. Er tritt daher an die große O^ffentlichkeit heran und fragt: Ihr, die Ihr bisher uns ferne gestanden, seht Ihr das große soziale Werk, das wir schaffen? — Könnt Ihr wollen, daß wir aus Mangel an Geld und Arbeitskräften auf halbem Wege stehen bleiben müssen? Es liegt in Eurer Hand, dies zu verhindern, es liegt in Euerer Macht, unsere Fürsorgetätigkeit großzügiger und rationeller zu gestalten!: Schenkt uns Euer werktätiges Interesse, Euer Wohlwollen, Eure Kraft! Kommt und helfet uns! Helfet uns arbeiten, Ihr, die Ihr soziale Arbeiten zu leisten gewillt seid, Ihr, die Ihr über etwas Zeit verfügt und über ein Herz voll Liebe und Güte! Der Hietzinger Frauenwohltätigkeitsverein: Laura Krenberger Präsidentin XIII., Auhofstraße 221 Gisela Zirner-Zwieback Hermine Bernfeld I. Vize-Präsidentin II. Vize-Präsidentin XIII., Neue Weltgasse 9 XIII., Suppsgasse 10 Ilona Löwy Schriftführerin III., Hetzgasse 3. Brigittenauer rsr. Frauen-Wohltätigkeits-Bereiu. Sonntag den 9. d. M. fand im Sitzungssaale des Tempelgebäudes in der Brigittenau die ordentliche Generalversammlung dieses Vereines statt. Die in den weitesten Kreisen Wiens wegen ihres guten Herzens und ihrer Energie bekannte Präsidentin, Frau Dr. Emilie Weiß, begrüßte den Delegierten des Kultusvorstandes, Herrn Dr. Heinrich Schreiber, sowie die Vertretungen mehrerer Wohltätigkeitsvereine („Zuflucht", „Brüder", „Brig. Unterstützungs-Verein" rc.) und erteilte sodann das Wort der Kassieriu, Frau Anna Gold ner. Dieselbe trug den Gebahrungsausweis vor, aus welchem zu entnehmen war, daß der Verein im abgelaufenen Berichtsjahre rund X 13.500 zur Verteilung gebracht hat und mit dem kleinen Bar-Saldo von K 16*03 ab schließt. Die ergiebigste Einnahmsquelle bildete nebst den Mitgliedsbeiträgen per X 3300 rund, die im Sophiensaale abgehaltene Akademie, die ein Reinerträgnis von X 7905 aufwies.

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