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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-12-22 · 51 (22.12.1911) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
51 (22.12.1911)
Date
1911-12-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr 51 Dr. Blochs nahe am Jangtsekiang liegenden Provinz Hunan, deren Gesamteinwohnerzahl auf zirka 60 Millionen geschätzt wird." (Siehe „Die Juden in China" von A. Katz in der „Allg. Zeitung des Judentums".) Herr Albert Katz, der sich viel und eingehend mit der Judenfrage in China beschäftigt, kommt in seinen jüngsten Veröffentlichungen zu folgendem Ergebnis: „Es ist leider fast unmöglich, selbst wenn man, wie Herr v. Brandt*) längere Zeit in China gelebt hat, aus dem Innern dieses großen Reiches irgendwie zuverlässige Angaben zu sammeln Während Herr v. Brandt vermutet, daß die Zahl der Juden in China eine sehr geringe sei, veranschlagte sie zu gleicher Zeit ein Attache der Berliner chinesischen Botschaft auf mindestens eine halbe Million. Ein englischer Jude und Schiffskopitän berichtet im Jahre 1860 sogar, daß er in China auf eine große, mit Mauern umringte Stadt gestoßen wäre, in der ausschließlich Juden, und zwar zirka eine Million wohnten." Allen diesen Berichten und Mitteilungen glauben wir gerne den objektiven Willen; allein an eine absolute Feststellung des jüdischen Elements in China ist in Anbetracht der desolaten Kulturzustände im „Reiche der Mitte" kaum zu denken. In ergebener Hochachtung S i s s e k. Dr. Benno Heisz. Scholem Aleichems Werke in englischer Sprache. J.n letzter Zeit hat Scholem Aleichem eine Aktion eingeleitet, die darauf abzielt, die Uebersetzungsfrage betreffend die Arbeiten jüdischer Schriftsteller einer Regelung zuzuführen. In humoristischer Weise schilderte er, wie ein jüdischer Schriftsteller zu Hause in Rußland schlecht bezahlt, dafür aber dann in alle möglichen Sprachen übersetzt und dafür gar nicht bezahlt werde. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, entschloß sich Scholem Aleichem, für jede Sprache einer einzigen Persönlichkeit gegen ein bestimmtes Abkommen das Recht der Uebersetzung seiner Werke in die betreffende Sprache zu überlassen Auf Grund eines solchen Abkommens hat die bekannte jüdische Schriftstellerin Hanna Berman in Dublin (Irland) das Recht der Uebersetzung sämtlicher Werke Scholem Aleichems ins Englische erworben. Miß Berman hat sich auch bereits an die Arbeit gemacht und wird schon in nächster Zeit den ersten Band dieser Werke veröffentlichen. Die Neuwahlen im Pariser Konsistorium. Bei der vor einigen Tagen stattgehabten Neuwahl ins Pariser Konsistorium wurden gewählt die Herren: Deutsch de la Meurthe, Baron Robert de Rothschild, Edouard Masse, Baron de Gamondo. Rene Dreysus, Jacques Helbronner, M. Weiskopf, David Leon, Alphonse Ochs, Alfred Neymarck und Achille Bloch. Verbot jüdischer und hebräischer Vorträge und Theatervorstellungen in der Littau. Aus Petersburg wird uns berichtet: In einer Dumakommission wurde die Frage der Auflassung des selbständigen littauischen Gouvernements behandelt. Nach dem Gesetzentwurf, dessen Annahme gesichert erscheint, wird den Gouverneuren der einzelnen Gouvernements, denen die zerstückelte Littau angegliedert werden soll, auch das Recht erhalten, jede in nichtrussischer Sprache gehaltene Vorlesung oder Theatervorstellung zu verbieten. Als die polnischen Mitglieder dagegen Protest erhoben, wurde ihnen vom Regierungsvertreter die „beruhigende" Antwort zuteil, daß das Gesetz sich nicht gegen die polnische, sondern ausschließlich gegen die jüdische und hebräische Sprache wende. *) Gewesener deutscher Gesandter in Peking v. Brandt. Wochenschrift Seite 651 Russisches Rechtsgefühl. Man erinnert sich noch, daß im August dieses Jahres der Polizeimeister in Uralsk zwei Juden ohne jeden Grund auf offener Straße niedergeschossen hat. Die beiden Opfer ließen zahlreiche unversorgte Familien zurück. Der Sohn eines dieser Ermordeten. Baruch Benjamonitsch. übernahm das Geschäft seines Vaters, um die verwaisten Hinterbliebenen erhalten zu können. Das russische Rechtsgefühl sträubte sich jedoch gegen dieses jüdische Pflichtgefühl und wies Baruch Benjamonitsch kurzerhand aus Uralsk aus. ,.da er wohl die Armut seines ermordeten Vaters, nicht aber sein Wohnrecht geerbt habe". Antisemitische Erzesse in einem Theater. Im Moskauer „Kleinen Theater" kam es vor einigen Tagen zu argen antisemitischen Ausschreitungen. Zur Aufführung gelangte Ehimins Drama „Die Erben". Der hervorstechendste Typus des Stückes ist der jüdische Baron Wolkenberg, der vom Schauspieler Iuschin (Fürst Sumbatorb gegeben wurde. Kaum hatte „Baron Wolkenberg" die Szene betreten, als alle anwesenden christlichen Zuhörer zu johlen und zu pfeifen begannen und schreiend forderten, daß der jüdische Baron von der Bühne verschwinde. Es kam zu argen Schlägereien, so daß die Polizei einschreiten und das Theater räumen mußte. Germanischer Antisemitismus in Rußland. Der deutsche Klub in Moskau hat in seiner jüngsten Generalversammlung den Beschluß gefaßt, Juden in den Klub nicht mehr aufzunehmen. Der Klub in dein nach urgermanischer Sitte nur getrunken und gespielt wird, sah sich durch die wenigen jüdischen Mitglieder, die er bisher hatte, in der Kultivierung des Hasardspiels gestört. weshalb der Ausschluß der Juden erfolgte. So berichten antisemitische russische Blätter. Das Ansiedlungsrrcht, drr — Toten. Der russische Senat wird sich ganz ernstlich mit der Frage zu befassen haben, ob tote Juden sich außerhalb des jüdischen Ansiedlungsgebietes — niederlassen dürfen. Die Petersburger und Witebsker Iudengemeinden suchten nämlich um die Erlaubnis, außerhalb der Stadt einen Friedhof anzulegen, an. Die betreffenden Stadtverwaltungen wiesen diese Gesuche mit der Begründung ab, daß das Verbot der Ansiedlung außerhalb der Städte sich auch auf die - toten Juden beziehe. Der Senat wird also mit einer neuen .„Erklärung" herausrücken müssen. Stolypms Denkmal und die Juden. In Kiew hat sich vor einigen Tagen der folgende bezeichnende Fall zugetragen: Im Verlaufe der Generalversammlung des Kiewer kaufmännischen Vereines stellte der Vorsitzende den Antrag, aus dem Vereinsvrrmögen 2000 Rubel für das dem ermordeten Stolypin zu errichtende Denkmal zu zeichnen. Zu diesem Punkte erbat sich einer der angesehensten Kiewer Kaufleute, ein Jude, das Wort zu folgender Bemerkung: Bekanntlich haben die Initiatoren des Denkmalprojektes in ihrer ersten Komiteesitzung den Beschluß gefaßt, das Denkmal als eine Widmung der Christen zu errichten und von Juden jeden Beitrag abzulehnen. Unsere Gesellschaft besieht in ihrer Majorität aus Juden. Und das Geld, das wir heute zeichnen sollen, wird daher zum größten Teile von Juden stammen. Ich muß daher annehmen, daß das Denkmalkomitee, wenn es konsequent bleiben will, unsere Widmung refüsieren muß und auch refüsieren f f i i t!! -i i

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